Bariumpharmakosiderit
(neu: Bariopharmakosiderit)
und Lithiophorit von der kleinen Eisen- und Manganerzgrube
Beschertglück“ am Kalmus bei Schöllkrippen im Spessart


von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


Museumsstück aus Goethit  Carl Schiffner
Links: Bariumpharmakosiderit aus Schöllkrippen in der Sammlung der TU München (Bildbreite ca. 8 cm),
aufgenommen am 08.07.1999
Rechts: Bariumpharmakosiderit (nach der neuen Nomenklatur Bariopharmakosiderit) aus "Aschaffenburg",
in Wirklichkeit von Langenborn, ehemals Sammlung von Carl Schiffner (Bildbreite ca. 12 cm)


Es handelt sich bei der Seite um eine stark gekürzte Fassung des Artikels:
LORENZ, J. (2003):  Bariumpharmakosiderit und Lithiophorit von der kleinen Eisen- und Manganerzgrube „Beschertglück“ am Kalmus bei Schöllkrippen im Spessart.- Aufschluss 54, S. 45 - 56, 8 Abb., 3 Tab., Heidelberg. Sie können diesen beim Autor zum Preis von 7,50 € (das ganze Heft mit 64 Seiten und weiteren Artikeln zur Geologie und Mineralogie) bestellen



Zusammenfassung
Der hervorragend kristallisierte Bariumpharmakosiderit (neu Bariopharmakosiderit) auf Goethit vom Berg Kalmus beim Hof Langenborn unweit des Ortes Schöllkrippen im Spessart findet sich nahezu weltweit in sehr vielen alten Sammlungen, beschriftet mit „Pharmakosiderit“ und oft auch dem „falschen“ Fundort „Aschaffenburg“, welcher auch als Fehlinformation in die Literatur einging.
Bei der wirklichen Fundstelle handelt es sich um den heute verschütteten Tagebau eines kleinen Abbaues der Eisen- und Manganerzgrube „Beschertglück“ die in der Mitte das 19. Jahrhunderts abgebaut worden ist. Ziel des Bergbaues waren Eisen- und Manganerze (Goethit, Romanèchit und Baryt), die hier geschütz vor der Erosion an einer Verwerfung anstehen. Die Erze sind aus metasomatischem Siderit oxidiert, wobei der Siderit seinerseits aus einem Zechstein-Dolomit entstand.
 

Lage
Ehemalige Grube "Beschertglück" und die Steinbrüche im Quarzit befinden sich am teils bewaldeten Berg Kalmus beim Gehöft Langenborn südwestlich von Schöllkrippen im Spessart (GK 5921 Blatt „Schöllkrippen“ R 351650 H 554945, siehe auch Okrusch et al. 2011 S. 147, Aufschluss Nr. 18). Zu erreichen über einen Weg, der im spitzen Winkel von der Straße von Schöllkrippen nach Krombach abzweigt und zu dem Wäldchen führt.
Der ehemalige Tagebau ist in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als Müllkippe genutzt worden und so völlig verfüllt (Altlast?). Der Platz der eingeebneten Halden diente erst als Sportplatz und dann zeitweise als Zeltplatz. Halden sind kaum mehr vorhanden und mit einem ringförmigen Baumbestand überwachsen. 

Hinweise zu den Fundmöglichkeiten:
Sehr bescheidene Funde der beschriebenen Mineralien sind auf den Wegen und den Feldern (außerhalb der Vegetationszeit!) der Umgebung des Tagebaues noch möglich. Die Kristalle sind jedoch infolge der langen Lagerzeit und der Witterung meist klein und beschädigt; sie erreichen keinesfalls die Funde aus historischer Zeit! 

Grubengelände heute
aufgenommen am 23.05.1999

Ca. 100 m westlich des früheren und heute völlig verfüllten Tagebaues sind im angrenzenden Wald die Reste eines ehemaligen Steinbruches zu sehen. Die trichterförmigen und bis zu 10 m tiefen Schürfe sind größtenteils stark verwachsen und verfallen. An wenigen Stellen ist der harte, gut geklüftete und helle Quarzit zu erkennen. Zwei der tiefsten Abbaue (“Löcher“) sind ganzjährig mit Wasser unbekannter Tiefe gefüllt. Auf den Abraumhalden sind ohne Grabarbeiten kaum Mineralien zu finden. Es empfielt sich die Wurzelteller umgestürzter Bäume zu bemustern.
 

