Gab es in der Eiszeit Gletscher im Spessart?

Die Seite vom
Mineral,
Gestein und
Lebensmittel
Eis.

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
 

Eiszapfen  Eiskristalle auf Diorit   Eis uas Wasser

Links: Beeindruckende, oft meterlange, schöne Eiszapfen bilden sich im Winter,
wenn das Wasser aus den Felswänden der Steinbrüche des Spessarts austritt
und wegen des Frostes gefriert.
Mitte: Fiederförmige Eis-Kristalle auf Diorit, gebildet beim Austritt feuchter Luft
und tiefem Frost, aufgenommen am 30.1.2011 bei Waldaschaff.
Rechts: Eis als dünne Schicht auf dem Wasser einer Pfütze im Steinbruch,
aufgenommen bei Bessenbach am 26.02.2011.


Eis & Sonne
Traumhaft. Kälte, Eis, Schnee & Sonne mit den Spuren der Nacht.
aufgenommen bei Rottenberg am 06.01.2017


In der Natur kommt Wassereis weit verbreitet und in sehr großen Mengen vor:

auch wenn man davon in unseren Breiten nur im Winter Notitz nimmt. Aber es kann im ganzen Jahr auftreten in fast allem Monaten (außer August) kann die Lufttemperatur selbst am Boden unter den Gefrierpunkt von 0° C fallen. In größeren Höhen der Atmosphäre ist es immer so kalt, dass es zur Bildung von Eis kommt. Der Beweis dafür sind Begungserscheinungen des Sonnenlichtes an Eiskristallen, so wie hier in einem Kreis von 22°.
Halo
Eine 22°-Halo mit der Sonne im Zentrum,
durch die Hand abgedeckt

Die Eiskristalle müssen alle in einer bevorzugten Richtung in der Luft orientiert sein, so dass eine Halo entstehen kann. Wenn dies nur gering ausgeprägt ist, dann sieht man die häufigeren Nebensonnen als helle Flecken neben der Sonne. Anders als beim Regenbogen muss man zur Beobachtung immer gegen die Sonne schauen: Vorsicht, denn man kann sich blenden und am besten deckt man die Sonne mit Handfläche ab. Halos sind nicht so selten wie man denkt und treten meist in hohen, dünnen Wolken auf, wenn das Wetter umschlägt. Solche Beugungserscheinungen sind als Höfe auch um den Mond zu sehen.


