Das Bergamt von Kahl - mit der
Grube „Hilfe Gottes“ bei Großkahl (heute Kleinkahl)
im Spessart

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
 
 

Schachtpinge Grube Hilfe Gottes
Mit Wasser gefüllte Schachtpinge der Grube Hilfe Gottes bei Großkahl, heute in der Gemeinde Kleinkahl gelegen,
aufgenommen 25.02.2006


Grube Hilfe Gottes
Der Bergbau auf den hier anstehenden Kupferschiefer wurde zusammen mit Huckelheim in einem Bergwerk 1703 unter der Regentschaft von Graf M. F. von SCHÖNBORN begonnen und mit vielen Unterbrechungen fortgeführt. Unter bayerischer Herrschaft (seit 1814) baute man ab 1815 das unscheinbare, schwarze und nur bis zu einem ½ m mächtige Gestein in einem Stollensystem ab, welches durch den 1820 angeschlagenen Maximilians- (damals regierender König in Bayern) und den mind. 70 Jahre älteren, oberen Kahler Stollen erschlossen ist. Diese dienten auch zur Entwässerung. Die Mundlöcher kann man im Gelände noch neben der Kahltalstraße erkennen, da das Wasser weiterhin austritt. Über den Stollen erkennt man im Wald zahlreiche Pingen (kreisrunde Wälle um einen zentralen, verfallenen Schacht). Diese Schächte grub man jeweils bis zum darunter befindlichen Stollen, um ihm mit Licht und Frischluft zu versorgen. 1835 wurde der Bergbau aus Mangel an abbauwürdigen Erzen aufgegeben verstürzte, mit Wasser gefüllte Schachtpinge nördlich des Maximilians-Stollens

Kupferschiefer Großkahl
Kupferschiefer von der Grube Hilfe Gottes, ohne mit dem bloßen Auge
erkennbare Erzeeinschlüsse,
Bildbreite ca. 8 cm. 

Kupferschiefer  Kupferschiefer mit Tennantit Tennantit im Kupferschiefer
Unscheinbares Stück Kupferschiefer mit bis zu 2 mm großen Tennantit-Kristallen, z. T. lagenweise angereichert. Das Stück ist angeschliffen und poliert. Diese Kristalle wurden von
A. BETZOLD gezeichnet - siehe unten,
links Bildbreite 12 cm, mitte 2,5 cm, rechts 5 mm


Zum Vergleich:
Kupferschiefer aus Mansfeld:

Kupferschiefer
Kupferschiefer von Eisleben. Neben einer mm-dicken Lage aus massivem
Bornit sind besonders darüber die eingeregelten, gelben Einschlüssen aus
Chalkopyrit-Flittern zu erkennen (angeschliffen und poliert).
Bildbreite 10 cm
Kupferschiefer mit ged. Silber
Typischer Kupferschiefer, hier mit ged. Silber und Bornit, aus Mansfeld,
Bildbreite 11 cm.
Kupferschiefer
Bruchrauhes Stück Kupferschiefer mit den linsenförmiges Bornit-Linealen
und den mit gelbem Chalkopyrit belegten Flächen,
Mansfeld, gefunden um 1930, Slg. Peter Nitschke, Aschaffenburg
Bildbreite 8 cm
Kupferschiefer Pflanze
Kupferschiefer aus Mansfeld mit einem Wedel des Pflanzenfossils
(vermutlichUllmannia frumenttaria (SCHLOTHEIM) GÖPPERT
1850), gefunden um 1930 im Raum Mansfeld, Slg. Peter Nitschke,
Aschaffenburg
Bildbreite 8 cm
Kupferschiefer Fisch
Teil eines Fischfossils aus dem Kupferschiefer (vermutlich Palaeoniscum freieslebeni BLAINVILLE
1818), ohne Kopf (links) und einem Teil der Flossen, gefunden um 1930 im Raum Mansfeld, Slg. Peter
Nitschke, Aschaffenburg
Bildbreite 14 cm


