flüchtig hingehört, zwei Wörter, die sich
sehr ähnlich anhören,
aber sehr gegensätzliche Naturprodukte
benamen
von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Der Name "Spessart" wurde in den Geo-Wissenschaften (genauer Mineralogie
und Petrographie) mit zwei Namen eingeführt. Infolge der Ähnlichkeit
werden sie von Laien oft verwechselt. Deshalb soll hier der Unterschied
erläutert werden, was insbesondere im Fall des Spessartits nicht
gerade einfach ist:
Dabei handelt es sich um ein Mineral der Granat-Gruppe. Granate sind meist
kubisch kristallisierende Silikate mit einem sehr komplizierten Aufbau,
was die Anordung der Atome im Kristallgitter betrifft. Sie entstehen
vorwiegend während der Metamorphose (Umwandlung von Gesteinen bei
großer Hitze und Druck) von Gesteinen. Granate sind hauptsächlich
rot oder braun (bis heute wurde nie blaue gefunden), haben eine Härte
nach MOHS von 6,5 - 7,5. Eine Unterscheidung der einzelnen Minerale der
20 Mineralien der Granat-Gruppe (Almandin, Andradit, Calderit, Goldmanit,
Grossular, Henritmierit, Hibschit, Holstamit, Hydro-Ugrandit, Katoit,
Kimzeyit, Knorringit, Majorit, Morimotoit, Pyrop, Schorlomit, Spessartin,
Uvaroit, Wadalit, Yamatoit) ist mit einfachen Methoden meist nicht möglich.
Dazu muss zum Beispiel die chem. Zusammensetzung und/oder der Brechungsindex
ermittelt werden. Die wirtschaftliche Bedeutung ist heute gering, sowohl
was die frühere Verwendung als Schleifmittel wie auch als Schmuckstein
angeht.
Spessartine aus den Pegmatiten vom Wendelberg bei Haibach
Hellroter Spessartin-Kristall mit einer deutlichen Treppung des Kristallflächen, Bildbreite ca. 3,5 mm |
Hunderte winziger Spessartine im Pegmatit, Bildbreite 4 cm |
Roter Spessart-Kristall im Muskovit-reichen Pegmatit, Bildbreite 5 mm |
Zwei Spessartine in der Form verzerrter Rhombendodekaeder, Bildbreite 5 mm |
Rissiger, modellhaft ausgebildeter Spessartin-Kristall, (Ikositetraeder) Bildbreite 5 mm |
Spessartin als Rhombendodekaeder mit einem Ikositetraeder, Bildbreite 5 mm |
Der Spessartin ist das Mangan-Glied mit der idealisierten chemischen
Formel Mn3Al2[SiO4]3. In der Natur
werden oft ähnliche Atome in das Kristallgitter eingebaut, so
dass die tatsächliche Zusammensetzung oft (erheblich) abweicht. Es
gibt deshalb auch Mischkristalle, zum Beispiel mit dem Almandin, dem Eisen-Glied
der Granat-Reihe mit der chem. Formel Fe3Al2[SiO4]3.
Das chem. Element Eisen kann das Mangan ersetzen, so dass praktisch alle
denkbaren Übergänge in der Natur existieren können. Und
im Pyrop wurde statt Fe oder Mn Magnesium eingebaut, so dass auch mit diesem
Mineral eine Verwandtschaft gibt. Man spricht dann von einer Mischungsreihe,
so dass die meisten Spessartine neben Mn noch Fe, Mg, aber auch in Spuren
noch Ca und andere Metalle enthalten können..
Das spezifische Gewicht des Spessartins ist mit 4,2 g/cm³ deutlich
größer als das von Quarz mit 2,65 g/cm³ (RAMDOHR &
STRUNZ 1978, S. 666 ff).