Mineralien

Pyrolusit   MnO2
Zusammen mit Romanèchit und Lepidokrokit und von Goethit mit Romanèchit und etwas Bariumpharmakosiderit tritt Pyrolusit in bis zu 0,5 mm großem, blockigen Kristallen (auch idiomorph) von silberner Farbe und großer Sprödigkeit. Es handelt sich sicher um eine junge Bildung, wie an den anderen Fundstellen in den Zechstein-Gesteinen des Spessarts auch. 

Pyrolusit
Hellgrauer Pyrolusit, überwachsen von Bariopharmakosiderit,
Bildbreite 5 mm
 

Goethit  FeO(OH)
Die massiven bis drusigen, max. faustgroßen Goethit-Stücke sind typisch für Vorkommen aus dem Zechstein-Dolomit und gleichen denen von Bieber sehr was Ausbildung und der Einschluss der kleinen, idiomorphen Quarz-Kristalle angeht. Stellenweise sind Harnische zu beobachten, die eine Bewegung nach der Bildung des Goethits belegen. In den Drusen ist nur selten glaskopfartiger Goethit ausgeschieden worden. Der Goethit enthält große Mengen an Spurenelementen. Harnische im Goethit belegen die Bewegung von Störungen innerhalb des Vorkommens nach der Bildung des Goethits.
Goethit-Ackerlesesteinfunde
Typische Goethit-Brocken als gereinigte Lesestein-Funde vom Acker
ohne Bariumpharmakosiderit,
Bildbreite ca. 17 cm 

Bariopharmakosiderit im Goethit
Massiver Goethit mit etwas brekziiertem Baryt (weiß) und den kleinen,
würfeligen Bariopharmakosiderit-Kristallen. Das Stück wurde sicher im
19. Jahrhundert gefunden,
Bildbreite 9 cm.

Neben den bekannten und von BLUM beschriebenen Pseudomorphosen von „Psilomelan“ nach Bariumpharmakosiderit gibt es auch Pseudomorphosen von massivem Goethit nach einem kubisch kristallisierenden Mineral, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ehemaligen Pyrit handeln könnte. Das einige bekannte Stück besteht aus bis zu 3 mm großen Kuboktaedern, die eher untypisch für ehemalige Bariumpharmakosiderit-Kristalle sind. Ähnliche Funde sind aus dem Zechstein-Dolomit im Gebiet von Bieber bekannt.
 

Romanèchit   (Ba,H2O)Mn5O10
Bereits in seinem Buch über die Pseudomorphosen erwähnt Reinhard BLUM (BLUM 1843:266) die Umhüllungen von „Psilomelan“ nach „Würfelerz“. Der Text ist weitgehend identisch mit dem Text aus dem Jahr 1861. Das „Psilomelan“ als Umhüllungspseudomorphose hier vorkommt ist seit langem bekannt (BLUM 1861:22f):
„5. Psilomelan nach Würfelerz. Zu Langenborn fand sich früher, wie schon bemerkt, Würfelerz auf Braun-Eisenstein, und zwar in der Form .... - Diese Krystalle zeigen sich häufig mit einem Ueberzug von Psilomelan versehen, und die dadurch Umhüllungen sind entweder meist noch erfüllt oder auch mit einem grössern oder kleinern Kern versehen, in seltenern Fällen ganz hohl. Ist jenes der Fall, so zeigt sich die ursprüngliche Substanz fast stets mehr oder minder verändert und zwar zu einer erdigen ockergelben Masse, denn das Würfelerz hat eine Umwandlung zu Braun-Eisenocker erlitten. Die Umhüllungspseudomorphosen selbst zeigen aussen eine rauhe und unebene, manchmal etwas nierenförmige Oberfläche und zugerundete Kanten. Innen lassen sie meist rauhe Wandungen wahrnehmen.“
Romanechit
Romanechit als derbe Masse mit einer glaskopfartigen
Spaltenfüllung, Bildbreite ca. 14 mm 

