Findlinge
im Spessart? 

Hier wird der Unterschied zwischen den heimischen "Findlingen" und den bekannten Findlingen aus Norddeutschland erklärt.


von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main



 
Findling von der Lache
Ein gefasster Gneis-Findling aus der Lache in Goldbach bei Aschaffenburg wurde unweit der Fa. Löwer aufgestellt
und die Entstehung mit einer Tafel erklärt. Der Ort befindet sich „An der Lache“, neben der Fa. Werner Recycling
und der Brücke über den Röderbach zwischen Goldbach und Aschaffenburg, der nicht weit entfernt in die Aschaff mündet
aufgenommen am 09.06.2018


Findlinge aus einer Wollsackverwitterung

Tafel zum Findling
Tafel mit der Legende zum Gestein, seiner Entstehung und des Alters des
Findlings an der Lache in Goldbach.

Isoliert vorgefundene, natürlich geformte auffallend große (etwa über 1 m³) Felsen werden nach den von Gletschereis bewegten norddeutschen Steinen (siehe unten) überall als "Findlinge" bezeichnet. Synonyme sind Monolithe, erratische Blöcke, Felsblöcke, auch nach dem Comic von Asterix & Obelix "Hinkelsteine", usw. 

Der bekannteste und größte Felsblock dieser Art im Spessart wurde als "Dicker Stein" beschrieben (LORENZ 2004) und er befindet sich nicht weit entfernt oberhalt der Autobahn A3 an der Anschlusstelle Goldbach. Auch hier wurde eine Tafel zur Erläuterung aufgestellt. Aber auch normale Felsen aus Steinbrüchen werden als "Findlinge" gehandelt, sind streng genommen aber keine. Der Gesteinsfachhanel bietet jedoch auch reichlich Findlinge an, die bei Baurbeiten anfallen. Je nach Größe, Form, Gesteinsart und Herkunft werden dafür erhebliche Kosten fällig. 

Man verwendt diese oft markant geformten Steine im Gartenbau und als Poller auf Parkplätzen, als Gedenksteine oder zur Zierde. Oder man verarbeitet diese zu Kunstwerken. Oft werden solche Gesteinsbrocken beim Abbau in Steinbrüchen (z. B. in Dörrmorsbach) und in den Kiesgruben des Maintals gefunden (Begleitrohstoffe). Im Spessart sind es Kernsteine, als Relikte der tertiären Tiefenverwitterung "Wollsackbildung"; im Maintal sind es Driftblöcke aus dem winterlichen Eis des Mains:   

Quarzit
Eisdriftblock aus der Niederterrasse des Mains; gefunden in einer Baugrube für ein
Haus an der Händelstraße 7 in Dettingen a. Main im Oktober 1971. Der Findling
besteht aus einem verkieselten Zechstein-Dolomit. Über den Verbleib des etwa 4 t
schweren Steins ist nichts bekannt; vermutlich wurde der mit dem Aushub
abgefahren und deponiert. 


Granat-Amphibolit
Findling eines Granat-Amphibolits, gefunden in der Kiesgrube Bong in Mainflingen,
aufgenommen am 01.07.1974. Der markante Stein stand jahrelang an der Straße 
zwischen Mainhausen und Stockstadt. Darüber wurde mehrfach publiziert
(OKRUSCH, STREIT & WEINELT 1967:183, LORENZ & JUNG 2009:20).
Das anstehende Gestein und damit die genaue Herkunft aus dem Spessart oder
Odenwald ist nicht bekannt.


Anton Günther Denkmal
Anton-Günther-Denkmal.
Ein rissfreier Diorit-Fels aus dem damals noch im Betrieb befindlichen Steinbruch am Stengerts bei Schweinheim (Aschaffenburg) wurde 1969 vom Heimatverband der Graslitzer am Wasserwerk in Dettingen aufgestellt und mit einer Plakette und Beschriftung zu Ehren des lokalen Dichters Anton GÜNTHER (*1876 1937) aus dem Erzgebirge versehen. Solche Felsen werden zwar als "Findlinge" bezeichnet, sie wurden aber nicht im Wortsinne gefunden, sondern im Steinbruch erzeugt und sind damit keine Findlinge im Sinne eines natürlich geformten Steinbrockens.

Der weitgehend immer im Schatten liegende Fels wird von einem teils streifenförmigen Aufwuchs geziert. Unterhalb der Bronze-Platte führen das ablaufende Wasser und die Metallionen zu Veränderungen der Zusammensetzung der Flechten und Algen. Es zeigt sich sehr deutlich, dass alle Felsen von biologischen Gesellschaften besiedelt werden. Dies erzeugt auch eine Veränderung des Gesteins, was zu einer Verwitterung führt. Hier an dem Beispiel wird das sehr lange dauern, denn das Gestein Diorit ist sehr beständig. In den 50 Jahren seit dem Aufstellen sind keine tiefgreifenden Beeinflussungen sichtbar.
 