Aus diesem Grund sind nicht alle Granate aus dem Spessart Spessartine. Meistens handelt es sich um Almandine, insbesondere wenn sie in den Gneisen, Quarziten oder Glimmerschiefern eingewachsen sind. Nur wenige Pegmatite führen wirkliche Spessartine. Sie sind besonders im Raum Glattbach-Aschaffenburg-Haibach (hier finden Sie auch weitere Fotos vom Spessartin) verbreitet. Im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Abbaue oder Abbauversuche auf diese Pegmatite wegen der damals gewinnbringenden Feldspatgewinnung. Dabei wurde Spessartin neben Turmalin und anderen, typischen Pegmatit-Mineralien reichlich gefunden und gelangte durch den damals schon bestehenden Handel auch in zahlreiche, bedeutende Mineraliensammlungen, auch in das Ausland. Die im Spessart gefundenen Spessartine sind bei zunehmender Größe (häufig schon ab 5 mm) oft rissig, braun und undurchsichtig, so dass keine schleifbaren Qualitäten vorliegen. Kristalle unter wenigen mm Größe sind meist gut ausgebildet (Rhombendodekaeder, Ikositetraeder und Kombinationen), klar und von gelbroter bis roter Farbe. Besonders die Exemplare, die in Glimmern eingewachsen sind, lassen sich ohne Beschädigung bergen. Die Spessartine des Spessarts (analysiert wurden wohl früher nur größere Kristalle) zeigen alle deutliche Almandin-Anteile (das Verhältnis Mn:Fe ca. 2:1, siehe WEINELT 1962, S. 233f), so dass auch hier Mischkristalle vorliegen. Der schönste Spessartin-Kristall aus dem Spessart - gefunden im 19. Jahrhundert - liegt wohl im Museum of Natural History in London!
Umgekehrt gibt es heute bedeutende Funde von Spessartin in Madagaskar, im San Diego Country Californien (USA), in Pakistan und neuerdings in China (OTTENS 2005) mit bis zu mehreren cm-großen Kristallen und in klarer, schleifwürdiger Qualität, wie sie aus dem Spessart nie bekannt wurden. Spessartine werden in Pegmatiten, Gneisen, Quarziten, Schiefern, in Rhyolith-Lithophysen und seltener in Skarn-Lagerstätten, gefunden.
getreppter Spessartin-Kristall in Edelsteinqualität,
rot, klar
durchsichtig und stark glänzend aus einem Vorkommen in
Brasilien
Bildbreite ca. 4 cm
Der wohl schönste bekannte Spessartin-Kristall ist transparent, hat
etwa 7 cm Durchmesser (!) mit schönen Innenreflexen, glänzende,
scharfe Flächen, wurde 2006 gefunden, stammt aus dem Shigar-Tal
in Pakistan und befindet sich in der Sammlung von Stuart Wilensky in
den USA (TOMPSON 2007:128f mit Abbildung) - ein Traumstück. Für
solche Steine werden auf dem internationalen Mienralien-Markt unvorstellbare
Summen bezahlt.
Der größte geschliffene Spessartin in Edelsteinqualität
ist ein "Mandarin-Granat" aus Nigeria, antik geschliffen bei Fa. Henn GmbH
in Idar-Oberstein und hat ein Gewicht von 78,03 ct. Er liegt im berühmten
(eine der besten Mineraliensammlungen der Welt) Houston Museum of
Natural Science in Houston, Texas.
Das Mineral wurde 1787 "im Spessart bei Aschaffenburg" vom russischen
Fürst Dimitrij Alexejewitsch GALLITZIN (1738-1803) aufgesammelt. GALLITZIN
war Gesandter in Paris und Den Haag und wohnte auch längere Zeit in
Braunschweig. Nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst baute er eine umfangreiche
Mineraliensammlung auf, die später nach Jena kam und von keinem geringeren
als Johann Wolfgang von GOETHE betreut wurde.
Die ersten chemischen Analysen wurde vom damals berühmten
Martin Heinrich KLAPROTH an dem damals noch "granatförmige Braunsteinerz"
- wegen des Mangangehalts - genannten Minerals gemacht.
Unscheinbares Stück rundliche Spessartine im Gneis von Schweinheim
bei
Aschaffenburg mit einem handschriftlichen Zettel von Martin Heinrich
Klaproth und einem Zusatz von Gustav Rose, Museum für Naturkunde
Berlin, Nr. 2004-4895,
Bildbreite ca. 12 cm
Die Namensgebung "Braunsteinkiesel" erfolgte dann 1813 durch den Mineralogen
J. F. L. HAUSMANN in seinem Handbuch der Mineralogie. Der pariser Mineraloge
François Sulpice BEUDANT benannte den Mangantongranat mit dem
Namen "Spessartine" im Jahre 1832.
Der Münchner Professor Franz von KOBELL veröffentlichte
erneute Analysen des Spessartins im Jahre 1868 (MURAWSKI 1992, S.
