Cancrinit,
das Mineral
und der russische Finanzminister aus Hanau
  
 Graf Cancrin  
 Der Graf Georg Cancrin, hier (russisch) geschrieben als Kankrin,
aus Keyserling (1865).



Cancrinit Na7Ca[Al6Si6O24](CO3)1,5·2H2O
international als Cancrinite geschrieben
Farbe:                             farblos, weiß, gelb, orange, rosa bis rötlich, rötlichblau bis blaugrau
Spezifisches Gewicht:      2,47 g/cm³
Härte:                             5,5



Bildergalerie
Cancrinit


Cancrinit Rumänien
Braungelber Cancrinit im Cancrinit-Syenit von Ditrau in
Rumänien,
Bildbreite 6 cm.
Cancrinit Russland
Gelber Cancrinit als Gangfüllung in einem dunklen Gestein
(angeschliffen und poliert) aus Cancrinit, Hendricksit und
Phlogopit von Chibiny, Kola-Halbinsel, Russland,
Sammlung M. Schuster, Schöllkrippen,
Bildbreite 5 cm
Cancrinit Laacher See
Weiße, längliche Cancrinit-Kristalle in einem Sanindin-
Auswürfling vom Laacher See in der Eifel,
Bildbreite 2 cm
Cancrinite  
Gelber Cancrinit aus Alluaiv, Lovozero, Kola, Russland,
Bildbreite 4 cm
Cancrinit Norwegen
Gelber Cancrinit mit Ägrinaugut aus einem Alkali-Pegmatit
aus dem Tvedalen, Norwegen, Mineralogisches Museum
der Universität Würzburg.
Bildbreite 11 cm
Cancrinit
Gelblicher Cancrinit von Dara-i-Pioz, Tadsikistan,
Bildbreite 4 cm
Cancrinit, Canada
Gelber Cancrinit mit blauem Sodalith in einem Nephelin-
Syenit-Pegmatit von Bancroft, Kanada, gefunden 2009
von Jürgen Greiner,
Bildbreite 12 cm
Cancrinit, Maine, USA
Gelber Cancrinit aus einem Vorkommen bei Litchfield,
Maine, USA, - historisches Stück aus dem 19. Jahrhundert
mit 2 alten Sammlungszetteln,
Bildbreite 16 cm
Nephelin mit Cancrinit
Ein schönes Handstück eines Pegmatits aus weißem
Nephelin, gelbem Cancrinit, blauem Sodalit und
schwarzem Biotit aus der bekannten Fundstelle des
Nephelin-Syenit-Massivs bei Ditrou (Ditro, Dittrau oder
auch Dittersdorf) am Ostkarpatenbogen, (Siebenbürgen)
in Rumänien,
Bildbreite 9 cm
Cancrite
Gelblicher Cancrinit, gefunden bei Dmitrievka, Ukraine,
Bildbreite 4cm
Hydrocancrite
Bläulicher Cancrinit ("Hydro-Cancrinite") von Alluaiv,
Lovozero, Kola, Russland,
Bildbreite 2cm
Cancrinit Russland
Gelblicher Cancrinit aus einem Pegmatit von der Fundstelle
von Kurotschkin Log bei Vishnevogorsk,
Ural, Russland, Sammlung Matthias Sehrig, Plauen,
Bildbreite 6 cm
rissiger Cancrinit  
Rissiger Cancrinit, Visnev-Montanis im Süd-Ural,
Bildbreite 5cm

