Die Kies- und Sandgruben im Maintal - auch Fundstellen für Mineralien und Gesteine?
Ja!
Und auch echtes Gold.

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


Kiesgrube  Kiesgrube VOLZ & Herbert
Die Kiesgrube der Fa. Volz und Herbert zwsichen Dettingen und Hörstein: links am 07.04.2002 und 24.12.2015

Kiesgrube Weber
Die Kiesgrube der Fa. Weber (Miltenberger Industriewerk)
Sand- und Kieswerke Fritz Weber GmbH & Co. Werk Großostheim.
aufgenommen am 30.04.2011



schwarzer Sand Gipssanddünen Gipssand
Links: schwazer Sand aus Lavateilchen, Erz, Hornblende, Augit, Gesteinsglas usw.
im Spülsaum am Strand von Lanzarote, Kanarische Inseln, 28.03.2011
Mitte: Sanddünen aus Gipssand, White Sands National Monument, Chihuahua-Wüste, Neu-Mexiko. USA, 04.05.1981
Rechts: Im Vergleich mit der Hand sieht man die Feinkörnigkeit des Gipssandes der White Sands, 04.05.1981


Das Gestein des Jahres 2016:

Sand

Sand ist ein Lockergestein mit einer Körnung von 0,063 - 2 mm (Definition). Bei uns besteht der zum größten Teil aus Quarz, aber es gibt auch Sande mit Kalkstein, Feldspäten, Olivin, Gesteinsglas, Eisenerzen, Gips, Glimmerplättchen, Gesteinkörnern (Basalt), ... Nach dem Vorkommen unterscheidet man Dünensande, Flussande, nach der Zusammensetzung auch Schwermineralsande. Oft sind noch Tonminerale in den Zwickeln vorhanden, die dem Sand eine Bindung verleihen. In der Erde ist der Porenraum zwischen den Körnchen meist voll Wasser.

Sand aus dem Maintal
Dünensand aus der Sandgrube von Alzenau, 15.07.2006

Bunte Sande aus Alzenau

Auch das ist Sand: extrem bunte, verschobene Sande aus dem Pliozän in
der Sandgrube in Alzenau, 05.11.2016


Sand ist ein gesuchter Rohstoff. Jeder Bundesbürger verbraucht pro Jahr 4,6 t Sand! Der meiste Sand geht in die Bauwirtschaft (Mörtel, Beton, Schutzschichten, ...), aber man verwendet ihn auch als Gießereisand (Formsand), als Rohstoff zur Glasherstellung, Erzeugung von Schleifmittel (SiC, als Mineral Moissanit), Filtermassen bis hin zur Herstellung von Reinsilizium für die Chips in der Computerwelt. Aber das Vorkommen von wirtschaftlich brauchbarem Sand ist ungleich verteilt. So gibt es auf den Höhen der Fränkischen Kalkgebiete gar keinen Sand. Und nicht jeder Sand kann für das Herstellen von Beton verwandt werden. In Norddeutschland führt der Gehalt an Flint infolge der Unverträglichkeit mit dem Zement zu Schäden. Der Sand zum Betonieren der vielen und sehr hohen Hochäuser in den arabischen Emiraten wird aus Australien angefahren, weil der heimische für die Betonzubereitung ungeeignet ist.

Dünensand  Sand der Namib
Die bis zu 380 m hohen Dünen des 31.000 km² großen Namib-Sandmeers am Sossusvlei in Namibia, 11.04.2008. Daneben der feine Sand der Namib
bestehend aus gelblichem Quarz, weißen Feldspäten, grauen Kristallinbruchstücken und ganz wenig Glimmer und Erz,
Bildbreite 2 cm.


Nicht wie Sand am Meer.
Infolge der konkurrierenden Flächennutzung und eines sehr eigennutzorientierten Naturschutzes in unserer Region (Maintal) wird der Sand in einigen Jahren zur Mangelware, da kaum noch neue Gewinnungsstellen für Bodenschätze ausgewiesen werden können. Man wird ihn dann aus dem Rheingraben anfahren müssen - oder man gewinnt den Sand aus dem Aufarbeiten von den verwitterten Buntsandstein-Massen (Brechsande).

