Der Basalt von Winzenhohl
im Spessart

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


Basaltgang von Winzenhohl
Der schräg einfallende, ellipsoidisch absonderende Basalt-Gang (aufgenommen am 30.03.1978),
in dem ihn umgebenden Gneis hinter den Baustahlmatten für die Stützmauer,
siehe Bild unten





Zusammenfassung:

Der bereits von H. BÜCKING als anstehend beschriebene - bei der geologischen Landesaufnahme der Geologischen Karte Blatt Nr. 6021 Haibach jedoch nicht wieder aufgefundene - Feldspathbasalt von Winzenhohl - ist von J. LORENZ im Jahre 1978 im Zuge einer Straßenverbreiterung als 0,90 - 1 m mächtiger, in die Schieferung der umgebenden Muskovit-Biotit-Schiefer annähernd konkordant eingedrungener kugelig-ellipsoidisch absondernder Basaltgang erneut entdeckt worden. Der Fund ist deshalb bedeutsam, weil es das bisher einzig bekannte Basaltvorkommen im Gebiet des Gradabteilungsblattes Haibach ist.
Nach der Untersuchung von Fräulein Dr. D. SCHMEER handelt es sich um einen sehr feinkörnigen, zum Teil blasig entwickelten, Hornblende führenden Augit-Plagioklas-Basalt. Eine absolute Altersdatierung erbrachte 65 - 67 Ma (LORENZ & WEINELT 1981).


Geschichte:

BÜCKING (1892, S. 213) berichtet:

"...; wohl aber fand ich Basalt auf ganz kurze Erstreckung   a n s t e h e n d   ö s t l i c h  v o n  W i n z e n h o h l  an der auf der Karte (allerdings zu groß) angegebenen Stelle. Der Basalt ist hier stark zersetzt und zwar in eine erdige, graue Masse; nur einzelne umherliegende Kugeln sind noch verhältnismäßig frisch. In diesem erscheint der Basalt dunkelgrau und äußerst dicht, sodass abgesehen von wenigen wesentlich aus Calcit und Brauneisen bestehenden kleinen Mandeln, man mit blossem Auge kein Gemengtheil erkennen kann. Unter dem Mikroskop löste sich das dichte Gestein auf in ein Haufwerk von zahlreichen Augitmikrolithen, kleinen und grösseren Plagioklasen, vielen Magneteisenkrystallen und kleinen rundlichen Pseudomorphosen, welche aus Serpentin bestehen und wohl auf Olivin zurückzuführen sind. Einzelne größere Augite, zum Theil knäuelartig verwachsen, treten einsprenglingsartig aus dem Gewebe hervor; ihre Dimensionen sind aber immerhin so geringe, dass mit blossem Auge nicht wahrgenommen werden kann. Der Basalt von Winzenhohl wäre darnach ein  F e l d s p a t b a s a l t."

Im Zuge der seit Herbst 1977 bis Frühjahr 1978 bei Winzenhohl durchgeführten Straßenbauarbeiten wurde die Ortsverbindungsstraße Winzenhohl - Hösbach Bahnhof verbreitert bzw. Platz für die Anlage eines Gehweges geschaffen. Bei seinen Begehungen im März 1978 entdeckte der Autor bei Absuchen der durch die Verbreiterungen der Straße entstandenen Böschungen den Basalt wieder, jedoch ohne die Bedeutung zu erkennen. Den Zusammenhang zw. dem Vorkommen und BÜCKING wurde von Wi. WEINELT erkannt.

Das Vorkommen liegt ca. 220 m südlich des Höhenpunktes 192 NN, bei R 351664 H 553799 der TK 25 Nr 6021 Haibach am Westhang der "Höhe gegen Keilberg". Der Aufschluss ist inzwischen durch eine dicke Betonstützmauer verdeckt (siehe lange Stützmauer in der rechten Bildmitte, Foto vom 09.07.1995):

Straße in Winzenhohl

Der 0,90 - 1 m mächtige Basaltgang setzte in den in diesem Bereich mit 45° gegen SE einfallenden algonkischen Muskovit-Biotit-Schiefer (ag1,gl der GK 25, Nr. 6021 Haibach, Wi. WEINELT 1962) annähernd konkordant in der Schieferung auf. Gegen das Ausgehende war er bis zur Unkenntlichkeit zersetzt und verwittert und wurde von perglazialem Wanderschutt überlagert. In seinem unteren, etwas über 3 m aufgeschlossenem Gangteil sonderte er kugelig-ellipsoidisch ab. Das Nebengestein ließ kleinerlei Kontakterscheinungen erkennen.
 