Der bis zu max. 1,9 m mächtige Kupferschiefer enthält kleine Erzkörnchen aus Tennantit (Kupfer-Arsen-Sulfid), Galenit (Bleisulfid), Sphalerit (Zinksulfid) und zahlreiche weitere Erzmineralien. Das summiert sich zu einem durchschnittlichen Kupfergehalt von 0,4 bis 0,6 %. Der Tennantit enthält neben etwas Antimon auch bis zu 0,5 % Silber. Nach der Förderung des Kupferschiefers hat man diesen in einem Pochwerk zerkleinert, dann mit Wasser aufgeschlämmt (Schliech) und anschließend wurde mit einem „Waschherd“ das schwere Erz abgetrennt. Das so erhaltene Erzkonzentrat konnte in einem sehr komplexen Prozess aufgeschmolzen werden, um die Wertmetalle Kupfer und Silber zu gewinnen. In Großkahl konnte nur Schwarzkupfer hergestellt und verkauft werden. Das ebenfalls enthaltene Zink wurde im Spessart nicht gewonnen. Der Kupferschiefer der Hilfe Gottes war nur im Bereich von Störungen (Rissen im Gestein) abbauwürdig. 

Halden, Pingen und Schacht des ehemaligen Bergbaues ("Hilfe Gottes") NE Großkahl, am SE-Hang des Habers Berges (TK 5821 Bieber, R 2040 H 5350, siehe OKRUSCH et al. 2011, S. 289, Aufschluss Nr. 272). Das verschlossene Mundloch entwässert zur Kahl hin und ist mit einer alten, textlich falschen Tafel des Naturparkes neben einem Grillplatz ausgeschildert. Die Halden liegen neben einem Waldweg am Waldrand. Zu erreichen über die Straße Schöllkrippen-Wiesen, bei Punkt 250,3 biegt links steil ein Forstweg ab, dann nach ca. 100 wieder links dem
Waldweg folgen, nach ca. 50 m erreicht man die Halden(-reste). Ein Teil der Halden wurde zu einer Aushubdeponie umfunktioniert, so dass man kaum mehr
Fundmöglichkeiten vorfindet. Die kaum mehr erkennbaren Reste des Standortes des Pochwerkes und der Hütte sind am Wesemichshof etwas weiter östlich zu erkennen.
Am östlichen Ende von Großkahl kann man noch kleine, zeitgemäße Bergmannshäuser aus der Zeit um 1825 sehen (Jahreszahl im Türstock).
 

Folgende Mineralien sind von hier bekannt: 
Zum Teil nur in mikroskpisch kleinen Körnchen, Kristallen, Einwachsungen oder Aggregaten:

Tennantit im Dolomit Großkahl
Typischer, silbrig glänzender, derber Tennantit mit weißem Dolomit
im Dolomit(-gestein). Der Tennantit ist der Hauptträger der Metalle
Kupfer und enthält in Spuren auch das einst begehrte Silber
(Bildbreite ca. 2 cm)
 

Königliches Bergamt Kahl
(Groß-)Kahl war aufgrund seines Bergamtes weithin bekannt – das heutige Kahl am Main war ein Ort, den niemand außerhalb der Region kannte. Die Aufbereitung des Kupferschiefers geschah in dem Waschhaus, in dem auch die Amtsstube des Bergamtes untergebracht war (vermutlich im 1 Stock). Diese staatliche Stelle, als Außenstelle der Königlich Bayerischen General Bergwerks und Salinen Administration in München, verwaltete die Bergwerke im Spessart von Alzenau bis Lohr und von Kahl bis nach Amorbach. Das Gebäude wurde nach der Auflösung 1837 abgebrochen und es ist Nichts mehr davon zu sehen. Da dies vor der Erfindung der Fotografie passierte, gibt es kein Foto und leider auch keine Zeichnung.
 

KGBSA Siegel
Brief vom 20. Mai 1819 an das Bergamt in Kahl mit einem Siegel der Königlich Bayerischen General Bergwerks und Salinen Administration in München
 