Grobsand Feinsand
Grober (links) und feiner (rechts) Sand aus dem Mainsand von Großwelzheim (Karlstein a. Main), Bildbreite 3 cm. Wie man an den eckigen Körnern
erkennen kann, besteht der Sand zum Teil aus gebrochenem Gut.


Kaimu Black Sand
Sand von der ehemaligen Kaimu Black Sand Beach auf der Hauptinsel Hawaii,
gesammelt am 23.03.1986. Die Beach wurde von einem Lavastrom des
Kilauea im Jahr 1990 zerstört. Der bei näherem Hinsehen nicht mehr schwarze
Sand besteht aus Olivin, Gesteinsglas, Gesteinbruchstücken, Magnetit und
etwas Hornblende,
Bildbreite 2 cm

Korallensand
Auch Hawaii: Sand von der Sandy Beach auf der Insel Ohau (Hawaii). Der
weiße Sand besteht aus kleinen Korallenbruchstücken, Foraminiferen und
diversen Hartteilen und Schalenbruchstücken von vielen marinen Lebewesen;
aufgesammelt am 11.04.1986. Es ist der klassische Sand unter Palmen,
den man in den Schuhen aus Hawaii hat,
Bildbreite 1 cm


Australischer Sand
Ornamentale Sanddünen
im Croajiugolong National Park, Victoria, Australien,
aufgenommem am 02.11.1982


Sandflaschen
Sammlung aus Sandflaschen, meist aus den Ländern Israel, Jordanien und
Ägypten. Dabei wird mit verschiedenfarbigem Sand ein Muster erzeugt,
welches durch eine pralle Füllung fixiert wird. Der Sand ist teilweise auch
anthropogen gefärbt, Sammlung von Alf DIETERLE, Kleinheubach,
aufgenommen am 15.10.2016

 


Wichtiger Hinweis:
Vorsicht an Wänden und Schüttkegeln, denn sie können plötzlich rutschen. Auch an den Absetzteichen für das Wasser besteht die Gefahr, dass man im Schlamm einsinkt!
Leider wurde in diesen Kiesgruben die Aufbereitung so gebaut, so dass man nach der Aufgabe das Material durch den Brecher laufen lässt, so dass keine ungebrochenen Überkornhalden mehr entstehen.
Für den Sammler von Mainschottern bedeutet dies, dass man nur im Bereich der Wände ungebrochene Kieselsteine sehen kann.
 



Zusammenfassung
In den meist flächenreichen Kiesgruben können bei entsprechenden Verhältnissen die vielflätigen Gesteine, Fossilien und Mineralien in unterschiedlich großen Stücken gefunden werden, die oberhalb der Lage vom Main und seinen Nebenflüssen aufgenommen und hier mehr oder weniger gerundet und zerkleinert abgelagert wurden.
 

Lage
Kies- und Sandgruben gibt es von Wertheim dem Main folgend bis nach Mainz, besonders in der Nähe der Ortschaften Miltenberg, Obernau, Großostheim, Niedernberg, Stockstadt, Kleinostheim, Mainhausen, Babenhausen, Alzenau, Langen, Frankfurt, ......

Hier sollen bespielhaft zwei der vielen Kiesgruben aufgeführt werden:

 

Geologie
Unter einer geringmächtigen Bodenbedeckung von ca. 0,5 - 4 m beginnt ein lehmiger, sehr zäher Kies, der nach 1,5 m in den gewünschten ton- und lehmfreien Kies übergeht. Der Grundwasserspiegel liegt innerhalb der Mainniederungen bei ca. 3-4 m unter der Geländeoberfläche. Diese pleistozänen Ablagerungen des Maines aus wechsellagernden Sanden und Kiesen, oft schräg geschichtet, sind hier ca. 6-7 m mächtig:

Kies
aufgenommen am 19.08.2008

Unter ihnen folgen pliozäne Tone und Sande, leicht erkennbar an der gelblichen bis grauen Färbung und an der darin vorkommenden Braunkohle (Lignit). Stellenweise wurden auch so große Holzmengen sedimentiert, so dass diese als Braunkohlen-Lagerstätten abgebaut wurden. Ein Teil der Seen zwischen den Ortschaften Großwelzheim, Kahl, Alzenau und Großkrotzenburg sind dabei entstanden. Die Kohle wurde im Kraftwerk des RWE bei Großwelzheim verstromt. Infolge der Kleinheit der Vorkommen und der strukturellen Verhältnisse (Trinkwassergewinnung, Überbauung, forstliche Nutzung usw.) ist ein Abbau der noch vorhandenen Vorräte realitätsfern.
Infolge der gestiegenen Niederschläge ist der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren um etwa 1 m angestiegen.
 