Bemerkenswerte Pseudomorphose von grauem Cancrinit
nach Nephelin, aus der Fundstelle von Kurotschkin Log
bei Vishnevogorsk, Ural, Russland, Sammlung Matthias
Sehrig, Plauen
Bildbreite 11cm
Cancrinit Russland
Gelblicher Cancrinit von Alluaiv, Lovozero, Kola- Halbinsel,
Russland mit einem russischen Sammlungszettel,
Bildbreite 5 cm
Cancrinite, Russland
Gelber Cancrinit in weißem, strahligem Pektolith aus der
Kirow-Mine, Chibiny, Kola-Halbinsel, Russland,
Bildbreite 5 cm. 
Cancrinit aus Norwegen
Gelber Cancrinit auf weißem Nephelin und in schwarzer
Hornblende, Saga-Steinbruch im Tveidalen, Telemark,
Bildbreite 12 cm
Cancrinit Kanada
Eines der wenigen in Schausammlungen ausgestellten
Cancrinit-Proben im Museum für Naturkunde in Berlin
Schachtel Cancrinit
Kleines Stück gelber Cancrinit in einer Pappschachtel der
Zeit, mit einem aufgklebten Sammlungszettel (siehe Foto
rechts),
Bildbreite 8 cm
Zettel Cancrinit
Unterseite des Stückes im linken Bild: Aufgeklebter
Sammlungszettel mit dem Aufdruck: 304A. Cancrinite.
Litchfield, Maine. A. E. FOOTE, M.D. Philadelphia, PA.
Bildbreite 3 cm
Cancrinit Norwegen
Gelber Cancrinit mit weißem Nephelin aus dem Tvedalen,
Langesundfjordin Norwegen,
Bildbreite 6 cm
Cancrinit von Typlolkalität
Heller, leicht angewitterter Cancrinit von der Typlokalität
Miask (heute Miass) im südlichen Ural  in einem zeit-
genössischen Pappschächtelchen mit dem Sammlungszettel
von Dr. F. Krantz Rheinisches Mineralien-Contor Bonn,
Bildbreite 14 cm.
Cancrinit
Weißer, faseriger Wollastonit, verkauft als "Cancrinit",
Narodnaja, Ural, Russland,
Bildbreite 6 cm
Vishnevit
Hellblauer Vishnevit als Gesteinsbestandteil neben
Orthoklas, Biotit und Pyrit von Loch Borrolan, Assynt,
Sutherland, Schottland,
Bildbreite 8 cm
Cancrinit Italien
Nadelige Cancrinit-Kristalle auf Sanindin neben Thorit mit
Titanit von Tre Croci bei Vetralla, Viterbo Provinz, Latium
in Italien,
Bildbreite 5 mm
gelber Cancrinit
Sattgelber Cancrinit von Vyshnevogorsk im südlichen Ural
in Russland, 
Bildbreite 2 cm
Cancrinit Kovdor
Hellgelber Cancrinit aus dem Kovdor-Phlogopit-Quarry
auf der Halbinsel Kola im nördlichen Russland,
Bildbreite 5cm
Cancrinit Tien-Shan
Gelber Cancrinit vom Dara-Pioz-Gletscher in den
Tien-Shan Bergen, Tadjikistan,
Bildbreite 5cm
Cancrinit Tien-Shan
Sattgelber Cancrinit mit Phlogopit vom Dara-Pioz-
Gletscher in den Tien-Shan Bergen, Tadjikistan,
Bildbreite 5cm
Cancrinit Karelien
Cancrinit mit Amphibol in einem Stück eines Borhkerns
aus dem Vuoriyarvi-Massiv im Nord-Karelien, Russland,
Bildbreite 8cm
Langesundfjord Cancrinit
Gelber Cancrinit aus einem Alkaligesteins-Pegmatit vom
Langesundfjord in Süd-Norwegen ,
Bildbreite 11cm
Cancrinit Chibiny Kola
Gelber Cancrinit aus der Kirow Mine in Chibniy, Kola
Halbinsel, Russland,
Bildbreite 4 cm
Cancrinit Ural
Gelber Cancrinit in einem Alkalipegmatit aus der Nochelin
Log area, Vishnevye Gebirge, Ural, Russland,
Bildbreite 10 cm
Cancriite von Kischtym
Abgerolltes Stück eines rissigen und sehr unscheinbaren
Cancrinit von Kyschtym, in der Oblast Tscheljabinks,
im Südural von Russland,
Bildbreite 10 cm
Cancrinit Indien
Sehr selten in einer Sammlung vertreten: Cancrinit als
weiße Kristalle in einer pegmatitischen Matrix aus dem
Vorkommen von Kishengarh, Indien
ausgestellt in einer Vitrine der Mineraliensammlung des
Natural History Museums, London
gesehen am 19.06.2015
Cancrinit auf Gneis
Gelber Cancrinit als Gangfüllung in einem Biotit-Gneis,
Vishnovoe, Ural, Russland.
Bildbreite 6 cm
Cancrinite, Ural
Gelber Cancrinit aus einem Alkaipegmatit vom Gang 2 in
den Vishneoye Gory Mountains, Ural, Russland,
gefunden von Sergei Kolisnichenko, Sommer 2016
Bildbreite 10 cm

Kankrinit Malishevo Ural
Gelber Cancrinit mit etwas Biotit aus einem Pegmatit von
Malishevo im Ural, Russland,
Bildbreite 7 cm





Cancrinit gehört zu der Gruppe von Mineralien:

