Der Kalbsbuckel bei Kleinostheim am Spessart -
eine klassische Fundstelle für Staurolith!


von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Staurolith-Kristall
Staurolith-Kristall (Durchkreuzungszwilling) im Glimmerschiefer,
Bildbreite 1 cm. 

Wichtiger Hinweis:
Belegstücke sind in dem kleinen Steinbruch auf der Westseite des stark verwachsenen Berghanges nur noch mit Ausdauer zu sammeln, da alles inzwischen stark abgesucht ist und seit Jahrzehnten kein frisches Gestein mehr gewonnen wurde. 


Zusammenfassung
Seit langem werden in dem Staurolith-Granat-Plagioklas-Gneis bis zu 2 cm große, meist rissige Staurolith-Kristalle gefunden. Bei entsprechender Ausdauer sind auch heute noch Funde möglich. Die besten Funde konnten gemacht werden, wie die Gasleitung am Fuß des Hügel verlegt worden ist und die Straße noch nicht asphaltiert war. 


Lage
Es handelt sich um einen kleinen bewaldeten Rücken, der neben einem alten, kleinen Steinbruch auch noch Felsen zeigt.

Kalbsbuckel
Die Zufahrt ist am leichtesten von der Bundesstraße 8 über die Unterführung am Bahnhof in Kleinostheim und dann bahnparallel nach Westen bis zum Schützenhaus möglich. Das letzte Stück der Straße ist nur eingeschränkt befahrbar (Verbotstafeln beachten!, siehe OKRUSCH et al. 2011, S. 149, Aufschluss Nr. 23 

Schützenhaus Felsen  Ellertstein
Im Spätwinter 2012 wurde der Hang mit den Felsen (in Kleinostheim als "Ellertstein" oder "Kettelerfelsen" bekannt, nach Wilhelm E. Freiherr v. KETTELER (*1811 1877) des Kalbsbuckels neben dem Schützenheim (links im Hintergrund mit dem Parkplatz) vom Bewuchs befreit. Man stellte auf die Spitze des Felsens ein neues Kreuz auf (Main-Echo vom 03.04.2012 S. 19). Das alte Kreuz stammte aus dem Jahr 1946 war in die Jahre gekommen und durch ein neues ersetzt, welches von Horst Fleischer gespendet worden ist. Das Freischneiden ist eine tolle Sache, dafür muss man den Ausführenden dankbar sein, denn jetzt sieht man wieder Felsen und kann ohne Verletzungen bis zum Kreuz aufsteigen. Aufgenommen am außergewöhnlich warmen Samstag, den 28. April 2012 bei 30° C und einem blauen Himmel. 

Geologie
Am Rande des kristallinen Grundgebireges des Spessarts steht hier ein Staurolith-Gneis umittelbar an den Sedimenten des Maines an. Nicht weit davon verläuft die Spessart-Randverwerfung. Während der letzten Kaltzeit floss der Main unmittelbar an den Felsen vorbei.

In dem kleinen Steinbruch und die oberhalb anstehenden Felsen ("Kettelerfelsen", aber stark verwachsen) besteht aus einem kaum geklüfteten Gneis, der sehr reich an den braunen, bis zu cm-großen, idiomorphen Staurolith-Kristallen ist. Diese sind meist von den Glimmern umschmiegt und lösen sich deshalb nur bedingt aus dem Gestein. Da oft auch im Innern der Staurolith-Kristalle die anderen Gesteinsmineralien eingewachsen sind, brechen sie leicht oder weisen keine glatten Kristallflächen auf.
Im Gegensatz dazu finden sich auch kleine, dünne, schwarze Turmalin-Säulchen mit Endflächen, die jedoch nicht von Glimmer umschmiegt werden und leicht herauspräparierbar sind.

Staurolith-Gneis-roh Staurolith-Gneis  
Stück Staurolith-Granat-Plagioklas-Gneis (eigentlich partienweise ein Glimmerschiefer, links im Bruch wie aus dem Steinbruch, rechts angeschliffen und
poliert, Bildbreite 13 cm) mit den im Bruch kaum sichtbaren Feldspat-Körnern (Porphyroblasten). 

Der Staurolith führende Glimmerschiefer wurde aus einem tonigen Meeressediment (Trübestromablagerungen oder Turbidite) kambrischen oder ordovizischen Alters gebildet. Die an Glimmer ärmenen Lagen haben eine Grauwacke als Vorläufer. Diese Sedimente lagen wahrscheinlich in einem Flachmeerbereich auf dem baltischen Schelf. Als Drucke wurden 6 kbar und Temperaturen von 600 - 650 °C abgeleitet (OKRUSCH et al. 2011:151).