Historie der Fa. Volz
Die Gewinnung von Sand und Kies hat in der Region lange Tradition. Früher wurde das Material von Hand gewonnen und mit Pferdewagen abgefahren. Später wurde mit Baggern und LKW, dann in großen Anlagen mit Schwimmbaggern und Förderbändern gearbeitet, wobei das Gestein auch gesiebt und gewaschen wird. Die meist mit Grundwasser gefüllten Seen wurden lange Jahre als Müllkippen genutzt, teilweise aber auch zur Schwimmbädern eingerichtet. Auch finden sich Mehrfachnutzungen, z. B. für Freizeitangler, Windsurfer usw.

Die Kiesgrube der Fa. Volz und Herbert in Hörstein wurde ca. 1990 begonnen, nachdem sich der Betrieb in Kahl nicht mehr ausdehnen konnte. Man kann aber insgesamt auf eine 100 jährige Tradition zurückblicken. Die Firma produziert und liefert Sand, Kies, Böden für den Gartenbau, Recycling-Materialien - z. B. für den Wegebau, Schotter, Brechsande und Steine für die Gartengestaltung. Seit dem Sommer 2008 auch einen Fertigbeton bereits ab 150 kg für Selbstabholer, wenn man beispielsweise eine Gartenmauer oder einen Weg damit befestigen will.
Betonmischer
Die Betonmischanlage für Fertigbeton in kleinen Mengen am 26.07.2008
 

Mineralien und Gesteine
Der Kies besteht im Bereich der Überkornhalden (siehe Bild unten) aus folgenden Bestandteilen, wobei der Buntsandstein bei weitem überwiegt (ca. 60-70%):

Überkornhalde Überkornhalde in der Wintersonne
Überkornhalden der Kiesgrube, rechts am 15.12.2007 in der winterliechen Nachmittagssonne

Manche der hier aufgeführten Arten wurden in den ca. 35 Jahren unterscheidlich intensiven Sammelns nur ein einziges Mal gefunden.

Die Korngröße reicht vom Ton über Sand bis zu mehreren Tonnen schweren Driftblöcken aus Sandstein, Diorit, verkieselter Zechstein-Dolomit und Gneis, die in die Gartengestaltung in der Umgebung der Kiesgruben Verwendung finden.

Die Fundmöglichkeiten sind nach längeren Regenperioden am besten. Es lohnt sich in der Regel nur die Geröllhalden abzusuchen, da hier das Überkorn vor dem Brechen zwischengelagert wird.

Grundsätzlich könnte man alle Gesteine aus dem Einzugsgebiet des Mains oderhalb der jeweiligen Fundstelle finden - theoretisch. In der Praxis reduzieren sich die Funde auf relativ wenige Gesteine, die aufgrund der Eigenschaften einen mehr oder minder langen Transport überstehen. Weiche Gesteine werden zerrieben (Löss, Kalksinter, Marmor, Baryt, ...), andere sind zu selten (Eklogit, Spessartit, ...), kommen natürlich kaum in kleinen Stücken vor (Diorit, ...) oder werden leicht aufgelöst (Gips, ...), so dass sie im Geröllspektrum fehlen.

Eklogit
Beispiel für ein Gestein, welches noch nicht am Untermain aufgefunden wurde:
Auffallend schwerer Eklogit aus grünem Omphacit (Klinopyroxen) und
braunrotem Granat (Pyrop) von der Fundstelle Silberbach bei Konradsreuth
bei Hof (Typlokalität für Omphacit), Bildbreite 9 cm,
gefunden von Karlheinz Gerl, Oberkotzau.

