Der ehemalige Basalt-Steinbruch
zwischen Alzenau und Kahl a. Main
-
ein Lavastromrest aus dem Vogelsberg?
 

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


See im Steinbruch Taucher

Der alte Steinbruch ist heute ein idyllischer See im Kiefernwald - nur 2,6 m tief!
 

Lava
ca. 40 cm breites, leicht angewittertes Stück
einer stark blasigen Lava mit Seilstruktur
aus dem Vorkommen zwischen
Kahl und Alzenau



Lage:

Ehemalige Steinbrüche um den früheren Gast- und Reiterhof "Forellenhof", jetziges Hotel Forelle (Adresse: Alzenau, Steinbruch 1) an der Straße von Kahl nach Alzenau (Geologische Karte 1:25.000 5920 Alzenau R 4985 H 0225, siehe Okrusch et al. 2011, S. 210, Aufschluss 103). Die ehemaligen Steinbrüche an der Nordseite der Straße wurden weitgehend eingeebnet und sind kaum mehr als solche erkennbar. Daneben befindet sich auch das Vereinsheim der Schützen von Alzenau.

Der große Steinbruch auf der Südseite der Straße ist mit Wasser gefüllt und infolge der langen Auflassung stark verwachsen. Nach den Resten der neueren Bauwerke erfolgte eine Nutzung als Angelgewässer und zur Erholung. Der Zugang zum See ist infolge des starken Bewuchses nur schwer möglich. Die Böschungen sind steil. Auf der Westseite sind Reste von Bauwerken aus Bruchsteinen erhalten, bei denen es sich um die Fundamente eines Derrikkranes handeln könnte.
Bruchsteinfundamente für ?
 

Die sehr weitläufigen, fächerförmigen und bis zu ca. 4 m hohen Halden sind völlig mit einem Kiefernwald überwachsen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um die den Basalt einst überlagernden Sande und Kiese, so dass hier nur wenige Basaltbrocken oder Felsstücke ausgegraben werden können.
Halden
Die Halden heben sich gegen die nahe, feuchte Niederung der Kahlaue sehr scharf ab.
 

Historisches:
Der Steinbruch wurde 1838 von der Gemeinde Alzenau betrieben. Er wurde in der Folgezeit mehrfach an verschiedene Pächter vergeben. Man stellte Schotter für den Bau und Erhalt der Straßen in der Umgebung her. Um 1862 werden ca. 30 Personen dort beschäftigt: Bohrer, Sprenger, Steinbrecher, Zurichter von Pflastersteinen, Erdarbeiter; dazu noch Aufseher, Pumpenwächter (dies zeigt, dass man damals bereits unter dem früheren, ca. 1,5 m höheren Grundwasserspiegel arbeitete. Der See ist 2010 maximal 2,6 m tief, wie eine Tauchaktion am 10. Juli 2010 durch die Taucher Jürgen Tietz, Dieter und Björn Windhäuser aus Mühlheim feststellten). Steinklopfer und Fuhrknechte arbeiten an 300 Arbeitstagen im Jahr (!). Seit 1860 gab es einen Gastwirtschaftsbetrieb für die Steinbrucharbeiter. 1901 wird der Abbau hier eingestellt und wurde, da man keinen weiteren Basalt mehr fand, auch nicht mehr aufgenommen.
Leider gelang es bis heute nicht ein Foto oder ein Bild aus der Abbauphase des Steinbruches aufzufinden.
Das Gestein wurde auch als Werkstein gewonnen und verbaut. Heute findet man es nur noch an sehr wenigen Stellen in Kahl.

Ob diese Steine wirklich aus dem Steinbruch stammen, kann mit letzter Sicherheit nicht gesagt werden; aber es ist unwahrscheinlich, dass man die Steine aus Hanau antransportierte.
Aber das dunkle Gestein hatte sich nicht durchsetzen können. Der Buntsandstein erwies sich als heller und wurde wohl deswegen überwiegend verbaut (Rathaus, Kirche, Bahnhof, Schule, zahlreiche private Häuser).

In Alzenau wurde das Gestein dagegen kaum verwandt, da hier der anstehende Amphibolit leichter zu gewinnen war.
 

