Erzgänge
und Störungen
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der Quell für die schönen und seltenen Mineralien in Sailauf (Hartkoppe*)


Kluftfüllungen  Spaltenfüllungen
Typische, dünne, carbonatische Kluftfüllungen ohne Drusen im Rhyolith, aufgenommen links auf der 5. Sohle 2010 und rechts 2011 auf der 6. Sohle


*Leider gab es in dem sehr nahen Rhyolith des Rehberges bis heute keine derartigen Mineralgänge.


Der Abbau wird durch die kleinprismatische Absonderung des Gesteins, hervorgerufen durch zwei, etwa senkrecht aufeinanderstehende Scharen relativ enggestellter Klüfte begünstigt. Beim Auffahren der 3. Sohle wurde die erzführende Zone 1988 bis 90 erneut abgebaut. Es traten aber im Gegensatz zur 2. Sohle, wo nur ein Gang beobachtet werden konnte, mehrere, parallel laufende Erzgänge (135° streichend und mit 85-90° einfallend) auf. Sie unterschieden sich sowohl in der Mächtigkeit als auch in der Mineralführung.
Diese schwankte in der Abfolge und Zusammensetzung erheblich, so dass eine generalisierte Abfolge, auch wegen der schnell wechselnden Aufschlussverhältnisse (meist sind die Gänge nur im gesprengten Haufwerk und nicht im Anstehenden beobachtbar und einzumessen), nur ansatzweise erstellt werden konnte.

Gang mit Brandtit Gang mit Manganerzen
Gang mit J. LORENZ am links (Brandtit-Fundstelle) am 13.05.1994 und rechts am 24.11.1991

Die Gänge, die bis zu 30 cm Stärke erreichen, keilen manchmal ganz aus oder erreichen als grobe Gangbrekzie, mit wenig Erzgehalt, Mächtigkeiten bis zu 1 m. Die Vererzungen fallen senkrecht ein und streichen in Richtung SO-NW. Die Störung ist wohl identisch mit der als vermutet in der GK 25 Blatt 5920 Schöllkrippen eingezeichneten Störung. Gut ausgeprägte Harnisch-Bildungen im Grenzbereich zwischen Erzgang und Rhyolith belegen die Bewegung der Störungen nach Abscheidung der Minerale.

Harnisch  Hämatit-Harnisch
Ein mit Hämatit belegter Harnisch, der die erheblichen Bewegungen in dem Gangsystem belegt, aufgenommen am 08.04.1990,
rechts aufgenommen am 15.12.2013

Der Gehalt an Braunit und Manganit nimmt von NW nach SO zu, die Gangmächtigkeit ab. Reine Calcit-Gänge, deren Mächtigkeiten normalerweise 5 cm nicht überschreiten, führen bei größerer Mächtigkeit und in unregelmäßigen Abständen Zonen aus Mn-Calcit, Hausmannit und As-Mineralien.

Die Ganginhalte sind in der Regel stark brekziiert und höchst variabel im Mineralbestand, dazu noch stark absätzig.
brekzierter Braunit
Bemerkenswertes Stück aus dem Erzgang mit Braunit, Manganit, Kutnahorit, Fluorit,
Illit mit einer mit Braunit imprägnierten Rhyolith-Brekzie;
Bildbreite ca. 20 cm.

Die Mn-Erzgänge fallen nahezu senkrecht ein. Im NW-Teil kreuzten sich an der Grenze zw. 2. und 3. Sohle eine auffällige Hämatit-Vererzung mit den Manganerz führenden Calcit-Gängen. Der Hämatitgang erreicht als Ruschelzone eine Mächtigkeit bis zu 0,5 m und hält, im Gegensatz zu den Mn-Mineralien, bis fast unter die ehemalige, jetzt abgebaute Oberfläche, durch. Am Fuß der 3. Sohle konnte grobtafeliger Hämatit in bis zu 5 cm starken Partien beobachtet werden.
Auf der 4. Sohle zeigte es sich, dass das Einfallen der jetzt an Erz sehr armen Gänge mit Carbonaten und Seladonit (± den As-Mineralien) bei ca. 60° liegt. Auch die Streichrichtung hat sich zu etwas mehr nach Nord verschoben. Es treten auch nebeneinander, dünnere Gangscharen auf. Sie führen nicht die Vielfalt an Mineralien der Hauptgänge.

Gang im Rhyolith
Gangzone mit einer Druse mit Calcit-Kristallen - links der Bildmitte,
aufgenommen am 14.08.1988

Im Bereich der Erzimprägnationen ist der Rhyolith verändert (alteriert). Insbesondere die Feldspäte - sichtbar erst auf der 3. Sohle - sind dort in gelblichen Seladonit (?) umgewandelt.

