Der historischen Bergbau auf die hydrothermalen Co-Ni-Bi-Gänge, den Kupferschiefer des Zechsteins und die karbonatischen bis oxidischen Fe-Mn-Vererzungen
von Bieber im Spessart


von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Wichtiger Hinweis:
Der Bergbau auf die Silbererze des Kupferschiefers wurde 1807, der auf die Kobalt-Erze wurde 1867 und auf Eisen-(Mangan)-Erze wurde 1923 eingestellt. Infolge der seit langem anhaltenden Sammelaktivitäten sind die wenigen Halden außerhalb des Naturschutzgebietes im Lochborn abgesucht. Infolge der hohen Niederschläge sind alle empfindlichen Phasen in den Halden zumindest angelöst, wenn nicht bereits zerstört.
Es versteht sich von selbst, dass ein Sammeln innerhalb des Naturschutzgebietes im Lochborn ausdrücklich verboten ist! 


Schachtpinge im Lochborn
Mit Bäumen bestande Halde um eine Schachtpinge im Lochborn bei Bieber,
aufgenommen am 11.10.2008


Zur Pflege der Wiesen im Lochborn werden auch Ziegen eingesetzt, so dass die
Flächen nicht verbuschen; dies ist einer der Ziele des Naturschutzes*,
aufgenommen am 11.10.2008

 



Zusammenfassung
Der vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert anhaltende Bergbau in um um Bieber) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Biebergemünd im hessischen Teil des Spessarts östlich von Gelnhausen) war insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert weit über die Grenzen bekannt (siehe Okrusch et al. 2011, S. 283ff, Aufschlüsse Nr. 263 - 271).

In die Mineralogie unauslöschlich eingegangen ist der Mineralname Bieberit, der nach dem Ort von hier beschrieben worden ist. Ebenso stammt das Mineral Rösslerit auch aus Bieber, so es die Typuslokalität für das Mineral ist.
Sehr ausführliche Schilderungen zur lokalen Geologie des bieberer Raumes und zum Auftreten der Erze auf den hydrothermalen Gängen finden sich bei BÜCKING (1891 und 1892)  DIEDERICH & LAEMMLEN (1964) und  DIEDERICH (1969). Leider gibt es keine neueren, umfassende geologisch-mineralogische Beschreibungen.

In und um Bieber wurden drei verschiedene Bergbaue betrieben, sich deutlich unterschieden lassen:
Es ist schriftlich belegt, dass im Mittelalter ein Abbau des Kupferschiefers begonnen wurde. Dabei baute man eine wenige cm bis einige dm dicke Schicht eines schwermetallhaltigen Zechsteinsedimentes ab, welches flächendeckend des Zechstein-Dolomit unterlagert. Gehalte der Metalle liegen maximal bei ca.: 0,7 % Kupfer, 2,4 % Blei, 1,7 % Zink und 0,007 % Silber. Dieser Bergbau erzeugte ein weites aber sehr niedriges Stollensystem, welches unter kaum vorstellbaren Arbeitsbedingungen erzeugt wurde. Das gesamte geförderte Gestein wurde gepocht und mit Flußmitteln aufgeschmolzen; in einem komplexen Prozess gewann man hauptsächlich Kupfer, Blei und in geringen Mengen Silber. Die Ausbeute war insgesamt gering und deshalb wurde der Abbau bereits 1807 eingestellt.

Ausbeute-Taler Ausbeutetaler
(Ausbeute-)Taler des Landgrafen Wilhelm IX von 1791 mit dem Hinweis auf der Rückseite: "Bieberer Silber".

Taler aus Bieber, Ausbeutetaler (oder Ausbeutemünze, auch Bergbauprägung, hier auch Bieber-Taler genannt) aus dem Silber von Bieber aus dem Jahre 1791, geprägt in der Münze von Hanau. In der Zeit von 1754 bis 1802 wurden ca. 40 verschiedene Varianten gestaltet, die sich machmal nur sehr gering unterscheiden. Allen eigen ist der textliche Hinweis auf die Verwendung von Silber aus Bieber. Von den einst ca. 40.000 geprägten Halb- und Talern sind nur noch geringe Bestände vorhanden. Sie werden heute zu recht hohen Preisen nahezu ausschließlich auf Münzauktionen gehandelt; je nach Erhaltungszustand und Jahrgang muss man zwischen 300 und 12.000 € dafür bezahlen! Manche sind so selten, dass diese in 10 Jahre nicht angeboten werden. 

Schachtpinge mit Tafel   Schild Rundweg
Schachtpinge im Lochborn mit einer Erläuterungstafel des Kulturrundweges (Bieberer 8), der von Bieber bis zum
Wiesbüttsee verläuft - man folge dem Schild wie rechts abgebildet.
aufgenommen am 11.10.2008

Im 18. Jahrhundert begann man, die gangförmigen, hydrothermalen Cobalt-Nickel-Bismut-Gänge zu erschürfen. Dabei wurden lange Stollen angelegt und der gesamte Ganginhalt gewonnen. Das von Hand ausgelesene Erz wurde zerkleinert und zu Blaufarben für die keramische Industrie verwandt. Dieser Bergbau, den Bieber in der Geologie und Mineralogie bekannt werden ließ, stellte man 1867 ein.

