Ausbeute-Taler (Bergbautaler)
aus dem Silber von Bieber*
im Spessart

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main




*nicht das Bieber bei Gießen oder das bei Offenbach am Main!
Bieber gehört heute zur Gemeinde Biebergemünd. 

Das Silber aus Bieber wurde in (wenigen) Medaillen, Ausbeutetalern (Talern und Halbtalern) ab 1748 ausgemünzt. Die letzten Münzen der Bieberer Taler erschienen in sehr kleiner Auflage im Jahre 1802 und sind dementsprechend sehr wertvoll. Da es sich bei den Bergbautalern um Umlaufgeld handelt, ist der Erhaltunsgrad sehr unterschiedlich, wobei die Münzen von 1770 und 1771 wohl am meisten abgegriffen sind. Allen ist gemein, dass auf der Rückseite (bei wenigen auf der Vorderseite in Latein) steht, dass das Silber aus Bieber stammt:

 
Vorderseite
Rückseite
Erläuterungen
Bieber Ausbeutemedaille
Bieber Ausbeute-Medaille
Aus dem Jahr 1748 stammt diese Ausbeutemedaille ohne Jahreszahl, die wohl nur zu Geschenkzwecken geprägt worden ist. Die vom schwedischen Medailleur HEDLINGER geschaffene Medaille ist mit 52 mm Durchmesser deutlich größer, dicker und mit 76 g
auch schwerer als die später geprägten Taler. Nach SPRUTH (1979:44)
wurden davon nur 24 Stück geprägt, so dass es sich um eine große Seltenheit handelt. Die Vorderseite zeigt den Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel als geharnischtes Brustbild mit Mantel, die Rückseite
eine Obelisken mit Löwenschild auf einem Felsen in der aufgewühlten See, darüber der Wahlspruch "RECTUS ET IMMOTUS" (zu deutsch etwa geradeaus und unbewegt).
Es gibt auch gusseiserne Ofenplatten
mit diesem Motiv aus der gleichen Zeit um 1750. 

Bieber-Taler 1754 VS Bieber-Taler 1754 RS Taler aus Silber von 1754
mit Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (1751-60),
41,7 mm Durchmesser,
26,083 g Gewicht. 

(Die Münze zeichnet sich durch ein höheres Gewicht aus, so dass nur 9 Münzen
eine Mark ergeben)
kein Bild

Taler 1759
Halbtaler 1769 VS
1769 Halbtaler RS Hanau-Münzenberg: stark abgegriffer Halb-Taler aus Silber von 1769 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel hier steht in lateinischer Umschrift, dass das Silber aus Bieber kommt: "EX VISCERIBUS FODINÆ  BIEBER", was übersetzt bedeutet: "Aus den Eingeweiden der Gruben von Bieber".
20 solche Münzen haben
das Gewicht einer Marck (Münzfuß)

kein Bild

Taler 1769 nur mit Kopfbild
Taler 1769 Vorderseite
Taler 1769 Rückseite Hanau-Münzenberg: Konventions-Taler aus Silber von 1769 mit Wilhelm IX.
von Hessen-Kassel 
hier steht in lateinischer Umschrift, dass das Silber aus Bieber kommt: "Visceribus fodina Bieber".
10 solche Münzen haben
das Gewicht einer Marck (Münzfuß)

Bieber-Taler 1770 VS Bieber-Taler 1770 RS Hanau-Münzenberg: Konventions-Taler aus Silber (Zainende**) von 1770 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel hier steht in lateinischer Umschrift, dass das Silber aus Bieber kommt: "Visceribus fodina Bieber".
10 solche Münzen haben
das Gewicht einer Marck (Münzfuß)
Hanau-Münzenberg: Halb-Taler aus Silber von 1771 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel; hier steht in lateinischer Umschrift auf der Vorderseite, dass das Silber aus Bieber kommt: "Ex visceribus fodina Bieber".
Bieber-Taler 1771 VS Bieber-Taler 1771 VS Hanau-Münzenberg: Konventions-Taler aus Silber von 1771 mit Wilhelm IX.
von Hessen-Kassel;
es ist mit dem von 1770 wohl der häufigste noch vorhandene Taler aus Bieber
Wilhelm IX. (I). von Hessen-
Kassel (1760 - 1785):
Konventions-Taler aus Silber
von 1774; Ab hier steht in einer
Kartusche unterhalb des
Wappens der Text "Bieberer
Silber".
Taler 1775 VS

