von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Wichtiger Hinweis:
Der Bergbau auf die Silbererze des Kupferschiefers wurde 1807,
der auf die Kobalt-Erze wurde 1867 und auf Eisen-(Mangan)-Erze wurde
1923 eingestellt. Infolge der seit langem anhaltenden Sammelaktivitäten
sind die wenigen Halden außerhalb des Naturschutzgebietes im Lochborn
abgesucht. Infolge der hohen Niederschläge sind alle empfindlichen
Phasen in den Halden zumindest angelöst, wenn nicht bereits zerstört.
Es versteht sich von selbst, dass ein Sammeln innerhalb des Naturschutzgebietes
im Lochborn ausdrücklich verboten ist!
Mit Bäumen bestande Halde um eine Schachtpinge im Lochborn
bei Bieber,
aufgenommen im Herbst 2008
Zur Pflege der Wiesen im Lochborn werden auch Ziegen eingesetzt,
so dass die
Flächen nicht verbuschen; dies ist einer der Ziele des Naturschutzes*,
aufgenommen am 11.10.2008
Zusammenfassung
Der vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert anhaltende Bergbau
in um um Bieber) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Biebergemünd im
hessischen Teil des Spessarts östlich von Gelnhausen) war insbesondere
im 18. und 19. Jahrhundert weit über die Grenzen bekannt (siehe Okrusch
et al. 2011, S. 283ff, Aufschlüsse Nr. 263 - 271).
In die Mineralogie unauslöschlich eingegangen ist der Mineralname
Bieberit, der nach dem Ort von hier beschrieben worden ist. Ebenso stammt
das Mineral Rösslerit auch aus Bieber, so es die Typuslokalität
für das Mineral ist.
Sehr ausführliche Schilderungen zur lokalen Geologie des
bieberer Raumes und zum Auftreten der Erze auf den hydrothermalen Gängen
finden sich bei BÜCKING (1891 und 1892) DIEDERICH & LAEMMLEN
(1964) und DIEDERICH (1969). Leider gibt es keine neueren, umfassende
geologisch-mineralogische Beschreibungen.
In und um Bieber wurden drei verschiedene Bergbaue betrieben, sich deutlich
unterschieden lassen:
Es ist schriftlich belegt, dass im Mittelalter ein Abbau des
Kupferschiefers begonnen wurde. Dabei baute man eine wenige cm bis
einige dm dicke Schicht eines schwermetallhaltigen Zechsteinsedimentes
ab, welches flächendeckend des Zechstein-Dolomit unterlagert.
Gehalte der Metalle liegen maximal bei ca.: 0,7 % Kupfer, 2,4 % Blei,
1,7 % Zink und 0,007 % Silber. Dieser Bergbau erzeugte ein weites aber
sehr niedriges Stollensystem, welches unter kaum vorstellbaren Arbeitsbedingungen
erzeugt wurde. Das gesamte geförderte Gestein wurde gepocht und
mit Flußmitteln aufgeschmolzen; in einem komplexen Prozess gewann
man hauptsächlich Kupfer, Blei und in geringen Mengen Silber. Die
Ausbeute war insgesamt gering und deshalb wurde der Abbau bereits 1807
eingestellt.
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Taler aus Bieber, Ausbeutetaler (oder Ausbeutemünze, auch Bergbauprägung, hier auch Bieber-Taler genannt) aus dem Silber von Bieber aus dem Jahre 1791, geprägt in der Münze von Hanau. In der Zeit von 1756 bis 1802 wurden ca. 40 verschiedene Varianten gestaltet, die sich machmal nur sehr gering unterscheiden. Allen eigen ist der textliche Hinweis auf die Verwendung von Silber aus Bieber. Von den einst ca. 40.000 geprägten Halb- und Talern sind nur noch geringe Bestände vorhanden. Sie werden heute zu recht hohen Preisen nahezu ausschließlich auf Münzauktionen gehandelt; je nach Erhaltungszustand und Jahrgang muss man zwischen 300 und 11.000 € dafür bezahlen!
Schachtpinge im Lochborn mit einer Erläuterungstafel des
Kulturrundweges (Bieberer 8), der von Bieber bis zum Wiesbüttsee
verläuft - man folge dem Schild wie rechts abgebildet.