Augustin BEZOLD (*1794 1841)
In dem Bergamt lebte seit 1823 August BEZOLD. Er studierte in München, Freiberg und Hettstedt Bergbau und Hüttenkunde und er hatte Kontakt zum berühmten Mineralogen Carl Caesar VON LEONHARD. Er brachte das Kahler Bergwerk zur Blüte, litt aber unter den Widrigkeiten des Lebens in einer klimatisch nicht begünstigten Region und der einsamen Lage des Waschhauses, in dem sich das Bergamt und die Wohnung befand. Als er seine Verlobte Ulrike P. LEHNER aus Weißenburg heiraten wollte, versagte dies sein Arbeitgeber! Infolge alter Rechte gelang es ihm, beim Gräflich Schönborn’schen Patrimonialgericht in Krombach gegen den Willen seiner vorgesetzten Stelle auf polizeilichem Weg zu heiraten. Durch die Stäube und Abgase aus dem Bergwerksbetrieb erkrankte er und musste seinen Beruf aufgeben (heute würde man von einer Berufskrankheit sprechen). 1827 wurde er zum Bergmeister befördert. Er zog zunächst nach Aschaffenburg, ging 1835 als Bergassessor zurück nach München und hörte dort an der Universität bei Nepomuk FUCHS mineralogische Vorlesungen.Diese Kenntnisse wollte er in einem Buch niederschreiben. 3 Tafeln mit den Kristallskizzen hatte er bereits fertig, als er 1841 verstarb und ihm so die Lehrbuchautorschaft versagt blieb. Die Kristallzkizzen zieren im Anhang das Handbuch der Naturgeschichte von J. A. WAGNER im 3. Band über das Mineralreich.

Wagner´s Naturgeschichte Schrift Bezold´s
Links: Bild vom Buch, welches Bezold schreiben wollte, rechts einer der Tafeln mit Kristallskizzen aus der Feder von BEZOLD aus dem Lehrbuch
von WAGNER (1842).
 

Der Kulturrundweg von Kleinkahl: "Über dem Horizont"

Eröffnung Kulturrundweg Flyer des Kulturrundweges Kleinkahl Kahlvados
Links: Die Bürgermeisterin, Frau Angelika Krebs, eröffnet vor ca. 100 Zuhörern zwischen druckfrischen Faltblättern und reifen Äpfeln den 66. Kulturrundweg des Spessarts in Kleinkahl am 05.10.2008.
Mitte: Die Titelseite des Faltblattes mit einer Bockbeutelflasche aus der Produktion der Kahler Glashütte
Rechts: Eine 0,5 l Flasche "Kahlvados", ein 40%iger Apfelschnaps in Anlehnung an den Calvados von der Brennerei Elsässer in Kleinkahl.

Am Sonntag, den 05.10.2008 wurde unter Mitwirkung und Beisein von Dr. Gerrit HIMMELSBACH (Archäologisches Spessartprojekt Aschaffenburg), Frau Angelika KREBS (Bürgermeisterin), Herrn Dr. Klaus FREYMANN (Deutschen Museum in München), Dr. Gerhard ERMISCHER (Archäologisches Spessartprojekt), Gerhard STÜHLER (Bayerische Forsten), Dr. Gerhard KAMPFMANN (Glashüttenfachmann Aschaffenburg), Herrn Peter STEPPUHN (Glasfachmann aus Wismar), Joachim LORENZ (Karlstein) und den Helfern der Arbeitsgemeinschaft Rundweg der 66. Kulturrundweg des Spessarts in Kleinkahl eröffnet und anschließend begangen.Dabei wurden an den mit Tafeln ausgestatteten Stationen Ausführungen der Fachleute vorgetragen und zusätzliche Informationen gegeben. Das Wetter war entgegen des Wetterberichtes nur von seltenen und leichtem Regen begleitet.
Das Essen kam nicht zu kurz: Zu Beginn gab es Äpfel, in der Turnhalle wurden zum Mittag Untererdkohlrabi, Kümmelbauch und (Hand-)Käse mit Musik (Quark mit Zwiebeln und Brot) gereicht, an der Bamberger Mühle (Pension Kilgenstein) gab es Kaffee und Kuchen. So gestärkt hielten die meisten der ca. 100 Mitläufer/innen bis zum Schluss durch.

Tafel zum Bergwerk und zum Bergamt
Dr. Klaus Freymann spricht an der Tafel zum Bergamt Kahl und zum Bergwerk der Grube Hilfe Gottes (im Hintergrund am Habersberg infolge der Bäume nicht sichtbar).