Geologie:

Bei dem kleinen, inzwischen wohl völlig abgebauten Basalt-Vorkommen handelt es sich um mehere nahe nebeneinander liegende Ersionsreste einer einst flächendeckenden Lage aus einem tholeiitischen Basalt. Die nächsten Vorkommen sind durch Bohrungen belegt bzw. an der früheren Mainschleuse von Großwelzheim bekannt. Oberirdisch sind die gleichen Gesteine - auch als "Untermain-Trapp" bekannt - von Großauheim, Steinheim, Wilhelmsbad, Hanau, Dietesheim, usw. bis nach Frankfurt nachgewiesen.
Das dunkelbraune Gestein ist massig dicht, deutlich grobkörniger, als die anderen Basalte im Spessart aber stellenweise auch porös bis schwammig ausgebildet. Auch konnten echte Lavaoberflächen mit einer typischen "Seilstruktur" nachgewiesen werden. Im Gestein sind keine Einschlüsse bekannt geworden.
Wie man der spärlichen alten Literatur entnehmen kann, bestand der Basalt aus großen Säulen und war nur von einer dünnen Sedimentschicht bedeckt. Nach dieser Beschreibung ähnelt das Vorkommen dem heute noch zugänglichen Basalt von Mühlheim-Dietesheim (hier sind die Steinbrüche ebenfalls mit Wasser gefüllt, aber die säulige Struktur des Gesteins ist noch eindrucksvoll in dem Naherholungsgebiet zwischen Hanau-Steinheim und Dietesheim sichtbar).

Chemische Zusammensetzung des basaltischen Andesits zwischen Kahl und Alzenau:
Oxide: Gew.-%:
SiO2 51,84
Al2O3 11,27
CaO 8,57
MgO 6,21
Fe2O3 5,47
FeO 4,98
Na2O 4,34
K2O 2,05
H2O 1,71
TiO2 0,85
CO2 0,68
P2O5 0,34
MnO Spuren
In Spuren As, Cu, Cl, Co, Ni, Ba. Diese stammt aus dem Jahr 1880; leider gibt es keine neuere chemische Analysen. Aber diese deckt sich weitgehend mit der Zusammensetzung der Basalte im Raum Hanau (RENFTEL 1998:50ff).

der Basalt
ca. 15 cm breites Stück des Basaltes (angeschliffen
und poliert) mit einer ca. 5 mm dicken Verwitterungs-
rinde und frischem Bruch oben

Das Alter des Basaltes wurde mittels der Kalium-Argon-Methode auf 17 Millionen Jahre (Mittleres Miozän) datiert (LIPPOLT et al. 1975). Es paßt damit gut zu den Altern der Basalte im Vogelsberg. Die ähnlichen Vorkommen von Frankfurt wurden auf ein Alter von 13 - 16 Ma datiert.

Man geht heute davon aus, dass es sich bei all diesen Basaltvorkommen um die Erosionsreste von mehreren basaltischen Deckenergüssen handelt, die ihren Ursprung im Vogelsberggebiet haben. Dafür spricht das junge Alter, die weite Verbreitung und bei keinem der oben aufgeführten Basalte wurden Förderspalten oder ~schlote gefunden. Sie sind teilweise lateritisch verwittert und bestehen aus mehreren Lagen, auch unterbrochen von fossilen Böden. Aus Hanau bzw. Steinheim sind auch Abdrücke von Koniferen im basaltischen Andesit bekannt geworden. Die Ergussgesteine sondern dann in großen Blöcken säulig ab, was die Gewinnung erleicherte. Die angewitterten Partien bestehen an den oberflächennahen Partien aus rundlichen bis ellipsoidisch verwitterten Gebilden.

Dann kann man sich vorstellen, welches Ausmaß ein solcher Basaltlavastrom haben muss, dass das flüssige Gestein solche Decken von ca. 10 m Mächtigkeit in einer so großen Entfernung bilden kann. Förderraten von einigen zehntausend m³/sec sind notwendig und das in relativ kurzen Ausbruchszeiten von Wochen oder höchstens Monaten. Dies deshalb, weil die einzelnen Basaltdecken sehr homogen ausgebildet sind. Verwitterungsreste zwischen diesen weisen auf Pausen hin, in denen eine Bodenbildung möglich war. Und die erhaltenen Seillaven weisen auf eine sehr dünnflüssige Lava hin, die sonst bei längeren Strecken abkühlen würde, verschuppt und zur Bildung von Pahoehoe-Laven neigt. 