Im 18. Jahrhundert begann man, die gangförmigen, hydrothermalen Cobalt-Nickel-Bismut-Gänge zu erschürfen. Dabei wurden lange Stollen angelegt und der gesamte Ganginhalt gewonnen. Das von Hand ausgelesene Erz wurde zerkleinert und zu Blaufarben für die keramische Industrie verwandt. Dieser Bergbau, den Bieber in der Geologie und Mineralogie bekannt werden ließ, stellte man 1867 ein.
Durch Funde nicht belegt, aber sehr wahrscheinlich ist die Eisenerzgewinnung
bereits zu vorrömischer Zeit (der spätere flächenmäßig
sehr unfngreiche Bergbau hat dabei sicher alle früheren Spuren
getilgt). Sporadisch wurden Eisenerze sicher zu allen Zeiten um Bieber
gewonnen und wohl auch verhüttet. Der großmaßstäbliche
Abbau des Siderits mit einer gesamten Fördermenge von ca. 1,9 Millionen
t begann im 19. Jahrhundert und wurde 1923 eingestellt. Grund dafür
waren neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die hohen Gehalte an
Arsen (bis ca. 1 Gew.-%!), die bereits in geringen
Mengen einen Sprödbruch des Eisens bewirken. Man gewann die Erze
vor allem wegen des hohen Gehaltes an Mangan, welches den Stahl verschleißfest
macht. Das As wurde durch Zugabe von As-armen Eisenerzen auf ein verträgliches
Maß reduziert.
Es sind aus allen drei Bereichen noch abbaubare Vorkommen vorhanden.
Infolge der nach heutigen Maßstäben geringen Vorräte
(“Rucksacklagerstätte“), der damit verbundenen Kosten für
Umweltauflagen, der schlechten Qualität der Erzmittel und der immer
noch raltativ niedrigen Metallpreise ist ein Wiederaufwältigen
der Abbau nicht denkbar. Da Kobalt in Zukunft ein sehr gesuchtes Metall
sein wird, könnte eines fernen Tages wieder ein Bergbau begonnen werden.
Unweit der Schmelz lag das Stollenmundloch des Bertha-Stollens,
aufgenommen am 10.04.2009.
Im Herbst 2012 wurde seitens der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem
Geschichtsverein Biebergemünd versucht, das Mundloch des Stollens
mit Hilfe eines Baggers so weit zu öffnen, dass man in den Stollen
einblicken kann. Der Erfolg blieb leider aus, da wegen einiger Bäume
eine Freilegung nicht erfolgen konnte. Deshalb legte man in Richtung des
Stollens einen Graben an, der einen eichenen Türstock bekam und dann
mit einer Tür gesichert werden wird.
Der neu eingebaute Türstock nahe am Mundloch des ehemaligen Berta-Stollens
in Bieber an der Straße Zum Burgberg, aufgenommen am 22.12.2012 (Panoramafoto).
Der eigentliche Stollen verläuft wenige Meter weiter nördlich
und mündet in den Garten des Hauses links
Lage
Die Gewinnungsstellen der Erze lagen um die Orte Rosbach, Bieber,
Gassen und Röhrig verteilt. Sie gehören heute alle zur Gemeinde
Biebergemünde. Ein Großteil der Spuren ist überbaut
oder durch die landwitschaftliche Nutzung verschwunden.
Geologie
Im Raum Bieber stehen innerhalb des weitläufigen Buntsandstein-Spessarts
Schollen des Zechsteins und des darunter liegenden Grundgebirges aus
metamorphen Gesteinen (sehr gleichförmige, glimmerreiche Paragneise
mit ±Staurolith) an (“Bieberer Fenster“).
Das gesamte Gebiet ist von zahlreichen Störungen durchzogen.
Die Sprunghöhe der Verwerfungen werden mit ca. 10 - 70, teilweise
bis 130 m angegeben. Auf vorwiegend herzynisch streichenden Klüften
und Gängen wurden aus hydrothermalen Lösungen buntmetallreiche
Erze ausgeschieden ("Kobaltrücken")). Sie stehen im Gneis und
halten bis in den Zechstein und in den Bröckelschiefer durch. Die
überwiegende Gangmasse besteht aus Siderit und Baryt, in denen sich
die begehrten Co-, Ni-, Bi- und Cu-Erze fanden. Die mittlere Mächtigkeit
der Gänge von 0,65 m (gewöhnlich 0,15 - 1,50 m) konnte bis zu
6 m anschwellen. Sie konnte jedoch auch nur wenige mm stark sein! In nur
wenigen Fällen bestand die gesamte Gangfüllung aus Co- oder Nickelerzen
(FREYMANN 1991). Die Erzführung war insgesamt jedoch sehr ungleichmäßig.
