Sand -
das häufige Lockergestein mit dem Trend zum Mangel.


von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


Sandkorn Bergkristall
Links: sehr gut gerundetes, farbloses Sandkorn (Quarz) aus dem Sand von Großostheim, Bildbreite 1,5 mm
rechts: farbloser, klarer und nur angerundeter Quarz (Bergkristall) aus dem Dünensand von Alzenau, Bildbreite 1,5 mm


Das Gestein des Jahres 2016: Sand.
 
schwarzer Sand
Sand extrem:  
Schwarzer Sand aus Lavateilchen (
Gesteinsglas), Eisenerz, Hornblende, Augit, Olivin usw. im Spülsaum am Strand von Lanzarote, Kanarische Inseln,
aufgenommen am 28.03.2011

Gipssanddünen Gipssand Gipssand
Links: Sanddünen aus schneeweißem Gipssand, White Sands National Monument, Chihuahua-Wüste, Neu-Mexiko. USA, aufgenommen am 04.05.1981
Mitte: Im Vergleich mit der Hand sieht man die Feinkörnigkeit des Gipssandes der White Sands, 04.05.1981
Rechts: Unter dem Mikroskop sieht man, dass die durchscheinenden Körnchen kaum einen halben Millimeter groß sind;
Bildbreite 1,5 mm.



Sand

Sand ist ein Lockergestein mit einer Körnung von 0,063 - 2 mm (Definition). Bei uns besteht der zum größten Teil aus Quarz, aber es gibt auch Sande mit Kalkstein, Feldspäten, Olivin, Gesteinsglas, Eisenerzen, Gips, Glimmerplättchen, Gesteinkörnern (Basalt), ... Nach dem Vorkommen unterscheidet man Dünensande, Flussande, nach der Zusammensetzung auch Schwermineralsande. Diese enthalten oft hohe Gehalte an Zirkon, Ilmenit, Magnetit, Monazit und Rutil und sind dann wirtschaftlich interessant. In Namibia sogar Diamanten! Oft sind noch Tonminerale in den Zwickeln vorhanden, die dem Sand eine Bindung verleihen. In der Erde ist der Porenraum zwischen den Körnchen meist voll Wasser.



Sand
                aus dem Maintal Granat
Links: Rezent umgelagerter, grober Dünensand aus der Sandgrube von Alzenau, aufgenommen am 15.07.2006,
rechts: Sandkörnchen aus rotem Granat (vermutlich Almandin) aus dem Sand von Alzenau, Bildbreite 3 mm.

Bunte
                    Sande aus Alzenau
Auch das ist Sand: extrem bunte, tektonisch verlagerte Sande aus dem
Pliozän in
der Sandgrube in Alzenau, 05.11.2016


Sand ist ein gesuchter Rohstoff. Jeder Bundesbürger in Deutschland verbraucht statistisch gesehen pro Jahr 4,6 t Sand! Der meiste Sand geht in die Bauwirtschaft (Mörtel, Beton, Schutzschichten, ...), aber man verwendet ihn auch als Gießereisand (Formsand), als Rohstoff zur Glasherstellung (Quarzglas), Erzeugung von Schleifmittel (SiC, als Mineral Moissanit), Filtermassen bis hin zur Herstellung von Reinsilizium für die Chips in der Computerwelt und für Sonnenkollektoren. Aber das Vorkommen von wirtschaftlich brauchbarem Sand ist auch in Deutschland sehr ungleich verteilt. So gibt es auf den Höhen der fränkischen Kalkgebiete gar keinen Sand. Und nicht jeder Sand kann für das Herstellen von Beton verwandt werden. In Norddeutschland führt der Gehalt an Flint (Chalcedon) infolge der Unverträglichkeit mit dem konventionellen Zement zu Schäden ("Betonkrebs").