Dichter bis drusiger, lagiger und sehr harter Romanèchit sehr viel seltener als Goethit. Die bis zu 7 cm großen, massiven Stücke enthalten auch mm-breite Risse, die mit stahlgrauem, glaskopfartigem Romanèchit gefüllt sind. Im Anschliff ist zu erkennen, dass auch linsenförmige Goethit-Aggregate im Romanèchit enthalten sind, wobei Stücke völlig ohne Goethit selten sind. Die bis zu mehreren cm großen, meist flachlinsigen Drusen sind mit einer faserigen, etwas mehr grauen Romanèchit-Variante ausgekleidet. Selten sind nadelige, feinkristalline, idiomorphe Kristalle zu erkennen. In den Hohlräumen des Goethits ist oft Romanèchit die jüngste Bildung als stumpfe, rundliche Massen.
Zusammen mit weißem Baryt und Bariumpharmakosiderit werden mit dem Romanèchit die brekziösen Massen zusammengehalten. Im Schliff ist zu erkennen, dass die bis zu 2 cm großen Baryt-Bruchstücke mit einer glaskopfartigen, gebänderten Form des Romanèchits verwachsen sind.
Baryt mit Romanechit
Weißer Baryt als Brekzie mit Romanechit verkittet, 
Bildbreite 10 cm

Verbliebene, nur wenige mm große Hohlräume mit glaskopfartigem Material ist verbreitet. Der Baryt-Anteil dürfte bei etwas mehr als 50 % liegen. Der Romanèchit enthält wie der Goethit oft geringe Anteile bis zu 1 mm großer, farbloser Quarz-Kristalle. Sie sind lagenweise angereichert, wohl ein Relikt aus dem ehemaligen Dolomit.
 

Lithiophorit   [(Al,Li)MnO2(OH)2]
THÜRACH (1905:21) erwähnt im Spessartführer von SCHOBER einen „Lithiopsilomelan“ vom Kalmus bei Schöllkrippen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den an anderen Fundorten des Spessarts nachgewiesenen Lithiophorit (LORENZ 1996).
Im angrenzenden Quarzit, aufgeschlossen in einem verwachsenen Steinbruch, finden sich zuweilen nur mm-dicke Tapeten und Kluftbeläge aus schwarzem Lithiophorit  Als Begleitmineral tritt in geringen Mengen Goethit auf. Die auch stellenweise glaskopfartigen Massen sind spröde und meist auf der Oberfläche stumpf im Glanz. Der Bruch zeigt den typisch bläulichen Ton, der zur Identifikation bei Vorkommen im Quarzit dienen kann. Die Größe der mit Lithiophorit belegten Flächen reicht von wenigen cm² bis hin zu 20 x 10 cm.
Lithiophrit auf Quarz
Glaskopfartiger Lithiophort auf Quarzit,
Bildbreite ca.. 6 cm

Meist sind die Spaltenfüllungen weiter mit einem roten, sehr schwer zu entfernenden Ton gefüllt. Weitere Begleitmineralien sind Goethit und Romanèchit. Der Quarzit ist stellenweise von kleinen, farblosen Quarzkristallen überkrustet, die ebenfalls vom Lithiophorit überwachsen sein können.
 

Baryt   Ba[SO4]
Zusammen mit den oxidischen Erzen tritt weißer Baryt auf. Der stark brekziöse Baryt wird meist durch fast schwarzen Romanèchit verkittet. In Drusen ist selten eine zweite Generation aus farblosen, stark glänzenden Baryt-Kristallen zu finden. Der Baryt fluoresziert deutlich bläulich unter langwelligem UV-Licht (bei kurzwelligem UV-Licht weniger intensiv), stellenweise auch weißlich. Auch ist verbreitet gelbbrauner, körniger Bariumpharmakosiderit als Druse oder mm-dicker Spaltenfüllung eingewachsen. In wenigen Fällen ist auch brekziöser, weißer Baryt im Goethit zu finden, jedoch deutlich seltener als im Zusammenhang mit Romanèchit.
Baryt  
Baryt als brekziierte Masse im Romanechit und untergeordnet Goethit, 
dazwischen in den Zwickeln Braiopharmakosierit (angeschliffen und
poliert),
Bildbreite 4 cm 

Baryt-Klasten im Goethit
Weiße Baryt-Klasten im erdigen und dichte, braunen Goethit, dazwischen 
schwarzer Romanechit, gefunden im 19. Jahrhundert,
Bildbreite 6 cm

Südlich des Tagebaues findet sich reichlich bis zu faustgroßer, grobspätiger Baryt ohne weitere Begleitmineralien. Nach den Spuren an den Lesesteinen tritt hier der weiße Baryt im Glimmerschiefer gangförmig auf.
 