Gold
Wäscht man eine größere Masse an Sand und Kies durch, so erhält man die dunkle Schwermineralfraktion aus Hämatit, Magneit, Ilmenit, Granat, Staurolith und anderen Mineralien. Das Verfahren ist sehr anstrengend, kann im Winter nicht ausgeführt werden und die Ausbeute liegt im Bereich von µg.
Thomas Weis mit der Waschpfanne Maingold
Darunter auch etwas gediegen Gold, wie im Bild rechts zu sehen ist. Die Flitter sind nur 0,1 mm groß!.
Der Gehalt ist sehr klein und hat selbst im Mittelalter nicht für ein Waschen ausgereicht. Details zu dem Goldfund können Sie hier nachlesen. 
aufgenommen am 01.06.2008

Gold aus dem Fichtelgebirge
Das Gold kommt wahrscheinlich aus dem Fichtelgebirge; hier ist die Korngröße deutlich größer (Sammlung A. MOHRHARD, Aschaffenburg).

Museum Goldkronach Gold aus Goldkronach
Wer sich über die Herkunft des Goldes informieren will, dem sei das Goldmuseum in Goldkronach bei Bayreuth wärmstens empfohlen. Links ist das alte
Forstgebäude zu sehen, in dem das Museum eingerichtet wurde. Rechts sieht man eine Lupe vor einem Stück Quarz, in dem etwas von dem mm-großen
Gold als Berggold zu sehen ist.
aufgenommen am 28.12.2008