192f). Neuere Analysen finden sich bei WEINELT (1962, S. 233f).
Die gesamte Geschichte der Entdeckung einschließlich der Begründung
für die Typlokalität kann man unter LORENZ 2010:453ff nachlesen.
Bildergalerie von Spessartinen - weltweit:
Spessartin-Kristall aus einem Vorkommen in Pakistan, Bildbreite ca. 3 cm |
Kleine Spessartin-Kristalls auf einem großen Vesuvian- Kristall, Fsuhan, Hebei, China, Bildbreite 5 cm |
Spessartin-Kristall im drusigen Rhyolith von GarnetHill bei Ely in Nevada, USA, Bildbreite 2 cm. |
Eine "unmögliche" Paragenese: Spessartin mit Galenit, und Quarz von Broken Hill in Australien, Bildbreite 10 cm. |
Eine "unmögliche" Paragenese: Spessartin mit Galenit, Chalkopyrit, Pyrit und Quarz von Broken Hill in Australien, Bildbreite 5 cm. |
Ausgewitterte Spessartin-Kristalle (Rhombendodekaeder) aus dem Ankaratra-Gebirge bei Antsirabe auf Magagaskar, Bildbreite 9 cm. |
Durchscheinende Spessartin-Kristalle von Loliondo in Tansania, Bildbreite 3cm. |
Beschädigter Spessartin-Kristall aus einem Pegmatit von Knipan, Iveland, Südnorwegen, selbst gefunden im Sommer 1978, Bildbreite 5 cm |
Rissige Spessartin-Kristelle im Muskovit eines Pegmatits von Ljosland, Iveland, Südnorwegen, Bildbreite 10 cm. |
Hellrote bis braunrote Spessartin-Kristalle auf Quarz von der berühmten Fundstelle von Tongbei im Yunxiao County, Fujian Provinz, China, Bildbreite 4 cm |
Hellrote bis braunrote Spessartin-Kristalle auf und mit Quarz von der berühmten Fundstelle von Tongbei im Yunxiao County, Fujian Provinz, China, Bildbreite 2 cm |
Hellrote bis braunrote Spessartin-Kristalle auf und mit Quarz von der berühmten Fundstelle von Tongbei im Yunxiao County, Fujian Provinz, China, Bildbreite 4 cm |
Braunrote bis hellrote, klare bis undurchsichtige Spessartin- Kristalle (meist Ikositetraeder) auf dem weißen Feldspat mit farblosem Opal (stark fluoreszierend) von Tongbei im Yunxiao County, Fujian Provinz, China, Bildbreiten 14 cm. |
Braunrote bis hellrote, klare bis undurchsichtige Spessartin- Kristalle (meist Ikositetraeder) auf dem weißen Feldspat (wie links) von Tongbei im Yunxiao County, Fujian Provinz, China, Bildbreite des Ausschnitts 5 cm. |
Derber Spessartin als Gesteinsbestandteil aus einem metamorphen Vorkommen von Praborna im Aostatal, angeschliffen und poliert, Bildbreite 13 cm. |
Dabei handelt es sich um ein dunkelgrau bis schwarz gefärbtes lamprophyrisches
Gang-Gestein (also ein Gemisch aus einzelnen Mineralien), welches
mit dem Kersantit zur Gruppe der Lamprophyre gehört.
Lamprophyre sind dunkle Ganggesteine, vereinfacht ausgedrückt
das Gegenteil zu den Apliten (sie gibt es auch im Spessart). Sie sind
aus Schmelzen erstarrt, die im Erdinnern erzeugt wurden. Der Mineralbestand
wie auch der Kristallisationsverlauf der einzelnen Bestandteile wird
entscheidend von fluiden, wässerigen Phasen und vom Kohlendioxydgehalt
beeinflusst.
Der Spessartit besteht im Handstück aus einer dunklen Grundmasse,
die sich im Wesentlichen aus Feldspäten (Plagioklas > Kalifeldspat)
und Hornblende aufbaut. Olivin(-pseudomorphosen), Quarz, Erzmineralien
sind weitere Bestandteile mit sehr geringem Anteil. In der feinkörnigen
Grundmasse sind größere, grüne Hornblende-Einsprenglinge
verteilt (WIMMENAUER 1985).
Eine Abbildung aus dem Spessart findet sich bei MARESCH et.
al. (1987, S. 129 u. r.).
