Der frische Rhyolith (Quarz-Porphyr) im
Steinbruch mit den deutlich sichtbaren Fließstrukturen, links im Anstehenden,
rechts anschliffen, Bildbreite 13 cm
Das Ergussgestein wurde früher als Quarzporphyr angesprochen. Der Name wird auch heute noch von der Fa. Hartsteinwerk Sailauf verwendet und ist in den technischen Kreisen weit verbreitet. Er geht auf L. v. BUCH (1824) zurück, der den Namen für ein südtiroler Gestein verwendete. Der Name "Porphyr" (wird von griech. porphyreos = purpurfarbig abgeleitet) für ein feinkörniges Gestein mit größeren Kristallen wird seit dem 16. Jhrdt. verwendet. Die Wissenschaft belegte früher junge, saure Ergussgesteine mit dem Namen Rhyolith, erdgeschichtlich alte (wie hier) mit dem Namen Quarzporphyr. Der Name Rhyolith (griech. rheos = Fluss und lithos = Stein) geht auf F. v. RICHTHOFEN (1861) zurück, der ein ungarisches Gestein so benannte. Da solche Gesteine in erdgeschichtlichen Zeiträumen ihr Aussehen verändern können, ist eine Bestimmung nach dem Aussehen oft nur schwer möglich. Die chemische Zusammensetzung entspricht der eines Granites. Nach der STRECKEISEN-Klassifikation werden heute alle diese Gesteine als Rhyolithe angesprochen (siehe auch OKRUSCH et al. 2011, S. 199, Aufschluss Nr. 95).
Aufgrund des hohen Anteils an K2O und Na2O (im Mittel >10 % bei >70 % SiO2) handelt es sich bei dem Gestein um einen Alkali-Rhyolith.
Das Gestein zeigt weit verbreitet eine säulige bis plattige Absonderung und ausgeprägte Klüftung in südost-nordwestlicher Richtung. Der Rhyolith ist im allgemeinen nur von einer dünnen Verwitterungsschicht bedeckt, zeigt aber besonders im östlichen Teil des Bruches tiefgründige Verwitterung.
Die besonders im westlichen Zentrum beobachtete säulige Absonderung zeigt deutlich ein beiderseitiges Einfallen (max. 30°) nach N und S mit einem Scheitel etwa im Bereich der vererzten Störung. Die Säulen sind in der Regel 15 bis 30 cm im Durchmesser, Extreme nach unten haben 8 cm und nach oben wurden schon Säulen mit 50 cm gefunden. Die polygonalen Säulen haben 3 bis 8 Seiten; 5seitige überwiegen. Die Länge liegt im Verband bei 10 bis 15 m. Zu bergende Stücke erreichen aufgrund der starken, quer zur Längsachse verlaufenden Klüftung selten mehr als 1 m. Im Bereich der Störung ist der säulige Aufbau "verschwommen". Auch "gebogene" oder wirr aufgebaute, säulige Bereiche kommen vor. Eine Deutung der Ursache fällt schwer.
Der Rhyolith sondert in weiten Teilen des Steinbruchs säulig ab,
aufgenommen am 02.03.2013
Bemerkenswert ist, dass der größte Teil, insbesondere der Kontakt zum Nebengestein überhaupt keinen säuligen Aufbau besitzt. So ist das Gestein regellos geklüftet und wird blockig abgebaut. Besonders hier sind sehr schöne Fließstrukturen zusehen. Teils besitzen Sie einen über Meter zu verfolgende Striemungen, auch gebogen, die auf eine Bewegung im noch teigigen Gestein schließen lassen. Dies war besonders auf der 3. Sohle Ostwand zu sehen. Dass hier keine säulige Absonderung auftritt, spricht für eine schnelle Alteration, bevor sich ein solches polygonales Muster hätte aufprägen lassen. Zwischen den beiden Extremen gibt es all denkbaren Übergänge.
Im Mai 1992 wurde die Einfahrt zum Bruch vertieft. Dabei konnte beobachtet werden, dass der Rhyolith hier entlang der deutlich sichtbaren Schlieren sehr gut plattig absondert. Die Stärke der Platten lag bei 1 - 5 cm. Die Platten waren quer zum ehemals hier vorhandenen Hang, mit einem Streichen von SW - NE, um 45 - 90° umgebogen (so wie es eigentlich sonst bei hangabwärts gerichteten Rutschungen zu beobachten ist).
Am nordöstlichen Rand des Bruches - auf der ersten Sohle - ist der Rhyolith von Hangschutt bedeckt. Die beobachtbare Mächtigkeit liegt bei ca. 2 m. In einer erdigen, recht feinkörnigen Masse stecken kantige, bis zu 40 kg schwere Rhyolith-Brocken. Vereinzelt sind Quarze und Bruchstücke vom Gneis zu finden. Die erdige Grundmasse dürfte als umgelagerte Zechstein-Sedimente zu deuten sein.