Literatur
[Anon.] (1966): Aus der Geschichte der RWE-Betriebsverwaltung Dettingen und ihrer Vorgängerin, der "Gewerkschaft Gustav".- Unser Kahlgrund Heimat Jahrbuch für den Landkreis Alzenau, S. 134 - 143, Alzenau.
[Anon.] (1999): 100 Jahre Firma Volz: Vom Einmann-Betrieb zum kompetenten Partner der Bauwirtschaft.- Main-Echo vom Donnerstag, 19. August 1999, S. 19, [Main-Echo & Kirsch] Aschaffenburg.
ALTMEYER, H. (1964): Reste devonischer Algenbäume als Rheingerölle.- Der Aufschluss 15, S. 209 - 212, Heidelberg.
ALTMEYER, H. (1964): Zur Bestimmung verkieselter Hölzer aus Rheingeröllen bei Köln.- Der Aufschluss 15, S. 287 - 291, Heidelberg.
ALTMEYER, H. (1989): Über weitere Rheingerölle.- Aufschluss 40, S. 197 - 200 Heidelberg.
Autorenkollektiv (1936): Die nutzbaren Mineralien, Gesteine und Erden Bayerns.- II Band Franken, Oberpfalz und Schwaben nördlich der Donau, 509 S., [Verl. R. Oldenbourg und Piloty & Loehle] München.
Autorenkollektiv (1986): 400 Millionen Jahre Wald.- Aktuelle Geo-Information der Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, 64 S., München.
Autorenkollektiv (1998): 100 Jahre RWE 70 Jahre RWE Dettingen 40 Jahre VAK.- Karlsteiner Geschichtsblätter 8, November 1998, 36 S., [Kolb-Druck] Karlstein.
EIKAMP, H. (1976): "Blitzröhren" - Bildung von Sand- und Felsfulguriten.- Aufschluss 27, S. 225 - 227, Heidelberg.
GARUTT, W. E. (1964): DAS MAMMUT.- Die neue Brehm Bücherei, Band 331, 140 S., Wittenberg-Lutherstadt.
Gewerkschaft Gustav & Geschichtsverein Karlstein a. Main (2004): 100 Jahre Gewerkschaft Gustav.- Karlsteiner Geschichtsblätter Ausgabe 9, August 2004, 56 S., zahlreiche SW-Abb., [Kolb Offsetdruck] Karlstein.
HARDER, H. (1993): Zur Entstehung von verkieselten Hölzern.- Aufschluss 44, S. 23 - 31, Heidelberg.
HEINRICH, A. (1984): Eine neue Skelettrekonstruktion des Wollnashorns Coelodonta antiquitatis BLUMENBACH im Museum Bottrop.- Aufschluss 35, S. 391 - 394, Heidelberg.
KRÜGER, F. J. (1977): Ein Flintgeröll mit Nasenmarken.- Aufschluss 28, S. 401 - 402, Heidelberg.
KÜHNE, W. G. (1983): Gold für uns aus der Kiesgrube.- Aufschluss 34, S. 215 - 218, Heidelberg.
KÜHNE, W. G. (1985): Paläontologische Silexforschung I, ein Programm.- Aufschluss 36, S 239 - 243, Heidelberg.
LORENZ, J. & WEIS, T. (2008): Gediegen Gold aus den Mainschottern am Unterman.- Der Aufschluss 59, S. 213 - 219, 4 Abb., 2 Tab., [VFMG] Heidelberg. 
LORENZ, J. & JUNG, J. (2009): Die Mainkiesel. Quarz, Sandstein, Gold und Fulgurite. Ein Beitrag zu den Sedimenten des Maines und seiner Zusammensetzung, der Herkunft und wie man daraus den früheren Mainlauf ableiten kann.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 103. Jahrgang, Heft 6/2009, S. 3 - 29, 85 Abb., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 767ff.
LOTH, G., GEYER, G., HOFFMANN, U., JOBE, E., LAGALLY, U., LOTH, R., PÜRNER, T., WEINIG, H. & ROHRMÜLLER, J. (2013): Geotope in Unterfranken.- Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz Band 8, S. 62,  zahlreiche farb. Abb. als Fotos, Karten, Profile, Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, [Druckerei Joh. Walch] Augsburg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- 336 S. München 1967
PÄTZ, H., RASCHER J. & SEIFERT, A. (1986): Kohle - ein Kapitel aus dem Tagebuch der Erde.- 150 S., Frankfurt.
PROBST, E. (1986): Deutschland in der Urzeit. Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit.- 479 S., München.
RENFTEL, L.-O. (1995): Verbreitung und Ausbildung pliozäner Ablagerungen in der Umgebung von Hanau.- Jber. wetterau. ges. Naturkunde 146 - 147, S. 55 - 70, Hanau.
RÜCKER, E. (1974): Erinnerungen an das Braunkohlenbergwerk in Großwelzheim.- Unser Kahlgrund Heimat Jahrbuch 19, S. 90 - 92, Alzenau.
RÜCKER, E. (1980): Torfstich vor 150 Jahren in Großwelzheim, Kahl und Emmerichshofen.- Unser Kahlgrund Heimatjahrbuch 25, S. 86 - 89, Alzenau.
RÜCKER, E. (1982): Kahl am Main im Wandel der Jahrhunderte.- Hrsg. von der Gemeinde Kahl am Main, 544 S., [D. Steiner] Kahl.
RUTTE, E. (1987): Rhein.Main.Donau. Wie - wann - warum sie wurden. Eine geologische Geschichte.- 154 S. Sigmaringen
SEIDENSCHWANN, G. (1980): Zur pleistozänen Entwicklung des Main-Kinzig-Kahl-Gebietes.- Rhein-Mainische Forschungen Heft 91, 194 S., Frankfurt
SEIDENSCHWANN, G., GRIES, H. & THIEMEYER, H. (1995): Die fluvatilen Sedimente in den Baugruben des Wohnparks Mühlheim zwischen Ebertstraße und Offenbacher Straße in Mühlheim/Main.- Jber. wetterau. ges. Naturkunde 146 - 147, S. 71 - 86, Hanau.
STÜRMER, W. (1959): Untersuchungen an Kieselschiefer-Geröllen des Maines.- Nachr. Naturw. Museum Aschaffenburg 63, S. 1 - 25, 5 Tafeln, Aschaffenburg.
TYROFF, H. (1978): Fossile Kieselhölzer im Maintal von Weilbach bei Flörsheim.- Aufschluss 29, S. 287 - 297, Heidelberg.




Kiesgrube Fa. Weber bei Großostheim

In der Kiesgrube in unmittelbarer Nähe zum Flughafen bei Großostheim werden die Kiese mittels eines Schwimmbaggers abgebaut. Man fördert bis aus einer Tiefe von 22 m dann tertiäre Sande und Kiese ab. Diese werden in einer aufwändigen Aufbereitung zu verschiedenen Klassierungen verarbeitet. 

Schwimmbagger Greifer
Der ca. 350 t schwere Schwimmbagger fördert weitgehend automatisiert den Kies aus dem See. Der 8 m³ fassende Greifer schüttet den Rohkies auf
einen Rost, über den die großen Steine und Tonbrocken ausgesiebt werden, aufgenommen am 05.07.2013.