Durch Funde nicht  belegt, aber sehr wahrscheinlich ist die Eisenerzgewinnung bereits zu vorrömischer Zeit (der spätere flächenmäßig sehr unfngreiche Bergbau hat dabei sicher alle früheren Spuren getilgt). Sporadisch wurden Eisenerze sicher zu allen Zeiten um Bieber gewonnen und wohl auch verhüttet. Der großmaßstäbliche Abbau des Siderits mit einer gesamten Fördermenge von ca. 1,9 Millionen t begann im 19. Jahrhundert und wurde 1923 eingestellt. Grund dafür waren neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die hohen Gehalte an Arsen (bis ca. 1 Gew.-%!), die bereits in geringen Mengen einen Sprödbruch des Eisens bewirken. Man gewann die Erze vor allem wegen des hohen Gehaltes an Mangan, welches den Stahl verschleißfest macht. Das As wurde durch Zugabe von As-armen Eisenerzen auf ein verträgliches Maß reduziert.
Es sind aus allen drei Bereichen noch abbaubare Vorkommen vorhanden. Infolge der nach heutigen Maßstäben geringen Vorräte (“Rucksacklagerstätte“), der damit verbundenen Kosten  für Umweltauflagen, der schlechten Qualität der Erzmittel und der immer noch raltativ niedrigen Metallpreise ist ein Wiederaufwältigen der Abbau nicht denkbar. Da Kobalt in Zukunft ein sehr gesuchtes Metall sein wird, könnte eines fernen Tages wieder ein Bergbau begonnen werden. Eine Tonne Cobalt als Metall kostet derzeit ca. 27.000 € - dagegen ist Baustahl mit ca. 450 € geradezu billig. 


Geologisch-bergbaukundliche Erweiterung des Kulturrundwegs der "Bieberer Acht":

Tafel Metasomatische Eisenerze
Neue Tafel am Tagebau Nord

Der bestehende Kulturrundweg "Bieberer Acht" wurde 2014 um einige Stationen erweitert. Insbesondere liegt der Schwerpunkt auf der Geologie und der damit verbundenen Auswirkungen: Bergbau, Hüttenwesen und die Rohstoffe. Dabei wurden auch vorhandene Tafeln des Bestandes aktualisiert und und teilweise ausgetauscht. Die erzbildenden Prozesse der 3 Lagerstättentypen sind im Detail sehr komplex und können nur schwer auf einer Tafel so erläutert werden, dass das Nachvollziehen für Laien leicht möglich ist. Später soll es dazu ein Begleitheft geben, welches dem Besucher einen vertiefenden Hintergrund vermittelt.

Für den die thematische Erweiterung wurden weder Kosten noch Mühen gescheut. Das Stollenmundloch des Bertha-Stollens wurde nachgebaut.

Berta-Stollen
Unweit der Schmelz lag das Stollenmundloch des Bertha-Stollens,
aufgenommen am 10.04.2009. 

Im Herbst 2012 wurde seitens der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Biebergemünd versucht, das Mundloch des Stollens mit Hilfe eines Baggers so weit zu öffnen, dass man in den Stollen einblicken kann. Der Erfolg blieb leider aus, da wegen einiger Bäume eine Freilegung nicht erfolgen konnte. Deshalb legte man in Richtung des Stollens einen Graben an, der einen eichenen Türstock bekam und dann mit einer Tür gesichert werden wird. 

Bertha-Stollen Bertastollen
Der neu eingebaute Türstock nahe am Mundloch des ehemaligen Berta-Stollens in Bieber an der Straße Zum Burgberg, aufgenommen am 22.12.2012
(Panoramafoto). Der eigentliche Stollen verläuft wenige Meter weiter nördlich und mündet in den Garten des Hauses links


Da bisher keine Eisenerze im Anstehenden zu sehen waren, wurde mit einem Bagger eine Böschung im Tagebau Nord frei geschürft, so dass man hier die unscheinbaren Eisen- und Mangenerze sehen kann.

Baggerarbeiten
Die Mitglieder des Geschichtsvereins nach schweißtreibender getaner Arbeit: 
Josef ACKER, Siegfried EMRICH, Peter NICKEL und der virtuose
Baggerfahrer Dieter BECKER
am 12.04.2014.

Romanechit Romanechit, Baryt und Goethit
Ergebnis der Baggeraktion:
Typisches Mangenerz aus Romanechit (schwarz) mit Baryt (weiß) und Goethit (braun) aus der frei gebaggerten Stelle im Tagebau Nord, angeschliffen
und poliert, Bildbreite links 8 cm, rechts 10 cm. Das Erz mit dem reichlichen Baryt kann nicht verwendet werden, weil der Baryt im Schmelzofen stören
würde. Aus diesem Grund wurden solche Stücke auf die Halde geworfen und nicht abgefahren.