Die Erzgänge wurden von den Prospektoren des Mittelalters und der Neuzeit nicht gefunden. Sie wären sonst mit Sicherheit untersucht oder gar abgebaut worden. Die Gründe für das Nichtauffinden dürften darin zu suchen sein, dass die Gänge aufgrund der leichten Löslichkeit des Mangans nicht bis zur Oberfläche durchgehalten haben. Ein weiterer Grund ist die enorme Härte des Gesteins, welches besonders auf der inzwischen abgebauten, ersten Sohle teilweise verkieselt war.

Bixbyit-Fundstelle
Die Bixbyit-Fundstelle mit J. LORENZ,
aufgenommen am 13.04.1996

Zwar nur von früherer regionaler Bedeutung, heute wirtschaftlich uninteressant, aber weltweit verbreitet finden sich hydrothermale Mn-Gänge in Andesiten und Rhyolithen. Insbesondere in Japan wurden sie bis in die 60er Jahre bebaut. Der Mineralinhalt ist carbonatisch mit viel Rhodochrosit und einigen Sulfiden.
Ebenfalls in vulkanischen Gesteinen finden sich Gänge aus "schwarzen Calciten" ebenfalls in Rhyolithen u. a. im Südwesten der USA. Sie enthalten Kryptomelan, Hollandit und Coronadit, Calcit als Gangart mit Anhydrit, Chalcedon und Baryt. Die Entstehung wird so gedeutet, daß die Mineralien aus tiefthermalen, postvulkanischen Lösungen ausgeschieden wurden.

Inzwischen konnten für den Kontakt, die Alterationen wie auch für die niedrighydrothermalen Erzgänge K-Ar- und (U+Th)-He-Alter ermittelt werden, die zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt haben! Dies wurden in einem ersten Schritt auf der EUG-10 Tagung in Strasbourg vom 28.03.-01.04.1999 vorgestellt. Eine Abschließende Veröffentlichung der Alter steht noch aus - und wird wohl nie erscheinen. Die Daten wurden inzwischen an anderer Stelle publiziert (OKRUSCH, LORENZ & WEYER 2007, siehe auch LORENZ 2010:575).
Alterdaten
Schema der zeitlichen Abfolge der datierten Mineralien der Hartkoppe bei Sailauf

Auch beim weiteren Abbau wurden die Gänge immer wieder angetroffen, leider fehlten dabei die seltenen Mineralien. So auch im Jahre 2008, als auf der untersten Sohle einer der Gänge neben Calcit, Dolomit, Rhodochrosit und Kutnahorit noch Braunit, Arseniosiderit beinhaltete. Auf den tieferen Sohlen gab es immer wieder Partien mit Manganmineralien und den Raritäten, aber nicht mehr in der Häufigkeit und Menge wie früher. 


Gang auf der untersten Sohle, 2008 mineralisierter Gang auf der untersten Sohle 2008
Stark absätziger Gang mit sehr stark schwankender Gangmineralisation, rechts ein Ausschnitt, 5. Sohle, Frühjahr 2008. Die Gewinnung von Proben in einer solchen Situation in der Steinbruchsohle ist sehr schwierig, einerseits wegen des zulaufenden Wassers, anderseits wegen der trichterförmigen Eintiefung und der großen Härte des Gesteins.  


mit Braunit imprägnierte Rhyolith
Angeschliffen und poliertes Stück des brekziösen Ganginhaltes aus Calcit (fluoreszierend), Braunit, Rhodochrosit, Mn-Calcit und Spuren von Brandtit, auf der Rückseite (nicht sichtbar) noch Arseniosiderit. Der Rhyolith ist nur randlich mit Braunit imprägniert und unterschiedlich alteriert. Bildbreite 11 cm, gefunden auf der 6. Sohle im Jahr 2009. Sohle Stücke sind typisch und sind in der Gangzone weit verbreitet, wurden aber wegen der Armut an Hohlräumen kaum gesammelt. 

Braunit-Brekzie  Braunit Mangancalcit  Barunit Calcit
Stück aus der Gangzone im Ryholith, welches aus einem sehr stark brekziierten Rhyolith besteht, der zudem noch mit Braunit so intensiv durchsetzt ist, dass er schwarz erscheint. Weiter ist in zwischen den Rhyolithbrocken Braunit mit Manganit gebildet worden, wobei der Manganit später in braunen Mangancalcit umgewandelt wurde. Weiter wurde Illit, Hausmannit und Calcit abgeschieden. Als finale Abscheidnung ist weißer Calcit zu erkennen, der die Hohlräume nicht ganz ausfüllen konnte. Bildbreiten: links (geschliffen und poliert) 14 cm, mitte (Ausschnitt) 5 cm und rechts die unbearbeitete Rückseite mit 6 cm. 

