von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Der Steinbruch F. G. SCHMITT am Ortsrand von Altenmittlau
um 1980 -
ein Bild aus der Zeit der guten Funde
- die bekannteste Azurit-Fundstelle in Deutschland
Links: Tiefblauer Azurit-Kristalle auf braunem Dolomit, Bildbreite ca. 5
mm.
Rechts: Wohl eines der größten Azurit-Aggregate aus Altenmittlau,
Bildbreite 7 cm, Slg. HAPPEL, Mainaschaff.
Um 1986 wurden umfangreiche fossile Belege von Volzia hexagona mit weiblichen und männlichen
Zapfen an den Zweigen gefunden.
Lage:
Großer und flächenmäßig sehr ausgedehnter
Steinbruch im Zechstein-Dolomit am östlichen Ortsrand von Altenmittlau,
zur Gemeinde Freigericht gehörend (TK 5820 Langenselbold R 1055 H
5625, siehe Okrusch et al. 2011, S. 216, Aufschluss Nr. 110), ca. 10 km
östlich von Gelnhausen im hessischen Teil des Spessarts. Die Zufahrt
zum Steinbruch befindet sich an der Straße nach Horbach hin - ein
Schild SERVATOR weist den Weg.
Hinweise für Interessenten (Nostalgiker):
Der Besuch des Steinbruches lohnt sich seit 1997 nicht mehr, da
aufgrund von Schwierigkeiten mit der Gemeinde und den Behörden kein
geregelter Abbau des Dolomites mehr stattfindet. Nach dem Tod von Franz-G.
SCHMITT im Dezember 1998 ging die Fa. Schmitt im September 1999 in Konkurs.
Zur Zeit findet deshalb auch kein Abbau statt - und es wird auch keinen
mehr geben. Der Steinbruch sieht heute wie eine Bauschuttdeponie aus. Höffiger
Zechstein-Dolomit ist an keiner Stelle mehr aufgeschlossen, der zuletzt
im Abbau stehende Teil des Steinbruches wurde inzwischen fast gänzlich
verfüllt:
Der Steinbruch im Zustand der Rekultivierung als Panoramabild,
aufgenommen am 15.07.2006, Bildwinkel ca. 230°
Der Steinbruch am 22.12.2012 vom gleichen Standort in einer ähnlichen
Perspektive
Kuriosum:
Die Azurite aus Altenmittlau sind weithin bekannt. Als Kuriosität
ist zu berichten, dass man eine Briefmarke des westafrikanischen Staates
Guinea mit einem Azurit auf Dolomit von Altenmittlau versehen hat. Man
verwendete dazu die Raubkopie eines Bildes aus einem Mineralienbuch:
Briefmarke mit Azurit aus Altenmittlau
Es handelt sich um einen großen Block (hier der Ausschnitt mit dem Azurit von Altenmittlau) einer Serie mit mehreren Werten und weiteren Mineralien. Die Briefmarke hat einen Wert von 750 Guinea-Franc.
Im Heimatmuseum des Geschichtsvereins von Freigericht sollen
Mineralien aus
Altenmittlau zu sehen sein.
In der Presse war angekündigt, dass das Museum am 08.03.2009
offen hat -
als ich um 14 Uhr davor stand, waren Zettel angeklebt: Geschlossen!
Erst an
Ostern habe man wieder auf. Kein Hinweis auf eine Telefonnummer
oder so
was für die weiter angreisten (potentiellen) Besucher. So
fuhr ich 40 km umsonst
und kann Ihnen nichts berichten.
Damit teil das Museum das Schicksal vieler ähnlicher Einrichtungen,
da sie fast immer
geschlossen sind. So kann man das Museum in Bad Orb sinnigerweise
nur donnerstags (!)
besuchen.
