Das Naturwissenschaftliche Museum
der Stadt Aschaffenburg

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
 

Schönborner Hof
Der Schönborner Hof am Kreisel der Wermbachstr. in Aschaffenburg,
aufgenommen am 05.04.2003


Lage
Geschichte
Öffnungszeiten
Bestände
Steingarten


Lage:

Das Naturwissenschaftliche Museum oder Museum für Naturkunde der Stadt Aschaffenburg ist seit 1970 in der westlichen Hälfte des „Schönborner Hofes“ an der Wermbachstraße im Zentrum von Aschaffenburg untergebracht. Das im Stiel der Zeit errichtete, U-förmige und schöne Gebäude wurde im Auftrag von Melchior Friedrich von SCHÖNBORN in den Jahren 1673-1681 erbaut.
Im östlich gelegenen Flügel ist das Stadt- und Stiftsarchiv und der Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg e. V. mit einer großen, öffentlich zugänglichen und lokal sehr bedeutenden Bibliothek untergebracht. In dem Dachgeschoß sind Lager mit archäologischen Funden eingerichtet worden.

Adresse:
Naturwissenschaftliches Museum der Stadt Aschaffenburg
Wermbachstr. 15
63739 Aschaffenburg
Tel.: 06021/45610523
FAX: 06021/27254
 

Geschichte:

Die Sammlung geht auf die königliche Forsthochschule in Aschaffenburg zurück, die bereits 1910 nach München verlegt wurde. Der älteste Teil der Sammlung stammt von 1832. Nach dem Umzug 1910 blieb ein Teil der Sammlungen in Aschaffenburg und konnte ab 1911 von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Im 2. Weltkrieg war der Bestand in Soden ausgelagert und zumindest teilweise geplündert. 1950 wurden Teile wieder in der früheren Oberrealschule ausgestellt. Zuwachs erhielten die Bestände durch die Zuführung von privaten Sammlungen, so auch die bedeutende Wanzensammlung von Karl SINGER. Mit dem Abriss des des Gebäudes musste ein neuer Platz gefunden werden, was im Schönborner Hof auch gelang. Seit 1970 sind die Bestände wieder öffentlich zugäng. Die heute sichtbare Umgestaltung der Einrichtungen erfolgte 1982. Die Bestände werden seither kontinuierlich ergänzt. Eine Erweiterung ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht möglich.
Die Bestände werden heute noch vom Naturwissenschaftlichen Verein, der 14.11.1878 gegründet wurde, nach Möglichkeit erweitert.
Infolge der seit Jahren anhaltenden, schwierigen finanziellen Verhältnisse macht das Museum einen etwas "verstaubten" Eindruck, was aber nicht für die Exponate gilt - ein Besuch ist deshalb umso wichtiger, dass die Besucherzahlen nicht weiter nach zurück gehen.
 

Bestände:

Im Erdgeschoß ist eine Sammlung zur allgemeinen Naturkunde und Ökologie mit Vögeln, Säugetieren, Pilzen und Pflanzen aus der Region des Spessarts untergebracht.

Für Vorträge und Schulungen wurde 2011 ein Raum renoviert und mit einem Beamer ausgerüstet, so dass man hier Vorräge in einer angenehmen Atmosphäre halten kann. Die Einweihung erfolgt am 16.12.2011 im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit dem Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg und einem kurzen Vortrag über ein Mineral, welches man nicht sammeln und im Museum ausstellen kann: Eis. Damit ist das Museum um eine wertvolle Einrichtung reicher. 

In einem seitlichen Raum findet sich ein Raum mit Erinnerungen an das Erzgebirge um die Stadt Graslitz, aus deren Stadt viele Menschen eine neue Heimat in und um Aschaffenburg fanden.

Im 1. Obergeschgoß wird der größte Raum von der systematischen Mineraliensammlung eingenommen. Hier gibt es auch eine Vitrine mit Mineralien aus dem Odenwald und eine Vitrine mit Schmuck- und Edelsteinen. Eine verdunkelte Kabine mit UV-Mineralien rundet das Arrangement ab.
 

systematische Mineraliensammlung Arsenate, Wolframate
systematische Mineraliensammlung Carbonate
Achate Carbonate: Azurit, Malachit
Ein Blick in die Vitrinen! Silikate

 Im hinteren Teil werden Teile der bedeutenden Insektensammlung ausgestellt.