Auf der 1. Sohle, im nordwestlichen Teil des Bruches stehen neben dem Rhyolith Gneise und Glimmerschiefer an. Sie sind tiefgründig zersetzt und gehen in Hangschutte über. Talwärts zeigende Bögen belegen, dass das Material solifluktiv umgelagert wurde.
Gesamtgesteinsanalyse durchgeführt,
mit folgendem Ergebnis
(RFA für die Standartwerte in % und ICP für die Spurenelemente
in ppm):
| Hauptbestandteile: | Anteil in %: |
| SiO2 | 74,33 |
| Al2O3 | 13,33 |
| Fe2O3 | 0,83 |
| FeO | 0,29 |
| MnO | 0,084 |
| MgO | 0,12 |
| CaO | 0,90 |
| Na2O | 1,02 |
| K2O | 7,35 |
| TiO2 | 0,03 |
| P2O5 | 0,06 |
| Spurenelemente: | Anteil in ppm: |
| Ba | 77 |
| Be | 21 |
| Ce | 13 |
| Co | 1 |
| Cr | 0 |
| Cs | 19 |
| Ga | 23 |
| La | 6 |
| Li | 187 |
| Nb | 30 |
| Nd | 9 |
| Ni | 0 |
| Pb | 10 |
| Rb | 703 |
| Sb | 1 |
| Sc | 5 |
| Sn | 23 |
| Sr | 33 |
| Th | 1 |
| U | 7 |
| V | 7 |
| Y | 37 |
| Zn | 37 |
| Zr | 43 |
Die kg-schwere Probe stammt vom Fuß der 3. Sohle im Bereich der Nord-Ostwand.
Sie zeigte deutliche Fließstrukturen im cm-Bereich als helle/dunkle
Schlieren und hatte keine sichtbaren Klüfte oder Anflüge mit ged.
Arsen/Uraninit oder Calcit. Die Radioaktivität war für den Rhyolith
normal.
Der K20-Gehalt ist etwas niedriger als beim Ergebnis einer früheren
Analyse, deren Probe von der 1. Sohle stammt und möglicherweise deshalb
nicht das frische Gestein repräsentierte. Auch ist der eigentlich
geringe Gehalt an Fe-Oxiden auffällig.
Bemerkenswert hoch ist bei den Spurenelementen der Rb-Gehalt. Möglicherweise
ist er an den des K gebunden. Bemerkenswert sind das Li, Nb, Y, Sr, Be
und Zr. Eigenartig gering ist der Gehalt an Ba, U, Co und Ni.
Auffällig ist, dass der Rhyolith, der bei einer Forschungsbohrung bei Rechtenbach erbohrt wurde, ein ähnlich hohes K-Na-Verhältnis besitzt.
Das nur an wenigen Stellen der 2. und 3. Sohle, besonders im NW, wirklich
frische Gestein zeigt auch im makroskopischen Bereich auffällige
Flecken und Schlieren von weißer bis dunkelgrauer Farbe innerhalb
des grauweißen bis rötlichen Gesteins. Aufgrund von Funden auf
der 3. Sohle, wo felsitische Partien ohne die typischen Feldspat- und
Quarzkristalle angetroffen wurden, ist von primären Fließstrukturen
auszugehen.
Sie wurden bis uaf wenige Stellen größtenteils bei der
erneuten hydrothermalen Überprägung so verändert, dass
dort eine eindeutige Ansprache nur schwer möglich ist.
Schon bei einer Betrachtung ohne Mikroskop entdeckt man in der feinkörnigen Grundmasse kleine, (ca. <2 mm, selten auch 3 mm), in Bruch fettglänzende Quarze, in der typischen Hochquarztracht des Dihexaeders mit schmal ausgeprägten Prismenflächen. Sie waren schon in der ursprünglichen Schmelze enthalten und sind eigentlich Pseudomorphosen von Quarz nach Hoch-Quarz (der trigonale Quarz geht bei 573° C reversibel in hexagonalen Hoch-Quarz über). Die meist farblosen Quarze enthalten häufig bis zu 0,1 mm große Gasblasen mit nicht bekanntem Inhalt.
Der Quarzporphyr (Rhyolith) im Dünnschliff (LPL),
Bildbreite 5 mm
Weiter finden sich bis zu 6 mm lange, weiße bis gelbliche, leistenförmige
Einsprenglinge von Kalifeldspat und wenig Plagioklas. Diese Feldspäte
sind nur in den noch sehr festen, meist rötlichen Gesteinspartien
noch frisch, in der Regel sind sie zu "Glimmern" und "Tonmineralien" zersetzt.