Cancrisilit
Cancrinit
Vishnevit
Hydroxycancrinit
Depmeierit
Kyanoxalit

Das seltene Mineral Cancrinit (englisch Cancrinite) wurde nach dem russischen Finanzminister Georg Cancrin, Sohn von Franz Ludwig Cancrin aus Bieber, benannt (und nicht nach Franz Ludwig CANCRIN, wie oft geschildert, z. B. auch im Brockhaus (Autorenkollektiv 1987:308)). Die Erstfundstelle liegt im südlichen Ural, wo es während einer Expedition deutscher Wissenschaftler unter Führung von Alexander von Humboldt gefunden und später von Gustav Rose beschrieben wurde. Georg Cancrin verdanken wir auch den Sieg der Russen über Napoleon und die berühmten Platin-Rubel.

Cancrinit stellt als primäres Mineral einen wichtigen Bestandteil in einigen Alkaligesteinen, in Pegmatiten in CO2-reichen Nephelin-Syeniten dar und bildet sich sekundär als Alterationsprodukt von Nephelin. Es entsteht bei ungewöhnlich hohen CO2-Partialdrucken in unterkieselten alkalinen Schmelzen, wo er Nephelin ersetzt oder pseudomorphisiert. Umgekehrt wandelt sich Cancrinit an der Erdoberfläche und unter feuchten Klimaten in Zeolithe und Calcit um. Unter Laborbedingungen ist Cancrinit bereits um 1922 synthetisch erzeugt worden. Gewöhnlich tritt das Mineral in derber Form als Bestandteil von Gesteinen auf. In Pegmatiten können auch mehr als 20 cm große Stücke gefunden werden. Kristalle bis zu einer Größe von 2 cm sind schon selten. Cancrinit hat als mineralischer Rohstoff derzeit keinerlei ökonomische Bedeutung. Begleltmineralien können sein: Nephelin, Sodalith, Natrolith, Kalifeldspat, (Orthoklas oder Mikroklin), Ägrinaugit, Monitcellit, Analcim, titanhaltiger Andradit, und viele andere mehr.

Bekannte Fundorte (nach HINTZE (1897:879ff), DEER et al. (2004:369ff), ANTHONY et al. (1995:109), BERNARD & HYRSL (2004:11f), SØRENSEN (1974) und lokaler Literatur, keine vollständige Auflistung):

Cancrinit kann gesteinsbildend auftreten und damit an einzelnen Vorkommen in sehr großen Mengen gefunden werden. Trotzdem ist dieses Mineral als selten zu bezeichnen und fehlt deshalb in den einfachen Bestimmungsbüchern. Im neuen Mineralogie-Lehrbuch OKRUSCH & MATTHES von 2013 ist der Cancrinit ausführlich beschrieben (Seite 200). Da größere, frei gewachsene Kristalle nicht vorkommen, wird das Mineral kaum gesammelt und am Mineralienmarkt und auch auf Mineralienbörsen nur selten angeboten. So kann man auf der größten Mineralienbörse in Europa (Munich Show 2012/2013) vergeblich nach dem Mineral suchen; auch die russischen Verkäufer bieten Cancrinit nur selten oder ausschließlich auf Nachfrage bzw. Bestellung an. Merkwürdigerweise ist es auch vom Heilsteinmarkt noch nicht entdeckt worden, da sich davon sehr gut Trommelsteine fertigen ließen. 
Als Ausstellungsstück findet man Cancrinit nur in größeren Sammlungen und Museen, so z. B. im Mineralogischen Museum der Universität Würzburg im Universitätsgelände am Hubland.  