Schneekristalle
Schneekristall, ca. 2 mm groß

Der Name Eis kommt vom Mittelhochdeutschen "is" (wie im heutigen Island - Name!) und ist in unserer Sprache stark vertreten:
Blitzeis • Blockeis • Bodeneis • Eis • Eisabgang • Eisablation • Eisabwehr • Eis-Albedo-Rückkopplung • Eisansatz • Eisaufbruch • Eisbahn • Eisbank • Eisbär • Eisbarriere • Eisbecher • Eisbedeckung • Eisbeil • Eisbein • Eisbekämpfung • Eisberg • Eisbergflotte • Eisbeutel • Eisbewegung • Eisbildung • Eisblänke • Eisblase • eisblau • Eisblink • Eisblock • Eisblume • Eisblumenglas • Eisboden • Eisbohrung • Eisbombe • Eisbrecher • Eisbrecherflotte • Eisbrei • Eisbrevier  • Eisbruch • Eisbrücke • Eisbucht • Eiscafe • EISCAT • Eischreme • Eisdecke • Eisdessert  • Eisdicke • Eisdiele • Eisdienst • Eisdom • Eisdruck • Eisdruck-Strandwälle • eisen • Eiserzeugung • Eiseskälte • Eisessig • Eisfahrt • Eisfalte • Eisfalter • Eisfarben • Eisfeld • Eisfische • Eisfischerei • Eisfjord • Eisfläche • Eisflanke • eisfrei • Eisfront • Eisfuchs • Eisfuß • Eisgang • Eisgänger • eisgekühlt • Eisgetränk • Eisglas • Eisglätte • eisgrau • Eisgrenze • Eisgruppe • Eisgürtel • Eishai • Eishaken • Eishammer • Eishaut • Eisheilige • Eishochwasser • Eishöhle • Eishorizont • eisig • Eisinsel • Eisjacht • Eisjagdkultur • Eiskaffee • Eiskalotte • eiskalt • Eiskappe • Eiskeil • Eiskeilgenereation • Eiskeilhorizont • Eiskeilnetz • Eiskeilpolygon • Eiskeilpseudomorphosen • Eiskeim • Eiskeller • Eiskern • Eiskernbohrung • Eisklappe • Eiskliff • Eiskluft • eisklüftig • Eiskockey • Eiskonfekt  • Eiskorn • Eiskörper • Eiskraut • Eiskrautgewächse • Eiskristall • Eiskunstlauf • Eiskünstläufer • Eiskuppel • Eisküste • Eislagenzählung • Eislast • Eislauf • eislaufen • Eislawine • Eislinsenbildung • Eisloben • Eismächtigkeit • Eismann  • Eismaschine • Eismasse • Eismeer • Eismeerstraße • Eismeerdampfer • „Eismitte“  • Eismonat • Eismond • Eismöwe • Eisnadeln • Eisnebel • Eispalast • Eispapier • Eispartikel • Eispflug • Eispilz • Eispressung • Eispulver • Eispunkt • Eisrandablagerung • Eisregen • Eisrevue • Eisriesenwelt • Eisrindeneffekt • Eisrinne • Eisruck • Eissalat • Eissäule • Eisscheide • Eisschelf • Eisschicht • Eisschießen • Eisschild • Eisschlamm • Eisschlitten • Eisschmelze • Eisschnellauf • Eisscholkolade • Eisscholle • Eisschrank • Eisschraube • Eisschubberge • Eisschürze • Eissegeln • Eisspeedway • Eisspeisen • Eissport • Eissprosse • Eisstadion • Eisstalagmit • Eisstalagtit • Eisstand • Eisstausee • Eisstauung • Eisstockschießen • Eisstromnetz • Eissturmvogel • Eissurver • Eistag • Eistanz • Eistaucher • Eisumschlag • Eisvenen • Eisverbreitung • Eisverdunstung • Eisverschluß • Eisversetzung • Eisverstärkung • Eisvogel • Eisvögel • Eisvorhersage • Eiswarndienst • Eiswasser • Eiswein • Eiswolke • Eiswolle • Eiswürfel • Eiswüste • Eiszapfen • Eiszeit • Eiszeitalter • Eiszeitkunst • eiszeitlich • Eiszerfallslandschaft • Eiszunge • Filchner-Schelfeis • Flankenvereisung • Flankenvereisung • Flockeneis • Flugzeugvereisung • fossiler Eiskeil • Glatteis • GletschereisHaareis • Höhleneis • Inlandeis • Inlandeis • Kammeis • Klufteis • Kunsteisbahn • Landeis • loseisen • Meereis • Milchspeiseeis • Neueis • Packeis • Piccolo-Eiskühler  • Polareis • Preßeisrücken • Randeis • Ross-Schelfeis • Schelfeisküste • Schelfeisrand • Scherbeneis • Seeeis • Speiseeis • Speiseeisbereiter  • Tafeleisberg • Toteislöcher • Treibeis • Vereisung • Wassereis • Welteislehre  • Zwischeneiszeiten  • ......
Die Liste ist sicher nicht vollständig


Mengenmäßig sind ca. 92 % des Welteisvorrates in der Antarktis und 7 % in Grönland fixiert (ca. 32 Millionen km³). Der Rest von ca. 1 %  sind dann alle Alpengletscher, alle Eismassen in Spitzbergen, Alaska, Himalaya und aller Schnee im Winter,  ....

Großer Aletschgletscher, Schweiz
Der große Aletschgletscher in der Schweiz, mit 15 km³ Eis und 22 km Länge der größte in den Alpen.
aufgenommen im August 1993 

In der Natur auf der Erde gibt es nur eine Sorte Wassereis, das Eis der Strukturvariante Eis-1h. Es kristallisiert hexagonal (Schneestern!) und wird mit zunehmender Kälte immer härter. Im Labor kann man unter Druck und anderen Temperaturen weitere Eisvarianten erzeugen und auf den Planeten des Sonnensystems kommen auch andere Eisvarianten (~phasen) und in einer amorphen Phase vor.

