Der Rhyolith von der Hartkoppe bei Sailauf im Spessart und seine vielfältigen und seltenen Mineralien
 

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
 

Steinbruch als Panoramabild

Blick in den Steinbruch in der Hartkoppe im Sommer 2008 bei hochstehender Sonne mit der 1. (oben rechts) bis zur 6. Sohle (mitte unten),
der Regenwasseraufbereitung (links außen), der Waage (Mitte oben links), der Aufbereitung  (Mitte oben)
und dem Kontakt zum Nebengestein (rechts).
Weiter erkennt man auf dem Bild nur noch wenig Wasser, da kein Wasser aus dem umgebenden Gestein zuläuft. Wenn das Kluftsystem leer gelaufen ist, trocknet der Steinbruch aus und es läuft erst wieder Wasser in den Steinbruch, wenn es regnet.

Panormabild aus 6 einzelnen Weitwinkelbildern zusammen gesetzt


Die ganz aktuellen Verhältnisse erfahren Sie, wenn Sie das Bild oben anklicken!


Schriftzug

Tafel des Kulturrundweges in Sailauf am Steinbruch
Seit der Eröffnung des 10 km langen Kulturrundweges "Bleckmaul & Sailaufit" in Sailauf unter sehr reger Beteiligung der örtlichen Bevölkerung am 06.06.2005 kann man sich über den Steinbruch an einer Tafel auf der 1. Sohle informieren. Davor ist ca. 1,5 m² mit einem Verbunstein-Plaster befestigt worden, dessen Steinanteil aus dem roten Rhyolith besteht. Auch der darum verteilte Splitt stammt aus dem Steinbruch.
 


Zusammenfassung

Achtung!
Wegen massiver Probleme zwischen Mineralien-Sammlern und dem Steinbruchbetrieb lässt der Besitzer mitteilen, dass kein Besuch während der Arbeitszeit mehr genehmigt wird.
Verhalten Sie sich doch bitte so, dass die Reglementierungen nicht noch weiter gehen!

Nördlich von Ober-Sailauf bei Aschaffenburg in Nordwestbayern befindet sich an der Hartkoppe ein Rhyolithvorkommen (Quarzporphyr (Pq) der GK 25 Blatt Nr. 5921 Schöllkrippen R 35.19.600 H 55.44.250). Das ovale Vorkommen hat etwa die Ausdehnung von 500 X 200 m und ist durch einen großen Steinbruch aufgeschlossen.

Das durch einen großen, zur Zeit fünfsohligen Steinbruch aufgeschlossene Gestein wird von mehreren SO-NW streichenden Manganerzgängen durchbrochen. Die Gänge führen als Hauptbestandteile Calcit, Braunit, Todorokit, Hämatit, Seladonit und Baryt, als Nebenbestandteile Manganit, Hausmannit, Kryptomelan, Dolomit, Kutnahorit, Goethit, Quarz, und Fluorit. Hier tritt auch Powellit und Scheelit auf. Nach guten Funden im ersten Halbjahr 2000 sind die Chancen zur Zeit als gering einzuschätzen, da wieder eine zweite Sohle abgebaut wird.

Brandtit auf Calcit
Hochinteressant ist das Vorkommen von Brandtit, einem wasserhaltigen Calcium-Mangan-Arsenat, das erst von wenigen Fundorten beschrieben wurde. Aus Sailauf stammen sicher die größten Stücke des Minerals - weltweit! Es wird von Calcit und Aragonit, dem ebenfalls seltenen Mineral Kutnahorit und auch Rhodochrosit begleitet und bildet bis 2 mm große, farblose bis weiße Kristalle, oder bis 5 mm große Sphärolithe, die bis zu dm-große Flächen überkrusten können.

In einer anderen Paragenese konnte ein völlig neues Mineral der Mitridatit-Gruppe als Sailaufit in Mn-Calcit, Hausmannit und Arseniosiderit führenden Partien gefunden werden. Wie neue Untersuchungen zeigten, liegt nicht das Mn-Analogon zu Arseniosiderit vor, sondern es handelt sich um ein neues, sehr komplex aufgebautes Mineral - eben der Sailaufit -, ein wasserhaltiges Ca-Mn-Arsenat-Carbonat mit eben nur Sailauf als einzige Fundstelle weltweit. Es ist nur sehr schwer vom dunkelbraunen bis schwarzen Arseniosiderit zu unterscheiden.

Sailaufit (Sailaufit, Bildbreite 0,03 mm)

Infolge des fortschreitenden Abbaues konnten weitere, z. T. bemerkenswerte Mineralien, wie Jordisit, ged. Arsen, Arsenolamprit, Uraninit, Uranocirit, Uranospinit, Pitticit und Yukonit nachgewiesen werden. Dabei wurde auch der Lieferant für das As erkannt. In geringen Mengen - aber weit verbreitet - wurde Bertrandit und Humboldtin gefunden. Weiter konnte die Liste der selten Mineralien um die gefunden Mineralien wie Tilasit, Domeykit, Chernovit-(Y), Bergslagit verlängert werden!

Bemerkenswert ist auch das Auftreten von bis zu 15 cm großen, achatgefüllten Lithophysen in primärer Lagerstätte. In den Drusen konnte neben Hämatit noch Apatit und Humboldtin nachgewiesen werden. Die Fundmöglichkeiten für die Lithophysen sind seit Jahren als sehr gering einzustufen.

Lithophyse mit Achat (Lithophyse mit gebändertem Chalcedon, Bildbreite 5 cm)

Zur Altersstellung des Rhyolithes konnte eindeutig festgestellt werden,daß der Rhyolith älter als das Zechstein sein muß, da er von Ablagerungen desselben diskordant überlagert wird.
 
 

Abstract

At the Hartkoppe hill, north of the village of Ober-Sailauf (close to the city of Aschaffenburg, North-West-Bavaria), a rhyolithe body is exposed by a big, active quarry. The rhyolithe is presumably of lower Permian (Rotliegend) age and is coverd by upper Permian (Zechstein) sediments. It contains several, SE-NW striking veins of manganese ore, containing calcite, braunite, todorokite and baryte as main constituents. Addition minerals are, among others, dolomite, kutnahorite, manganite, hausmannite and fluorite. Powellite was also found in the paragenesis. Of special interest is the occurrence of the rare Ca-Mn arsenate-hydrate brandtite so far only described from a few localities in the world. Brandtite forms colourless to white crystalls, up to 8 mm long, which may be arranged in spherulitic aggregates. The mineral is associated with calcite, aragonite and kutnahorite.
A so far undescribed Ca-Mn arsenate (now discrbed as Sailaufite), a member of the mitridatite group was detected as coating of small caverns in Mn-calcite, hausmannite and arseniosiderite-bearing veins.

Constant growth of the quarry opens som mineral-rich areas with different minerals like arsenic, arsenolamprite, jordisite, pitticite, yukonite and some uranium-minerals. A few Minerals are not to definate. In 1995 in addition Tilasite, Domeykite, Chernovite-(Y) and Bergslagite were found!
 

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Literatur

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LORENZ, J. (2004): Sailaufit, Rhodochrosit, Kaatialait, Bixbyit, Takanelit, ged. Wismut und weitere Neufunde aus dem Rhyolith-Steinbruch in der Hartkoppe bei Sailauf im Spessart (Teil 2).- Mineralien-Welt 15, Heft 5, Sept.-Okt. 2004, S. 26 - 38, 25 Abb., 2 Tab., [Bode-Verlag] Haltern.
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