Graf Georg Cancrin (auch Jegor Franzewitsch Kankrin)
Georg Ludwig Daniel Cancrin wurde am 27.11.1774 als Sohn von Franz Ludwig Cancrin und Maria Louisa Phillipa Cancrin (geb. Kroeberin) in Hanau geboren (WELLENKAMP 1971, BECK 195971ff). Er wuchs in Hanau bei einer Tante auf und studierte in Gießen und Marburg Staats- und Rechtswissenschaften, Philosophie und Bauwesen. Während seiner Urlaube aus Russland nahm Vater Franz Ludwig Einfluss auf die Erziehung seines Sohnes - Spezialwissen ist ein besseres Fundament als Fürstengunst und Philosophie.
Da er in Deutschland keine Anstellung fand, ging Georg Cancrin nach Russland und traf am 26. Mai 1797 in St. Petersburg ein. Die ersten Jahre in St. Petersburg waren die schwersten seines Lebens. Trotz des Einflusses seines Vaters bekam er keine Anstellung, auch weil er kein Russisch sprach (und auch später nie gut beherrschen sollte). So schlug er sich als Buchhalter, Abschreiber und Lehrer durch. Im Jahre 1800 wurde Georg Cancrin Gehilfe von Vater Franz Ludwig in der Saline von Staraja-Russa. 1803 wurde er ins Innenministerium nach St. Petersburg versetzt und beschäftigte sich dort mit der Salzgewinnung in ganz Russland. Bei den Reisen sah er die Not der Bevölkerung. 1805 wurde er Staatsrat, 1809 wurde er Inspektor der ausländischen Kolonien in St. Petersburg, deren Bewohner aus Deutschland, Holland, Frankreich, England und Italien stammten. Mit der napoleonischen Bedrohung im Geist, schrieb er das Werk "Fragmente über die Kriegskunst nach Gesichtspunkten der militärischen Philosophie", welches 1809 veröffentlicht wurde. Darin empfahl er die Weite (und das Klima) Russlands für die Abwehrstrategie zu nutzen, aufbauend der These, dass bei einem tiefen Eindringen des Feindes die Verpflegung immer schwieriger werden würde - der entscheidende Vorteil für die eigenen Truppen. Der russische General Barclay de Tolly wandte die Strategie in dem Krieg mit Napoleon an, dessen große Armee im russischen Winter 1812 wurde die Armee tatsächlich vollständig aufgerieben. Schon 1811 war Cancrin zum Assistenten des General-Proviantmeisters im Kriegsministerium ernannt worden; 1815 wurde er in Paris zum General befördert. 1816 heiratete Georg  Cancrin Ekanterina Zacharowna Murav´eva, eine Verwandte des Generals Barclay de Trolley und Nichte von Alexander I. Seine Söhne wurden evangelisch-reformiert, die Töchter orthodox getauft.
1818 veröffentlichte er eine Schrift zur wirtschaftlichen Situation der Bauernschaft in Russland, die zu einem großen Teil aus Leibeigenen bestand.
In der Folgezeit verfasste er ein dreibändiges Werk zur Militärökonomie („Über die Militär- Ökonomie im Frieden und Krieg“ (CANCRIN 1820 - 1823).

Cancrins Milärökonomie
Das Buch erschieb ohne Autorennamen in deutscher Sprache und war von der Zensur genehmigt, wie man auf der Rückseite des Titels lesen kann. 

1821 kam ein weiteres Buch hinzu: "Weltreichtum, Nationalreichtum und Staatswirtschaft". Darin beschrieb er die merkantile Situation in Europa in Wechselwirkung mit Russland - ein Regierungsprogramm. Daraufhin entschied Zar Alexander I., Cancrin an Ostern 1823 zum Finanzminister zu bestellen. Cancrin schränkte die Staatsausgaben ein und ließ die wertlosen Papierrubel gegen Silberrubel mit entsprechender Deckung tauschen (es gab keine Münzeinheit und 3 verschiedene Kurse). Als Finanzminister gab er der Wirtschaft Schutz und Ordnung, förderte den Bergbau, gründete Fabriken und in St. Petersburg eine Schule zur Ausbildung von Ingenieuren. Später schrieb er noch „Die Ökonomie der menschlichen Gesellschaft und das Finanzwesen“ (KANKRIN 1845).
Im September 1843 besuchte Cancrin auf dem Weg nach Paris mit seiner Frau zum letzten Male die Heimat seiner Väter, seinen Geburtsort Hanau und das Kinzigtal. Er wohnte dazu im Gasthof „Zum Riesen“ in Hanau und ließ sich, weil er Sehnsucht nach einer Stätte seiner frühen Kindheit hatte, nach Wilhelmsbad fahren (SIEBERT 1919:20f).
Ein so korrekter und sehr erfolgreicher Finanzminister (von NOLCKEN 1909) wie Georg Cancrin schuf sich Feinde, insbesondere als er die Korruption bekämpfen ließ. Unter seiner Amtszeit wuchsen fähige Beamten heran, die durch eine bessere Besoldung weniger anfällig für Bestechungen waren. Nach 21 Jahren als Finanzminister ging Georg Cancrin 1844 in den ersehnten Ruhestand, während seiner Amtszeit diente er drei verschiedenen Zaren. Seine Augen machten ihm im Alter zunehmend Schwierigkeiten, so dass er sich im regenreichen 1843 erneut als Autor betätigte und ein Buch mit dem Titel "Phantasie-Bilder eines Blinden" veröffentlichte (KANKRIN 1845). Er verstarb am 9. September 1845 im Petersburger Vorort Pawlowsk
.
Seine Reisetagebücher (1840 - 1845) hat sein Schwiegersohn, Alexander Graf Keyserling, Gelehrter und Kurator der Universität von Dorpat, 1865 herausgegeben (KEYSERLING 1865).