Struktur des Eis
Die Struktur der Eis-1h
(große Kugeln Sauerstoff,
kleine Kugeln Wasserstoff)
Eis ist per Definition ein Mineral (kristalline und natürlich; kann auch als monmineralisches Gestein wie bei den Gletschern auftreten), aber nicht zu sammeln, es sei denn mit dem Fotoappart. Dabei kann es durchaus Sinne machen, statt der üblichen Mineralien sich für die Schönheit der Kälte zu begeistern.

Der verschneite und kalte Steinbruch Luftblasen im Eis!
Der verschneite Steinbruch in Hemsbach an einem bitterkalten Tag (08.02.2003) im Winter
und daneben Luftblasen, gefangen in der ca. 15 cm dicken Eisschicht einer Kiesgrube.
 

Frischer Schnee (Bildhintergrund) besteht aus den Schneekristallen, die oft schon in der Luft zu Schneeflocken zusammenkleben. Nachdem sie auf den Boden liegen, beginnt eine Metamorphose. Da der Boden wärmer ist, die Luft schnell abkühlt, gibt es ein Temperaturgefälle in der Schneedecke. So verdampft ein Teil der ganz kleinen Schneesterne und der Wasserdampf steigt nach oben und trifft auf die Kristalle an der Oberfläche, wo es insbesondere Nachts sehr kalt werden kann. Hier wachsen die Schneekristalle, wenn es tagsüber kalt bleibt, bis zu cm-großen, federartigen Kristallen heran. Infolge eines immer vorhandenen Verlustes an die Atmosphäre nimmt dabei die Schneedicke ab, ohne dass der Schnee schmelzen muss, er sublimiert einfach.

Wird die Schneeschicht dicker und wird kompaktiert, bildet sich Firn und daraus nach Jahren dann das massive Gletschereis. Ist es dick genug, beginnt es unter dem eigenen Gewicht plastisch zu werden und "fließt".
 

Es gab immer schon kältere und wärmere Phasen der Erdgeschichte. So war das südliche Afrika in der permokarbonischen Eiszeit vergletschert und aus dem Eis ausgeschmolzene Steine ("dropstones" ) fand man in Sedimentgesteinen Thüringens. Vor ca. 2 Millionen Jahren wurde es nach einer langen warmen Periode kälter und es kam zur Bildung von Gletschern in Skandinavien, die bis nach Deutschland reichten. Kältere und wärmere Perioden wechselten sich ab und hinterließen Sedimente, die nach Flüssen benannt wurden. Die letzte Kaltphase (Würm bzw. Weichsel) endete vor ca. 20.000 Jahren und hinterließ bei uns neben den Hangschutten, Felsfreistellungen, Kies und Sand auch den Löss

Im Spessart gab es während der letzten Kaltzeiten keine Gletscher, sondern nur eine offene und baumlose Tundrenlandschaft ("Kältesteppe") wie im heutigen Nordskandinavien.
Bevölkert von sehr wenigen - oder in den kältesten Phasen keine - Menschen, gab es Mammute, Wollnashörner, Rentiere, Moschusochsen, .... Der Boden war metertief gefroren und taute im Sommer nur gering auf. Dabei wurde der Boden an den Hängen mobil und er kroch talwärts; diese Böden nennt man solifluktiv umgelagert. Über den Wind wurde Staub herangetragen und deponiert, den wir heute Löss nennen.

In den Ton- und Lehmgruben des Spessarts konnten solche glazialen Formen und Spuren überall beobachtet werden. Im Winter froren die Flüsse bis auf den Grund zu und die tauenden Eismassen konnten große Steine transportieren. Sie werden bei Hausbauten und in Kiegruben als "Findlinge" ausgesondert und meist zur Gartengestaltung verwandt. Der größte Teil ist inzwischen durch menschliche Aktivitäten verschwunden.
 