Es gab in historischer Zeit nur einen einzigen vergleichbaren Vulkanausbruch, der solche apokalypitischen Ausmaße hatte: Die Lakieruption 1783 in Island! Die geförderten ca. 12,5 km³ Lava verteilten sich auf ca. 530 km² Fläche (heute noch gut sichtbar), plombierten und verdunstete ganze Flüsse: Die Förderraten lagen bei einigen tausend Kubikmeter pro Sekunde. Die dabei austretenden Gase beeinflussten selbst das Klima im entfernten Europa, wo man im Sommer 1783 ungeblendet in die Sonne schauen konnte. Und der folgende Winter 1783/84 zählt zu den klimatisch "großen" Wintern mit klirrender Kälte, Schnee und Eis. In Island selbst verhungerten derweil - vom Rest der Welt unbemerkt - große Teile des Weideviehs (Fluorose) und ein erheblicher Teil der Bevölkerung! Im Februar 1784 kam es nach einer Tauwetterperiode mit Regen zu einem Eisgang, der die meisten Flussbrücken zerstörte und ein unvorstellbares Hochwasser erzeugte.


Mineralien:

Das im Spessart sonst seltene und jüngste Ergussgestein weist kaum sichtbare Mineralien auf. Das sehr dichte Gestein enthält außerdem überhaupt keine Drusen. Infolge der sehr schlechten Aufschluss-Situation sind keine Felsen zu sehen bzw. zu finden. Man kann nur einzelne, meist verwitterte Steine des verwitterten Gesteins an den überwachsenen Halden auflesen.
Infolge der gleichen Gesteinsmassen in den Vorkommen in Hanau, Steinheim, Dietesheim usw. in denen reichlich Siderit in kleinen Drusen zu finden war (siehe weiter unten). Dieser sollte sich hier in Alzenau auch finden, denn der Enstehungprozess ist ja der Gleiche.

Siderit im Basalt von Alzenau bzw. Kahl
Mit der Eröffnung des Heimatmuseums in Kahl am Main am 5.-6.1.2008 wurde ich dann fündig. In einer Vitrine im Keller liegen zwei kleine Pflastersteine mit jeweils ca. 3 cm großen Drusen, ausgekleidet von weißlichem Calcit (rechts) und braunem Siderit (links) (Nr. 9; Eigentum von Hern Karl Becker aus Kahl). So wie die Stücke formatisiert sind, wurden diese "Pflastersteine" extra so geschlagen, so dass die Drusen in der Mitte der Stücke liegen.
Jetzt fehlt nur noch der Opal, der hier auch vorgekommen sein sollte. Vielleicht schlummern entsprechende Stücke in den Häusern in Kahl oder Alzenau. Damit sind eindeutige Parallelen zu Steinheim a. Main und Dietesheim vorhanden, wo solche Funde seit 250 Jahren bekannt sind und als Handelsgut in alle Welt verkauft und vertauscht wurden.
 

Literatur:

LIPPOLT, H. J., BARANYI I. & TODT, W. (1975): Die Kalium-Argon-Alter der postpermischen Vulkanite des nordöstlichen Oberrheingrabens.- Aufschluss Sonderband 27, S. 205 - 212, 2 Abb., Heidelberg.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- S. 138 ff., München 1967.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
RENFTEL, L.-O. (1998): Geologische Karte von Hessen 1:25000 Blatt 5819 Hanau mit Erläuterungen.- 2. neu bearb. Aufl., 278 S., 42 Abb., 18 Tab., 2 Beil., [Hess. Landesamt f. Bodenforschung] Wiesbaden.
RÜCKER, E. (1963): Eine soziale Tat  Die Alzenauer Steinbrucharbeiter hatten schon 1858 eine Krankenkasse.- Unser Kahlgrund Heimatjahrbuch 9, S. 68 - 70, Alzenau.
RÜCKER, E. (1985): Basaltsteinbrüche im Alzenauer Sand.- Unser Kahlgrund Heimatjahrbuch 30, S. 113 - 116, Alzenau.

 

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