Nur in den mittleren Teufen und an Scharungsstellen waren die Gänge
„edel“ (BÜCKING 1892). Im Streichen konnten die größten
Gänge bis zu 2,4 km verfolgt werden.
Folgende Kobaltgänge wurden im Raum Bieber gefunden und
teilweise auch abgebaut (nach FREYMANN 1991):
1. Büchelberger Kobaltgang, 90°, 45-80° NE, 27 m,
~1790-1867
2. Büchelberger Kobaltgang, 150°, ?, ?, ~1790-1867
3. Büchelberger Kobaltgang, ?, ?, ?, -
1. Lochborner Kobaltgang, 135-150°, 55° NE, 7-24 m, 1748-1850
2. Lochborner Kobaltgang, herzynisch, 50-70° NE, ?, -
3. Lochborner Kobaltgang, herzynisch, 40-60°, ?, -
4. Lochborner Kobaltgang, 120°, SW, ?, nach 1780-1867
5. Lochborner Kobaltgang, 150°, SW, 20-38 m, nach 1780-1867
1. Röhriger Kobaltgang, 120-165°, 57° NE, >4
m, 1731-1800(?)
2. Röhriger Kobaltgang, 120-165(180)°, 57° NE, >4
m, 1731-1800(?)
Über dem Metamorphikum konnten früher noch wenig verfestigte Sedimente des Rotliegenden festgestellt werden. Die Schichtenfolge des Zechsteins erreicht hier bis zu 45 m. Sie sind als Mergel, dolomitische Kalk-, calcitische Dolomit-, Schluffsteine und Tone ausgebildet. Die liegenden Schichten des Zechsteins führen den metallreichen Kupferletten, die tonige Form der Kupferschiefers sedimentären Ursprungs. Der feinkörnige „Letten“ besteht nach FREYMANN (1991) aus Quarz, Glimmer, Calcit, Dolomit, Illit, Kaolinit, Chlorit, erdiger Baryt, Fe-Mn-Mineralien und bitumöse, organische Bestandteile (0,3 - 5,4 %). Die wirtschaftlich interessanten Erzmineralien (Korngröße 0,002 - 0,3 mm) sind darin feinst verteilt und bestehen aus Pyrit, Markasit, Arsenopyrit, Tennantit, Chalkopyrit, Arsenkies, Galenit und Sphalerit. In den oberflächennahen Bereichen kommen „Kupferglanz“, Covellin, Cerrusit, Azurit und Malachit hinzu.
Kupferschiefer in plattiger Ausbildung an einer Schachtpinge
im Lochborn
Lokal enthält der Zechstein-Dolomit metasomatische Fe-Mn-Vererzungen,
meist Siderit (teils in oxidische Mineralien umgewandelt: Goethit, Pyrolusit,
Romanèchit, Lepidokrokit) in den verkarsteten Zonen, die teils
hydrothermal überprägt sind. Sie erreichen Mächtigkeiten
von 2 - 25 m. Das Auftreten von Baryt, die geringen Gehalten an Buntmetallerzen
und das verstärkte Auftreten der Erze entlang der Störungen
weisen auf eine gemeinsame Genese der Erze hin. Eine Beeinflussung des
Kupferschiefers kann dabei ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Massiver bis erdiger Goethit mit brekziösem Baryt (Bildbreite
ca. 10 cm)
Darauf folgt wie oft im Spessart die Bröckelschieferfolge mit dem
unteren Buntsandstein aus Gelnhausen- und Salmünster-Folge aus
feinkörnigen Sandsteinen. Untergeordnet finden sich in der Umgebung
kleine Durchbrüche basaltischer Magmen, die ebenfalls Ziele eines
bescheidenen Steinabbaues (Beilstein, Hoher Berg, Madstein) waren. Unter
den jüngsten Zeugnissen geologischer Veränderungen ist das fast
rezente Niedermoor am Wiesbüttsee zu erwähnen, weil aus ihm
bedeutende Beiträge zur Wald- und Besiedlungsgeschichte des Spessarts
gewonnen werden konnten.