Links im Bild sehen Sie eine Bruchfläche des Spessartits
mit einem ca. 2,5 cm langen Feldspat-Kristall, rechts das Bild zeigt
einen angeschliffen
Spessartit (ca. 14 cm breit); beide stammen aus einem Vorkommen nahe der
Kirche von Gailbach.
Zu einer exakten Bestimmung von Gesteinen ist in der Regel ein Gesteinsdünnschliff (Dicke 0,03 mm) nötig, der unter einem Mikroskop mit speziellen Einrichtungen (unter anderem polarisiertem Licht) untersucht werden können. Darüber hinaus ist eine chem. Analyse vorteilhaft, weil damit auch nicht sichtbare Veränderungen erfasst werden können.
Das Gestein Spessartit wurde von dem heidelberger Geologie-Professor K. Harry F. ROSENBUSCH 1896 nach dem Spessart benannt. Er hat dies in Band 2 (3. Aufl.) seiner "Mikroskopischen Physiographie der massigen Gesteine" beschrieben. Der Name wird heute infolge seiner überwiegend lokalen Bedeutung nur in unfangreicheren Werken aufgeführt.
Der dunkelgraue bis rötlichgraue, oft auch schwarze Spessartit findet
sich als gangförmige Einschaltungen in den Dioriten und der Elterhof-Formation
des südlichen Vorspessarts. Sie treten meist in Gangschwärmen
auf. Die Mächtigkeit schwankt zwischen 0,3 und 12 m und beträgt
in der Regel 5 - 6 m.
Sie waren früher die Grundlage von zahlreichen, kleinen
Steinbruchbetrieben, heute noch erkennbar an den langen, schmalen,
heute alle aufgelassenen und verwachsenen Steinbrüchen.
Straßenpflaster am Schloss in Aschaffenburg, zum Teil aus Spessartit
bestehend,
aufgenommen am 03.02.2008
Man fertigte aus dem Basalt-ähnlichen Gestein neben
Schotter auch Pflastersteine, wie z. B. am Schloss in Aschaffenburg,
wo auf der Ostseite eine größere Fläche aus einem Spessartit-Pflaster
erhalten ist. Die Pflastersteine sind leicht rechteckig (ca. 14 x 16
cm) und ca. 17 cm in den Boden eintauchend. Der leichte Verjüngung sichert
einen festen Sitz im Verband. Mit diesen Maßen und einem Gewicht von
ca. 7 kg sind sie deutlich schwerer wie die typischen Pflastersteine aus
den basaltischen Gesteinen. Einzelne Pflastersteine des Spessartits sind
durch die Bauarbeiten an verschiedenen Stellen verschleppt worden und
man finden sie im Verband folegnder Straßen: Wermbachstraße,
Schönborner Hof, Schlossplatz, Paffengasse, Schlossgasse und Freihofgasse.
Infolge der fortschreitenden Bau- und Ausbesserungsarbeiten ist eine weitere
Verstreuung zu erwarten.
Einzelner, auf der Oberseite abgenutzter Pflasterstein aus dem
einem Lamprophyr der Reihe Spessartit-Kersantit (Bildbreite 30 cm),
rechts im Ausschnitt der am Rand gelegene, rundliche Kalifeldspat-Kristall
(Bildbreite 8 cm) und ganz rechts ein verzwillingter Kalifeldspat-Kristall
(nach dem Karlsbader Gesetz) mit der mittigen Zwillingsnaht an der nur
behauenen Seite des Pflastersteins. Die angeschliffene Oberseite zeigt,
dass das Stück in einer Straße eingebaut war und bei Bauarbeiten
nach langer Nutzungszeit ausgebaut und auf dem Bauhof gelagert wurde. Zur
Verfügung gestellt von Herrn Völker vom Bauhof der Stadt Aschaffenburg
(Tiefbauamt) am 26.04.2012. Das Gestein führt noch gelegentlich Quarz,
was man in den Fotos kaum erkennen kann. Als Herkunft ist einer der Steinbrüche
um Gailbach zu vermuten.
Das für Aschaffenburg so typische Stück ist in der
Gesteinssammlung des Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Aschaffenburg
(1. OG, Gang, Vitrine rechts) zu sehen.
Auch in Stockstadt!