Bei der röntgendiffraktometrischen Untersuchung der Zersetzungsprodukte
handelt es sich in der Hauptsache um Illit. Es lassen sich alle Übergänge
der Zersetzung im Bruch beobachten. Am häufigsten ist eine löchrig-zellige
Zersetzung der Feldspäte.
Bei einer röntgendiffraktometrischen Untersuchung wurde der
Kalifeldspat als Sanidin bestimmt (typisch für vulkanische Gesteine).
Der Plagioklas ist durch die typische Zwillingsstreifung erkenntlich.
Biotit, oft mit Hämatit durchsetzt, findet sich nur untergeordnet
als bis zu 2 mm große und 0,1 mm dicke Blättchen mit rundlichem
Umriss. Er tritt jedoch in der Nähe von ehemaligen (resorbierten)
wie auch noch vorhandenen Xenolithen aller Größen
gehäuft auf. In den zersetzen Partien ist der Biotit deutlich gebleicht
und nur aufgrund seiner Spaltbarkeit erkenntlich.
Granat tritt nur sehr selten als Kornrest (< 1 mm) mit einem Reaktionssaum
aus Hämatit auf. Idiomorphe Granat-Kristalle sind selten, wurden
aber auch in bis zu 1 mm großen Kristallen unzersetzt gefunden.
Feinste, winzige Hämatit-Schuppen
die in der Grundmasse eingestreut sind, verursachen die rötliche Färbung
des Gesteins. Sie sind in der Regel <10 m und regellos eingestreut.
Der in der Grundmasse und im Feldspat überall auftretende Hämatit
(aber nicht im Quarz!) ist wahrscheinlich das Fe, welches nicht in die
Kristallgitter der anderen Mineralien eingebaut werden konnte.
Im Bereich der alterierten, weißlichen Partien und Flecken ist der
Hämatit entfernt worden.
In den Feldspäten finden sich manchmal violette Einschlüsse
aus Fluorit bzw. ist der Feldspat durch Fluorit verdrängt.
Fleckige Reduktionshöfe mit
oder ohne ged. Arsen sind im Rhyolith sehr seit verbreitet. Eine die Phänomene
erklärende Genese steht noch aus
Illit-Nester im Rhyolith
Weißlicher Reduktionshof im dunklen (weil Fe-reichen) Rhyolith, ohne
die sonst an solchen Stellen vorkommenden Uran-Mineralien,
aufgenommen am 09.05.2013
Auf der 4. Sohle traten Imprängnationen durch Erze auf.
Die Grundmasse besteht aus einer feinkristallinen Verwachsung von
Kalifeldspat, Plagioklas und Quarz. Der jetzige Mineralbestand der Grundmasse
ist wahrscheinlich teilweise als Entglasungsprodukt aus einer ehemaligen
Glasmatrix kristallisiert.
Das Aussehen des Gesteins ist sehr unterschiedlich; es treten eine Reihe von gut beschreibbaren, verschiedenen Varianten auf:
Dabei handelt es sich sicher um mehrere verschiedene Schmelzen, die zu unterschiedlichen Zeiten eindrangen. Eine Untersuchung dieser Schmelzschübe steht noch aus.
Im Zuge der Diplomarbeit durch E. KRAMLICH, Würzburg, konnten weitere Gesteinsanalysen des Rhyolithes gemacht werden. Die Proben stammen aus dem Bruch und wurden extra dafür gesammelt:
| verkieselter Rhyolith |
weißer Rhyolith |
grauer Rhyolith |
"frischer" Rhyolith | |
| 1. Sohle | 3. Sohle | 3. Sohle | 3. Sohle | |
| Hauptbestandteile: | 32/107 | 32/108 | 32/109 | 32/110 |
| SiO2 | 78,49 | 75,51 | 75,18 | 76,69 |
| TiO2 | 0,03 | 0,04 | 0,03 | 0,03 |
| Al2O3 | 12,02 | 13,38 | 12,96 | 13,92 |
| Fe2O3 | 0,70 | 0,41 | 1,26 | 1,32 |
| MnO | 0,03 | 0,01 | 0,04 | 0,05 |
| MgO | 0,12 | 0,23 | 0,28 | 0,20 |
| CaO | 0,08 | 0,07 | 0,11 | 0,23 |
| Na2O | 0,17 | 0,05 | 0,10 | 1,16 |
| K2O | 8,45 | 9,17 | 8,34 | 7,41 |
| P2O5 | 0,05 | 0,07 | 0,07 | 0,07 |
| S | <0,02 | <0,02 | <0,02 | <0,02 |
| Spurenelemente: | ||||
| V | <10 | <10 | <10 | <10 |
| Cr | 112 | 54 | 71 | 108 |
| Co | <10 | <10 | <10 | <10 |
| Ni | <5 | <5 | <5 | <5 |
| Zn | 10 | <5 | 8 | 17 |
| Ga | 16 | 27 | 23 | 25 |
| Rb | 503 | 449 | 541 | 664 |
| Sr | 24 | 66 | 48 | 30 |
| Y | 28 | 26 | 18 | 19 |
| Zr | 29 | 40 | 38 | 38 |
| Nb | 21 | 18 | 26 | 28 |
| Mo | <5 | <5 | <5 | <5 |
| Sn | <15 | 20 | <15 | 30 |
| Ba | 407 | 564 | 157 | 199 |
| Pb | 5 | 8 | 5 | <5 |
| Th | <5 | 9 | <5 | <5 |
| U | <5 | <5 | <5 | <5 |
Auf den ersten Blick fällt auf, dass die verschiedenen Rhyolith-Typen
entgegen des Aussehens sich im Cheminismus nur relativ wenig unterscheiden.