Eis Stahlstich
Eisberge im Südpolarmeer. Stahlstich aus LEONHARD (1846:203), entstanden in
einer Zeit als es gerade 20 Jahre her war, dass jemand das Festland der Antarktis
betreten hatte. Die Erforschung begann erst im 20. Jahrhundert.


Eisberge in Island
Große Eisberge im See Jökulsarlon am riesiegen GletscherVatnajökull an der
Südküste von Island - sie erinnern an ein berühmtes Gemälde von Kaspar David FRIEDRICH.
Die Schwärze ist eingeschlossene Vulkanasche,
aufgenommen am 09.08.2002.


Sie sind jetzt aufmerksam und neugierig geworden? Dann hören Sie die noch mehr Fakten zum Eis auf einem Vortrag mit schönen Bildern.

Schnee an Ostern 2008
Wenn man an den frühen Ostertagen 23.03.2008 in die Steinbrüche des Spessarts wollte (wie hier in Sailauf), wurde man von einer dicken Neu-Schneeschicht überrascht, die in den folgenden Tagen noch bis auf ca. 30 cm anwuchs. Trotz der gegenwärtigen Klimadiskussion hält sich das Wetter nicht an kalendarische Regeln und damit einfach chaotisch in weiten Grenzen, so dass es mit der lokalen Vorhersage auch schwierig bleibt. Einmal mehr war der März damit der schneereichste Monat in der Region - und nicht der Dezmeber mit Weihnachten.
 

Gedanken zum Wetter (was viele Medien mit Klima verwechseln).
Das Wetter ist grundsätzlich chaotisch und damit so schwer vorhersagbar - auch weil es in der Zukunft liegt. Da es keinen Kalender kennt, treten die gewünschten Wetterlagen kaum zur richtigen Zeit auf. Also im November und Anfang Dezember kalt, dann zu Weihnachten wärmer und kein Schnee und zum Jahreswechsel wieder kalt - oder eben auch nicht. Das war früher auch so, wird nur einfach vergessen, das menschliche Gedächtnis kein Recorder ist, der ungefiltert aufzeichnet.
Treibeis auf dem Main Eisvorhang
Zu Beginn 2009 kam der Winter, wie ihn die "Klima-Panikmacher" in den Medien kaum erwartet haben. Nach einem flächendeckenden Schneefall folgte keine Westfront, die binnen Tagesfrist alles wieder wegtaut, sondern es blieb kalt und wurde noch kälter. In Dettingen zeigte das Minimalthemometer 2 m am 07.01.2009 über dem Boden -18 °C, man kann man Treibeis auf dem Main sehen (siehe oben zwischen Dettingen und Mainflingen), auch tagsüber waren es immer noch -6 °C, mit anhaltender Tendenz. Die Stellen in Steinbrüchen, die ein wenig Wasser führen, werden zu Orten mit schönen Eiszapfen, die auch mehrere Meter lang werden können. Der Schnee schmolz nicht, sondern sublimiert (geht also ohne zu schmelzen in den gasförmigen Zustand über) weg. In den schattigen Ecken wo die Wintersonne nicht hinkommt, wächst der Schnee, da hier die Luftfeuchtigkeit als Eis nieder geschlagen wird. 

Es ist eigentlich klar, aber wie viele Dinge komplex und schwer erklärbar. Wenn die Jahresmitteltemperatur um 0,X °C höher oder niedriger wird, dann ist das die Summenkurve eines Jahres (dann müsste man noch unterscheiden an einem Ort, viele Orte oder gemittelt auf eine bestimmte Fläche, z. B. Deutschland). Einzelne Tage spielen dabei kaum eine Rolle, da es ja bis zum Jahresende 365 Tage sind. Diese Abweichungen sind kaum "fühlbar". Trotzdem werden mit einer frappierenden Regelmäßigkeiten die vergangen Monate als "zu warm" beschrieben und die Mittelwerte dann mit dem Zeitraum verglichen, der zu einem passenden Ergebnis führt. Und es gibt immer einen Zeitraum, für den der Monat, ein Sommer oder ein Winter "zu warm" war. Hier wird nach meine Meinung kräftig geschönt, was zwar im beschriebenen Fall stimmen mag, aber hingetrickst ist, da man die Vergleichszeiträum willkürlich aussucht.