Brekzie  Brekzie
Wie an anderen Erzvorkommen auch, kann man die Beobachtung machen, dass bei einer Weitung des Ganges die Erze abnehmen. Dies ist auch in Sailauf der Fall, wie man an den obigen Stück erkennen kann. Der sehr ausgeprägt imprägnierte Rhyolith wurde sehr gleichmäßig alteriert, von Manganit überzogen, der in Calcit eingewachsen ist. Dazu gesellt sich Calcit und Illit. Anschließend kam es zu einem erneuten Aufreißen des Ganges, der dann völlig von weißem Calcit ausgefüllt wurde. Unten im Bild kann man den angrenzenden Ryholith noch sehen. Bildbreite des angeschliffenen und polierten Stückes links 16 cm, rechts im Ausschnitt 5 cm.

 Rhodochrosit mit Hämatit
Außergewöhnlich mächtige Gangfüllung aus dem Rhyolith aus einem einstigen Calcit mit einem grünen faserigen Aufwuchs aus Calcit mit Seladonit, der die einstige Druse nachzeichnet. Die Druse aus skalendoedrischen Calcit-Kristallen wurde später mit Calcit ausgefüllt. Im Calcit ist neben blättigem Hämatit noch farbloser (und damit kaum erkennbarer) Fluorit eingewachsen. Später wurden die Carbonate teilweise in Rhodochrosit umgewandelt. Bildbreite des linken Stückes 20 cm , rechts 9 cm (die Rückseiten der 2008 gefunden Stücke wurden angeschliffen und poliert).

Gang mit Seldaonit und Braunit  Calcit im Rhyolith
Linkes Foto:
Zum Tag des Geotops am 16.09.2012 war auf der untersten Sohle innerhalb des säulig absonderenden Rhyolith eine mineralisierte Gangspalte aus Seladonit, Braunit, Karyopilit und Calcit mit altiertem Rhyolith aufgeschlossen. Die Stelle wurde vor der Führung freigelegt und mit Wasser gespült, so dass man den Verband gut sehen konnte.
Rechtes Foto:
Die südöstliche Fortsetzung des geleichen Ganges an den Wand bestand aus einem drusigen Gangabschnitt (aufgenommen am 08.09.2012).

Ganfüllung im Rhyolith
Brekziöse Gangfüllung aus Calcit und Seladonit, dazu alterierter Braunit und
reichlich Rhyolith, Bildbreite 16 cm

Braunit-Gang
Feinkörniger Braunit mit Calcit und Rhodochrosit als Spaltenfüllung im Rhyolith,
der randlich mit Braunit durchsetzt ist, Bildbreite 8 cm.

Brandtit-Gang
Schmale Gangfüllung aus Brandtit, Illit und Carbonaten, Bildbreite 4 cm.

Rhodochrosit Rhyolith Ausschnitt
Beweis für die Mehrphasigkeit der Mineralisation und die Bewegung der Felsen während der Mineralbscheidung: Die dünnen Spaltenfüllungen sind älter
und anders aufgebaut wie der größere Ganginhalt; Bildbreiten links 12 cm, rechts 4 cm. 


Das Stück besteht be flüchtigem Hinsehen im Handstück aus "schwarzem Calcit". Der Anschliff offenbart Calcit, partiell in Rhodochrosit umgewandelt. Dazwischen saß einst Anhydrit, dessen Hohlformen mit Calcit oder Fluorit gefüllt sind. Im Calcit ist primaär Manganit in kleinen Nadeln eingewachsen, es folgt Hämatit und auch Illit. Final ist brauner Arseniosiderit kristallisiert, der von farblosem Calcit überwachsen wird. Im Rhodochrosit sind kleine violette Fluorit-Körner erkennbar, sonst ist der Fluorit völlig farblos und im Schliff-Foto nicht sichtbar. Bildbreite 9 cm, angeschliffen und poliert

Braunit und Hämatit
Gangstück aus der Gangzone mit Braunit, Calcit und Mn-Calcit im brekziierten
Rhyolith (links), Seladonit und Calcit, Calcit und Hämatit (Mitte) und Rhyolith
(rechts), Bildbreite 13 cm.