Bariopharmakosiderit (füher Bariumpharmakosiderit)    Ba0,5[Fe43+(OH)4(AsO4)3]·nH2O
Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts gefundenen und weit gehandelten Stücke des Bariumpharmakosiderits finden sich in allen älteren, bedeutenden Mineralien-Sammlungen:

Leider wurden die Fundortangaben auf den Sammlungszetteln mehr oder weniger genau angegeben und auch in der einschlägigen Literatur wurden folgende, beispielhafte Bezeichnungen abgedruckt. So beschreibt auch PALACHE, BERMAN & FRONDEL (1951:997) über das Vorkommen von Pharmakosiderit:
„In Germany ...; at Kahl an Aschaffenberg in the Spessart, Bavaria; ...“.

Bariumpharmakosiderit Bariumpharmakosiderit-Kristalle
Derber Goethit mit Bariumpharmakosiderit-Kristallen, links Bildbreite ca. 8 cm,
rechts im Ausschnitt 5 mm, Sammlung des Naturwissenschaftlichen Museums der
Stadt Aschaffenburg. Das Stück in dem typisch "Krantz´schen" Format stammt
aus dem 19. Jahrhundert.

Dabei ist mit Kahl der heutige Ort Großkahl) und nicht Kahl am Main gemeint und aus Aschaffenburg wurde „Aschaffenberg“. Der Fundort „Aschaffenburg“ für Fe-Mn-Erze mit Bariumpharmakosoderit ist weder durch alte Literaturzitate noch durch Belege in alten Sammlungen bestätigt. Auch ist das Auftreten von Fe-Mn-Erzen in den letzten Jahren trotz der intensiven Bautätigkeit in und um Aschaffenburg nicht beobachtet worden.

Bariopharmakosiderit
Typischer Haldenfund mit körnigem Bariopharmakosiderit auf derbem
Goethit, jedoch sind die Kristalle durch das Pflügen und die Erdbewegungen
zertrümmert,
Bildbreite 3 cm

Die Grube „Beschert Glück“ erbrachte wohl eine größere Anzahl an damals attraktiven Stufen, die in den Mineralienhandel gelangten. Da weder der Grubenname, der Kalmus, Langenborn noch Schöllkrippen einem fremden Sammler oder anreisenden Händler bekannt war, schrieb man auf die Sammlungszettel einfach „Aschaffenburg“, welches durch die Spessartin-Fundstellen hinreichend bekannt war. Möglicherweise wurden auch die Stufen in Aschaffenburg in den Handel gebracht, wodurch der Name erklärbar wird. 

In den drusigen Bereichen der oxidischen Erze vom Kalmus finden sich bis zu 5 mm breite Spaltenfüllungen aus körnigem Bariumpharmakosiderit. In den bis zu 5 cm langen, schmalen Drusen bildeten bis zu 3 mm große, meist rissige, bernsteinfarbene und idiomorphe Bariumpharmakosiderit-Kristalle. Sie zeigen einen würfeligen Habitus. Parkettierungen und Kombinationen von Würfel und Oktaeder sind verbreitet. Nur die Würfelflächen zeigen einen starken Glanz. Oft sind die Kristalle in kleineren Drusen von einer dünnen Schicht aus Goethit überzogen. Auf den Feldern der Umgebung können noch bescheidene Funde, meist in Verbindung mit Baryt und/oder Romanèchit gemacht werden. Die Kristalle sind aber meist mechanisch beschädigt und angewittert. Sie belegen jedoch die Richtigkeit der Angaben.
Bariopharmakosiderit
Schnurförmig angeordnete "kuboktaedrische" Kristalle des Bariopharmakosiderit
aus Goethit mit einer samtförmigen Oberfläche,
Bildbreite 5 mm

Eigene Untersuchungen an altem Sammlungsmaterial zeigen, dass hier in Schöllkrippen mindestens zwei Polytypen des Bariumpharmakosiderits als Bariumpharmakosiderit-1Q und Bariumpharmakosiderit-8Q mit einer doppelt so großen Elementarzelle vorliegen.