Der Sand zum Betonieren der vielen und sehr hohen Hochäuser in den arabischen Emiraten wird aus Australien angefahren, weil der heimische Wüstensand aufgrund der Kornoberfläche, Rundung als auch der Korngrößenverteilung für die Betonzubereitung hochfester Betonbauwerke ungeeignet ist. Hier bahnt sich eine Lösung an, in dem man den Sand granuliert und so eine gewünschte Siebkennlinie erzeugt, was die Firma MultiCon aus München mit den von ihr entwickelten Anlagen erreichen kann; somit lassen sich riesige Sandvorkommen erschließen, die bisher nicht verwendbar waren. Aber damit muss man einen zusätzlichen Verfahrensschritt mit einer Anlage einbauen und damit entstehen Kosten.


Dünensand  Sand der Namib
Die bis zu 380 m hohen Dünen des 31.000 km² großen Namib-Sandmeers am Sossusvlei in Namibia, 11.04.2008. Daneben der feine Sand der Namib
bestehend aus gelblichem Quarz, weißen Feldspäten, grauen Kristallinbruchstücken und ganz wenig Glimmerblättchen und Erzkörnchen,
Bildbreite 2 cm.




Nicht wie Sand am Meer.

Infolge der konkurrierenden Flächennutzung und eines sehr eigennutzorientierten Naturschutzes in unserer Region (Maintal) wird der Sand in einigen Jahren zur Mangelware, da kaum noch neue Gewinnungsstellen (Kiesgruben) für Bodenschätze ausgewiesen werden können. Die Genehmigungszeiten für neue Abbaue liegen bei inzwischen 10 Jahren, wenn denn überhaupt neue Sandgruben genehmigt werden. Für die Firmen ist das ein großes Risiko, denn für das Erstellen der Unterlagen werden Zehntausende von € aufgewändet, was sich nur auszahlt, wenn man anschließend auch eine Genehmigung bekommt. Wird die auch aufgrund von Prozessen mit "Umweltschützern" versagt, so ist das ein Verlustgeschäft, was zunehmend hinderlich ist und ich kenne Vorhaben, die gar nicht erst begonnen werden.
Man wird ihn dann aus dem Rheingraben anfahren müssen - oder man gewinnt den Sand aus dem Aufarbeiten von den verwitterten Buntsandstein-Massen (Brechsande). Oder man recycelt den Beton bis auf die Größe von Sandkörnern, aber der Aufwand energetisch sehr hoch, da das mechanische Zerkleinern und Sieben ja einen hohen Aufwand an Maschinen erfordert.

Man überschüttet beispielsweise einzelne Strände auf der Kanareninsel Teneriffa mit Sahara-Sand aus Marokko, weil der heimische Sand am Meer schwarz, grau oder gesprenkelt ist und nur in geringen Mengen abgelagert worden ist. Das "Urlaubsgefühl" braucht halt einen hellen Stand mit Sand.
Der Weltverbrauch an Sand liegt derzeit bei etwa 40 - 50 Milliarden Tonnen pro Jahr! Eine genaue Zahl ist nicht zu ermitteln, weil viel Sand auch illegal gewonnen und "verbraucht" wird. Während der Sand aus Baustellen wieder gewonnen werden kann, ist der im Beton so fest mit dem Zement verbunden, dass ein Recycling des Sandes aus dem Beton nicht möglich ist. 

Auch die deutsche Sprache ist voller Sand:



Für die Untersuchung von Sand aus der Natur benötigt man eine Lupe oder besser ein Mikroskop mit einer moderaten Vergrößerung bis zu etwa 200fach. Damit kann man viele Körner ansprechen, insbesondere Quarz und viele Gesteinsbruchstücke. Weitere Hilfsmittel sind ein Magnet, UV-Leuchte, Sieb und für besondere Körnchen auch eine Polarisationsmikroskop. Bei den Mineralkörnchen, die nicht aus Quarz bestehen, ist eine sichere Bestimmung oft schwierig oder ohne weitere Hilfsmittel gar nicht möglich. Von den vielen in der Natur bekannten Mineralien finden sich nur ganz wenige im Sand wieder, denn diese müssen ja an der Erdoberflächer einigermaßen stabil sein, so dass man sie stückig abtragen, zerkleinern und über einge längere Strecke transportieren kann.
Anhand der Mineralkörnchen kann man in vielen Fällen das Liefergebiet einschränken, denn bestimmte Mineralien sind an einen Gesteinstypus gebunden. So liefern vulkanische Gesteine völlig andere Mineralien als beispielsweise ein Gebiet, in dem Granit verbreitet verwittert.
In den Mainsedimenten am Untermain ist das besonders schwierig, da hier ein großes Einzugsgebiet das Material liefert. Und dabei liefern auch Sandsteine wieder Sand, der aus völlig anderen Regionen kommt, als der Main heute. Somit ist das eine sehr bunte Mischung ganz verschiedener Liefergebiete, die mit dem heutigen Mainlauf nichts gemein haben. Liefergesteine sind die Keupersandsteine, die Sandsteine des Buntsandsteins, die miozänen Sande und die sandigen Rotliegend-Sedimente. Weiter gibt es eine Selektion, die dazu führt, dass mit zunehmender Entfernung vom Liefergebiet der harte Quarz dominiert und die weniger harten Komponenten aufgerieben oder gelöst werden.