Das Platin:
1822 fand man im Ural größere Mengen des elementaren Metalles Platin als natürliche Legierung mit einem ca. 70 - 85 % Platin, Eisen, Kupfer und den anderen Platingruppenelementen Palladium, Rhodium, Iridium und Osmium (BACHMANN & RENNER 1984). Aufgrund ihrer hohen Dichte, ihrer mechanischen Festigkeit und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen chemische Verwitterung wurde diese Edelmetall-Legierung beim Flusstransport in Form von Sand, Grieß und größeren Nugget zu sekundären Seifen-Lagerstätten angereichert. Eine Gewinnung dieses Seifenplatins war viel weniger aufwändig und daher kostengünstiger als der bergbauliche Abbau der Primärlagerstätten. Infolge des sehr hohen Schmelzpunktes von ca. 1.770 °C von reinem Platin konnten diese Platinmetalle nur schwer raffiniert und mit den damaligen Techniken in Russland nicht geschmolzen werden. 
Der als sehr sparsame geltende Cancrin wandte sich 1827 an Alexander von HUMBOLDT mit der Frage, ob man eine Platinwährung einführen könne. Humboldt führte stichhaltige Argumente dagegen an und riet ab; man hatte dies vorher bereits in Kolumbien erfolglos versucht. Da Cancrin von der Idee beseelt war, wurden trotzdem die Münzen geprägt und versuchsweise eingeführt als eine Art "Luxuswährung" ohne eine Verpflichtung diese zu akzeptieren. 1828 wurden in der Münze in St. Petersburg unter der Schirmherrschaft von Zar Niklolaus I. Platinrubel mit einem Gewicht von 10,36 g zum Wert von 3 Rubeln geprägt, 1829 folgten die 6-Rubel-Münzen (20,71 g) und 1830 die Münzen mit einem Nennwert von 12 Rubeln (41,43 g). 

Platin-Rubel
Münze zu 3 Rubel von 1842 aus dem russichen Platin

Die Akzeptanz in der russischen Bevölkerung für das graue Münzmetall war allerdings sehr gering. Es dauerte nicht lange, bis der Münzwert und der Metallwert erheblich differierten, so dass man 1845 die Herstellung einstellte. Die Herstellung dieser Münzen war eine absolute Novität (Bachmann & Renner 1984). Da man das Platin damals nicht schmelzen konnte, löste man es in Königswasser auf. Diese Lösung enthält dann Hexachloroplatinat, das mittels Ammoniak in Ammonium-Hexachloroplatinat überführt wurde. Nach dem Eindampfen erhielt man einen metallischen Platinschwamm, der mittels großer Pressen zu den Ronden für die Münzen gepresst bzw. gewalzt wurde. Aus diesem "nass" hergestellten Metall prägte man dann die Platinmünzen.
Es wurden insgesamt etwa 4,15 Millionen Platin-Rubel als Münzen geprägt, von denen nach dem Einziehen noch etwa 880.000 Münzen übrig waren. Diese ca. 11,75 t Platin wurden dann an drei Firmen verkauft, darunter auch an die Einhorn-Apotheke in Hanau. Hier hatte der hanauer Apotheker Wilhelm Carl HERAEUS (1827 - 1904) ein Verfahren erfunden, mittels einer (Knallgas-)Flamme aus Wasserstoff und Sauerstoff im kg-Maßstab Platin zu schmelzen. Damit konnte man das Platin für Bleche und Drähte sehr einfach umformen. Aus der Einhornapotheke entstand in der Folge das weltweit operierende Metall- und Chemieunternehmen W. C. Heraeus.
Das spezifische Gewicht des Platins liegt bei 20,72 g/cm³, ist also etwa doppelt so hoch wie das des Bleis! Die Differenz zum reinen Platin mit 21,37 g/cm³ ist eine Folge der winzigen Hohlräume in der Münze, die beim Verdichten des Platinschwammes nicht ganz geschlossen werden konnten (BACHMANN & RENNER 1984).