Taler 1775 RS


Wilhelm IX. (I). von Hessen-
Kassel (1760 - 1785):

Konventions-Taler aus Silber von 1775. Die Münze hat einen
Randfehler (Zainende) 

kein Bild

Taler 1777
Bieber-Taler 1778 VS Bieber-Taler 1778 RS Konventions-Taler aus Silber von 1778. Das Stück ist nicht sehr gut geprägt (Prägeschwäche) und war als Umlaufgeld im Handel, so
dass das Brustbildnis stark abgenutzt erscheint. 
Taler Bieber 1784
Taler Bieber 1784
Konventions-Taler mit dem Eintrag "Biberer Silber" in der Kartusche unter dem Wappen. Material Silber, geprägt 1784
Bieber-Taler 1785 VS Bieber-Taler 1785 RS Konventions-Taler aus Silber von 1785 
Bieber-Halbtaler 1786 VS Bieber-Halbtaler 1786 RS Halber Taler aus Silber von 1786 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (1785-1803), 32,8 mm Durchmesser,
14,003 g Gewicht. In der Kartusche unter dem
Wappen steht nur die Abkürzung "Biber: Silb;"
für Bieberer Silber.
20
solche Münzen haben
das Gewicht einer Marck (Münzfuß)
Bieber-Taler 1787 VS Bieber-Taler 1787 RS Konventions-Taler aus
Silber von 1787; ab hier
steht der Text "Bieberer Silber" über dem Wappen
auf der Rückseite
Bieber-Taler 1789 VS Bieber-Taler 1789 RS Taler aus Silber von 1789
mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (1785-1803), 39,6 mm Durchmesser,
27,988 g Gewicht.
kein Bild

Taler 1790
Bieber-Taler 1791 VS Bieber-Taler 1791 RS Konventions-Taler aus Silber von 1791
Taler 1793 VS
Taler 1793 RS




Konventions-Taler aus Silber von 1793

Konventions-Taler aus Silber von 1794
Konventions-Taler aus Silber von 1796 mit der Aufschrift: "Biberer Silber" über dem Wappen
Taler 1798 VS
Taler 1798 RS





Konventions-Taler aus Silber von 1798
Bieber Thaler
Bieber Thaler
Konventions-Taler aus Silber von 1800 mit der Aufschrift: "Biberer Silber" über dem Wappen und Wilhelm IX.
als Kopfbild

Ausbeutetaler 1802 VS
Ausbeutetaler 1802 RS

Bergbau-Taler (Konventionstaler) aus Ag
von 1802 mit der Aufschrift: "Biberer Silber" über dem Wappen und Wilhelm IX.
als Kopfbild. Es handelt
sich wohl um den seltensten der Bergbauprägungen aus dem Silber von Bieber.

Die Taler aus Bieber sind sehr unterschiedlich häufig. Die Jahrgänge von 1771 sind sehr häufig, aber meist nicht sehr gut erhalten, da es sich um Umlaufgeld handelt; dabei wurde das weiche Silber schneller abgenutzt wie die heutigen Münzlöegierungen des Euro (€). Die Jahrgänge von 1787 oder 1796 werden immer wieder angeboten. Wirklich selten sind die Jahrgänge 1754 und die nach 1800 - und die Medaille. Wenn man davon ausgeht, dass der durchschnittliche Sammler seine Sammlung maximal 50 Jahre behält und die Münzen dann verkauft werden, dann müsste man abschätzen können, wie viele Taler aus Bieber es noch gibt. In Deutschland werden jährlich ca. 10 bis 20 solche Bergbautaler über Auktionen und den online-Handel auf den Markt getragen. Dazu kommen Bestände der öffentlichen Museen, der Banken und die Münzkabinette, so kann man daraus überschlagen, dass es in den Sammlungen noch etwa 1.000 solche Taler aus Bieber geben müsste. Damit gehören die Bergbaugepräge aus Bieber zu den häufigen Münzen der Sparte Bergbauprägungen. 