Eppstein-Glashütte
Die Glashütte Epstein 1 in der Nähe der Kahlquelle nahe der Bamberger Mühle, erläutert von Dr. Gerrit HIMMELSBACH und Dr. Peter STEPPUHN. Sie ist aus dem Jahre 1510 urkundlich belegt und besaß Öfen aus Sandstein. Die Besucher stehen um den großen Hauptofen mit der beidseitigen Erläuterungstafel. Im Vordergrund erkennt man die 4 Nebenöfen mit den angedeuteten Schürkanälen. Diese Glashütte wurde 1980 archäologisch untersucht und im Jahre 2008 konserviert und der Befund ca. 0,5 m höher nachgebaut, so dass die Besucher einen Eindruck von der Ausdehnung erhalten können, nur muss man sich über den kuppelfömigen Öfen ein einfaches hölzernes Bauwerk denken, der die Öfen und die ca. 15 hier arbeitenden Menschen vor der Witterung schützten - deshalb Glashütte. Von diesen Bauten ist jedoch Nichts übrig geblieben.

Die ebenfalls nicht mehr vorhandene Kahler Glashütte am heutigen Glashüttenhof wurde von 1761 bis 1854 betrieben. Gläser aus dieser Hütte sind im Heimatmuseum in Wertheim und im Museum in Büdingen zu sehen. Ein hier gefertigter Glaslüster hing in der Kirche in Kleinkahl und wurde nach einer Restauration im Schloss Johannisburg ausgehängt (im städtischen Teil der Museen).
 


Literatur:
AMRHEIN, A. (1896): Der Bergbau im Spessart unter der Regierung der Kurfürsten von Mainz.- Archiv des historischen Vereins, Bd. 37, S. 24ff, [Stahel´sche Buchhandlung] Würzburg.
BEHLEN, St. (1823): Der Spessart. Versuch einer Topographie dieser Waldgegend, mit besonderer Rücksicht auf Gebirgs-, Forst-, Erd- und Volkskunde.- 1. Band, S. 34ff, 2. Band S. 158f, [Brockhaus] Leipzig.
FREYMANN, K. (1991): Der Metallerzbergbau im Spessart. Ein Beitrag zur Montangeschichte des Spessarts.- Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg 33, 413 S., Aschaffenburg.
FRIEDRICH, G., DIEDEL, R., SCHMIDT, F. P. & SCHUMACHER, C. (1984): Untersuchungen an Cu-As-Sulfiden und Arseniden des basalen Zechsteins der Gebiete Spessart/Rhön und Richelsdorf.- Fortschritte Mineralogie 41, Beiheft 1, S. 63 - 65.
KUGLER, J. (1991): Der Bergbau bei Großkahl (1. Teil).- Unser Kahlgrund 36, S. 158 - 163, Alzenau.
KUGLER, J. (1993): Der Bergbau bei Großkahl (2. Teil).- Unser Kahlgrund 38, S. 129 - 134, Alzenau.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 41, 642ff.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
PAUL, J. (2006): Der Kupferschiefer: Lithologie, Stratigraphie, Fazies und Metallogenese eines Schwarzschiefers.- Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften Band 157, 2006, Heft 1, S. 57 – 76, 7 Abb., 1 Tab., [Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
PRÜFERT, J. (1969): Der Zechstein im Gebiet des Vorspessarts und der Wetterau.- Sonderveröffentlichung d. Geologischen Inst. d. Univ. zu Köln, Heft 16, 176 + X Seiten, Bonn.
SCHMITT, R. T. (1991): Buntmetallmineralisation im Zechstein 1 (Werra-Folge) des nordwestlichen Vorspessarts (Großkahl-Huckelheim-Altenmittlau).- Diplomarbeit am Institut f. Mineralogie der Uni. Würzburg, 228 S., Würzburg [unveröffentlicht].
SCHMITT, R. T. (1993): Sulfide und Arsenide aus den Gruben Segen Gottes bei Huckelheim und Hilfe Gottes bei Großkahl im Spessart.- Aufschluss 44, S. 111 - 122, Heidelberg.
SCHMITT, R. T. (2001): Zur Petrographie, Geochemie und Buntmetallmineralisation des Zechstein 1 (Werra-Folge) im Gebiet Huckelheim - Großkahl (Nordwestlicher Spessart).- Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Aschaffenburg Bd. 20, 100 S., 42 Abb. (davon 5 farbig), 23 Tab., Hrsg. vom Naturwissenschaftlichen Verein Aschaffenburg. 
WAGNER, J. A. (1842): Naturgeschichte des Mineralreichs nach den Vorlesungen des Dr. Joh. Nep. Fuchs.- Handbuch der Naturgeschichte III. Band, 352 S., 4 Figurentafeln (ausklappbar) im Anhang, [Verlag von Tobias Danheimer] Kempten.


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