Nun ist es aber so, dass Sandkörner aus Quarz kaum beim Flusstransport kaum gerundet werden. Die Sandkörnchen sind klein und die Energie beim Aufeinandertreffen, besonders im Wasser, ist gering, so dass kaum ein Abtrag an der Oberfläche erfolgt. Aber wenn selbst bei langen Flüsse und am Meer kaum eine Rundung stattfindet, warum sind dann so viele Sandkörner ganz gerundet? Nun die Antwort ist verblüffend. Das Sandkorn hat mehrere Leben. Einmal entstanden, kann es zu Sandstein fixiert werden und hier findet eine Drucklösung statt, so dass man auch hier eine Rundung erreicht. Dann wieder verwittert, kann das Sandkörnchen erneut transportiert werden. Und so werden Sandkörner ungefähr etwa alle 200 bis 250 Millionen Jahre mal bewegt und dann wieder fixiert, so dass viele Sandkörner schon lange Reisen hinter sich haben. Dann können sie 5 und mehr solche Zyklen absolviert haben (LENZEN 2022:166ff). Also sind die meisten gut gerundeten Sandkörchnen leicht mal 1 Milliarde Jahre alt (siehe das ganz runde Sandkorn auf dem Foto auf dieser Seite ganz oben).

Wenn man davon ausgeht, dass das durchschnittliche Sandkorn am Untermain so ungefähr 1 mg wiegt, dann sind in einer Tonne Sand etwa 1.000.000.000 Sandkörnchen enthalten. Wenn also ein großer LKW mit Auflieger ~25 t Sand über die Straßen transportiert, so hat der im Kipper etwa 25 Milliarden Sandkörnchen geladen (da der Sand in der Regel nass oder feucht ist, sind es etwas weniger). Und wie viele Sandkörnchen liegen dann in den großflächigen Mainsedimenten am Untermain?
 

Typische Sandbestandteile der Mainsedimente am Untermain sind:

Man kann sogar den Sand als forensisches Material ansehen, denn jeder Sand ist anders, so dass es bereits gelang, Sandproben bei Verbrechen als Beweis für den Aufenthalt an einem Ort zu verwenden. Oder man kann die Echtheit oder die Herkunft von Gegenständen bestätigen oder verwerfen, wenn der damit in Zusammenhang stehende Sand nicht stimmig ist.
 

Fotos von Sanden: 

Grobsand
Grober Sand aus dem Mainsand von Großwelzheim (Karlstein a. Main). Wie man an den eckigen Körnern erkennen kann, besteht der Sand zum Teil aus gebrochenem Gut.
Bildbreite 3 cm

Feinsand
Fein
er Sand aus dem Mainsand von Großwelzheim (Karlstein a. Main). Wie man an den eckigen Körnern erkennen kann, besteht der Sand zum Teil aus gebrochenem Gut.
Bildbreite 3 cm

Kaimu Black Sand
Sand von der ehemaligen Kaimu Black Sand Beach auf der Hauptinsel Hawaii, gesammelt am 23.03.1986. Die Beach wurde von einem Lavastrom des Kilauea im Jahr 1990 zerstört. Der bei näherem Hinsehen nicht mehr schwarze Sand besteht aus Olivin, Gesteinsglas, Gesteinbruchstücken, Magnetit und etwas Hornblende,
Bildbreite 2 cm