Mineralien und Fossilien Museum in Gründau-Lieblos
des Kinzigtaler Mineralien Club e. V. an der Gelnhäuser Str. 2 in
63548 Gründau-Lieblos. Hier wurde seit 2006 das 1823 errichtete Gebäude
der alten Schule unter Aufwändung von über 5.000 Arbeitsstunden
des Vereins einschließlich eheblicher Geldmittel und mit einem Finanzbedarf
seitens der Gemeinde von 285.000 € restauriert. In dem schmucken Fachwerkhaus
auf einem Sandsteinmauerwerk sind in zahlreichen Vitrinen auf 2 Stockwerken
ca. 2.000 Mineralinen, Fossilien und Gesteine ausgestellt. Der Schwerpunkt
bildet die Sammlung von Herrn Erich Latschenberger und die Fossilien von
Herrn Reitz. Eigene Vitrinen sind mit Funden aus der Grube Messel, dem
Spessart und Odenwald gefüllt. Ins Auge fallen zwei Virtinen mit
schmucken Achatscheiben mit Hintergrundbeleuchtung und eine Bilderausstellung
des Vereins. Im Anbau befindet sich ein Clubraum mit einer Bibliothek und
im Keller besteht die Möglichkeit der Steinbearbeitung in einer Werkstatt.
Beachten Sie bei einem Besuch auch die Hochwassermarke vom 29.05.1911
- fast auf den Tag genau 100 Jahre vor der Eröffnung des Museums am
28.05.2011. Neben dem Vermerk im Sandstein befindet sich ein Schild aus
Messing.
Das Museum ist nach Absprache (Tel. 06051/7897172 oder info@kinzigtaler-mineralienclub.de)
und immer am 2. Sonntag im Monat von 14 - 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt
ist frei, jedoch freut man sich über eine Spende.
Die Eröffnung fand am 28.05.2011 mit einer musikalischen Untermalung
und durch Bürgermeister Heiko Merz bei strahlendem Sonnenschein statt.
Dabei war es der 35. Hochzeitstag von Erich Latschenberger, zu dem Bürgermeister
Merz insbesondere seiner Frau gratulierte.
Die Gründung und Einrichtung des Museums erfolgte gegen den Zeitgeist,
da man sich an anderen Städten und Gemeinden eher um die Schließung
alter Museen mit naturkundlichen Inhalten Gedanken macht. Dafür gilt
der Gemeinde Gründau und den politischen Vertretern hohe Anerkennung.
Die Austellung der Mineralien befand sich früher in Gelnhausen
und konnte in Lieblos erheblich erweitert werden.
Literatur:
BLEUEL, M. (1985): Altenmittlau. Eine berühmte Azurit-Fundstelle.-
Lapis 10, Heft 1, S. 13 - 16, München
BLEUEL, M. (1991): FUNDSTELLE STEINBRUCH SCHMITT, ALTENMITTLAU.-
Begleitheft zur VFMG Sommertagung 13.-16.September 1991 Gelnhausen,
Hersg. Kinzigtaler Mineralienclub e. V., S. 73 - 78.
BOSSE, P. & BLEUEL, M. (1988): Nicht nur Azurit - Altes und
Neues aus Altenmittlau.- Emser Hefte 9, S. 56 - 64, Haltern
KOHORST, P. (1999): Neufund im Zechsteindolomit von Altenmittlau
Erstnachweis von Cuproadamin bzw. Zn-Olivenit.- Mineralien-Welt 10,
Heft 6 Nov.-Dez. ´99, S. 19, Haltern.
KOWALCYK, G. & SCHAARSCHMITD, F. (1989): Neue Koniferenfunde
aus dem Zechsteinkonglomerat Südhessens.- Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg
109, 153 - 163, Frankfurt.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J.
JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 305, 336ff, 347f, 783f.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
SCHWEITZER, H.-J. (1996): VOLTZIA HEXAGONA (BISCHOFF) GEINITZ aus
dem mittleren Perm Westdeutschlands.- Palaeontographica Abt. B 239,
S. 1 - 22, [E. Schweitzerbart'sche V.] Stuttgart.
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