Die Eröffnung war für den
Sonntag, den 12. Oktober 2014 um 14 Uhr
vorgesehen.
Der Treffpunkt befand sich am alten Rathaus (unweit des Museums) Am Plaster 4, 63599 Biebergemünd Ortsteil Bieber.

Erstbegehungsgruppe
Die Teilnehmer der Erstbegehung am  12.10.2014 im schattigen Tagebau Nord ca. 200 m vor der Burgbergkapelle.


Für die Zukunft bleit das Ziel, dass man in einem anderen Tagebau den bekannten Eisenstein (Siderit) frei schürft, was aber nur innerhalb des Tagebaues möglich ist. Das Problem ist dabei, dass dies nur innerhalb des Naturschutzgebietes möglich wäre, wo verschiedene Interessenssphären - Biologie versus Geologie - auf eineander treffen. Da innerhalb des Naturschutzgebietes keine Erhaltungsmaßnahmen stattfinden, wird das Gelände weiter zuwachsen und somit seinen Charakter verlieren, so dass die Schutzwürdigkeit abnehmen wird - siehe Text weiter unten.




Skutterudit
Das berühmteste Erz aus Bieber, der "Speiskobalt":
Skutterudit-Kristalle in einer Kombination zwischen Würfel und Oktaeder,
partiell überkrustet von kleinsten Siderit-Kristallen
Bildbreite 1 cm

Lage
Die Gewinnungsstellen der Erze lagen um die Orte Rosbach, Bieber, Gassen und Röhrig verteilt. Sie gehören heute alle zur Gemeinde Biebergemünde. Ein Großteil der Spuren ist überbaut oder durch die landwitschaftliche Nutzung verschwunden.
 

Geologie
Im Raum Bieber stehen innerhalb des weitläufigen Buntsandstein-Spessarts Schollen des Zechsteins und des darunter liegenden Grundgebirges aus metamorphen Gesteinen (sehr gleichförmige, glimmerreiche Paragneise mit ±Staurolith) an (“Bieberer Fenster“).
Das gesamte Gebiet ist von zahlreichen Störungen durchzogen. Die Sprunghöhe der Verwerfungen werden mit ca. 10 - 70, teilweise bis 130 m angegeben. Auf vorwiegend herzynisch streichenden Klüften und Gängen wurden aus hydrothermalen Lösungen buntmetallreiche Erze ausgeschieden ("Kobaltrücken")). Sie stehen im  Gneis und halten bis in den Zechstein und in den Bröckelschiefer durch. Die überwiegende Gangmasse besteht aus Siderit und Baryt, in denen sich die begehrten Co-, Ni-, Bi- und Cu-Erze fanden. Die mittlere Mächtigkeit der Gänge von 0,65 m (gewöhnlich 0,15 - 1,50 m) konnte bis zu 6 m anschwellen. Sie konnte jedoch auch nur wenige mm stark sein! In nur wenigen Fällen bestand die gesamte Gangfüllung aus Co- oder Nickelerzen (FREYMANN 1991). Die Erzführung war insgesamt jedoch sehr ungleichmäßig. Nur in den mittleren Teufen und an Scharungsstellen waren die Gänge „edel“ (BÜCKING 1892).  Im Streichen konnten die größten Gänge bis zu 2,4 km verfolgt werden.
Folgende Kobaltgänge wurden im Raum Bieber gefunden und teilweise auch abgebaut (nach FREYMANN 1991):
1. Büchelberger Kobaltgang, 90°, 45-80° NE, 27 m, ~1790-1867
2. Büchelberger Kobaltgang, 150°, ?, ?, ~1790-1867
3. Büchelberger Kobaltgang, ?, ?, ?, -
1. Lochborner Kobaltgang, 135-150°, 55° NE, 7-24 m, 1748-1850
2. Lochborner Kobaltgang, herzynisch, 50-70° NE, ?, -
3. Lochborner Kobaltgang, herzynisch, 40-60°, ?, -
4. Lochborner Kobaltgang, 120°, SW, ?, nach 1780-1867
5. Lochborner Kobaltgang, 150°, SW, 20-38 m, nach 1780-1867
1. Röhriger Kobaltgang, 120-165°, 57° NE, >4 m, 1731-1800(?)
2. Röhriger Kobaltgang, 120-165(180)°, 57° NE, >4 m, 1731-1800(?)

Über dem Metamorphikum konnten früher noch wenig verfestigte Sedimente des Rotliegenden festgestellt werden. Die Schichtenfolge des Zechsteins erreicht hier bis zu 45 m. Sie sind als Mergel, dolomitische Kalk-, calcitische Dolomit-, Schluffsteine und Tone ausgebildet. Die liegenden Schichten des Zechsteins führen den metallreichen Kupferletten, die tonige Form der Kupferschiefers sedimentären Ursprungs. Der feinkörnige „Letten“ besteht nach FREYMANN (1991) aus Quarz, Glimmer, Calcit, Dolomit, Illit, Kaolinit, Chlorit, erdiger Baryt, Fe-Mn-Mineralien und bitumöse, organische Bestandteile (0,3 - 5,4 %). Die wirtschaftlich interessanten Erzmineralien (Korngröße 0,002 - 0,3 mm) sind darin feinst verteilt und bestehen aus Pyrit, Markasit, Arsenopyrit, Tennantit, Chalkopyrit, Arsenkies, Galenit und Sphalerit. In den oberflächennahen  Bereichen kommen „Kupferglanz“, Covellin, Cerrusit, Azurit und Malachit hinzu.