Korallensand
Auch Hawaii: Sand von der Sandy Beach auf der Insel Ohau (Hawaii). Der weiße Sand besteht aus kleinen Korallenbruchstücken, Foraminiferen und diversen Hartteilen und Schalenbruchstücken von vielen marinen Lebewesen;
aufgesammelt am 11.04.1986.
Es ist der klassische Sand unter Palmen, den man in den Schuhen aus Hawaii hat,
Bildbreite 1 cm

Sand Goldstrand
Sand vom "Goldstrand" am Schwarzen Meer in Bulgarien. Darin sind auch Sandkörner aus dem Spessart, die einst über die Donau dorthin gelangt sind. Neben farblosem bis braunem Quarz, Eisenoxiden und Feldspat sind reichlich Schalenteile von marinen Lebewesen enthalten,
Bildbreite 2 cm

Sahara-Sand
Sahara-Sand aus Lybien, überwiegend aus Quarz-Körnchen bestehend, von Alfred NEUMANN,
Bildbreite 1,5 mm

Quarz-Sand
Gewaschener Quarzsand aus den Mainschottern. Die Körnchen bestehen aus einem weißen bis farblosen Quarz, sind nur angerundet und enthalten Reste von Eisenhydroxiden und Ton in den Rissen und Zwickeln der Körner,
Bildbreite 1,5 mm
Schwersand
Schwersand aus Zirkon, Granat, Eisenoxiden, usw., gewaschen aus dem Sand des Mains,
Bildbreite 1,5 mm
Quarzkristall im Sand
Idiomorpher Quarzkristall als Sandkorn aus dem Sand von Bürgstadt. Man erkennt in der spiegelnden Prismenfläche die typische paralle Streifung quer zur Längsachse. Die Pyramidenflächen sind nicht spiegelnd, so dass der Kristall kaum auffällt,
Bildbreite 1,5 mm
Zirkon-Sand
Schwersand - gewaschen aus dem Sand des Mains, der zum größten Teil aus runden Zirkon-Körnchen und hübschen, meist farblosen Zirkon-Kristallen besteht;
Bildbreite 1,5 mm
Diese winizigen Körnchen enthalten auch Spuren von Uran und Thorium und es sind die Verursacher eines Teils der terrestrischen ionisierenden Strahlung. Eine Schachtel mit dem Zirkon-Sand weist eine leicht messbare ionisierende Strahlung auf, ist also gering radioaktiv.
Magnetischer
                  Sand
Der magnetische Anteil an Sandkörnchen aus dem Mainsand an der Spitze eines Stabmagneten. Die Körnchen bestehen aus Magnetit, Ilmenit, Titanomagnetit, ...
Bildbreite 10 mm
Da ständig kleine Gesteinspartikel aus dem Weltall auf die Erde fallen, fallen die auch auf den Boden und gelangen so in die Sedimente. Bei einer Umlagerung gelangen die größeren auch in den Sand, so dass man diese auch darin finden sollte. Der Nachweis gestaltet sich als schwierig.

Namib-Sand
Grober Sand aus der Wüste Namib in Namibia,
Bildbreite 15 mm
Der Sand führt farblosen Quarz, Gneis, Erz-Körnchen, Chalcedon, Muschelreste, ... Diese sind sehr glatt poliert, was diesen Sand von einem Flusssand unterscheidet. Diese Art der Politur entsteht in der Regel am Ufer des Meeres, wo ein Prozess abläuft, der in der Technik als Trommeln von Edelsteinen bezeichnet wird.