Gang
Der lange Gang

Der lange Gang ist mit Vitrinen zu folgenden Themen ausgenutzt:
Gesteine des Spessarts mit einer großen Verbreitungskarte,
Fossilien aus allen Erdzeitaltern,
Mineralien aus Bieber mit seinem Bergbau auf Kupferschiefer, hydrothermale Kobalterze und auf metasomatische Eisenerzlagerstätten (1),

Als Besonderheit ist darin neben einem
originalen Taler aus dem Silber von Bieber
als auch ein Kuxschien aus Bieber ausgestellt.

Mineralien aus dem Rhyolith der Hartkoppe bei Sailauf (2),
den Kupfer- und Bleimineralien aus dem Zechstein-Dolomit von Altenmittlau (3)
Altenmittlau-Vitrine
Hier sind die bunten Mineralien des Steinbruches
der Familien Schmitt in schönen Exemplaren ausgestellt.

und dem kleinen Kupferabbau der Grube "Wilhelmine" bei Sommerkahl (1).
Ein weiterer Raum dient als Magazin, einer für den Kustoden, einer zur Bearbeitung von Gesteins- und Mineralien und ein weiterer für Mollusken, Fische, Landkrabben, lebende Insekten usw.

Der computermäßig erfaßte Bestand (bis jetzt nur die Mineralien) beläuft sich auf ca.: 2.500 Mineralien, 500 Gesteine, 300 Fossilien, 5 Meteorite und 100 Edel- und Schmucksteine

Die Spezialitäten und der Schwerpunkt des regionalen Museums sind die reichen Bestände an Mineralien und Gesteinsproben aus dem nahen Spessart. Insbesondere gehören zum Inventar geschlossene Sammlungen folgender Lokalitäten:

- Zechstein-Dolomit von Altenmittlau (Steinbruch der Fa. SCHMITT)

- Hartkoppe bei Sailauf (Steinbruch der Fa. Hartsteinwerke Sailauf GmbH)Calcit von der Hartkoppe


vor dem Eingang lagen Großstufen
- ehemal. Grube „Wilhelmine“ bei Sommerkahl
- Feldkahl/Rottenberg (Steinbrüche der Fa. HUFGARD)
- zahlreiche Belegstücke aus dem heutigen Stadtgebiet von Aschaffenburg
- die besten Stücke aus der Sammlung Karl GOTTLIEB (früher Bad Orb; der Spessart-Teil dieser sehr umfangreichen Sammlung aus der Zeit zwischen 1930 und 1975 konnte 2001 für das Museum erworben werden)
- Mineralien aus dem Diorit-Steinbruch von Dörrmorsbach

Die geologisch-mineralogischen Sammlungen werden von Jaochim Lorenz betreut.
 

Öffnungszeiten:

Donnerstag-Dienstag von 9 - 12 und 13 - 16 Uhr, Sonntags von 9-12 und 13-16 Uhr, Mittwochs geschlossen.
Eintritt: 1 €

Steingarten:

Auch außerhalb der Öffnungszeiten ist der Steingarten göffnet. Man erreicht ihn, indem man sich nach Osten wendet und das Gebäude nach Norden umläuft. Hier sind zahlreiche, bis zu tonnenschwere Gesteinsblöcke aus dem Spessart ausgestellt und mit Tafeln erläutert:

Steingarten
Von dem Steingarten gibt es ein Faltblatt,
welches im Museum erhältlich ist.
aufgenommen am 05.04.2003
 


Literatur/Führer:

Es gibt z. Zt. leider keinen aktuellen Führer durch die Sammlungen.

LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 836f.
SCHMIITTNER, M. (2007): Zwischen Paradiesvögeln und Raubwanzen. Das Naturwissenschaftliche Museum in Aschaffenburg ist ein Erlebnis der besonderen Art.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 101. Jahrgang, Heft 4 2006, S. 3 - 10, 13 Abb., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
JENDERKO-SICHELSCHMIDT, I. & MURAWSKI, H. (1987): Die Museen der Stadt Aschaffenburg.- Braunschweig


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