Gesteinkundlicher Befund:

An der Fundstelle wurde vom Autor am 30.03.1978 eine ellipsoidische Gesteinsprobe (Durchmesser 20 und 13 cm) entnommen und dem Bayerischen Geologischen Landesamt für die Anfertigung von Dünnschliffen übersandt).
Das schalig absondernde Basaltellipsoid besitzt eine hell- bis mittelbraune Verwitterungsrinde mit Überzügen von schwarzen Mangandendriten, kleinen Tupfen (1 - 3 mm Durchmesser) und mehrere Zentimeter große Flecken von Manganoxid sowie von hellrosafarbenen, orangegelben Tapeten von Eisenoxidhydrat als sekundäre Absätze, des im Gestein zusitzenden Bergwassers. Vereinzelnd enthält die Verwitterungsrinde bis 2 mm große runde oder länglich ovale, mit Brauneisenmulm (Limonit) gefüllte Poren oder Löcher ehemaliger Gasblasen. Der mit der Diamantsäge zerschnittene ellipsoidische Gesteinskörper läßt auch in seinem Inneren einen schaligen Aufbau erkennen. Es wechseln hierbei 1 bis 3 cm breite dunkelgrau bis graubraun gefärbte, dichte Schalen mit schmalen, dunkelbraunen Zonen ab (0,5 - 4 mm). Da letztere gegen den Rand des Gesteins bis auf 1 cm Stärke zunehmen und sich hier einerseits in ellipsoidischen Kleinformen aufzulösen beginnen, andererseits aber als Farbbahnen auch feinsten längs-, quer- und diagonal verlaufenden Haarrissen im Gestein folgen, wird ihre sekundäre Entstehung durch die Wanderung und Ausfällung von Eisenoxihydratlösungen entlang der Wegsamkeitsgrenzen des Schalenbaues und der Rissstrukturen gedeutet. der Anschnitt läßt zudem bis maximal 5 mm Durchmesser große runde, ovale und auch dreieckige Mandeln als Hohlräume nach Gasblasen erkennen, die zum Teil mit Zeolithen randlich besetzt, zum Teil mit Limonit gefüllt sind. Gegen den Rand, besonders aber gegen das Hangende der orientiert entnommenen Gesteinsprobe treten sie mit bis zu 7 Stück/cm2 etwas vermehrt auf.

Stück Basalt aus Winzenhohl
Stück Basalt (angeschliffen und poliert) mit einer randlicher Verwitterungszone
(hellgrau), im Innern frisch und mit kleinen Einschlüssen aus Calcit und einem
Zeolith durchsetzt - die am Rand leer sind;
Bildbreite ca. 15 cm


Der Mineralbestand und das Gefüge der vorliegenden Basaltprobe sind von Fräulein Dr. D. SCHMEER (früher Bayerisches Geologisches Landesamt) unter anderem an dem Dünnschliff Nr. X 1944 bestimmt und untersucht worden.

Nach dem von ihr am 08.05.1979 mitgeteilten Befund handelt es sich bei dem vorliegenden Gestein um einen sehr feinkörnigen, Hornblende führenden Augit-Plagioklas-Basalt mit schwach intersertalem Gefüge und Blasenhohlräumen. Die Randsäume der Blasenhohlräume sind mit Zeolithkristallen besetzt, die Blasenhohlräume selbst mit braunem Limonit gefüllt.
 

Radiometrisches Alter:

Herr Prof. Dr. H. J. LIPPOLT, ehemaliger Leiter des Laboratoriums für Geochronologie der Universität Heidelberg, hat an dem Hornblende führenden Augit-Plagioklas-Basalt eine Altersdatierung vorgenommen. Es wurde 65 - 67 Ma ermittelt. Es wäre demnach der spät-kretazisch-altertiären Vulkanitgruppe zuzuordnen, die im Kraichgau, im Sprendlinger Horst und im Spessart auftritt.
 

Literatur:

BÜCKING, H. (1892): Der Nordwestliche Spessart.- Abhandlungen der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Neue Folge Heft 12, 274 S., Berlin.
LORENZ, J. & WEINELT, Wi. (1981): Der Basalt von Winzenhohl im südlichen Kristallinen Vorspessart.- Aufschluss 32, S. 25 - 27, Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 598.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
WEINELT, W. (1962): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr.6021 Haibach.- 246 S., München.
 


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