Kieselschiefer
Herzförmiges Sandkorn aus Kieselschiefer inmitten von angerundeten bis runden Sandkörnchen aus Quarz, wie er typisch für Fluss- und Dünensande ist. Entdeckt im Dünensand von Alzenau,
Bildbreite 3 mm

Sandstein
Sandstein aus gut gerundeten Sandkörnern aus dem Oberen Buntsandstein von Lohr. Diese sind sehr gut gerundet, ein Hinweis, dass sie bereits mehrere "Lebens-Zyklen" hinter sich haben,
linear polarisiertes Licht,
Bildbreite 3 mm

Sandkorn
Das gut gerundete, längliche Sandkorn aus milchigem Quarz mit einer leicht narbigen Oberfläche ist 2,5 mm breit und wiegt gerade 4,5 Milligramm, also 4,5 tausendstel eines Gramms. Oder anders, man bräuchte 222 solcher Körnchen um 1 Gramm Quarz zu erhalten. Da es noch ein relativ großes Korn ist, kommen durchschnittlich noch mehr Körnchen auf ein Gramm. Das Sandkorn stammt aus dem Dünensand der Sandgrube von Alzenau,
Bildbreite 2,5 mm
Gersprenzssand
Eiszeitlicher Sand der Gersprenz (ungewaschen) mit reichlich Lössschnecken: oben beschädigtes Gehäuse der Schnecke Tichia hispida und unten links Succinea oblonga. Selten ist auch Pupilla muscorum vertreten. Der sehr grobe bis feine Sand besteht zum größten Teil aus unsortierten Kristallinbruchstücken des Odenwalds in der Kiesgrube der Fa. Krichbaum bei Babenhausen.
Bildbreite 15 mm




Wie alles, kann man solche Sande auch sammeln. In der Region gibt es nach meinem Kenntnisstand (10/2022) nur noch einen Sandsammler in Bad Orb, nachdem Werner STROBEL (*1946 †2021) aus Wörth verstorben ist. Dabei werden meist Freunde und Verwandte gebeten, Sandproben aus der ganzen Welt mitzubringen. Meist geschieht das in den praktischen, bruchsicheren Filmdosen aus Kunststoff der früheren 35-mm-Filme für Dias.
 
Die einzige Sandsammlung in der Region, die öffentlich zugänglich in einem Museum ausgestellt ist, befindet sich im Hessischen Landesmuseum in Wiesbaden. Dort sind ungefähr 600 verschiedene Sande in Glasröhrchen zu sehen.
Sandsammlung
Sandsammlung im Hessischen Landesmuseum in Wiesbaden,
aufgenommen am 08.03.2022




Australischer Sand
Ornamentale Sanddünen im Croajiugolong National Park, Victoria, Australien,
aufgenommen am 02.11.1982


Sandflaschen
Sammlung aus Sandflaschen, meist aus den Ländern Israel, Jordanien und Ägypten. Dabei wird mit verschiedenfarbigem Sand mit viel Geschick ein außen am Glas sichtbares Muster oder Bild erzeugt, welches durch eine pralle Füllung fixiert wird. Der Sand ist teilweise auch anthropogen gefärbt, denn ganz so farbige Sande (besonders das Blau) sind in der Natur ganz selten, ehemals Sammlung von Alf DIETERLE (*16.06.1943 †10.12.2016), Kleinheubach,
aufgenommen am 15.10.2016

Sand Babenhausen
Holozäne Verwerfung (Staffelbruch) im Sand der Kiesgrube am Akazinhof bei Babenhausen. Dies belegt, dass es auch merkliche Erdbeben in unserer Region gibt, deren Risse bis zur Oberfläche durchgepaust werden. Der Geologenhammer ist 40 cm lang und steht rechts der Störung,
aufgenommem am 19.02.2021



Gersprenz-Sand
Der Sand der Gersprenz aus dem nahen Odenwald sieht völlig anders aus als der Sand aus dem Main. Der Anteil an Feldspat und anderen Mineralien wie Hornblende und Glimmer in Sandkorngröße ist wesentlich höher, der Rundungsgrad geringer. Eine Besonderheit ist das sehr reichliche Vorkommen von typischen "Löss-Schnecken", in der Hauptsache die Kleine Bernsteinschnecke (Succinella oblonga), die in Schrägschichtungskörpern einer hochglazialen Serie von groben und feinen Sanden ganze Lagen bilden kann; aufgenommen am 08.06.2021 in der Kiesgrube der Fa. Krichbaumer bei Hergershausen (Babenhausen). Diese Sande wurden mittels Luminiszenz datiert (HOSELMANN et al. 2018:35): 19,8 ± 1,2, 24,0 ± 1,4 und 22,3 ± 1,3 ka, so dass die etwa 8 m hoche Abbauwand in ungefähr 5.000 Jahren während der kältesten Phase der letzten Eiszeit aufgeschüttet wurde. Darunter werden in einem See die Sedimente des Mains gefördert, die hier auffällig wenig Gerölle enthalten. Faustgroße Stücke sind bereits eine Seltenheit, was für eine ferne Randlage des Mains spricht.