Historie
Der sehr kleine Steinbruch am Hang mit den wenign Felsen ist sicher länger als 30 Jahre nicht mehr genutzt worden. Beim Bau des Schützenhauses und der Straße konnten von lokalen Sammlern gute Funde gemacht werden.
Die letzen feststellbaren "Abbau"-Tätigkeiten erfolgten wohl anlässlich der Jahrestagung der Oberrheinischen Geologischen Gesellschaft 1967 in Aschaffenburg, als das 547 Engineer-Corps der amerikanischen Armee dankenswerterweise für "frisches Gestein" gesorgt hat! Die Genehmigung für die Aktivitäten wurde nach BACKHAUS von der Gemeinde "Mainaschaff" (?) gegeben. Die Historie des Felsens und seiner Nutzung wurde von LANG (2013) ausführlich beschrieben. Es findet sich jedoch genügend Gestein in der Umgebung, welches nach den Staurolith-Kristallen durchsucht werden kann.
Der markante Felsen der sich wenig südlich und oberhalb des Parkplatzes des Schützehauses befindet, wurde als Naturdenkmal vom Bewuchs freigelegt und geschützt: 

Ketteler-Felsen
Der Felsen und der Hang war am 29.04.2001 stark verwachsen. 


Mineralien
Das Gestein führt folgende Mineralien, aber in stark wechselnden Anteilen:

Staurolith
Staurolith-Kristalle mit rautenfömigem Querschnitt im Gneis,
Bildbreite 3 cm

Staurolith-Kristalle im Gneis
Stück Gneis mit sehr zahlreichen, braunen, stumpfen,  
Staurolith-Kristallen
Bildbreite ca. 13 cm 

Kyanit (auch Disthen genannt)
Farblose Kyanit-Kristalle im Gneis, gefunden 1974
Bildbreite 2 cm
Größere Stücke des Gesteines finden sich stellenweise in den Gärten der Ortes Kleinostheim. Da das Gestein auch an anderen Stellen des Vorspessarts auftritt, sind selbstverständlich auch dort ähnliche Funde zu machen. Beispielsweise sei hier der Raum Wenighösbach und Feldkahl, aber auch im Raum Aschaffenburg-Damm genannt.

* Der beste mir bekannte Fund machte Herr Dr. AICHERT, Hanau, um 1974. 


Der Platz ist einer der bekanntesten Fundstellen für das Mineral Staurolith in Deutschland. Das Inselsilikat Staurolith gehört zu einer Gruppe von mehrere Mineralien mit sehr ähnlichen äußeren Eigenschaften, aber unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung:   

Man kann sie nur nach chemischen Analysen unterscheiden. Der Staurolith ist in metamorphen Gesteinen weit verbreitet, schöne Kristalle sind indes nicht so häufig. Meist sind Glimmerkristalle oder andere Mineralien eingewachsen (Porphyroblast), so auf den Kristallflächen ein pockennarbiges Bild zu beobachten ist. Von einigen Fundstellen sind Verwachsungen zwischen Staurolith und Cyanit bekannt. Die Größe der Kristalle reicht von Bruchteilen eines Millimeter bis zu 10 cm - aber so große Kristalle sind aus dem Spessart nicht bekannt. Der Name leitet sich aus dem Griechischen "Kreuzstein" ab, da kreuzförmige Verwachsungen (Zwillinge nach (232)) nicht selten sind. Das spröde und sehr Harte Mineral kristallisiert im monoklinen Kristallsystem. Es ist gegenüber Säuren und der Verwitterung sehr beständig, so dass man es auch aufgrund des hohen spezifischen Gewichts von 3,7 - 3,8 g/cm³ in der Schwermineralfraktion von Sedimenten findet.

Schwermetall Zink - ein Problem?
Wie man oben erkennen kann, wird das Schwermetall Zink im Kristallgitter des Stauroliths fixiert. Das sehr stabile - chemisch wie mechanisch - Silikat Staurolith (man findet es in der Schwermineralfraktion von Sanden) ist in den Böden und unserem Klima völlig unlöslich, so dass das Zink in geschichtlichen Zeiträumen nicht frei gesetzt werden kann. Baut nun jemand im Verbreitungsgebiet der Mömbris-Formation, kann infolge eines lokal hohen Staurolith-Gehaltes das Erdreich bzw. der Fels zu einem Problem wird, weil die LAGA-Zuordnungswerte für Zink (weit) überschritten werden. Dann kann es passieren, dass ein Bauherr den "belasteten" Aushub teuer auf eine Deponie entsorgen muss. So wird in Deutschland per Regelwerk eine große Masse an Sondermüll erzeugt, der ohne Sinn und Nutzen für irgendjemanden, aber für viel Geld umher gefahren wird.   