Bariumpharmakosiderit aus Kahl Bariumpharmakosiderit
Bariumpharmakosiderit, im braunen Goethit, schwarzen Romanechit und mit weißem Baryt aus dem bekannten Vorkommen vom Kalmus bei
Schöllkrippen, gefunden sicher vor 1900, aus der Sammlung von Carl Schiffner (links) und der Staatlichen Mineralien-Niederlage in Freiberg,
Sa[chsen] (rechts). Solche Stücke stammen aus der Zeit eines offenen Tagebaues  am Kalmus und sind infolge der geringen Beständigkeit des
Bariumpharmakosiderits nicht mehr zu finden. Die Beschriftung "von Kahl" oder "Aschaffenburg" (Kahl mit seinem Bergbau und dem Bergamt
bzw. Aschaffenburg) ist so zu erklären, dass die Orte einfach sehr viel bekannter wie Schöllkrippen, Langenborn oder Kalmus!
Bildbreiten links ca. 8, rechts ca. 17 cm.
Grundsätzlich denkbar wäre es auch, denn es auch im Raum Großkahl bzw. Huckelheim eine Fundstelle für Goethit mit Bariopharmakosiderit gibt, die heute nur nicht mehr bekannt ist. Die geologischen Voruassetzungen sind vorhanden, aber die Aufschlussverhältnisse lassen dies nicht mehr zu. Genau lokalisierte Neufunde sind mir nicht bekannt.
 

Historie
Wann dieses kleine Vorkommen von Eisen- und Manganerzen entdeckt wurde, konnte nicht mehr festgestellt werden. Vermutlich wurde dies - wie andere auch - in der Zeit der Schmelzhütte von Laufach beprobt bzw. ausgebaut. Es kann gut sein, dass auch hier Heinrich GMEINER seine Spuren hinterlassen hat. Da Reinhard BLUM das Vorkommen bereits 1843 erwähnt, sollte es auch einen Abbauversuch gegeben haben (BLUM 1843:266).
 

Genese
Die Mineralisation ähnelt sehr stark den sideritischen bis oxidischen Eisenerzvorkommen vom Lochborn bei Bieber. Auch dort finden sich im massiven, braunen Goethit etwas Romanèchit mit kleinen, eingewachsenen Quarzen und sehr verbreitet der stark brekziöse, weiße Baryt. Auch brauner, stark verkieselter Zechstein-Dolomit konnte an beiden Lokalitäten gefunden werden (in Bieber „Rauhkalk“ genannt). Der bemerkenswerteste Unterschied ist der hier in Schöllkrippen so verbreitete Bariumpharmakosiderit, der in Bieber sehr selten auftritt. 

Da die Vorkommen auch nicht weit auseinander an komplexen Störungen liegen, ist eine gleiche Entstehung wahrscheinlich. Die Pseudomorphosen von Goethit nach Siderit belegen ein Auftreten von Siderit, so dass man davon ausgehen kann, dass hier aufgrund der Störungen der Zechstein-Dolomit ebenfalls, zumindest teilweise, metasomatisch in Siderit bzw. Quarz umgesetzt wurde (Metasomatose). Der Siderit wurde dann später in die heute noch auffindbaren Fe- und Mn-Oxide umgesetzt. Der Baryt ist ein Relikt aus dem Zechstein und das Zerbrechen ist mit der Umsetzung in Siderit und auch beim Umwandeln in die Fe- und Mn-Oxide verbunden. Der Reichtum an Spurenelementen belegt die Genese bzw. Wechselwirkung mit dem Kupferschiefer bzw. der Schichten darüber.



Pasquillenpfad
Das bemerkenswerte Vorkommen ist inzwischen auch im Ort Schöllkrippen bekannt. Am 11.07.2009 wurde in der Nähe eine Tafel mit einem Hinweis aufgestellt. Sie ist erreichbar über den 69. Rundwanderweg, der Pasquillenpfad in Schöllkrippen. Er führt von Schöllkrippen über Langenborn zum Kalmus, von dem man einen schönen Blick auf Schöllkrippen und den oberen Kahlgrund hat. 