Der Abbau stellt auch bis zum Grundwasserspiegel Wände frei, die aber aufgrund der geringen Bindung im Kies keine lange Standzeit haben. Unter dem Ackerboden sind sandige Tonsteine aufgeschlossen, die sehr scharf abgegrenzt in den Sand und dann Kies übergehen (siehe das Foto vom Würgeboden unten).
Der frei gelegte Kies zeichnet sich durch einen hohen Anteil (geschätzt 95 %) an Sandsteingeröllen aus. Kristalliengesteine fehlen fast völlig (der Spessart kann nichts geliefert haben und die Kristallingebiete Oberfrankens sind 300 km mainaufwärts). Vulkanische Gesteine wie Basalt stammen wohl größtenteils aus dem nahen Odenwald, von der Heldburger Gangschar und vielleicht auch aus der Oberpfalz, die vielen Kieselschiefer bezeugen einen pleistozänen bis holozänen Schotterkörper des Mains. Selten finden sich Stücke aus verkieseltem Holz. Kalkgerölle aus dem Muschel- und Keuperkalk sind nicht sehr häufig und kaum angelöst. Kieselsteine aus kristallinem Quarz sind in kindskopfgroßen Stücken zu sehen, aber auch selten. 

Kies
Der Kies ist stellenweise sehr reich an Geröllen und ein
typisches Produkt eines extremes Kaltklimates während
des Hochglazials der würmzeitlichen Vereisung. Tonan-
teile und organische Stoffe oder Reste fehlen völlig;
aufgenommen am 30.04.2011
dunkler Hornstein
Kieselschiefer - oder ein dunkler Hornstein?
Bildbreite 7 cm
Flint aus Großostheim
Flint als Geröll mit der typischen Farbe, dem typisch
 muscheligen Bruch und dem Glanz auf den
Bruchflächen, gefunden am 25.08.2013 
Bildbreite 10 cm, 
Kies Fa. Weber
Ungebrochener Kies, hauptsächlich aus
Sandsteingeröllen
bestehend,
aufgenommen am 30.04.2011 

Mainachat  
Konkretion aus Hornstein mit einem roten Achat mit
einer glaskopfartigen Oberfläche im einst hohlen Innern;
am Rand ist die umnlaufende Bänderung deutlich
erkennbar, Bildbreite 6 cm, gefunden am 14.06.2012.
Das ist der einzige Fund eines solches Mainachats, die
aus dem Oberlauf  des Mains bekannt sind. Die als
"Mainachate" bekannten Gerölle stammen ursprünglich
aus dem Grenzkarneolhorizont des Buntsandsteins im
Raum Bayreuth - Kulmbach und Kronach in
Oberfranken (SCHEIDER 2005).

Würgeboden
Über dem reinen Schotter sind Sandlagen mit Tropfen-
und Würgeböden angeschnitten, die das Periglazial der
Region bezeugen. Über dem Sand befindet sich eine
Tonschicht, die tropfenförmig in den Sand eingedrungen
ist, aufgenommen am 30.04.2011
Eisdriftblöcke  
Eisdriftblöcke bis zu einem Gewicht von ca. 1 t bestehen
vorwiegend aus schlecht gerundeten Buntsandstein-
Felsen, die in den Schotterkörper eingestreut sind.
Diese Steine werden ausgehalten, an zentraler Stelle
aufgeschüttet und zur Gartengestaltung verwandt,
aufgenommen am 30.04.2011.
Quarz-Kieselstein
Der Inbegriff für einen Kieselstein: Quarz. Das weiße
Geröll stammt entweder aus dem Odenwald oder aus
den Regionen der Kristallingebiete Oberfrankens,
Bildbreite 7 cm
Quarz
Bildbreite 9 cm 


Geröll aus vulkanischem Gestein
Vulkanische Gesteine, wie z. B. Basalte, kommen aus
der Heldburger Gangschar oder der Oberpfalz mit dem
Main in den Schotterkörper. In der Regel sind diese
stark verwittert und manche können mit der Hand
zerbröselt werden,
Bildbreite 11 cm
   