Kupferschiefer
Kupferschiefer in plattiger Ausbildung an einer
Schachtpinge im Lochborn
aufgenommen am 11.10.2008

Lokal enthält der Zechstein-Dolomit metasomatische Fe-Mn-Vererzungen, meist Siderit (teils in oxidische Mineralien umgewandelt: Goethit, Pyrolusit, Romanèchit, Lepidokrokit) in den verkarsteten Zonen, die teils hydrothermal überprägt sind. Sie erreichen Mächtigkeiten von 2 - 25 m. Das Auftreten von Baryt, die geringen Gehalten an Buntmetallerzen und das verstärkte Auftreten der Erze entlang der Störungen weisen auf eine gemeinsame Genese der Erze hin. Eine Beeinflussung des Kupferschiefers kann dabei ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Gotehit mit Baryt
Massiver bis erdiger Goethit mit brekziösem Baryt, 
Bildbreite ca. 10 cm

Darauf folgt wie oft im Spessart die Bröckelschieferfolge mit dem unteren Buntsandstein aus Gelnhausen- und Salmünster-Folge aus feinkörnigen Sandsteinen. Untergeordnet finden sich in der Umgebung kleine Durchbrüche basaltischer Magmen, die ebenfalls Ziele eines bescheidenen Steinabbaues (Beilstein, Hoher Berg, Madstein) waren. Unter den jüngsten Zeugnissen geologischer Veränderungen ist das fast rezente Niedermoor am Wiesbüttsee zu erwähnen, weil aus ihm bedeutende Beiträge zur Wald- und Besiedlungsgeschichte des Spessarts gewonnen werden konnten.
Die meisten der durch den jahrhundertelangen Bergbau recht zahlreich geschaffenen Aufschlüsse (wie bei DIEDERICH & LAEMMLEN 1964 aufgeführt) sind seit langem aufgelassen und deshalb verwachsen, verschüttet oder inzwischen überbaut.
Im Bereich des Bergbaugebietes sind an vielen Stellen steile, recht frisch erscheinende Pingen zu finden, die sicher örtlich von Zeit zu Zeit nachbrechen. Es muss auch obertägig ständig mit Einstürzen gerechnet werden, wie zuletzt im oberen Lochborn, wo am 27. oder 28.12.1998 auf dem ehemaligen Bahndamm zwischen oberem und unterem Maschinenschacht ein ca. 2 m großer, frischer Einsturztrichter gefunden werden konnte.

Kapelle Burgberg
Die Kapelle mit Kirchhof und Umfassungsmauer am Burgberg bei Bieber,
aufgenommen am 11.10.2008


Historie
Über die bergbaulichen Aktivitäten liegen zahlreiche Schriften vor, die größtenteils noch erhältlich sind (FREYMANN 1991, HOFMANN 1969, Autorenkoll. 1994, CANCRIN 1787, DIEDERICH & LAEMMLEN 1964 und BACKHAUS & WEINELT 1967) weshalb hier auf eine Beschreibung verzichtet wird.
Bemerkenswert ist der Umstand, dass das Blaufarbenwerk wie auch die Bergwerke in der napoleonischen Besatzungszeit an die Schwester Pauline (oder Paulina; die Paris Hilton dieser Zeit) von Napoleon Bonaparte vergeben wurden, so dass die Einkünfte ihr zuflossen (BERINGER & NICKEL 2012). 

Lochbornerteich
Der Lochborner Teich war über Jahre trocken, so dass Erlen wuchsen.
Mit dem Wiederfüllen vor ca. 20 Jahren starben die Erlen ab und die
Stümpfe ragen aus dem Wasser.
aufgenommen am 11.10.2008

Die umfangreichen und aus neuerer Zeit volumniösen Halden und andere an den Boden gebundene Zeugen des Bergbaues (Stollenmundlöcher, Pingen) sind meist reich an wenn auch fein verteiltem Erz. Alle bergbaulich interessanten Gangfüllungen und Erze enthalten typischerweise deutliche As-Gehalte. Diese Erze verwittern recht leicht unter den gegenwärtigen Bedingungen und sind heute Quellen eines bedeutenden As-Eintrages in die Gewässer. Dies wurde beispielsweise am Schwarzbach im Lochborn von TUROWSKI (1998) untersucht und ausführlich beschrieben. Die Wässer des Schwarzbaches erreichen Arsen-Gehalte nach längeren Trockenzeiten bis zu 0,28 mg/l Bachwasser. Infolge der Größe der Halden und des Verwitterungsgrades der Erze ist mit einem Eintrag zu rechnen, der sicher noch hundert Jahre anhalten wird.