Die meisten der durch den jahrhundertelangen Bergbau recht zahlreich
geschaffenen Aufschlüsse (wie bei DIEDERICH & LAEMMLEN 1964
aufgeführt) sind seit langem aufgelassen und deshalb verwachsen,
verschüttet oder inzwischen überbaut.
Im Bereich des Bergbaugebietes sind an vielen Stellen steile,
recht frisch erscheinende Pingen zu finden, die sicher örtlich von
Zeit zu Zeit nachbrechen. Es muss auch obertägig ständig mit
Einstürzen gerechnet werden, wie zuletzt im oberen Lochborn, wo
am 27. oder 28.12.1998 auf dem ehemaligen Bahndamm zwischen oberem und
unterem Maschinenschacht ein ca. 2 m großer, frischer Einsturztrichter
gefunden werden konnte.
Die Kapelle am Burgberg bei Bieber
Historie
Über die bergbaulichen Aktivitäten liegen zahlreiche
Schriften vor, die größtenteils noch erhältlich sind
(FREYMANN 1991, HOFMANN) 1969 in Autorenkoll. 1994, CANCRIN 1787, DIEDERICH
& LAEMMLEN 1964 und BACKHAUS & WEINELT 1967) weshalb hier auf
eine Beschreibung verzichtet wird. Auch gibt es eine sehr gute Seite im
Internet zur Historie (http://www.joerg-amberg.de/).
Bemerkenswert ist der Umstand, dass das Blaufarbenwerk wie auch die Bergwerke
in der napoleonischen Besatzungszeit an die Schwester Pauline (oder Paulina;
die Paris Hilton dieser Zeit) von Napoleon Bonaparte vergeben wurden, so dass
die Einkünfte ihr zuflossen (BERINGER & NICKEL 2012).
Der Lochborner Teich war über Jahre trocken, so dass Erlen
wuchsen.
Mit dem Wiederfüllen vor ca. 15 Jahren starben die Erlen
ab und die
Stümpfe ragen aus dem Wasser.
Die umfangreichen und aus neuerer Zeit volumniösen Halden und andere an den Boden gebundene Zeugen des Bergbaues (Stollenmundlöcher, Pingen) sind meist reich an wenn auch fein verteiltem Erz. Alle bergbaulich interessanten Gangfüllungen und Erze enthalten typischerweise deutliche As-Gehalte. Diese Erze verwittern recht leicht unter den gegenwärtigen Bedingungen und sind heute Quellen eines bedeutenden As-Eintrages in die Gewässer. Dies wurde beispielsweise am Schwarzbach im Lochborn von TUROWSKI (1998) untersucht und ausführlich beschrieben. Die Wässer des Schwarzbaches erreichen Arsen-Gehalte nach längeren Trockenzeiten bis zu 0,28 mg/l Bachwasser. Infolge der Größe der Halden und des Verwitterungsgrades der Erze ist mit einem Eintrag zu rechnen, der sicher noch hundert Jahre anhalten wird.
Heute findet sich in der Region die wohl bedeutendste Forschungsstelle für Mittelgebirge, unterhalten vom Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt. Dazu werden die Räumlichkeiten des früheren Bahnhofes der Eisenbahn genutzt, die das Eisenerz nach Gelnhausen brachte. Infolge der schlechten Erreichbarkeit wurde die Forschungsstelle von der Lochmühle nach Gelnhausen verlegt.
Der Bergbau von Bieber findet sich auch in den sehr bekannten Grimm´s
Märchen wieder. So beschreibt RUF (1995) ausführlich, warum
man heute davon ausgehen kann, dass es sich bei den sieben Zwergen in
dem Märchen vom Schneewittchen um Bergleute aus Bieber handeln kann!
Und das GRIMM´sche Schneewittchen lebte im Mittelalter in Lohr, wo
sich auch die Kurmainzische Spiegelmanufaktur befand.
Mineralien
Die wenig attraktiven Belegstücke aus dem Kupferschieferbergbau
sind heute nur einem sehr geringen Umfang vorhanden. Auch aus dem Bergbau
auf die Eisenerze liegen wegen der geringen Attraktivität und da
aus vielen ähnlichen Fundstellen bessere Stücke vorhanden waren,
kaum Belegstücke vor.