Der Rinnstein in der Sackgasse der Galizienstraße enthält überraschenderweise
ebenfalls große Pflastersteine
aus Spessartit. Zwischen echten Basalten, den Steinen aus dem Untermain-Trapp
und lokalen Orthogneis sind
die Spessartite an den Quarzen und an den großen Kalifeldspat-Kristallen
leicht erkennbar,
aufgenommen während der Vorbereitungen zum Kulturrundweg am 17.05.2013.
Für einen Spessartit vom Nordabhang des Stengerts bei Aschaffenburg
(Schweinheim/Gailbach) wird folgende chem. Zusammensetzung angegeben
(WEINELT 1962, S. 230):
| Bestandteil: | Anteil in Gew.-% |
| SiO2 | 56,18 |
| TiO2 | 0,77 |
| Al2O3 | 16,14 |
| Fe2O3 | 3,44 |
| FeO | 4,27 |
| MnO | 0,36 |
| MgO | 4,74 |
| CaO | 6,45 |
| Na2O | 4,37 |
| K2O | 2,97 |
| P2O3 | 0,13 |
| SO3 | 0,04 |
| CO2 | 0,03 |
| H2O | 0,68 |
Das Nebengestein war schon erkaltet als die Schmelze in die Gänge eindrang. Veränderungen durch die hohe Temperatur wurden nicht beobachtet. Aufgrund der Überlagerung des Zechsteins wird das Alter als voroberpermisch eingestuft (>280 Millionen Jahre). Die mineralogische Zusammensetzung sowie das Gefüge ändern sich vom Salband zum Ganginnern, so dass in Teilbereichen verschiedene petrografische Bezeichnungen verwendet werden müssten (WEINELT 1962, S. 93 ff).
Nach den aktuellen Untersuchungen von WROBEL ist das eigenartige Gestein aus dem oberen Erdmantel im Spessart ca. 290 Millionen Jahre alt.
Die Abgrenzung der einzelnen Gesteine der Lamprophyre wie Kersantit - Spessartit
ist sehr schwierig und im Handstück nur schwer möglich, da man
die Menge der Mineral-Bestandteile kennen muss:
Enthält ein Lamprophyr mehr Alkalifeldspäte als
Plagioklas und mehr Biotit als Hornblende, dann liegt eine Minette
bzw. vorherrschend Hornblende ein Vogesit vor.
Ist der Plagioklas gegenüber den Alkalifeldspäten
dominierend, dann ist mit einer Biotit-Vormacht gegenüber der
Hornblende das Gestein als Kersandtit zu bezeichnen, bei einer Vormacht
der Hornblende liegt ein Spessartit vor.
Enthält der Kersantit dann Biotit in einer Matrix aus
Plagioklas und Quarz, so wurde das Gestein früher als "Aschaffit"
bezeichnet (Lokalname).
Wer sich näher damit beschäftigen will, dem sei
zur Nomenklatur das Buch von LE MAITRE (Ed.) (2003) empfohlen.
Anhang:
Bei den Mineralien - im Gegensatz zu den Gesteinen leicht zu definieren
- gibt es ein Verfahren zur Benamung (DUNN et al. 1988). Die CNMMN
(Commission on New Mineral and Mineral Names) der IMA (International
Mineralogical Association) prüft nach dem Einreichen die Daten
und den Anspruch zu einem neuen Mineral und der Einreicher kann dann das
neue Mineral in der Literatur beschreiben (NICKEL & NICHOLS 1991).
Zur Zeit sind ca. 4.450 verschiedene Mineralien bekannt; jährlich
kommen ca. 30 bis 40 neue hinzu, einige werden meist aufgrund besserer
Analysenmöglichkeiten verworfen (diskretidiert). Praktische Bedeutung
und verbreitet sind jedoch nur ca. 250 Mineralien, die in den meisten,
bebilderten Mineralien-Führern beschrieben werden. Es geibt derzeit
in deutscher Sprache kein Buch, in dem alle Mineralien aufgeführt
sind. In englischer Sprache sind in den letzten Jahren einige, teils mehrbändige,
Werke erschienen, die alle zu Druckzeitpunkt bekannten Mineralien beschreiben
bzw. aufführen.