Einst befand sich in der Region die wohl bedeutendste, ehemalige Forschungsstelle für Mittelgebirge, unterhalten vom Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt. Dazu werden die Räumlichkeiten des früheren Bahnhofes der Eisenbahn genutzt, die das Eisenerz nach Gelnhausen brachte. Infolge der schlechten Erreichbarkeit wurde die Forschungsstelle von der Lochmühle nach Gelnhausen verlegt. Der Forschungsschwerpunkt hat sich auch mit verlagert, denn in Mittelgebirgen forscht man nicht mehr. 

Der Bergbau von Bieber findet sich auch in den sehr bekannten Grimm´s Märchen wieder. So beschreibt RUF (1995) ausführlich, warum man heute davon ausgehen kann, dass es sich bei den sieben Zwergen in dem Märchen vom Schneewittchen um Bergleute aus Bieber handeln kann! Und das GRIMM´sche Schneewittchen lebte im Mittelalter in Lohr, wo sich auch die Kurmainzische Spiegelmanufaktur befand.
 

Mineralien
Die wenig attraktiven Belegstücke aus dem Kupferschieferbergbau sind heute nur einem sehr geringen Umfang vorhanden. Auch aus dem Bergbau auf die Eisenerze liegen wegen der geringen Attraktivität und da aus vielen ähnlichen Fundstellen bessere Stücke vorhanden waren, kaum Belegstücke vor.

Zum Zeitpunkt des aktiven Bergbaues auf die Cobalt-Nickelerze wurden bereits international Mineralien gehandelt. Die damals noch junge Wissenschaft der Mineralogie entstand als Oryktognosie in Mitteleuropa und deshalb finden sich in fast allen alten Sammlungen der Universitäten und Museen sehr wenige Belegstücke aus Bieber; so auch in der Sammlung von J. W. von GOETHE in Weimar! Die wohl beste und umfangreichste Mineraliensammlung war die der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, deren Sammlung im Bombenhagel auf Hanau 1945 verbrannte.

Reiches Belegmaterial findet sich in den alten großen Sammlungen Mitteleuropas, so z. in Berlin, Göttingen, Bonn, Wien (Österreich), Strasbourg (Frankreich), London (Großbritannien), München, Würzburg und in vielen anderen Sammlungen auch, so z. B. Aschaffenburg, Wiesbaden, ....

Die primären Erze in Bieber bestehen aus den Gangarten Siderit und Baryt, selten Calcit (Ca[CO3]) und etwas Quarz, darin eingewachsen sind die Erzmineralien (nach WAGNER & LORENZ 2002):
Alloklas ((Co,Fe)AsS)
Bismuthinit (Bi2S3)
Chalkopyrit (CuFeS2)
Cobaltit ((Co,Fe,Ni)AsS)
Emplektit (CuBiS2)
Galenit (PbS)
Gersdorffit ((Ni,Co,Fe)(As,Sb)S)
Löllingit (FeAs2)
Maucherit (Ni11As8)
Nickelin (NiAs)
Nickelskutterudit ((Ni,Co,Fe)As2-3)
Rammelsbergit (NiAs2)
Safflorit ((Co,Fe)As2)
Skutterudit (CoAs2-3)
Tennantit ((Cu,Fe)12As4S13)
gediegen Wismut (Bi).

ged. Wismut
Gediegen Wismut im Siderit (nicht wie auf dem sehr alten Zettel angegeben
im Baryt!) und auch ohne Bieberit,
Bildbreite 8 cm.


Einige Bilder von den oben aufgeführten Mineralien aus dem Raum Bieber finden Sie auf der nächsten Seite.

In GOLDSCHMIDT´s Atlas der Kristallformen finden sich mehrere Abbildungen von  idiomorphen Kristallen des ged. Wismut aus Bieber (Band 9 , Tafel 48, Fig. 1, 3-6). Auch bei HINTZE (1904:124) wird das sonst nicht so häufge Mineral „auf Gängen im Glimmerschiefer mit Speiskobalt, Kobaltblüthe, Rothnickelkies, Eisenspath und Baryt krystallinische Partien und ausgebildete Krystalle;“ aufgeführt.

In dem sehr bekannten erzmikroskopischen Standardwert von RAMDOHR (1975:411) wird in Abb. 318 ein Einschluss von ged. Wismut in rissigem Skutterudit abgebildet. Das ged. Wismut zeigt die gleiche Anomalie beim Schmelzen wie das Wasser - es zieht sich beim Schmelzen zusammen, so dass es beim Erstarren sich ausdehnt. so können die abgebildeten Risse, ausgehend vom Bismut, im massiven Skutterudit gedeutet werden. Das Mineral kann deshalb auch als mineralogisches Thermometer verwendet werden.

Diese Erzmineralien wurden oberflächennah, zum Teil in den alten Stollen und auf den wenigen Halden in meist farbige Sekundärmineralien umgewandelt, so zu
Annabergit (Ni32+[AsO4]2·8H2O),

Bieberit (CoSO4·7H2O). Das Mineral wurde hier in Bieber zuerst gefunden (als Kobaltvitriol) und aus diesem Grund nach dem Fundort benannt (Typuslokalität).