Da nur sehr wenige dieser Münzen bis in unsere Zeit erhalten geblieben sind, werden sie nur selten angeboten.
Beim renomierten Münzen-Auktionshaus Künker in Osnabrück wurden 2008 3-Rubelmünzen für einige Tausend €, eine 6-Rubelmünze für 23.000 € versteigert; die ganz seltene 12-Rubelmünze erbrachte die unglaubliche Summe von 33.000 €! Beim gleichen Auktionshaus wurde eine 12-Rubel-Münze aus Platin im Februar 2012 für 70.000 € versteigert; dazu kommen dann für den Käufer noch 15 % Aufgeld und darauf dann 7 % Mehrwertsteuer, was dann 86.135 € sind! Wieder bei Künker wurde im März 2013 der Zuschlag für eine 6-Rubel-Platin-Münze von 1836 (Zar Nikolaus I) in einer Höhe von phantastischen 150.000 € erteilt.


Literatur: 

ANTHONY, J. W., BIDEAUX, R. A., BLATH, K. W., & NICHOLS, M. C. (1995): Silica, Silicates Vol. II Part 1 Handbook of Mineralogy.- xiv + 446 p., ohne Abb., [Mineral Data Publishing] Tucson, Arizona, USA.
Autorenkollektiv (1987): Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden.-
19. Auflage, Band 4 BRO - COS, 704 S.,  [F. A. Brockhaus] Mannheim. 
BACHMANN, H.-G. & RENNER, H. (1984): Nineteenth Century Platinum Coins. An early industrial use of poweder Metallurgy.- Platinum Metals Review Vol. 28, No. 3, p. 126 - 131, 4 figs., 2 tab.
BECK, H. (1959): Graf Georg von Cancrin und Alexander von Humboldt.- S. 71 - 82, ohne Abb., in Alexander von Humboldt-Kommission der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin [Hrsg.] (1959): Alexander von Humboldt 14.9.1769 - 6.5.1859 Gedenkschrift zur 100. Wiederkehr seines Todes.- [Akademie-Verlag] Berlin. 
BERNARD, J. H. & HYRSL, J. (2004): Minerals and their Localities.- 807 p., 1.000 photos, [Granit s.r.o.] Praha.
BUKANOV, V. V. (2006) Russian Gemstones encylopedia.- 472 p., viele farb. Abb., [Granit s. r. o.] Sankt Petersburg.

CANCRIN, G. (1820): Ueber die Militairökonomie im Frieden und Krieg, und ihr Wechselverhältnis zu den Operationen.- 1. Band, 346 S., einzelne Tab. und Abb. im Text, 10 Tafeln im Anhang, Satzfehlerberichtigungen, [in Kommission bei Gräff, Schnoorschen Druckerei] St. Petersburg.
CANCRIN, G. (1820): Ueber die Militairökonmie im Frieden und Krieg, und ihr Wechselverhältnis zu den Operationen.- 2. Band, 228 S. und Zugabe mit 97 S.,, einzelne Tab. im Text (davon 1 ausklappbar), 1 Tafel im Anhang, Satzfehlerberichtigungen, [in Kommission bei Gräff, Schnoorschen Druckerei] St. Petersburg. 
CANCRIN, G. (1823): Ueber die Militairökonmie im Frieden und Krieg und ihr Wechselverhältnis zu den Operationen.- 3. Band, 448 S., einzelne Tab. und Abb. im Text, 10 Tafeln im Anhang, Satzfehlerberichtigungen, [in Kommission bei Gräff, Schnoorschen Druckerei] St. Petersburg.  
DEER, W. A., HOWIE, R. A., WISE, W. S. & ZUSSMAN, J. (2004): Framework Silicates: Silica Minerals, Feldspathoids and the Zeolithes. Rock-forming Minerals Vol. 4B.- 2nd edition, 982 p., 80 tab., 545 figs., [The Geological Society] London.