Daraus resultiert, dass solche Felsen möglichst schattenfrei immer in der Sonne liegen sollten. Das verhindert keine Besiedelung durch Algen und Flechten, aber es verzögert dies oder der Aufwuchs wächst nur dann, wenn es regnet, weil sonst das Wasser fehlt. Und die Sukzession geht nicht über Moos bis zu den höheren Pflanzen weiter.

Diorit-Kernstein
Seit kurzem steht ein Kernstein aus Diorit am Sportheim in Hain am Ostportal
des Tunnels Hain. Im Hintergrund fährt ein Zug zwischen dem Tunnel Metzberg
und dem Tunnel Hain auf dem Weg nach Aschaffenburg. Der Stein stammt
aus der Baustelle des Tunnels Hirschberg. Er gehört zu dem Steinegarten am
Freizeitgelände in Laufach (Hain),
aufgenommen am 26.06.2018


Gneisfindling bei Feldkahl
Rundlich-länglicher, kavernöser Gneisblock (Staurolith-Granat-Plagioklas-Gneis)
von etwa 5 t Gewicht an der Straße von Hösbach nach Schimborn, 2018 bei
Bauarbeiten für einen neuen Radweg aus einerBöschung frei gelegt. Im Hintergrund
sind weitere Felsen zu sehen, die 1983 beim Bau der Straße angeschnitten wurden.
Aufgenommen am 02.09.2018

Findlinge für die Gartengestaltung
Im Steinbruch der Fa. STAHL in Haibach (Dörrmorsbach) werden beim Abbau
immer wieder Diorit-Blöcke in Form der Wollsackverwitterung angetroffen. Diese
werden ausgesondert und liegen dann für die Gartengestaltung bereit,
aufgenommen am 08.09.2018




Findlinge als Geschiebe

Völlig anders ist die Situation in der ehemaligen Eisrandgebieten Norddeutschlands. Hier haben die kilometer mächtigen Eismassen aus Skandinavien auch große Felsen über weite Strecken im Eis transportiert. Diese können enorme Volumen haben und damit über 1.000 t schwer sein. Solche Findlinge gibt es logischerweise auch in England, Irland, Niederlande, Dänemark und ganz Skandinavien, aber auch Polen, den baltischen Staaten und Russland; und rund um die Alpen. Und warum sind diese Findlinge rund? Nun, beim Eistransport werden höchstens Schrammen erzeugt, die zu Gletscherschliff führen. Die Rundungen stammen von einer Verwitterung vor dem Transport in klimatisch anderen Zeiten, die es auch in Skandinavien gab.


Hier einige eindrucksvolles Beispiele: 

Siebeschneiderstein
Der "Siebenschneiderstein" aus dem Karlshamn-Granit Schwedens (etwa 160 km entfernt) liegt an der Küste der Ostsee vor dem Kap Arkona auf Rügen und wiegt etwa 165 t, hier mit Helga LORENZ als Größenvergleich am 18.06.1992.

Kobbeln
Der "Kobbelner Stein" in der Gemeinde Neuzelle in Brandenburg wurde erst 1925 ausgegraben und besteht aus einem Hornblende-reichen Syenit-Granit von der Ostseeinsel Bornholm (ca. 250 km entfernt). Der Block wiegt etwa 256 t; aufgenommen mit Helga LORENZ als Maßstab am 10.06.1992.

Markgrafenstein  Granitschale
Bei Rauen in den Rauenschen Bergen in Brandenburg befanden sich einst die "Markgrafensteine", von denen der Große ein Gewicht von 700 - 750 t aufwies (und der "Kleine" etwa 450 t). Damit war der Große der schwerste Findling in Brandenburg. Helga und Joachim LORENZ stehen am 09.06.1992 daneben als Größenvergleich (linkes Foto). Sie bestehen aus dem Karlshamn-Granit von Schweden (ca. 300 km entfernt).
Vom Großen Markgrafenstein wurde 1827 eine Platte von Hand abgespalten und der Berliner Bauinspektor Christian Gottlieb CANTIAN ließ im Auftrag des preussischen Königs Friedrich-Wilhelm III. davon eine große, geschliffen und polierte Schale herstellen, die heute in Berlin im Lustgarten steht. An der Bearbeitung waren bis zu 100 Leuten beteiligt. Die funktionslose Schale hat einen Durchmesser von 6,91 m und wiegt 75 t (SCHROEDER 1999:98ff). Damit ist sie die wohl größte Granitschale der Welt (rechtes Foto vom 16.02.2013) und war zum Zeitpunkt der Fertigstellung 1831 eine Art "Weltwunder".



Literatur
LORENZ, J. (2004): Der „dicke Stein“ an der Autobahn A3 zwischen Aschaffenburg-Damm und Goldbach.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 98. Jahrgang, Heft April 2004, S. 17 - 22, 10 Abb., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- 336 S. München 1967  
SCHROEDER, J. H. (Hrsg.) (1999): Naturwerksteine in Architektur und Baugeschichte von Berlin Gesteinskundliche Stadtbummel zwischen Marienkirche und Siegessäule.- Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg Nr. 6, 230 S., zahlreiche auch farb. Abbildungen (auf ausklappbaren Tafeln)., Karten und Skizzen, [Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg] Berlin. 


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