Bieberit
rosafarbener Bieberit als erdige Massen in einer verkorkten Glasphiole,
Sammlung des Naturkundemuseum in Wien,
aufgenommen am 23.08.1999

Bieberit ist und war schon in Bieber im 19. Jahrhundert sehr selten. Die meisten "Bieberite" in den Mineralien-Sammlungen erwiesen sich bei einer genauen Analyse als Erythrin. Bieberit ist sehr empfindlich, weil wasserlöslich und deshalb auf den Halden kaum zu finden. Heute existieren nur noch wenige, wirkliche Bieberit-Proben aus Bieber in den (öffentlichen) und wohl nur ganz selten in privaten Sammlungen. 

Erythrin
Erythrin-Krusten als tpischer Haldenfund aus dem Lochborn bei Bieber,
Bildbreite 2 cm

Erythrin (Co32+[AsO4]2·8H2O),
Jarosit (KFe33+[(OH)6/(SO4)2]),
Pharmakolith CaH[AsO4]·2H2O),
Pikropharmakolith (Ca4Mg[AsO3(OH)/AsO4]2·11H2O),
Rösslerit (MgH[AsO4]
·7H2O - hierfür ist Bieber dieTyplokalität) 
und viele weitere.
Gemenge solcher Phasen wurden früher als "Erdkobalt" bezeichnet. 

Leider konnte bis heute in keiner Sammlung - oder auch auf einer Halde - ein nachweislicher Rösslerit von Bieber gesichtet werden (LORENZ 2010:401ff). Alle Bemühungen sind gescheitert, so dass man davon ausgehen muss, dass auch das Typmaterial verschollen ist.
Rösslerit
Farblose bis weißliche Kristalle aus Rösslerit, gefunden um 1970 im
Jachymov, CZ (Erzgebirge),
Bildbreite 5 mm.
Das Mineral ist selten. Diese Kristalle des kleinen Stückes waren in einer
Ausstellung "Do it yourself" in Frankfurt, Berlin und bis 2013 in Dortmund
zu sehen.

Eine anekdotische Besonderheit ist der verbreitete und sehr giftige Arsenolith (As2O3; ebenfall als Neubildung auf alten Erzen), von dem Hanauer Chemiker Johann Heinrich KOPP (1807) schreibt:
„ ...sehr weich; leicht zersprengbar und besitzt einen zusammenziehenden Geschmack. Auf einer Eisenplatte verdampft es gepulvert vollkommen unter starkem Rauche. Auf glühende Kohlen gestreut gibt es einen, nach Knoblauch riechenden, Rauch von sich.“
Er hat es überlebt, denn er schrieb später weitere Beiträge und starb im hohen Alter 1858.  


Museum Biebergemünd - geschlossen   
Museum Biebergemünd
aufgenommen am 04.11.2001

Wenn Sie nach Biebergemünd, Ortsteil Bieber, kommen, dann empfahl sich der Besuch des kleinen, aber feinen Heimatmuseums. Es war untergebracht in neben einem großen Sandsteinbau (ehemaliges preußisches Amtgericht - rechts im Bild) fanden Sie in den Räumen im 1. OG eine schöne Ausstellung zum Bergbau, Glashütten, Geologie, Eisenbahn, Vorgeschichte und zur örtlichen Historie. Auch konnte man hier einige der interessanten Schriften zur Region käuflich erwerben. Das Museum wurde vom seit über 15 Jahren bestehenden Geschichtsverein betreut und war am 1. Sonntag im Monat von 14 -17 Uhr offen - sonst nach Vereinbarung. Bitte sprechen sie dazu den Geschichtsverein in Biebergemünd an.

Montaneum
Zukünftig ist vorgesehen, die Bestände in dem alten Postgebäude zu zeigen.
Dies muss erst renoviert werden.
aufgenommen am 04.08.2015
 