Wo kam das Silber her?
Das Silber für die Münzen war ein Produkt des Kupferschieferbergbaues um Bieber. Silber ist in sehr geringen Mengen (<0,5%) an Fahlerze (Tennantit) und in geringem Umfang auch an andere Kupfererze gebunden (mit dem bloßen Auge nicht oder nur selten sichtbar). Es wurde im Ort Bieber aus dem gemahlenen (gepochten) Kupferschiefer in einem komplexen Aufbereitungsprozess (Schmelzaufschluss im Saigerprozess) gewonnen. Dazu benötigte man das Schwermetall Blei, welches aus dem ebenfalls im Kupferschiefer enthaltenen Galenit gewann. Das manchmal darin enthaltene Silber trug so gut wie keinen Beitrag zur Silberausbringung bei (wie in anderen Silberbergwerken auch, siehe dazu BARTELS 2014). Im Blei kann man Silber auflösen, so dass eine Legierung aus Blei mit Silber entsteht. Dann wurde das leicht oxidierbare Blei in einem offenen Herd oxidiert und abgezogen, bis das Silber übrig blieb ("Blicksilber"). Das so erhaltene Metall wurde dann zu Blechstreifen (Zain) gewalzt, davon wurden Ronden ausgestanzt und dann mittels stählerner Stempeln zu den Münzen in Hanau (und Kassel) geschlagen. Das Bleioxid wurde anschließend wieder zu Blei reduziert und dem Prozess wieder zugeführt. Die Verwendung des Bleioxids als rotes Farbpigment ("Menninge") ist seit der Antike bekannt, aber aus Bieber nicht überliefert, da man immer zu wenig Blei hatte. .
  



**Der Zain war das längliche gewalzte (hier Silber-)Blech, aus dem die Ronden für die Münzen gestanzt wurden. Wenn die Einteilung der Ronden nicht ganz nicht reichte, hatte die letzte Ronde bzw. die spätere Münze eine mehr oder minder gerade Fehlstelle. Da die Herstellung der Zain wie auch der Ronden und der Münzen Handarbeit war, wurden solche Ronden bzw. Münzen nicht aussortiert und neu eingeschmolzen, sondern in Umlauf gebracht. Ungleichheiten im Gewicht wurden meist durch Abfeilen korrigiert ("justiert"). Verbreitet sind kleine Lunker im Münzbild und auch randliche Risse. 


Aus der Region (Wertheim) ist eine Münzstättenzeichnung aus der Zeit um 1701 überliefert, aus der man schließen kann, wie die Münzstätte in Hanau bzw. Kassel ausgesehen haben kann (SAUER 2013:29 ff). Neben einem Schmelzofen betrieb man einen Glühofen. Ein Walzwerk (Streck) wurde benutzt um aus einem Silberbarren den Zain zu walzen. Mit einer Stanze (Durchschnitt) erzuegte man den Schrötling. Der Antrieb der Maschinen erfolgte über einen Pferdegöpel (an anderer Stelle vermutlich auch ein Mühlrad). Zu der Produktionsstätte gehörte eine Schlosserei mit Schraubstock, Drehbank, Werkbank und das zugehörige Werkzeug. Weiter ein Amboss, eine Schmiede und ein Blasebalg. Zur Herstellung der Münzen verwandt man den Münzstock, eine Spindelpresse zum Prägen. Für kleine Münzen benutzte man das Klipwerk, eine Art Hebelpresse. Dazu benötigte man neben dem Münzmeister einen Münzward, Probiermeister, Schlosser, Gießer und Hilfskräfte. 


 
Münzfreunde
25.06.2011: Die Münzfreunde aus Mannheim unter der Führung von Gerhard Graab und Max Hayart zu Besuch beim Geschichtsverein von Biebergemünd unter Leitung von Peter Nickel. Hier war eine ganze Vitrine mit originalen Talern aus Bieber ausgestellt, darunter auch ganz seltene Exemplare, die Mitglieder des Geschichtsvereins in Bieber ausnahmsweise zur Verfügung stellten. Der Münz-Verein machte eine Fahrt fast durch den gesamten Spessart, begonnen in Miltenberg, unterbrochen im Grafschaftsmuseum in Wertheim mit seiner umfangreichen Münzsammlung und abgeschlossen im Glasmuseum. In Heigenbrücken fand die Mittagsrast statt. Und in Bieber gab´s dann Kaffee und Kuchen. Im Dauerregen fuhr man zurück nach Mannheim.  
 