Wenn man noch die Analysentoleranzen, die Probleme der Probenentnahme
und der zugegebenermaßen wenigen 5 Analysen berücksichtigt,
sind die Ergebnisse erstaunlich einheitlich. Leider wurde verfahrensbedingt
(Schmelztabletten) kein Arsen nachgewiesen.
Unter der Voraussetzung, dass Werte repräsentativ sind lässt
sich folgendes Beobachten: Mit zunehmender Alteration weicht die rote
Farbe, die durch Fe (Hämatit) verursacht wird. Jedoch hängt die
tiefe der roten Farbe auch von der Größe der Hämatit-Kriställchen
ab - bei gleichem Fe-Gehalt färben viele kleine wesentlich besser
als wenige und große. Der Rhyolith wird grau und schließlich
im Endstadium weiß. Damit nimmt der Fe-, Na- und Ca-Gehalt ab, der
K-, Si- und Mg-Gehalt steigt an und erreicht in den grauen Partien sein
Maximum. Der Al-Gehalt ist bemerkenswert konstant.
Eigenartig sind die Gehalte an Mn, Ca, Na, Cr, Zn und Rb. Sie korrelieren
miteinander, wenn auch in weiten Bereichen schwankend. Wahrscheinlich
sind die Spurenelemente an die Glimmer wie Biotit gebunden. Warum eine
Korrelation mit Rb vorliegt, könnte mit der gemeinsamen Bildung des
Glimmers zu tun haben. Er wäre dann ein primärer Bestandteil.
Das Mg verhält sich genau umgekehrt. Das Sr korreliert mit dem Ba-Gehalt.
Bemerkenswert konstant sind die Gehalte an Y und Nb.
Wenn man die K20- und Na2O-Werte als Summe betrachtet, erhält man als Durchschnittswert 8,71% . Bei einem durchschnittlichen SiO2-Gehalt von 75,95% liegt man etwa zwischen den Feldern von einem Rhyolith und einem Alkalirhyolith.
Rhyolith von der Hartkoppe bei Sailauf mit bis zu 5 mm großen Feldspat-
Kristallen, die weißlich alteriert sind und die Alteration über
die Feldspäte
hinaus in die Grundmasse ausgebreitet hat,
Bildbreite 12 cm
Wichtiger Hinweis:
Im Steinbruch wird auch Schlacke aus der Industrie
aufgearbeitet. Diese erinnert an einen Obsidian, Pechstein oder so ähnliche,
natürliche Gesteinsgläser! Teilweise ist sie auch strahlig
aufgebaut oder mehr oder minder stark blasig. Infolge der Vermischung
mit dem Rhyolith kann man Stücke in allen Teilen des Bruches finden.
Aber es handelt sich um ein Produkt aus dem Schmelzofen für Grauguss;
es handelt sich um einen Kupolofen der Fa. Linde (Gabelstapler) in Weilbach zwischen Miltenberg und Amorbach. Die
schnell abgekühlten Partien sind glasig, das Innere kann kristallin
sein, so dass es Drusen mit silikatischen Kristallen gibt!
Bild links: Die Sclacke wird in großen Blöcken angeliefert
und dann zu einem Schotter gebrochen (Bild rechts).
Ausgesuchte Schlackestücke, damit man die Bandbreite der Ausbildung
versteht: mit blasigen Partien, "Wellenrippeln" (oder besser eine
Art die an Seillava erinnert), dann dichte, glasige Stücke ohne Gasblasen
(sieht aus wie ein Obsidian) und kristalline Bereiche mit faserig-strahliger
Ausbildung, die an eine Hornblende erinnert. In den selten Drusen sind
auch bis zu cm-große idiomorphe Kristalle bzw. Kristallbüschel
zu sehen.