Für die Benamung von Gesteinen existieren keine verbindlichen Regeln,
was zu einer unüberschaubaren Fülle (einige Tausend) von
Gesteinsnamen samt Varietäten und in der Wirtschaft genutzten
Namen in den letzten 200 Jahren geführt hat. Für bestimmte
Gruppen von Gesteinen wurden allgemein akzeptierte Klassifizierungen
erstellt (z. B. QAPF-Doppeldreieck nach STRECKEISEN für magmatische
Gesteine), die Eingruppierung in dieses System ist jedoch ohne detaillierte
Untersuchungen nicht möglich.
Ein Beispiel für die Schwierigkeit der Benamung von Gesteinen
möge dies erläutern:
Aus einer SiO2-reichen Schmelze kann eine Vielzahl
von Gesteinen entstehen, je nachdem wie lange die Schmelze abkühlt
(natürlich beeinflussen Druck, flüchtige Bestandteile usw.
auch die Genese): rasche Abkühlung erbringt ein Glas (Obsidian),
viel Gas und rasche Abkühlung ein schaumiges Glas (Bimsstein),
langsame Abkühlung (Rhyolith), geologisch langsame Abkühlung
(Granit), hoher Wassergehalt (Pegmatit) je langsamer die Abkühlung,
um so größer können die Kristalle wachsen. Aufgrund der
Größe von natürlichen Vorkommen kann dann der Rand eines
Ganges schnell, das Innere langsam abkühlen, so dass dann alle denkbaren
Übergänge auftreten können.
Literatur:
LORENZ, J. (1995): Spessartin oder Spessartit?.- Mitteilungsblatt der
Naturkundestelle Main-Kinzig, 7 (1), S. 35 - 37, Gelnhausen
OKRUSCH, M. & MATTHES, S. (2009): Mineralogie. Eine
Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und
Lagerstättenkunde.- 8. vollständig überarbeitete
und erweiterte Aufl., 658 S., 438 Abb., davon 133 in Farbe),
zahlreiche Tab., [Springer Verlag] Berlin.
Spessartin:
DEER, HOWIE & ZUSSMANN (1982): Rock Formig Minerals, Vol.
1A (2nd ed.), p. 468 - 602 [Longmann-Wiley] New York.
American Min. 56, (1971) p. 791
BAUER, J., BOUSKA, V. & TVRZ, F. (1982): Edelsteinführer.-
227 S., [ARTIA-Verlag] Prag.
DUNN, P. J. & MANDARINO, J. A. (1988): The Commission
on New Minerals and Mineral Names of the International Mineralogical
Association; Its history, purpose and general practice.- The Mineralogical
Record Vol. 19, p. 319 - 323, Tucson (Arizona).
HOCHLEITNER, R. & WEISS, S. (2004): Steckbrief Spessartin.-
Lapis 29, Nr. 6, S. 8 - 11, 4 Abb., [C. Weise Verlag] München.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER,
J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische,
petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten
in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 453ff.
MURAWSKI, H. (1992): "Nur ein Stein".- 308 S., Museen der
Stadt Aschaffenburg.
NICKEL, E. H. & NICHOLS, M. C. (1991): Mineral Reference
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OTTENS, B. (2005): Tongbei Spessartine Localities, Fujian
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2005, p. 35 - 43, 14 figs., [The Mineralogical Record Inc.] Tucson,
Arizona.
RAMDOHR, P. & STRUNZ, H. (1978): Klockmanns Lehrbuch der
Mineralogie.- 16. Aufl., überarbeitet und erweitert, 876 S.,
[F. Enke Verlag] Stuttgart.
THOMPSON, W. A. (2007): Ikons Classic and Contemporary Masterpieces
of Mineralogy.- The Mineralogical Record Supplement Vol. 38,
No. 1, January-February 2007, 192 p., sehr viele großformatige
Abb., Tucson.
WEINELT, W. (1962): Erläuterungen zur Geologischen Karte
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[Cambridge University Press] Cambridge, UK.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER,
J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische,
petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten
in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 698ff.
MARESCH, W., MEDENBACH, O. & TRIOCHIM H.-D.(1987): Gesteine.-
Die farbigen Naturführer, 287 S., [Mosaik Verlag] München.
WEINELT, W. (1962): Erläuterungen zur Geologischen Karte
von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 6021 Haibach.- 246 S., [Bay. Geolog.
Landesamt] München.
WIMMENAUER, W. (1985): Petrographie der magmatischen und metamorphen
Gesteine.- 382 S., [F. Enke Verlag] Stuttgart.
WROBEL, P (2001): im Druck
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