Zum Zeitpunkt des aktiven Bergbaues auf die Cobalt-Nickelerze wurden bereits international Mineralien gehandelt. Die damals noch junge Wissenschaft der Mineralogie entstand als Oryktognosie in Mitteleuropa und deshalb finden sich in fast allen alten Sammlungen der Universitäten und Museen sehr wenige Belegstücke aus Bieber; so auch in der Sammlung von J. W. von GOETHE in Weimar! Die wohl beste und umfangreichste Mineraliensammlung war die der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, deren Sammlung im Bombenhagel auf Hanau 1945 verbrannte.
Reiches Belegmaterial findet sich in den alten großen Sammlungen Mitteleuropas, so z. in Berlin, Göttingen, Bonn, Wien (Österreich), Strasbourg (Frankreich), London (Großbritannien), München, Würzburg und in vielen anderen Sammlungen auch, so z. B. Aschaffenburg, Wiesbaden, ....
Die primären Erze in Bieber bestehen aus den Gangarten Siderit und
Baryt, selten Calcit (Ca[CO3]) und etwas Quarz, darin eingewachsen
sind die Erzmineralien (nach WAGNER & LORENZ 2002):
Alloklas ((Co,Fe)AsS)
Bismuthinit (Bi2S3)
Chalkopyrit (CuFeS2)
Cobaltit ((Co,Fe,Ni)AsS)
Emplektit (CuBiS2)
Galenit (PbS)
Gersdorffit ((Ni,Co,Fe)(As,Sb)S)
Löllingit (FeAs2)
Maucherit (Ni11As8)
Nickelin (NiAs)
Nickelskutterudit ((Ni,Co,Fe)As2-3)
Rammelsbergit (NiAs2)
Safflorit ((Co,Fe)As2)
Skutterudit (CoAs2-3)
Tennantit ((Cu,Fe)12As4S13)
gediegen Wismut (Bi).
Gediegen Wismut im Siderit (nicht wie auf dem sehr alten Zettel angegeben
im Baryt!) und auch ohne Bieberit, Bildbreite 8 cm.
Einige Bilder von den oben aufgeführten Mineralien aus dem Raum Bieber finden Sie auf der nächsten Seite (bitte beachten Sie, dass die 10 Fotos eine längere Ladezeit erfordern.
In GOLDSCHMIDT´s Atlas der Kristallformen finden sich mehrere Abbildungen von idiomorphen Kristallen des ged. Wismut aus Bieber (Band 9 , Tafel 48, Fig. 1, 3-6). Auch bei HINTZE (1904:124) wird das sonst nicht so häufge Mineral „auf Gängen im Glimmerschiefer mit Speiskobalt, Kobaltblüthe, Rothnickelkies, Eisenspath und Baryt krystallinische Partien und ausgebildete Krystalle;“ aufgeführt.
In dem sehr bekannten erzmikroskopischen Standardwert von RAMDOHR (1975:411) wird in Abb. 318 ein Einschluß von ged. Wismut in rissigem Skutterudit abgebildet. Das ged. Wismut zeigt die gleiche Anomalie beim Schmelzen wie das Wasser - es zieht sich beim Schmelzen zusammen, so dass es beim Erstarren sich ausdehnt. so können die abgebildeten Risse, ausgehend vom Bismut, im massiven Skutterudit gedeutet werden. Das Mineral kann deshalb auch als mineralogisches Thermometer verwendet werden.
Diese wurden stellenweise in Sekundärmineralien umgewandelt, so zu
Annabergit (Ni32+[AsO4]2·8H2O),
Bieberit (CoSO4·7H2O). Das Mineral wurde hier in Bieber zuerst gefunden (als Kobaltvitriol) und aus diesem Grund nach dem Fundort benannt (Typuslokalität).
Bieberit ist und war schon in Bieber im 19. Jahrhundert sehr selten. Die
meisten "Bieberite" in den Mineralien-Sammlungen erwiesen sich bei
einer genauen Analyse als Erythrin. Bieberit ist sehr empfindlich, weil
wasserlöslich und deshalb auf den Halden kaum zu finden. Heute
existieren nur noch wenige, wirkliche Bieberit-Proben aus Bieber in
den (öffentlichen) und wohl nur ganz selten in privaten Sammlungen.