Staurolithe von anderen Fundstellen

Staurolith
Große Staurolith-Durchkreuzungszwilling nach (232) gefunden bei Coray,
Finistere in Frankreich,
Bildbreite 6 cm

Staurolith
Großer, einfacher Staurolith-Kristall von Scaer, Finistere, Frankreich,
Bildbreite 11cm 

Staurolith aus Madgaskar
Frei gewitterte Durchkreuzungszwillinge des Staurolith aus Ampanihy,
Madagaskar,
Bildbreite 6 cm

Kreuzförmiger Staurolith
Kreuzförmig verwachsener Staurolith-Zwilling aus einem Staurolith-
Glimmerschiefer (2,5 - 2,7 Ga Jahre alt!) des Ploskay-Bergs (Semiostrovie)
in der östlichen Zentral-Halbinsel Kola, Murmansk-Region, Russland. Das
Vor-kommen ist nur ca. 100 x 100 m groß udn seit 1979 bekannt. Von
hier dürften die schönsten Staurolith-Zwillinge der Welt stammen
(LYKOVA. & PEKOV 2015). Stücke von hier werden auf nahezu allen
Minertalienbörsen angeboten,
Bildbreite 5 cm.

Staurolith Brasilien
Durchkreuzungszwilling eines Stauroliths aus Brasilien (leider ohne
nähere Angabe),
Bildbreite 5 cm

Cyanit und Staurolith
Der Klassiker: Staurolith (schwarz) und Cyanit (bläulich) im Paragonitschiefer
von Pizzo Forno im Tessin der Schweiz, gefunden im 19. Jahrhundert,
Bildbreite 14 cm


Staurolith Portugal
Rissiger Staurolith-Kristall in einem Glimmerschiefer von Mizarela, Albergaria
da Serra, Portugal. Man beachte, dass die orientiert eingewachsenen Glimmer-
blättchen die Schieferung in dem Staurolith nachzeichnen,
Bildbreite 10 cm

Staurolith Südtirol
Große Staurolith-Kristalle (z. T. verzwillingt) von Martell in Südtirol, Bild-
breite ca. 12 cm, Sammlung Roman Ebensperger
gesehen am Stand der Südtiroler Mineraliensammler auf den Münchner
Mineralientagen 2015

Staurolith Namibia  Staurolith-Zwilling
Links: Braune Staurolith-Kristalle im Gneis von Gorob, Namib-Naukluft-Park, Namibia, Bildbreite 7 cm; rechts Zwillingskristall nach (232), Bildbreite 4 cm


Literatur
BACKHAUS, E. (1967): Bericht über die Exkursion im Spessart, in der Wetterau, in der Hanau-Seligenstädter Senke und dem Sprendlinger Horst vom 28. März bis 1. April 1967.- Jber. u. Mitt. oberrh. geol. Ver. N. F. 49, S. 23 - 33, Stuttgart.
LANG, E. (2013): Der Ketterler-Gedenkstein in Kleinostheim.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart Heft August 2013, 107. Jahrgang, S. 17 - 21, 11 Abb. [Main-Echo GmbH & Co. KG.] Aschaffenburg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 470ff.
LYKOVA, I. S. & PEKOV, I. V. (2015): 3. The Semiiostrovie Staurolithe Locality (Kola Peninsula, Russia).- Mineralogical Almanac volume 20, issue 2, p. 94 - 95, 3 figs., [Mineral-Almanac Ltd.] Moscow.
MATTHES, S. (1953): Mineralsprossung und Stoffmobilisiation während der Metamorphose der Paragneise im mitteleren kristallinen Vorspessart unter Berücksichtigung der Staurolith-Genese.- Fortschr. Mineral. 32, S. 47 - 51, Berlin.
MATTHES, S. (1963): Exkursion in das Kristallin des Spessarts am 17. September 1962.- Fortschr. Miner. 41, S. 37f, Stuttgart.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer Führer Band 44, S. 85 - 89, Berlin.
MATTHES, S. (1978): Der kristalline Spessart (Exkursion C am 31. März 1978).- Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N. F. 60, S. 48, Stuttgart.
NEUBAUER, D. & REISS, W. (1967): Mineralien aus dem Spessart.- Der Aufschluss 18, S. 215 - 218, Heidelberg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- S. 41 ff, S. 43 - 44, München.
SMOLER, M. (1987): Petrographische, geochemische und phasenpetrologische Untersuchungen an Metasedimenten des NW-Spessart/Bayern.- unveröffentliche Dissertation der Bay. Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 256 S., Würzburg.
WEINER, K. L. & HOCHLEITNER, R. (1985): Steckbrief: Staurolith.- Lapis 10, Heft 2 Februar 1985, S. 8 - 11, München.



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