Faltblatt  Eröffnung der Pasquillenpfades
Links die Titelseite des Faltblattes zum Rundwanderweg, rechts ein Teil der ca. 250 Zuhörer/innen, die am 11.07.2009 hier am Langenborn den Erläuterungen zum einstigen Kalkwerk und zur Dampfziegelei lauschten.
Der etwa 4 km lange Rundwanderweg erschließt weiter noch die Kirche in Ernstkrichen und die Besonderheiten im Ort Schöllkrippen wie die einstige Synagoge, die Kapelle, das Forsthaus, des Schloss und den Bahnhof.

Am Kalmus wurde zwischen 3 Bäumen und neben einer Ruhebank auch eine Tafel aufgestellt, die die Eisenerzgrube "Beschert Glück", den Bariumpharmakosiderit und die schöne Aussicht in den oberen Kahlgrund beschreibt.

Tafel am Kalmus

Am Sonntag, den 09.08.2009 wurde eine Führung zu dem ehemaligen Aufschluss angeboten. Bei einem feuchttwarmen Sommerwetter mit 30 °C kamen denn ca. 55 Teilnehmer, vorwiegend von außerhalb Schöllkrippens, darunter auch Teilnehmer/innen aus Bad Orb, Waldaschaff, Dettingen, Hörstein, Goldbach, Mömbris, Hanau und Frankfurt. Der Bürgermeister von Schöllkrippen, Herr Pistner, bedankte sich anschließend für die Führung. Nach dem einstündigen Rundgang konnten sich die Wanderer im Biergarten der Villa Hof Langenborn an einen frischen Apfelsaft laben. 

Gruppe am 09.08.2009
An der Tafel am Kalmus hören die Besucher die Ausführungen zur Metasomatose der Kalksteine in die Eisenerze.

Literatur
BLUM, R. (1843): Die Pseudomorphosen des Mineralreichs.- 378 S., [E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
BLUM, R. (1861): Die in der Wetterau vorkommenden Pseudomorphosen.- Jahresbericht der Wetterauer Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau über die Gesellschaftsjahre 1858/60, S. 15 - 25, [Waisenhaus-Buchdruckerei] Hanau.
BÜCKING, H. (1892): Der Nordwestliche Spessart.- Abhandlungen der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Neue Folge Heft 12, 274 S., Berlin.
LORENZ, J. (1996): Lithiophorit und Dravit aus dem Quarzit-Steinbruch von Hemsbach (Spessart).- Aufschluss 47, S. 314 - 320, Heidelberg.
LORENZ, J. (2003):  Bariumpharmakosiderit und Lithiophorit von der kleinen Eisen- und Manganerzgrube „Beschertglück“ am Kalmus bei Schöllkrippen im Spessart.- Aufschluss 54, S. 45 - 56, 8 Abb., 3 Tab., Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 425ff, 727.
MOORE, T. (1999): The Peabody Museum Collection Yale University.- The Mineralogical Record 30, March-April 1999, p. 87 - 97, Tucson Arizona.
OKRUSCH, M. & WEINELT, W. (1965): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 5921 Schöllkrippen.- 327 S., [Bayerisches Geologisches Landesamt] München.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
PALACHE, C., BERMAN, H. & FRONDEL, C. (1951): The System of Mineralogy of J. D. Dana and Ed. S. Dana.- 7th ed. entirely rewritten and greatly enlarged, Vol. II, 1124 p. [J. Wiley a. sons Inc.] New York.
PEACOR, D. R. & DUNN, P. J. (1985): Sodium-pharmacosiderite a new analog of pharmacosiderite from Australia and new occurences of Barium-pharmacosiderite.- The Mineralolgical Record 16, p. 121 - 124, Tucson.
THÜRACH, H. (1905): 3. Mineralogisch - geologische Verhältnisse.- S. 19 - 22, in SCHOBER, J. (1905): Führer durch den Spessart, Kahlgrund und das Maintal.- 234 S., 4. verbesserte und vermehrte Aufl., [Verlag der C. Krebs´schen Buchhandlung (W. Hausmann)] Aschaffenburg.
 


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