Mit Geld rechnen?

Im Zeitalter des € kann man sich kaum vorstellen, welche Probleme das Münzgeld des 18. Jahrhunderts mit sich brachte.  Papiergeld gab es noch nicht, so dass man alles bar mit Münzgeld bezahlen musste.
Und hatte doch jedes Königreich, jede Grafschaft und Herzogtum und viele Städte ihr eigenes Geld, meist mit dem Köpfen der regierenden. Und trotz einer Münzgewichtsübereinkunft (Konvention) war die Teiligkeit geprägt von sehr vielen Kleinmünzen mit unterschiedlichen Gewichten und Materialien (Silber, Kupfer), die dann (ohne Taschenrechner, aber vielleicht mit einem Abakus) umgerechnet werden mussten. So gab es neben dem (Konventions-)Taler und seinen Teilen (2/3, 1/2, 1/3, 1/4, 1/6, 1/8, 1/12, 1/16, 1/24, 1/48 und 1/84!) noch den Albus, Pfennig, Körtling, Schilling, Kreuzer, Groschen, Heller und Dukat. Dazu noch Doppeltaler und Münzen mit abweichenden Gewichten, wie z. B. der Taler aus Bieber von 1754 mit einem höheren Gewicht, dass nur 9 Taler eine kölsche Mark ergaben.


Von den früheren Zahlungsmitteln aus dem Gebiet des Spessarts sind die Münzen aus Hanau-Münzenberg bzw. Hessen-Kassel sehr häufig. Ähnlich ist es auch mit denen von Wertheim, man beachte dazu das Münzkabinett im Grafschaftsmuseum mit der größten Münzssammlung in der Region. Auch von Mainz sind reichlich Münzen überliefert und im Handel. Münzen aus Aschaffenburg werden ganz selten angeboten und sind in Museen sehr selten zu sehen. Die seltensten Münzen sind die der Grafen von Rieneck aus Lohr. Hier sind nur etwa 20 Stück überhaupt bekannt (WEIGAND 1964) und ich selbst habe noch nie eine selbst gesehen. Das liegt wohl einerseits am frühen Aussterben der Linie (1559) und dass das Münzrecht nur von 1398 und 1521 bestand. Die Kleinmünzen sind wenig attraktiv und wurden in Gegensatz zu den größeren Geprägen der späteren Zeiten wohl auch nicht gesammelt. 



Literatur:
BARTELS, C. (2014): Bleiglanz als hauptsächliches Silbererz des Mittelalters und der frühen Neuzeit? Zur Entstehung und Geschichte eines grundlegenden Irrtums.- Der Anschnitt Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau, 66. Jahrgang, Heft 6/2014, S. 190 - 213, 12 Abb., Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e. V. Bochum [Meiling Druck] Haldersleben.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 717ff.
SAUER, S. (2013): Zur Münzgeschichte der Grafschaft Wertheim während der Kipper- und Wipperzeit.- Wertheimer Museumsschriften  Bd. 22/2013, 130 S., 32 SW-Abb., Tab., [Druckerei Robitschek] Wien. 
SPRUTH, F. (1979): Die Bieberer Bergbautaler Ein Katalog sämtlicher Bieberer Prägungen von 1754 bis 1802, verbunden mit einem Beitrag zur Geldgeschichte der Grafschaft Hanau und der Landgrafschaft Hessen-Kassel sowie mit einer Darstellung der Bergbaugeschichte von Bieber.- Veröffentlichung der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte e. V., Nr. 7, 111 S., einge SW-Abb.,  Frankfurt. 
WEIGAND, W. (1964): Münzen und Medaillen der Grafen von Rieneck. Eine münzkundliche Studie zur Lohrer Heimatgeschichte.- Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte Band 14, S. 147 - 184, Tafeln 11 - 12, 



Ein Teil der abgebideten Münzen befinden sich in der Sammlung der Deutschen Bundesbank in Frankfurt und wurden freundlicherwiese von Frau Dr. HAGEN-JAHNKE zur Abbildung zur Verfügung gestellt (23.01.2001).
Die restlichen Stücke in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand befinden sich in verschiedenen privaten Münzsammlungen der Region und bei befreundeten Sammlern.

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