Der Steinbruch im Biotit-Gneis am Forsthaus Schmerlenbach zwischen Aschaffenburg und Keilberg im Spessart.

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Steinbruch bei Schmerlenbach
Der hintere Teil des Steinbruches mit dem sporadischen Abbau im Sommer 2007.
Es handelt sich um die einzige derzeit in Förderung (wenn auch nur ab und zu)
stehende Gewinnungsstelle für den Biotit-Gneis im Spessart.


Steinbruch Kunkel
Der Steinbruch am 23.09.2012. Hier wurde zeitweise mit einer mobilen
Brecheranlage Schotter hergestellt. 



Lage
Der kleine Steinbruch befindet sich ca. 200 m nordwestlich des Forsthauses Schmerlenbach an der Straße von Keilberg-Schmerlenbach nach Aschaffenburg, im Wald. Er ist von der Straße aus nicht sichtbar (Geologische Karte 1:25.000 Blatt 6020 Haibach R 1452 H 3840, siehe OKRUSCH et al. 2011 S. 182, Aufschluss Nr. 171). Der Betreiber der Anlagen ist die Firma Adolf Kunkel GmbH & Co., Straßen- und Tiefbau-Unternehmen, Bergstr. 13, 63743 Aschaffenburg, Telefon: 06021-95454.
 
 

Geologie
Aufgeschlossen ist ein leukokrater, lagiger Biotit-Gneis (ähnlich wie am Wendelberg bei Haibach). Es finden sich aber nur selten bis zu 10 cm mächtige Pegmatit-Gänge, die nur wenig akzessorische Mineralien führen.
Das Gestein ist sehr gut geklüftet und bricht zu meist rechteckigen Brocken, so dass die Steine nur im Wegebau als Schotter Verwendung finden.

Biotit-Gneis, Schmerlenbach Biotit-Gneis
Links. Haufwerk am 01.02.2004, rechts aufgenommen am 23.09.2012

 

Historie
Wann der Steinbruch angelegt wurde, ist nicht sicher bekannt. Der Bruch wurde durch die Fa. HÖLLEIN bis etwa 1975 abgebaut; danach war er aufgelassen. Im Frühjahr 1992 begann die aschaffenburger Baufirma KUNKEL mit dem erneuten, aber nur geringem Abbau. Mittels einfacher Anlagen wird unter anderem Straßenaufbruch und Bauschutt recycelt und zeitweise größere Massen an Aushub gelagert. Der sehr harte, aber gut spaltbare Fels im hinteren Teil des Steinbruches wird nur sporadisch abgebaut.
 

Mineralien
Die Pegmatite bestehen aus den üblichen Feldspäten, grauem bis weißem Quarz und führen in geringem Umfang stellenweise interessante Mineralien, darunter große Glimmertafeln (Muskovit), sehr selten aus etwas Granat (Spessartin-betont) und schwarzer Turmalin in Zwickelfüllungen - leider keine säuligen Kristalle. Auffällig ist das völlige Fehlen von Hämatit oder Ilmenit in den geringmächtigen Pegmatiten. Sekundär ist feinschuppiger Hämatit auf Klüften zu beobachten. Weitere Mineralien wurden bis heute nicht gefunden. Die Pegmatite mit den oft gewellten Biotit-Tafeln sind frei von akzessorischen Mineralien. 
Spessartin Spessartin
Typische Spessartin-Kristalle (teils beschädigt) aus dem Pegmatit, Bildbreite 5 mm

Turmalin im Pegmatit
Rissiger, schwarzer Turmalin (Schörl) in einem Pegmatit aus dem Gneis.
Der Pegmatit besteht aus Quarz, Kalifeldspäten und etwas Plagioklas und
kaum Glimmermineralien; angeschliffen und poliert, gefunden 2012 von
Andreas Völker, Rothenbuch,
Bildbreite 11 cm

Pegmatit
Kleine, rissig-gebogene Schörl-Stängel im einem Pegmatit aus Kalifeldspat,
Muskovit, alteriertem Plagioklas und Quarz,
Bildbreite 11 cm

Es gibt wahrscheinlich zwei Typen von Pegmatiten:
Die erste Variante sind Pegmatite, die bereits in dem Vorläufergesteine des Granits enthalten waren und die Metamorphose mitgemacht haben, so dass die darin befindlichen Mineralien stark gewellt und in den Gneis zumindest randlich eingearbeitet sind.
Die zweite Varinaten sind Pegmatite, in denen insbesondere die Glimmer gerade Platten bilden und am Ende der metamorphen Genese auskristallisierten.
 

Literatur
DOMBROWSKI, A. (1992): Der Haibacher Biotit-Gneis im südöstlichen Spessartkristallin (mit ergänzenden Untersuchungen an Schweinheimer Glimmerschiefer und den Spessart-Rotgneisen).- 113 S., unveröff. Diplomarbeit der Uni Würzburg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 665ff, 786ff.
MATTHES, S. (1963): Exkursion in das Kristallin des Spessarts am 17. September 1962.- Fortschr. Miner. 41, S. 30ff, Stuttgart.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer Führer Band 44, S. 119, Berlin.
MATTHES, S. (1978): Der kristalline Spessart (Exkursion C am 31. März 1978).-  Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins N. F. 60, S. 65 - 78, 4 Abb., [E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.  


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Schild Lebensgefahr
An der Zufahrt des Steinbruchs hängt das Schild (01.06.2014)