Literatur
Autorenkollekt. (1994): Festschrift 500 Jahre BIEBERER BERGBAU 1494 - 1994.- 70 S., Gemeinde Biebergmünd.
BACKHAUS, E. & WEINELT, Wi. (1967): Über die geologischen Verhältnisse und die Geschichte des Bergbaues im Spessart.- in BACKHAUS, E. (1967): Beiträge zur Geologie des Aschaffenburger Raumes.- Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., 10, 260 S., Aschaffenburg.
BERG, G. & FRIEDENSBURG (1944): Nickel und Kobalt.- Die metallischen Rohstoffe, ihre Lagerungsverhältnisse und ihre wirtschaftliche Bedeutung.- 280 S.,  [Enke] Stuttgart.
BERINGER, I. & NICKEL, P. (2012): Pauline und Biebergemünd. Pauline Bonaparte Fürstin von Guastalla.- Mitteilungsblatt Zentrum für Regionalgeschichte 37. Jahrgang, S. 45 - 51, 3 Abb., Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Gelnhausen.
BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX. Lieferung Gradabteilung 68, No. 54, Blatt Bieber.- 56 S., [S. SCHROPP´sche Hof-Landkartenhandlung] Berlin.
BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX. Lieferung Gradabteilung 69, No. 49, Blatt Lohrhaupten).- 30 S., [S. SCHROPP´sche Hof-Landkartenhandlung] Berlin.
BÜCKING, H. (1892): Der nordwestliche Spessart.- Abhandlungen der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Neue Folge Heft 12, 274 S., Berlin.
CANCRIN, F. L. (1787): Geschichte und systematische Beschreibung der in der Grafschaft Hanau Münzenberg, in dem Amte Bieber und anderen Ämtern dieser Grafschaft, auch dem dieser Grafschaft benachbarten Ländern gelegenen Bergwerke.- 190 + XIX S., [Hertel] Leipzig; Reprint in der 2. Aufl. von 1994, Bad Orb.
DIEDERICH, G. & LAEMMLEN, M. (1964): Das obere Biebertal im Nordspessart. Neugliederung des Unteren Buntsandstein, Exkursionsführer und geologische Karte.- Abh. Hess. L.-Amt Bodenforsch., Heft 48, 34 S., Wiesbaden.
DIEDERICH, G. (1969): Geologische Verhältnisse und Problemen bei Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 307 - 316, Frankfurt.
EMMRICH, S. (1997a): Quellen zum Bieberer Bergbau Die Betriebsberichte 1907 - 1925.- 110 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e. V. [Eigenverlag] Bieber.
EMMRICH, S. (1997b): Quellen zum Bieberer Bergbau Betriebsstatistiken 1907 - 1926.- 48 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e. V. [Eigenverlag] Bieber.
FREYMANN, K. (1991): Der Metallerzbergbau im Spessart. Ein Beitrag zur Montangeschichte des Spessarts.- Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg 33, 413 S., Aschaffenburg. GOLDSCHMIDT, V. (1913-1923): Atlas der Krystallformen.- 9 Tafelbände mit je einem Textband, [Winters], Heidelberg.
HINTZE, C. (1904): Handbuch der Mineralogie.- Erster Band, Erste Abtheilung, 1208 S.,  [Verl. v. Veit & Comp.] Leipzig.
HOFMANN, E.-L. (1969): Geschichte der Berg- und Hüttenwerke zu Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 317 - 328, Frankfurt.
KLUTH, C. (1967): Über ein Vorkommen vom Emplektit zu Bieber in Hessen.- Aufschluss 18, S. 9 - 12, Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 566ff, 714ff, 731ff.
OKRUSCH, M. (1963): Die Anfänge der mineralogisch-petrographischen Erforschung des Vorspessarts.- Abh. Naturwiss. Ver. Würzburg, 4, Heft 1, Würzburg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
RAMDOHR, P. (1975): Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen.- 4. bearbeitete und erweiterte Auflage, 1277 S., [Akademie-Verlag] Berlin.
RUF, T. (1995): Die Schöne aus dem Glassarg  Schneewittchens märchenhaftes und wirkliches Leben.- 118 S., einige SW-Abb., [Verlag Königshausen & Neumann GmbH] Würzburg.
TUROWSKI, S. (1998): Schwermetalluntersuchungen am Schwarzbach im Spessart unter Berücksichtigung der Geologie des Lochborn von Bieber mit seiner Bergbaugeschichte.- Geol. Jb. Hessen 126, S. 15 - 35, 14 Abb., 6 Tab. [Hess. Landesamt f. Bodenforschung] Wiesbaden.
WAGNER, T. &  LORENZ, J. (2002): Mineralogy of complex Co-Ni-Bi vein mineralization, Bieber deposit, Spessart, Germany .- Mineralogical Magazine 66, No. 3 (Juni 2002), p. 385 - 407, 10 Fig., 9 Tab., The Mineralogical Society, London.


 
 NSG: 

Schild NSG
aufgenommen am 11.10.2008

*Gedanken zum NSG (Naturschutzgebiet):
Es ist schon merkwürdig, dass eines der unnatürlichsten Täler des Spessarts zum einem bedeutenden Naturschutzgebiet gemacht wurde, denn hier im Lochborn ist praktisch Alles vom Menschen umgestaltet worden. Selbst die Bäche sind verlegt, Halden, Tagebaue und Dämme haben den Talgrund total verändert. Und zu Zeiten des aktiven Bergbaues gab es hier wenig bzw. keinen Wald. Man könnte denken, dass die natürlichen Gegebenheiten viel weniger Nischen bieten würden; dies würde zum Schluss führen, dass eine Umgestaltung mit anschließender 50jühriger Ruhe zu einer größeren biologischen Vielfalt führen würde als ein "unberührter" Wald!
Aber wenn man nichts macht, dannn werden eben alle Flächen von der Vegetation besiedelt; bei den hohen Niederschlägen im Raum Bieber ist das kein Problem. Bis auf eine Ausnahme sind auch die Schwermetallgehalte keine Hinderungsgrund für eine Ansiedlung von Bäumen. Wären keine Schatten spendenen Bäume - auch Fichten - vorhanden, so wäre das Tal noch weiter zugewachsen und man würde von den Bergbauresten noch weniger sehen. Problematisch sind derzeit wohl die zahlreichen Wildschweine, die erheblichen Wühlarbeit leisten und im Winter 2007/08 praktsich die gesamten Wiesen "umpflügten".
Trotzdem sollte man die nicht standortgerechten Fichten herausschlagen, so dass heimische Bäume die Flächen besiedeln können. Wenn man den Charakter des Bergabugebietes erhalten wollte, müsste man den größten Teil des Waldes abholzen!