Eis auf Main in Aschaffenburg 2009
Nach 3 Wochen bitterer Kälte - da werden Erinnerungen an die Werke niederländischer Maler wach. Der Main bei Aschaffenburg am 16.01.2009 von der Mainbrücke gegen das Schloss gesehen.
Das bis zu 30 cm dicke (nach Zeitungsaussagen) Eis war tragfähig und so liefen Menschen übers Eis - man achte auf den dunklen Streifen quer über den Main (ich wäre da nie drüber gelaufen).
Das mit ca. 1 cm Schnee bestäubte Eis bestand zunächst aus Eisschollen, die dann zusammen gefroren sind (eine Art Eisbrekzie). Zuletzt konnte man dies 1982 und vorher 1980 anschauen.
Die Schifffahrt musste eingestellt werden, da kein Fortkommen mehr möglich war.

Schneeengel
"Schneeengel" mit Halos aus dem Flugzeug auf dem Flug von Mailand nach
Frankfurt,
aufgenommen am 28.04.2009
Das Licht der hoch (über dem Bildrand) stehenden Sonne wird dabei an den waagrecht in der Luft schwebenden Eisplättchen in den Wolken reflektiert (Spiegelung), so dass ein gleißend heller Fleck entsteht, der als Snowangel (Schneeeengel, HELLING 2013:82f) bezeichnet wird. Die in der Luft befindlichen Eiskristalle brechen das Licht dieser Erscheinung und erzeugen beiderseits Halos.

Und 2010?
Nach einem schneereichen Winter 2009/2010 konnte man im Dezember 2010 spüren, dass die langfristigen Wettervorsagen nicht funktionieren. Früh kam der Schnee und blieb zumindest in den höheren Lagen dauerhaft liegen. Kurz vor Weihnachten das übliche Tauwetter und pünktlich zum 24.12.2010 ging der Regen am späten Nachmittag in Schnee über und am 25.12.2010 hatten wir 15 cm pulvrigen Neuschnee im Maintal! Dazu weiter Frost und weiteren Schnee mit herrlichem Schneetreiben. Und die üblichen Begleiterscheinungen: Fußgänger schimpfen über Schnee und Matsch, genervte Autofahrer, "gestrandete" Fluggäste und liegen gebliebene Bahnfahrer. Und alle glauben, dass es mit dem Schnee im menschlichen Handeln ganz normal weiter gehen muss. Hier ist einfach etwas mehr Geduld und Nachsicht notwendig - der Schnee und das Eis haben auch außerhalb der Wintersportgebiete ihre schöne Seiten (z. B. bei einer Wanderung - mit geeignetem Schuhwerk). Aber der Schnee war nur mit Wolken verbunden, wir hatten über 2 Wochen so gut wie keine Sonne. 

Schnee 2010  Schnee Dettingen
Links. Der Main bei Dettingen im Schneetreiben am 26.12.2010. Rechts: Die Bundesstraße 8 in Dettingen in Richtung Kleinostheim mit Schnee!

Und 2012? Zunächst prognostizierten die Medien mit Verweis auf "Fachleute" noch im Janaur 2012 dass es keinen Kernwinter mehr geben kann! Dann kam der Frost mit bis zu -15° C, viel Sonne und einem kalten Ostwind und hielt mind. 2 Wochen an. Der Main führte Treibeis. Da kein Schnee lag, erwärmte die Sonne den Boden, so dass die Temperaturen tagsüber auf ca. -5° C ansteigen konnten.