Fluorit-Gang
Drusige Gangfüllung im Rhyolith (oben und unten) aus Rhodochrosit, darin besonders rechts reichlich violetter Fluorit, Braunit und Manganocalcit, die "spaltenförmigen" Hohlräume ehemaliger Anhydrit-Kristalle, darin die weißen und stumpfen Kristallrasen aus nadeligem Calcit,
Bildbreite 30 cm

Gang auf der untersten Sohle
Hier durchbricht ein ca. 1 m breiter, stark brekziöser Gang mit Calcit als
Rissfüllung den säulig absondernden Rhyolith; als Maßstab steht Herr Buchem
links der Gangzone,
aufgenommen während einer Exkursion am 14.07.2013

Calcit-Gang mit Drusenzone mineralisierte Störung im Rhyolith Gangzone
Ca. 7 cm mächtiger Gang aus hauptsächlich Calcit mit etwas Hämatit und einer drusiger Zone im Zentrum des Ganges, darin skalenoderische Calcit-
Kristalle, überkrustet von einer dünnen Schicht aus kleinen Calcit-Kristallen,
links aufgenommen am 15.12.2013 auf der untersten Sohle.
Eine Woche später war die mineralisierte Störung im Anstehenden frei gelegt, aber nicht mehr so reich mineralisiert - beachten Sie den Hammer als Maßstab und den Ausschnitt rechts
daneben,
mitte und rechts aufgenommen am 19.12.2013

Gangstück mit Hämatit und Fluorit
Unscheinbare Gangmasse aus einem feinkörnigen Calcit, durchsetzt von
Hämatit, Fluorit, Tonmineralien und Arseniosiderit,
geschliffen und poliert,
Bildbreite 12 cm

Brekzie mit Braunit und Calcit
Mehrphasige Mineralbildung in einer Kluft aus einem mit Braunit imprägnierten Rhyolith,
verkittet von Braunit, Calcit und Illit, dann eine Alteration mit Seladonit und eine einseitige
Abscheidung von Calcit mit Braunit, der teils in Manganocalcit umgewandelt ist,
Bildbreite 18 cm (angeschliffen und poliert)

Rhyolith-Brekzie
Gangbrekzie ohne Erzmineralien, verkittet mit einem Calcit-Zement ohne Drusen,
Bildbreite ca. 50 cm,
aufgenommen am 31.05.2015



Fund vom 16.04.2005*

Gangfüllung
Gangfüllung mit unten mit Braunit imprägnierten Rhyolith. Darin befindet sich aus einem ehemaligen weißen Calcit (mit randlich und in der Mitte etwas grauem Hämatit), der zum Teil wolkig in rosa Rhodochrosit umgewandelt ist. Ganz links erkennt man einen ehemaligen, tafeligen Anhydrit-Kristall, der weggelöst und dessen Hohlraum mit Calcit ausgekleidet ist. Oben befindet sich ein xenolithisches Gangstück mit Seladonit. In der Gangmitte verläuft ein Riss, der mit Calcit verheilt ist. Oben rechts ist hat eine kavernöse Verdrängung bzw. Umwandlung von schwarzem Todorokit aus dem Rhodochrosit begonnen.
Das angeschliffene und polierte Stück ist 40 cm breit.

Todorokit
Ausschnitt aus dem Bild oben: Verdrängung bzw. Neubildung von schwarzem
Todorokit in den Rhodochrosit. Man beachte den Spalt zwischen den beiden
Phasen, in dem sich blumenkohlartige Todorokit-Aggregate gebildet haben.
Bildbreite 7 cm


Druse
Druse in den Carbonaten mit einem Überzug aus warzigem Kutnahorit,
Bildbreite 6 cm


*siehe Spessartsteine S. 322 Abb. 16-5/46 a und b. Das Stück wurde auf zahlreichen Mineralienbörsen und Veranstaltungen als Blickfang gezeigt.



Literatur:
FUSSWINKEL, T., WAGNER, T., WENZEL, T., WÄLLE, M. & LORENZ, J. (2013): Evolution of unconformity-related Mn-Fe-As vein mineralization, Sailauf (Germany): Insight from major and trace elements in oxide and carbonate minerals.- Ore Geology Reviews, Vol. 50, p. 28 - 51, 14 figs. (3 in colour), 9 Tab., 1 appendix [Elsevier B. V.] Amsterdam.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- IV + 912 S., 2.532 meist farbigen Abb., 134 Tab. und 38 Karten (davon 1 auf einer ausklappbaren Doppelseite), [Helga Lorenz Verlag] Karlstein.
OKRUSCH, M., LORENZ, J. & WEYER, S. (2007): The Genesis of Sulfide Assemblages in the former Wilhelmine mine, Spessart, Bavaria, Germany.- The Canadian Mineralogist Vol. 45, p. 723 - 750, 11 fig., 10 tab.


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