Kalkstein
Solche Kalksteine aus den Muschelkalk- und Keuper-
gebieten oberhalb von Marktheidenfeld werden im
Grundwasser des Kieses angelöst und die Ionen sind
der Grund für das "harte" Trinkwasser aus der
Niederterrasse des Mains,
Bildbreite 15 cm
Kieselschiefer
Kieselschiefer kommen ausschließlich im Frankenwald
vor und sind das Vorzeigegeröll der jungen Mainschotter.
Es handelt sich bei den auch als Radiolarit zu
bezeichnenden Gestein um ehemaligen Ozeanboden.
Die gelbliche Färbungist eine Folge von Eisenhydroxiden,
die im Grundwasser ausgefällt wurden,
Bildbreite 15 cm
Hornstein
Brauner Hornstein, hier ein verkieselter Muschelkalk
mit der Erhaltung von Schalen und den geschlossenen
Muscheln bzw. Brachiopoden die jetzt als leere
Hohlräume zu sehen sind,
Bildbreite 13 cm
Sandrinne im Kies
90° zur einstigen Flussrichtung angeschnittene, mit
feinem Sand gefüllte und etwa 2 m breite Rinne im
Kies,
aufgenommen am 23.08.2013
runder Hornstein
Dichter Hornstein, der die unterschiedlich porösen
Lagen nachzeichnet,
Bildbreite 13 cm
speckiger Hornstein
Sehr großes Stück (4 kg) speckiger Horstein mit einigen
Vertiefungen, in denen farblose Quarz-Kristalle gebildet
wurden,
Bildbreite 15 cm
fossiles Holz
Halber Stamm-/Astabschnitt eines fossilen Holzes aus
den Sedimenten des Mains,
Bildbreite 12 cm
Verkieseltes Holz
Frisch gebrochenes Stück Holz (verkieselt), welches
vom Vorbrecher auf dem Schwimmbagger zerkleinert
worden ist; Sammlung Julius KAPELLER, Hörstein
Bildbreite 13 cm
Quarz mit Turmalin
Weißes Quarzgeröll mit schwarzem Turmalin als
typischerBestandteil metamorpher Quarze; das
Herkunftsgebiet liegt vermutlich im Odenwald,
Bildbreite 7 cm
Kieselschwamm
Rundlicher Kieselschwamm in einer schaligen Hornstein-
konkretion,
Bildbreite 10 cm
Kiesgrubenbegehung
Im Rahmen einer Führung durch den Großostheimer
Forstwirt Toni Schwanzer konnten die Besucher auch
kaltzeitliche Kiesablagerungen, Erosionsdiskordanzen,
gradierte Schichtungen und Rinnen anschauen. Anhand
von Plänen wurde die Rekultivierung der Kiesgrube in
den nächsten Jahren erläutert. Der Betriebsleiter, Herr
Willi SCHLEGEL beschrieb die Kiesgewinnung.
Die Kinder hatten Spaß bei der Suche nach besonderen
Steinen. Anschließend gab es im benachbarten
Ziegenhof der Familie ZAHN leckeren Ziegen-Käse
zur Probe.
Aufgenommen am 01.07.2017
Rhyolith
Rhyolith aus einem bisher nicht bekannten Vorkommen
innerhalb des Einzugsgebiets des Mains. Das Gestein
mit dem porphyrischen Gefüge besteht aus weißlich
alterierten Feldspäten, Quarz und der Grundmasse,
die von mineralisierten Rissen durchzogen ist.
Bildbreite 6 cm



Erlebnistag 2013

Baggern Mainquarzsand Geologie zum Anfassen
Am leider wettermäßig nicht sehr schönen Sonntag, den 25.08.2013 wurde von Fa. Weber in Großostheim ein Erlebnistag veranstaltet. Mehrere hundert Besucher kamen in die Kiesgrube. Den größten Zuspruch hatten die technischen Geräte, wo Vater und Sohn nach Wunsch Baggern oder Dumper fahren konnte (mancher Vater schien mehr begeistert zu sein als die Kinder). In einem eigenen Bereioch wurden die Produkte vorgestellt. Joachim Lorenz hatte die Geologie zum Anfassen dabei: Neben den Geröllen aus Quarz, Basalt, Kalk, Horstein, Flint auch versteinertes Holz. Als Besonderheit gab es das Schulterblatt, den ein Stück eines Unterschenkels und einen großen Backenzahn eines Wollhaar-Mammuts zum Anfassen. Trotz des Regens kamen die Besucher begeistert und wurden auch über Schwimmbagger, die Aufbereitung und die Biologie durch den LBV informiert. Am Wasser konnte man Edelsteine waschen, so dass für Kinder auch gesorgt war. Ein kleines Kino und der Bereich zum Essen und Trinken rundeten die Veranstaltung ab.