Haareis
cm-langes Haareis an einem Holzstängel bei Frammersbach,
aufgenommen am 20.02.2011

Haareis kann man in der Regel an Hölzern beobachten. Dazu muss es nach einer Regenperiode einen mäßigen Frost über mehrere Tage geben. Dann wachsen aus dem Holz entlang von Rissen und Poren haarfeine Eisnädelchen von bis zu einigen cm Länge. Die filigranen Gebilde sind sehr empfindlich gegenüber Berührung, Wärme und Sonnenlicht. Dabei wird das im Holz befindliche Wasser aus dem Holz in Eis umgesetzt und infolge der Kapillarkräfte wird so lange Wasser nachgeliefert, bis die Bildung bei zu strengem Frost zum Erliegen kommt. Mit Pilz(myzelien) durchsetzte Hölzer zeigen die Erscheinung besonders gut, da diese größere Mengen Wasser speichern als Hölzer ohne Pilze.
Die Bildung von haarförmigen Kristallen sind aus dem Mineralreich hinreichend bekannt, denn haarförmige Mineralien sind weit verbreitet (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Halit, Gips, Malachit, Amphibole, Kaliumnitrat, gediegen Silber, Antimonit, ...


Eisfall
Eisfall bei Waldaschaff, aufgenommen am 26.02.2011.
Es ist ein Produkt am Nordhang der Felsen nach tagelangem Frost und fehlender Sonne, so dass das zwischen Bröckelschiefer und Diorit austretende Wasser gefrieren kann. Der "Eiswasserfall" bildete sich während des strengen Frostes Anfang Februar 2012 neben der Autobahn erneut. 

Eismain 2012 Eis auf dem Main
Und am 11.02.2012 war der Main in Aschaffenburg wieder zu gefroren. Nur wenige Stellen blieben aufgrund der Strömung am Tag eisfrei.
Nach zwei Wochen mit Temperaturen von nachts bis -18° C und tagsüber trotz Sonne nur ca. -5° C friert auch der Main zu -
Eis soweit das Auge reicht.


Trotz der gegenteiligen Prognosen begann der Winter 2012/2013 mit Schnee und teils strengem Frost, so dass sich in den Steinbrüchen Eisezapfen ausbildeten.
Eiszapfen
Meterlange Eiszapfen, teils schräg und sich verzweigend in der Wand des Rhyoliths von Sailauf,
aufgenommen am 13.12.2012  

Eisregen entsteht, wenn eine Warmfront auf bodennahe Kaltluft aufgleitet und der Regen in der kalten Luft gefriert. Sind Kristallisationkeime vorhanden, so bilden die runde Kügelchen oder Graupel. Fehlen diese, dann fällt das unterkühlte Wasser bis zum Boden, um dort schlagartig zu gefrieren.
Beide Niederschlagsphänomene haben massive Auswirkungen auf den Verkehr. Bei entsprechend dicker Eisauflage auf den Straßen kann man weder mit dem Auto fahren noch sich als Fußgänger sicher bewegen (es sei denn, man verwendet Spikes). Auch Flugzeuge können nicht mehr enteist werden und die Bahnen haben Probleme, wenn die Oberleitungen vereist sind.

Eisregen  Eisregen
Nach einer Kälteperiode kam es am Nachmittag, des 20.02.2013 zu einem Eisregen, bei dem der Regen zu kleinen Kügelchen gefror. Links über dem 
durch das Moos durchgepausten Stein eines Verbundpflasters, rechts im Ausschnitt ist der eingelegte Maßstab 1 cm³ groß. Die Besonderheit sind die
2 - 3 mm großen und völlig klaren Eiskügelchen, wie Glasperlen. 

Lohwwald bei Offenbach
Die Region Rhein-Main präsentierte sich winterlicher als der Hochspessart,
am Lohwald mit den Eichen bei Offenbach.
aufgenommen am 24.01.2013

Der Grund liegt darin, dass am 20.1.2013 zunächst der Eisregen die Bäume und Sträucher nässte bzw. mit einer dünnen Schichts Eis überkrustete. Dann fielen die Eisperlen (siehe oben), darauf neuerlich etwas Regen und anschließend nochmals ca. 8 cm Neuschnee. Der war erst nass und dann in der Nacht zum Montag pulvrig. Die "klebrige" Unterlage sorgte dafür, dass der Schnee auf allen Zweigen udn Nadeln hängen bzw. liegen blieb. Die Auflage war dauerhaft, während im Hochspessart die Schnee wieder von den Zweigen geweht wurde, weil hier kein Eiseregen fiel. Da der Verbund dauerhaft vom Frost und der Sonne durch Wolken bewahrt wurde, präsentierte sich die tief liegende Region in einem dauerhaften Weiß, welches über eine Woche lang zu sehen war.