HINTZE, C. (1897): Handbuch der Mineralogie.- II. Bd., Silicate und Titanate, 1841 S., mit 632 Abb. im Text, [Verlag von Veit und Comp.] Leipzig.
JAHN, S., von BENZING, L. & WARTHA, R. (2014): Aris bei Windhoek in Namibia.- Mineralien-Welt 25. Jahrgang, Heft 1 Jan.- Feb. 2014, S. 84 – 110, 53 farb. Abb., [Bode Verlag] Salzhemmendorf.
KANKRIN, JEGOR FRANZEWITSCH (1845): Phantasie-Bilder eines Blinden.- 320 S., ohne Abb., [Verlag von F. H. Morin] Berlin (Hinweis: das Buch ist ohne Verfasser auf der Titelseite gedruckt worden).
KEYSERLING, A. Graf [Hrsg.] (1865): Aus den Reisetagebüchern des Grafen Georg Kankrin, ehemaligen kaiserlich russischen Finanzministers, aus den Jahren 1840-1845. Theil 1- 415 S,  [Eduard Leibrock] Braunschweig.
LORENZ, J. (2017): Franz Ludwig von Cancrin – Baumeister, Ingenieur, Bergmeister und Schriftsteller. - NOBLE Magazin Aschaffenburg, Ausgabe 02/2017, S. 82 - 84, 15 Abb., [Media-Line@Service] Aschaffenburg.

LORENZ, J. & SCHMITT, R. T. (2009): Cancrinit, das Mineral aus Russland mit dem Namensgeber aus Hanau bzw. Bieber im Spessart.- Mitteilungsblatt Zentrum für Regionalgeschichte 34. Jahrgang 2009, S. 37 - 46 (einschließlich der 4 unpagnierten Farbseiten in der Heftmitte), 17 Abb., Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Amt für Kultur und Sport, Gelnhausen. 
LORENZ, J. A., SCHMITT, R. T. & VÖLKER, A. G. (2011): Count Georg Cancrin and the history of cancrinite discovery.- Mineralogical Almanac volume 16, issue 2, p. 24 - 32, 20 figs., [Mineral-Almanac Ltd.] Moscow*.
LORENZ, J. A., PATZER, M., MIEKE, G., NICKEK, P. & RAEDLER, C. (2014): Auswanderer nach Russland aus unserer Region.- Mitteilungsblatt Zentrum für Regionalgeschichte 39. Jahrgang 2014, S. 87 - 91, 8 Abb., Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Amt für Kultur und Sport, Gelnhausen.
LUPTON, D. F. (2004): The Minting of Platinum Roubles Part II: The Platinium Roubles of Heraeus.- Platinum Metals Rev. 48, (2), p. 72 - 78, 3 figs., 3 tab.,
NOLCKEN, M. H. Freiherr von (1909): Der russische Finanzminister Graf Georg Kankrin und seine Handelspolitik.- Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen philosophischen Fakultät der Universität Leipzig, 101 S., ohne Abb., [Druckerei der "Baltischen Monatsschrift"] Riga.
OKRUSCH, M. & MATTHES, S. (2005): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde.- 7. Aufl., 526 S., 328 Abb. davon 33 farbig, [Springer Verlag] Berlin, Heidelberg.
OKRUSCH, M. & MATTHES, S. (2009): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde.- 8. Aufl., 658 S., 438 Abb. davon 133 farbig, [Springer Verlag] Berlin, Heidelberg.
PEKOV, I. V., OLYSYCH, L. V., CHUKANOV, N. V., ZUBKOVA, N. V., PUSHCHAROVSKY, D. Y, VAN, K. V., GIESTER, G. & TILLMANNS, E. (2011): Chrystal Chemistry of Cancrinite-Group Minerals with an AB-Type Framework: A Review and new Data. I. Cemical ans Structural Variations.- The Canadian Mineralogist Vol. 49, October 2011, Part 5, p. 1.129 - 1.150, 8 figs., 7 tabs., Journal of the Mineralogical Association of Canada.
RAUB, C. J. (2004): The Minting of Platinum Roubles Part I: History and current Investigations.- Platinum Metals Rev. 48, (2), p. 66 - 69, 1 tab.,
RÜSENBERG, K. A. (2016): Mineralien in den Pyroklastiten von Teneriffa, Kanarische Inseln. Eine Einführung.- der Aufschluss Jahrgang 67. Ausgabe 6/2016 (November-Dezember), S. 301 - 324, 41 Abb., [VFMG  e. V.] Heidelberg. 
SIEBERT, K. (1919): Hanauer Biographien aus drei Jahrhunderten.- 228 S., 93 Abb., Herausgegeben zu seinem 75 jährigen Bestehens vom Hanauer Geschichtsverein, [Verlag des Hanauer Geschichtsvereins] Hanau. 