Der Geschichtsverein Biebergemünd:

Müll im Schacht
Leider werden außerhalb des Naturschutzgebietes die verstürzten Schächte (Schachtpingen) immer noch als illegale Müllplätze genutzt. Es ist kaum zu fassen, welchen Aufwand man treibt, um die Zeugnisse der hiesigen Kultur zuzuschütten. Hier gesehen während einer aufschlussreichen Begehung durch ca. 15 Mitglieder des Geschichtsvereins vom Biebergemünd am 14.06.2011 unter Führung von Siegfried Emmrich am neuen Kunstschacht des 1. Röhriger Kobaltstollens. Von diesem Stollen ist das Mundloch bei einem Versuch in der 1970er Jahren neu erbaut worden als man versuchte, den Stollen für ein Besucherbergwerk zu sichern. Leider wurde kein offener Stollen angetroffen, so dass das Vorhaben eingestellt wurde. 


Tag des Denkmals 2011:

Tag des Denkmals 2011
Die Gruppe der Jubiläumsbegehung des Kulturrundweges der Bieberer Acht am 11.09.2011
an der "Eisensau" in Bieber. Nach Analysen stammt das Eisen sicher aus Bieber.
(Foto Meinolf Drüll, Geschichtsverein Biebergemünd)

Zum Tag des (offenen) Denkmals am 11.09.2011 trafen gegen 10 Uhr in Bieber 30 Teilnehmer zum Jubiläumsrundgang des Kulturweges ein, die der Geschichtsverein von Biebergemünd eingeladen hatte. Das Führerduo aus Siefried Emmrich (Kultur, Bergbaukunde) und Joachim Lorenz (Geologie, Mineralogie) begann im Museum und an einem großen Eisenstück aus dem ehemaligen Hochofen von Bieber mit der Wanderung. Dann gingen wir zum Burgberg, passierten die Eisensteintagebau, die Schachtpingen des Kobaltbergbaues und auch den kaum mehr sichtbaren Resten des Kupferschieferbergbaus, so dass wir verschwitzt gegen 13.30 Uhr an der Gastwirtschaft am Wiebüttesee ankamen: ohne Regen, aber bei großer Schwüle. Nach dem guten Essen liefen wir bequem bergab zurück. Wir kamen am oberen Maschinenschacht vorbei, der infolge von umgestürzten Bäumen besser sichtbar war. Dann erreichten wir den Lochborner Teich mit den Erlen. Es gab auch ausnahmweise ein Stück Cancrinit zum Anfassen. Auf halbem Weg gab es als Verpflegung kleine Schokoladentäfelchen und gegen 17.10 Uhr waren wir zurück am Museum. Das angekündigte große Gewitter mit Regen und einem Temperatursturz auf 16 °C fand erst später statt, so dass der Tag fast ganz trocken bleib. Das Wetter ist meist besser als der Wetterbericht bzw. die Vorhersage meint.  


Die kaltzeitlichen Böden an der B 276 zwischen Bieber und Flörsbachtal:

Würgeboden
Ein Teilabschnitt der Straßenböschung am der B276 zwischen Bieber und Flösbachtal am 22.08.2015: Würgeboden!
(TK 1:25000 Blatt 5822 Wiesen R 3526694 H 5557574).
Im Zuge der Erneuerung der Straße zwischen Biebergemünd (Röhrig) und Flörsbachtal wurden die Böschungen frei gelegt. Dabei konnten kaltzeitliche Bodenbildungen in selten ausgeprägten Formen erkannt werden. Es handelt sich um einen Würgeboden oder Brodelboden mit Sandsteinhangschutt in einem solifluktiv umgelagerten Bröckelschiefer, entstanden in der letzten Kaltzeit vor etwa 18 - 22.000 Jahren, als der tiefe Boden immer geforen war und jahreszeitlich schwankend tief fror und oberflächennah auftaute.
Damals liefen hier Rentiere und Moschusochsen über den Spessart. Winde brachten Löss und der Meeresspiegel befand sich über 120 m tiefer als heute.

Ortstein
Ortstein: Mit Goethit verbackene Sandstein-Gerölle
Bildbreite 9 cm

Weitere Details wurden bei einer Besichtigung am 07.09.2015 von Dr. Günther SEIDENSCHWANN und Joachim LORENZ vermittelt:   

Hangschutt
G. SEIDENSCHWANN erklärt den Interessierten - das größte Kontingent 
stellte der Geschichtsverein von Biebergemünd - die Herkunft der Steine in
dem hier angeschnittenen Hangschutt aus meist Sandsteingeröllen. 



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