Graupel
Überfrorene Graupel, Man erkennt noch Schneesterne, an die sich winzige
Wasertröpfchen angelagert haben, so dass das weiße mehr oder minder
rundliche Eisgebilde wurden, Bildbreite 3 cm.
aufgenommen am 07.02.2013.

Schneefamilie
Das Bauen von Schneemännern hat eine lange Tradition. Hier wurde eine ganze Schnee-Familie erbaut; man beachte die
Schneefrau im Bikini!
Aufgenommen am 24.02.2013 in einem Garten in Rottenberg.


Offenbach Schnee
Das Rhein-Main-Gebiet wurde am Deinstag, den 12.03.2013 von einem großen Niederschlagsgebiet ganz langsam überquert, welches an einem Tag mit heftigem Schneefall und nicht gefrorenem Boden mehr als 15 cm Neuschnee hinterließ. Dies führte in der Schnee nicht gewohnten Region zu chaotischen Verkehrsverhältnissen, so dass man unverständlicherweise in Offenbach und Frankfurt sogar den Bus- und S-Bahnbetrieb einstellte. Es schneite so heftig, dass das ausgstreute Tausalz nicht in der Lage war, den fallenden Schnee bei -3 bis -4 °C  abzuschmelzen, so dass sich auch die viel befahrenen Aufallstraßen in einem Weiß zeigten. In den Mittelgebirgen der Umgebung war dagegen deutlich weniger Schnee gefallen. Die folgenden Tage waren von starkem nächtlichen Frost mit unter -10 °C geprägt, so dass man durchaus von einem "Märzwinter" sprechen konnte.


Schwarzbachtal mit Reif Reif
Der Winter 2013/14 begann im Spessart mit leichtem Schneefall und Reif - der Nebel wich am 26.11.2013 auch tagsüber nicht und so wuchsen bei
leichtem Frost die Eiskristalle weiter; so wie hier im Schwarzbachtal östlich von Hain i. Spessart.

Schnee am Bach
Und trotz der dauerhaften Diskussion um das sich erwärmende Klima gab´s auch 2014 wieder grüne Weihnachten; die Winter der letzten Jahre sind vergessen. Aber am 27.12.2014 zog ein großer Wolkenwirbel über den Westen Deutschlands und hinterließ eine geschlossene Schneedecke - siehe oben am 28.12.2014. Da der nachweihnachtliche Reiseverkehr begonnen hatte, stauten sich die Fahrzeuge auf der Autobahn A3 über den Spessart in beide Richtungen auf 45 km!
 

gefrorener Schlamm
Fast eine Kunstwerk. Dünnflüssiger Schlamm, bei -3° C gefroren zu einem federartigen Muster in Braun,
aufgenommen am 24.01.2015 auf der Tunnelbaustelle südlich von Hain. 

Schnee im Wald
Auch wenn im Sommer 2015 ein strenger Winter angekündigt wurde - er kam nicht und schon gar nicht zu Weihnachten. Aber Mitte Januar 2016 fiel der Niederschlag als Schnee und blieb infolge der klaten Luft liegen. Das Bild zeigt einen naturnahen Rotbuchenwald mit Alt- und Fallholz bei Hain, 
aufgenommen am 17.01.2016. 


Mondhalo
Kreisförmiger 22°-Ring, Halo genannt (umgangsprachlich aus als "Hof"
bezeichnet) um den Mond,
aufgenommen in der ägyptischen Ostwüste am 18.02.2016.

Wenn Eiskristalle in großer Höhe (8 - 10 km) von der Luftströmung eingeregelt werden, können sie (farbige) Lichtbrechungserscheinungen hervorrufen. Im Gegensatz zum Regenbogen muss man gegen die Lichtquelle (Sonne, Mond) schauen und dann sind es meist helle Kreise, die man sehen kann. Diese Lichterscheinungen werden als Halo bezeichnet. Je nach der Form der Eiskristalle und deren Orientierung zwischen Beobachter und Lichtquelle können auch mehrere Ringe, Knoten (Nebensonnen) und Kombinationen daraus sichtbar sein. Wenn es zu wenige Eiskristalle sind, dann ist die Lichterscheinung schwach, wenn es zu viele sind, absorbieren die Massen das Licht, so dass es nur unter den seltenen, optimalen Bedingenen klappt. Diese Erscheinungen sind in der Regel meist nur Minuten bis Stunden zu sehen. Sie sind nicht selten, werden aber meist nicht als solche erkannt. 