Kiesgrube der Fa. Weber, Bürgstatt
Die Fa. Weber fördert im Bereich von Bürgstatt ehemalige Mainsande und darin eingeschuppte Sande aus den Seitentälern bzw. der Hänge der Sandsteinberge der Umgebung. Sie haben eine völlig andere Zusammensetzung der Gerölle wie die Mainschotter am Untermain.
Kiesgrube Weber
Zu den Sanden aus dem Main wird auch der Buntsandstein aus dem
Steinbruch Kirschfurt zur Schotter und zu einem scharfen Sand mit roter
Farbe gebrochen (links im Bild).
aufgenommen am 18.08.2012


Muschelschill
In dem Baggergut aus dem Main sind Schalen von Mollusken (viele Muschelschalen und wenige Schneckengehäuse) enthalten. Durch die Aufkonzentration am Fuß der Halden können diese Schalen das Kies fast völlig bedecken. Diese Schalen sind bei der Verarbeitung zu einem qualitativen hochwertigen Kies bzw. Sand ein Problem und man entfernt diese Schalen soweit es technisch mit einem vertretbaren Aufwand möglich ist.
aufgenommen am 18.08.2012

Zu dem Betrieb gehört noch eine Recycling-Anlage für Bauschutt und eine Asphalt-Mischanlage (Main-Tauber-Asphalt) und weitere Firmen auf dem weitläufigen Betriebsgelände.


 

Schilf im Gegenlicht
Schilf im Gegenlicht der Wintersonne
aufgenommen am 15.12.2007
Kiesgruben sind auch biologisch sehr schnelllebige Orte; die Sukzession der Pflanzen führt in wenigen Jahren zur Verlandung von (flachen) Seen (Wasserlinsen, Schilf, Erlen ...) und dem völligen Zuwachsen bis zum Wald (Klimax in der Region). Wenn Bodendecker den Boden begrünt haben, folgen Brombeeren und dann in deren Schutz Birken. Dies dauert nur wenige Jahre. In deren Schatten folgen dann weitere Baumarten. So ist nach ca. 50 Jahren von einer Kiesgrube nichts mehr zu sehen. 



Kieselsteine oder Gerölle ("Mainkiesel) sammeln

Kieselschwamm Kieselschwamm
Bildbreite 5 cm, je Vorder- und Rückseite (Sammlung Nr. 9040)
   
Der Anfang einer Leidenschaft:
Das ist der Stein mit dem im Frühjahr 1969 mein Interesse an den Steinen geweckt wurde.
Der ca. 3 cm große, aus Hornstein bestehende Kieselschwamm, fand ich beim Spielen in einer Baugrube an der Birkenstraße zur Errichtung eines Wohnhauses in der Nachbarschaft. Durch die Struktur erinnert das Stück wegen des "Stielansatzes" an einen "vertrockneten Pfirsich". Die Neugier war geweckt, auch wenn niemand aus meinem Umfeld sagen konnte, was das ist. Nun, da halfen auch die ersten Bücher nicht und auch die Lehrer in der Schule.  
Dass es kein "Pfirsich" sein kann, dachte ich mir bereits. Aber richtig deuten konnte ich das Stück erst viele Jahre später, als ein Paläontologe das Stück sah und ich die wahre Natur als fossiler Kieselschwamm erklärt bekam. Aber fortan suchte ich wegen der Nähe zu den Kiesgruben nach den Mineralien und Gesteinen der Mainschotter. Nun förderte mein Vater das Interesse und das Ergebnis waren Besuche in Idar-Oberstein, im Jura bei Pottenstein, in der Grube Bayerland im Fichtelgebirge und ein Urlaub in Rauris. Aber ich erkannte schnell, dass eine Beschränkung auf die Heimat die bessere Wahl sein wird.
 

Kieselschwamm
Auch ein Stück eines Kieselschwamms, gefunden am 11.06.2011
in der Kiesgrube der Fa. Volz und Herbert, Hörstein,
Bildbreite 10 cm.


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