SØRENSEN, H. [ed.] (1974): The Alkaline Rocks.- 622 p, tab., figs., maps, [John Wiley & Sons] London.
STECKEISEN, A. (1952): Das Nephelinsyenit-Massiv von Diro (Siebenbürgen). 1. Teil.- Schweizer Mineralogische und Petrographische Mitteilungen Band 32, Heft 2, S. 251 - 308, 11 Fig., 1 Tafel,
STECKEISEN, A. (1954): Das Nephelinsyenit-Massiv von Diro (Siebenbürgen).II. Teil.- Schweizer Mineralogische und Petrographische Mitteilungen Band 34, Heft 2, S. 336 - 409, 5 Fig., Tab.,
WELLENKAMP, D. (1971): Der deutsche Bürokrat von Petersburg. Georg Cancrin rettete Rußlands Staatsfinanzen.- Damals. Zeitschrift für geschichtliches Wissen 3. Jahrgang, Heft 6 / Juni 1971, S. 547 - 561, 7 Abb., [Damals-Verlag, Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft mbH] Gießen.
WILLEY, D. B. & PRATT, A. S. (2004):
The Minting of Platinum Roubles Part III: The Platinium Roubles of Johnson Matthey.- Platinum Metals Rev. 48, (3), p. 134 - 138, figs., 3 tab.,


Cancrin-Straße
In Sailauf gibt es zu Ehren der Cancrins eine Von-Cancrin-Straße,
aufgenommen am 12.06.2011

*Der Beitrag wurde ins Russische übersetzt und in der gleichnamigen Zeitschrift in der russischen Ausgabe veröffentlicht!





Johannes Menge (*1788 †1852)
Der aus Steinau an der Straße stammende Johannes Menge war nach der Schule Laufbursche bei dem Mineralogen Carl C. von LEONHARD in Hanau. Nach einem Aufenthalt in Zürich und der Heirat machte er 1819 eine Reise nach Island. Er wurde Geschäftsführer des Mineralienhandels in Hanau und übernahm das Geschäft als Inhaber. Im gleichen Jahr zog die Familie nach Lübeck. 1825 bis 1826 reiste er nach Russland bis in den Ural. Von dieser Reise profitierten dann später G. ROSE, A. v. HUMBOLTD und EHRENBERG! Man kann sagen, dass er einer der Wegbereiter war, weil man in St. Petersburg Mineralien dieser Aufsammlung anschauen konnte. Aufgrund seiner Aufsammlung wurden die neuen Mineralien Ilmenit, Äschynit und Monazit beschrieben. Da er in Miask (heute Miass, eine Stadt mit heute ca. 150.000 Einwohner) war, wo Gustav ROSE im September 1829 den Cancrinit fand, ist zu vermuten, dass er auch an der späteren Typlokalität gewesen ist. Nach dem Tod seiner Frau 1826 weilte er in Paris und London. 1836 reiste er nach Australien, wo er als einer Begründer der australischen Mineralogie gilt. Im Oktober 1852 verstarb er in Forest Creek, Victoria. Aufgrund seiner Tätigkeit (in der Form von aufgesammelten Mineralien) sind insgesamt 13 neue Mineralien von den Mineralogen der Zeit beschrieben worden.

MENGE, J. F. (2003): Der Mineraloge Johannes Menge im Ural.- Blaubeurer Geographische Hefte 23, S. 51 - 66, einige SW-Fotos, [denkhaus] Blaubeuren.
MENGE, J. F. (2011): Island. Eine Reise auf den Spuren meines Vorfahren des Forschers Johannes Menge (1788-1852).- Blaubeurer Geographische Hefte 38, 76 S., einige SW-Fotos und Karten, [Denkhaus Verlag] Nürtingen.


Johann Heinrich Lorenz Pansner (*1777 †1851)
Aber auch Johannes Menge war nicht der erste Mineraloge aus Deutschland in Russland und im Ural. Von PANSNER aus Arnstadt reiste bereits 1802 nach Russland und bleib bis 1836 dort. Er sammelt Mineralien und sandte diese nach Deutschland über bekannte Händler nach Hamburg und Lübeck und stand in Kontakt zur Johann Georg LENZ in Jena. Ab 1816 war PANSNER Prof. für Mineralogie in St. Petersburg und begründete die Mineralogische Sammlung und begründete die Gesellschaft für die Gesamte Mineralogie (STOKRATSKAYA 2013). 

STOKRATSKAYA, L. (2013): Deutsch-russische Kooperation in Geologie und Mineralogie im XVIII. und XIX. Jahrhundert: J. L. von Pansner.- Geohistorische Blätter 23, S. 35 - 38, ohne Abb.,


Zurück zur Homepage oder zurück an den Anfang der Seite