Eislinsen
Kleine Eislinsen mit strahligem Aufbau als Sublimationsprodukt auf dem Boden;
die einzelnen Disken haben einen Durchmesser von ca. 15 mm,
gesehen auf der Tunnelbaustelle bei Hain am 04.12.2016



Literatur:
BARRY, ROGER & GAN, THIAN YEW (2011): The Global Cryosphäre. Past, Present and Future.- 472 p., wenige Abb., teils auf Farbseiten, [Cambridge University Press] New York.
BENN, DOUGLAS I. & EVANS, DAVID J. A. (1998): Glaciers & Glaciation.- 734 p,
BENTLEY, W. A. & HUMPHREYS, W. J. (1931): Snow Crystals.- 2nd. Ed., 226 p, Nachdruck der originalen Ausgabe mit 2453 Abb. von Schee- und Eiskristallen, [Dover Pulbic.] New York 1995 BOETZKES, MANFRED, SCHWEITZER, INGEBORG & VESPERMANN, JÜRGEN (Hrsg.) (1999): EisZeit Das große Abenteuer der Naturbeherrschung.- 283 S., Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, zahlreiche Abb., Profile, Karten, Diagramme, [Jan Thorbecke Verlag] Stuttgart
EDMAIER, BERNARD & JUNG-HÜTTL, ANGELIKA (1996): Eisige Welten  Im Kosmos der Minusgrade.- 160 S., BLV-Verlag
FRAEDRICH, WOLFGANG (1996): Spuren der Eiszeit Landschaftsformen in Europa.- 184 S.,
GLASER, RÜDIGER (2001): Klimageschichte Mitteleuropas 1000 Jahre Wetter, Klima und Katastrophen.- 227 S., 71 Abb. als zahlreiche Diagramme, Fotos., Skizzen und Tabellen, [Primus Verlag] Darmstadt. 
HELLING, C. (2013): Wolken.- 96 S., viele farb. Abb. als Fotos und Diagramme, [Primus Verlag] Darmstadt. 
HINZ, C. & HINZ, W. (2015): Lichtphänomene Farbspiele am Himmel.- 216 S., sehr viele farb. und großformatige Abb., [Oculum-Verlag GmbH] Erlangen.
KUHLE, MATTHIAS (1991): Glazialgeomorphologie.- 241 S., 95 Abb., [Wissenschaftliche Buchgesellschaft] Darmstadt
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 218ff, f623f.
MARCINEK, J. & ROSENKRANZ, E. (1988): Das Wasser der Erde  Eine geographische Meeres- und Gewässerkunde.- 318 S.,
NEES, GERHARD & KEHRER, HERMANN (2002): Alzenauer Wetterchronik  Die interessantesten Wetterereignisse in Alzenau, im Kahlgrund und am Untermain von 365 bis 1999.- 531 S., 173 Abb., 19 Tab., 3 Karten, [Reinhold Keim Verlag] Großkrotzenburg
PETRENKO, VICTOR F. & WHITWORTH, ROBERT W. (2002): Physics of Ice.- 373 p., zahlreiche Fig., Tab., [Oxford University Press] Oxford GB
WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF [Hrsg.] (2013): Schnee.- 160 S., zahlreiche Abb., Karten [Wissenschaftliche Buchgesellschaft] Darmstadt. 


Neuschnee auf einem Acker



Maiweg Briefmarken
Österreichische Briefmarken mit Schneekristallen aus dem Jahr 2009,
ausgestellt von Niels Maiweg in einer Ausstellung während der 18. Mineralienbörse in
Ober-Olm bei Mainz am 18.11.2012 (Veranstalter ist der Georgius Agricola Verein e. V.)


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