Erythrin-Krusten als tpischer Haldenfund aus dem Lochborn bei Bieber,
Bildbreite 2 cm
Erythrin (Co32+[AsO4]2·8H2O),
Jarosit (KFe33+[(OH)6/(SO4)2]),
Pharmakolith CaH[AsO4]·2H2O),
Pikropharmakolith (Ca4Mg[AsO3(OH)/AsO4]2·11H2O),
Rösslerit (MgH[AsO4]·7H2O
- hierfür ist Bieber dieTyplokalität)
und viele weitere.
Gemenge solcher Phasen wurden früher als "Erdkobalt" bezeichnet.
Leider konnte bis heute in keiner Sammlung - oder auch auf einer Halde -
ein nachweislicher Rösslerit von Bieber gesichtet werden (LORENZ 2010:401ff).
Alle Bemühungen sind gescheitert, so dass man davon ausgehen muss, dass
auch das Typmaterial verschollen ist.
Farblose bis weißliche Kristalle aus Rösslerit, gefunden um 1970
im Jachymov,
CZ (Erzgebirge), Bildbreite 5 mm. Das Mineral ist selten. Diese Kristalle
des
kleinen Stcükes waren in einer Ausstellung "Do it yourself" in Frankfurt,
Berlin
und bis 2013 in Dortmund zu sehen.
Eine anekdotische Besonderheit ist der verbreitete und sehr giftige Arsenolith
(As2O3; ebenfall als Neubildung auf alten Erzen),
von dem hanauer Chemiker Johann Heinrich KOPP (1807) schreibt:
„ ...sehr weich; leicht zersprengbar und besitzt einen zusammenziehenden
Geschmack. Auf einer Eisenplatte verdampft es gepulvert vollkommen
unter starkem Rauche. Auf glühende Kohlen gestreut gibt es einen,
nach Knoblauch riechenden, Rauch von sich.“
Er hat es überlebt, denn er schrieb später weitere
Beiträge und starb im hohen Alter 1858.
Museum Biebergemünd
Wenn Sie nach Biebergemünd, Ortsteil Bieber, kommen, dann
empfiehlt sich der Besuch des kleinen, aber feinen Heimatmuseums. Untergebracht
in neben einem großen Sandsteinbau (ehemaliges preußisches
Amtgericht - rechts im Bild) finden Sie in den Räumen im 1. OG eine
schöne Ausstellung zum Bergbau, Glashütten, Geologie, Eisenbahn,
Vorgeschichte und zur örtlichen Historie. Auch kann man hier einige
der interessanten Schriften zur Region käuflich erwerben.
Das Museum wird vom seit 10 Jahren bestehenden Geschichtsverein
betreut und ist am 1. Sonntag im Monat von 14 -17 Uhr offen - sonst nach
Vereinbarung. Bitte sprechen sie dazu den Geschichtsverein
in Biebergemünd an.
Literatur
Autorenkollekt. (1994): Festschrift 500 Jahre BIEBERER BERGBAU
1494 - 1994.- 70 S., Gemeinde Biebergmünd.
BACKHAUS, E. & WEINELT, Wi. (1967): Über die geologischen
Verhältnisse und die Geschichte des Bergbaues im Spessart.- in
BACKHAUS, E. (1967): Beiträge zur Geologie des Aschaffenburger Raumes.-
Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg
e. V., 10, 260 S., Aschaffenburg.
BERG, G. & FRIEDENSBURG (1944): Nickel und Kobalt.- Die metallischen
Rohstoffe, ihre Lagerungsverhältnisse und ihre wirtschaftliche Bedeutung.-
280 S., [Enke] Stuttgart.
BERINGER, I. & NICKEL, P. (2012): Pauline und Biebergemünd. Pauline
Bonaparte Fürstin von Guastalla.- Mitteilungsblatt Zentrum für
Regionalgeschichte 37. Jahrgang, S. 45 - 51, 3 Abb., Kreisausschuss
des Main-Kinzig-Kreises, Gelnhausen.
BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen
Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX.
Lieferung Gradabteilung 68, No. 54, Blatt Bieber.- 56 S., [S. SCHROPP´sche
Hof-Landkartenhandlung] Berlin.
BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen
Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX.
Lieferung Gradabteilung 69, No. 49, Blatt Lohrhaupten).- 30 S., [S.
SCHROPP´sche Hof-Landkartenhandlung] Berlin.
BÜCKING, H. (1892): Der nordwestliche Spessart.- Abhandlungen
der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Neue Folge
Heft 12, 274 S., Berlin.
CANCRIN, F. L. (1787): Geschichte und systematische Beschreibung
der in der Grafschaft Hanau Münzenberg, in dem Amte Bieber und
anderen Ämtern dieser Grafschaft, auch dem dieser Grafschaft benachbarten
Ländern gelegenen Bergwerke.- 190 + XIX S., [Hertel] Leipzig; Reprint
in der 2. Aufl. von 1994, Bad Orb.
DIEDERICH, G. & LAEMMLEN, M. (1964): Das obere Biebertal
im Nordspessart. Neugliederung des Unteren Buntsandstein, Exkursionsführer
und geologische Karte.- Abh. Hess. L.-Amt Bodenforsch., Heft 48,
34 S., Wiesbaden.
DIEDERICH, G. (1969): Geologische Verhältnisse und Problemen
bei Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 307 - 316, Frankfurt.
EMMRICH, S. (1997a): Quellen zum Bieberer Bergbau Die Betriebsberichte
1907 - 1925.- 110 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd
e. V. [Eigenverlag] Bieber.
EMMRICH, S. (1997b): Quellen zum Bieberer Bergbau Betriebsstatistiken
1907 - 1926.- 48 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e.
V. [Eigenverlag] Bieber.
FREYMANN, K. (1991): Der Metallerzbergbau im Spessart. Ein Beitrag
zur Montangeschichte des Spessarts.- Veröffentlichung des Geschichts-
und Kunstvereins Aschaffenburg 33, 413 S., Aschaffenburg. GOLDSCHMIDT,
V. (1913-1923): Atlas der Krystallformen.- 9 Tafelbände mit je
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HINTZE, C. (1904): Handbuch der Mineralogie.- Erster Band, Erste
Abtheilung, 1208 S., [Verl. v. Veit & Comp.] Leipzig.
HOFMANN, E.-L. (1969): Geschichte der Berg- und Hüttenwerke
zu Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 317 - 328, Frankfurt.
KLUTH, C. (1967): Über ein Vorkommen vom Emplektit zu Bieber
in Hessen.- Aufschluss 18, S. 9 - 12, Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER,
J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 566ff, 714ff, 731ff.
OKRUSCH, M. (1963): Die Anfänge der mineralogisch-petrographischen
Erforschung des Vorspessarts.- Abh. Naturwiss. Ver. Würzburg, 4,
Heft 1, Würzburg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur,
Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer
Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige
Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder
Borntraeger] Stuttgart.
RAMDOHR, P. (1975): Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen.-
4. bearbeitete und erweiterte Auflage, 1277 S., [Akademie-Verlag] Berlin.
RUF, T. (1995): Die Schöne aus dem Glassarg Schneewittchens
märchenhaftes und wirkliches Leben.- 118 S., einige SW-Abb., [Verlag
Königshausen & Neumann GmbH] Würzburg.
TUROWSKI, S. (1998): Schwermetalluntersuchungen am Schwarzbach
im Spessart unter Berücksichtigung der Geologie des Lochborn von
Bieber mit seiner Bergbaugeschichte.- Geol. Jb. Hessen 126,
S. 15 - 35, 14 Abb., 6 Tab. [Hess. Landesamt f. Bodenforschung] Wiesbaden.
WAGNER, T. & LORENZ, J. (2002): Mineralogy of complex
Co-Ni-Bi vein mineralization, Bieber deposit, Spessart, Germany .- Mineralogical
Magazine 66, No. 3 (Juni 2002), p. 385 - 407, 10 Fig., 9 Tab.,
The Mineralogical Society, London.