Eisenhydroxide
Eisenhydroxide im Sand, ohne Rücksicht auf eine Schichtung, die hier nahezu horizontal verläuft. Gesehen in der Kiesgrube Akazienhof bei Babenhausen am 27.07.2021


Literatur
Autorenkollektiv (1936): Die nutzbaren Mineralien, Gesteine und Erden Bayerns.- II Band Franken, Oberpfalz und Schwaben nördlich der Donau, 509 S., [Verl. R. Oldenbourg und Piloty & Loehle] München.
BEISER, V. (2021): Sand. Wie uns eine wertvolle Ressource durch die Finger rinnt.- 315 S., ohne Abb., [oekom Verlag] München. (in sicher interessantes wirtschafts- und gesellschaftspolitiches Buch über den Rohstoff Sand, aber die deutsche Übersetzung krankt daran, dass kein Geo- oder/und Mineraloge lektoriert hat; es sind zahlreiche Fehler enthalten, die vermutlich bereits im amerikanischen Original enthalten sind und dann noch weitere "Übersetzungsfehler", die aufgrund der Fachfremdheit eingebaut wurden)
EIKAMP, H. (1976): "Blitzröhren" - Bildung von Sand- und Felsfulguriten.- Aufschluss 27, S. 225 - 227, Heidelberg.
KÜHNE, W. G. (1983): Gold für uns aus der Kiesgrube.- Aufschluss 34, S. 215 - 218, Heidelberg.
LENZEN, O. (2022): Das große Buch vom Sand. Die Vielfalt im Kleinen.- 368 S., 553 Abb. als Fotos, Tab. und Zeichnungen [Haupt Verlag] Bern. (genau das Gegenteil vom kommentierten Buch oben: ein rundweg sehr gut gemachtes Buch: Druck, Bindung, Papier, und erst der Inhalt(!) mit den schönen Fotos - ein Vergnügen, das zu Lesen; ich denke es ist das beste Buch im deutschen Sprachraum über Sand)
LORENZ, J. (2019): Steine um und unter Karlstein. Bemerkenswerte Gesteine, Mineralien und Erze.- S. 12 - 13, 17, 32 - 33, 36 - 37, 40, zahlreiche Abb..- in Karlsteiner Geschichtsblätter Ausgabe 12, 64 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Karlstein [MKB-Druck GmbH] Karlstein.
LORENZ, J. & WEIS, T. (2008): Gediegen Gold aus den Mainschottern am Unterman.- Der Aufschluss 59, S. 213 - 219, 4 Abb., 2 Tab., [VFMG] Heidelberg. 
LORENZ, J. & JUNG, J. (2009): Die Mainkiesel. Quarz, Sandstein, Gold und Fulgurite. Ein Beitrag zu den Sedimenten des Maines und seiner Zusammensetzung, der Herkunft und wie man daraus den früheren Mainlauf ableiten kann.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 103. Jahrgang, Heft 6/2009, S. 3 - 29, 85 Abb., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 767ff.
LOTH, G., GEYER, G., HOFFMANN, U., JOBE, E., LAGALLY, U., LOTH, R., PÜRNER, T., WEINIG, H. & ROHRMÜLLER, J. (2013): Geotope in Unterfranken.- Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz Band 8, S. 62,  zahlreiche farb. Abb. als Fotos, Karten, Profile, Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, [Druckerei Joh. Walch] Augsburg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- 336 S. München 1967  
RUTTE, E. (1987): Rhein.Main.Donau. Wie - wann - warum sie wurden. Eine geologische Geschichte.- 154 S. Sigmaringen
SEIDENSCHWANN, G. (1980): Zur pleistozänen Entwicklung des Main-Kinzig-Kahl-Gebietes.- Rhein-Mainische Forschungen Heft 91, 194 S., Frankfurt




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