NSG:
*Gedanken zum NSG (Naturschutzgebiet):
Es ist schon merkwürdig, dass eines der unnatürlichsten
Täler des Spessarts zum einem bedeutenden Naturschutzgebiet gemacht
wurde, denn hier im Lochborn ist praktisch Alles vom Menschen umgestaltet
worden. Selbst die Bäche sind verlegt, Halden, Tagebaue und Dämme
haben den Talgrund total verändert. Und zu Zeiten des aktiven Bergbaues
gab es hier wenig bzw. keinen Wald. Man könnte denken, dass die
natürlichen Gegebenheiten viel weniger Nischen bieten würden;
dies würde zum Schluss führen, dass eine Umgestaltung mit anschließender
50jühriger Ruhe zu einer größeren biologischen Vielfalt
führen würde als ein "unberührter" Wald!
Aber wenn man nichts macht, dannn werden eben alle Flächen
von der Vegetation besiedelt; bei den hohen Niederschlägen im Raum
Bieber ist das kein Problem. Bis auf eine Ausnahme sind auch die Schwermetallgehalte
keine Hinderungsgrund für eine Ansiedlung von Bäumen. Wären
keine Schatten spendenen Bäume - auch Fichten - vorhanden, so wäre
das Tal noch weiter zugewachsen und man würde von den Bergbauresten
noch weniger sehen. Problematisch sind derzeit wohl die zahlreichen Wildschweine,
die erheblichen Wühlarbeit leisten und im Winter 2007/08 praktsich
die gesamten Wiesen "umpflügten".
Trotzdem sollte man die nicht standortgerechten Fichten herausschlagen,
so dass heimische Bäume die Flächen besiedeln können.
Der Geschichtsverein Biebergemünd:
Leider werden außerhalb des Naturschutzgebietes die verstürzten
Schächte (Schachtpingen) immer noch als illegale Müllplätze
genutzt. Es ist kaum zu fassen, welchen Aufwand man treibt, um die Zeugnisse
der hiesigen Kultur zuzuschütten. Hier gesehen während einer
aufschlussreichen Begehung durch ca. 15 Mitglieder des Geschichtsvereins
vom Biebergemünd am 14.06.2011 unter Führung von Siegfried
Emmrich am neuen Kunstschacht des 1. Röhriger Kobaltstollens. Von
diesem Stollen ist das Mundloch bei einem Versuch in der 1970er Jahren
neu erbaut worden als man versuchte, den Stollen für ein Besucherbergwerk
zu sichern. Leider wurde kein offener Stollen angetroffen, so dass das
Vorhaben eingestellt wurde.
Tag des Denkmals 2011:
Die Gruppe der Jubiläumsbegehung des Kulturrundweges der Bieberer
Acht am 11.09.2011 an der "Eisensau" in Bieber. Nach
Analysen stammt das Eisen sicher aus Bieber. (Foto Meinolf Drüll,
Geschichtsverein Biebergemünd)
Zum Tag des (offenen) Denkmals am 11.09.2011 trafen gegen 10 Uhr in Bieber
30 Teilnehmer zum Jubiläumsrundgang des Kulturweges ein, die der
Geschichtsverein von Biebergemünd eingeladen hatte. Das Führerduo
aus Siefried Emmrich (Kultur, Bergbaukunde) und Joachim Lorenz (Geologie,
Mineralogie) begann im Museum und an einem großen Eisenstück aus
dem ehemaligen Hochofen von Bieber mit der Wanderung. Dann gingen wir zum
Burgberg, passierten die Eisensteintagebau, die Schachtpingen des Kobaltbergbaues
und auch den kaum mehr sichtbaren Resten des Kupferschieferbergbaus, so
dass wir verschwitzt gegen 13.30 Uhr an der Gastwirtschaft am Wiebüttesee
ankamen: ohne Regen, aber bei großer Schwüle. Nach dem guten
Essen liefen wir bequem bergab zurück. Wir kamen am oberen Maschinenschacht
vorbei, der infolge von umgestürzten Bäumen besser sichtbar war.
Dann erreichten wir den Lochborner Teich mit den Erlen. Es gab auch ausnahmweise
ein Stück Cancrinit zum Anfassen. Auf halbem
Weg gab es als Verpflegung kleine Schokoladentäfelchen und gegen 17.10
Uhr waren wir zurück am Museum. Das angekündigte große Gewitter
mit Regen und einem Temperatursturz auf 16 °C fand erst später statt,
so dass der Tag fast ganz trocken bleib. Das Wetter ist meist besser als
der Wetterbericht bzw. die Vorhersage meint.
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