Baryt
(früher auch als Schwerspat bezeichnet) -
das weiße "Gold" des Spessarts!

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


Baryt Hirschbergtunnel Hain   angeschliffen und poliertes Stück Baryt mit Hämatit, Waldaschaff
Links: fast einschlussfreier, spätiger Baryt mit etwas Fluorit (und nicht sichtbar Quarz) als Bruchstück vom Hirschbergtunnel Ostportal bei Hain, Bildbreite 17 cm,
Rechts: stark mit feinstschuppigem Hämatit durchsetzter Baryt von der Grube "Pauline" in Waldaschaff (angeschliffen und poliert, Bildbreite 15 cm)

Baryt aus Feldkahl
reinweißer, grobspätiger, fremdmineralfreier Baryt aus dem Dolomit des Steinbruches
der Fa. Hufgard (Rottenberg) im Golfplatz der Feldkahler Höhe,
Bildbreite ca. 13 cm, gefunden 2007,
angeschliffen und poliert

Baryt-Gang bei Waldaschaff
Ca. 0,5 m mächtiger Baryt-Gang:
Ganz frisch angeschnitten und dann mit Wasser aus einer Pfütze gewaschen:
Ein ca. 0,50 m mächtiger Baryt-Gang (siehe Geologenhammer als Maßstab) im Gneis der Elterhof-Formation,
schräg einfallend, feinspätig und von alterierten Gesteinbruchstücken durchsetzt;
(die senkrechten Riefen stammen von den Baggerzähnen)
aufgenommen am 12.09.2010.




Historisches:
Der Bergbau auf das auffallend schwere, meist weiße Mineral begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In vielen, meist sehr einfachen Gruben wurde das weiche Mineral aus den gangförmigen Vorkommen abgebaut (nicht vollzählig):
Neuhütten, Frammersbach, Partenstein, Neuhütten, Hain, Eichenberg, Sommerkahl, Schölkrippen, Rechtenbach, Heigenbrücken, Waldaschaff,  Großlaudenbach, Kleinkahl, Ruppertshütten, Bessenbach, .....
Für diese Orte sind zahlreiche, insgesamt ca. 70 Grubennamen überliefert, von denen jedoch nur wenige eine wirtschaftliche Bedeutung erlangten. Die Meisten Namen beziehen sich auf Mutungen, Schürf- und Abbauversuche und manche Namen wurden mit neuen Besitzern gewechselt.
Der Abbau erfolgte mit sehr einfachen Mitteln, oft nur im Winter oder nur über einen zeitlich kurzen Raum. Die Gewinnung des Schwerspates im Untertagebetrieb wurde mit der letzten Grube "Christiane" bei Rechtenbach 1972 eingestellt.
Die Aufbereitung erfolgte ebenso mit einfachsten Mitteln. Man begann im 19. Jahrhundert mit einfachen Schürfen und Gräben und wechselte dann zum untertägigen Abbau. Bei den für die Genehmigung zuständigen Behörde (Bergamt Bayreuth) sind nur sehr wenige Akten zum Bergbau auf Schwerspat vorhanden.
Nur die eisenarmen, reinweißen Qualitäten ließen sich gut verkaufen. Die Betriebe des Buntsandsteinspessarts lieferten meist nach Lohr, wo die Fa. Alberti eine Aufbereitung betrieb.

Museum in Partenstein mit Stollennachbau
aufgenommen am 13.04.2002
Einen schönen Einblick in den Schwerspat-Bergbau im Spessart gibt das kleine Heimat-Museum "Alter Kram" in Partenstein (Herr Holger Breitenbach macht dort die Führungen).
Gleichzeitig kann man von hier aus einen ca. 3 km langen Rundweg des archäologischen Spessartprojektes wandern, der an alten Bergwerken und Schächten vorbei führt. Eine Besonderheit ist ein Weg der mit Sandsteinplatten befestigt und verstärkt wurde. Die schwer mit Baryt beladenen Fahrzeuge haben darin ihre Spuren als breite Rinnen hinterlassen. 

Kulturrundweg bei Partenstein
Hier bei der Einweihung des Rundweges am 13.04.2002 stehen die Besucher am ehemaligen "Marienschacht", dessen Fundamente vom ehemaligen Förderturm zeugen, wie auf der rechts im Bild sichtbaren Tafel erläutert wird.

Grube Marga bei Eichenberg
Ehemaliges Haus der Grube Marga bei Eichenberg,
aufgenommen am 12.08.2001

Reste des Bergbaues auf den Schwerspat findet man an vielen Stellen des Spessarts, ohne dass dies auf dem ersten Blick offensichtlich ist. Ein Beispiel dafür ist das einsam stehende Haus an der Straßen von Eichenberg nach Sailauf. Es ist das Verwaltungsgebäude der Schwerspat fördernden Grube "Marga". Diese war von 1933 mit einer kriegsbedingten Unterbrechung bis etwa 1952 im Betrieb. Von den sonstigen Betreibsanlagen hat so gut wie nichts überdauert. Und das Stollenmundloch findet man nur noch, wenn man die Stelle genau kennt.

Es wurde oft behauptet, dass der Schwerspat einer der Rohstoffe für das Glas war, welches im Spessart an vielen Stellen hergestellt worden ist (Glashütten). Leider gibt es nur wenige chemische Analysen, die diese Behauptung bestätigen könnten. Bei den bisher veröffentlichten Gehalten von <1 Gew.-% BaO ist das darin gefundene Bariumoxid auf anderen Wegen in die Glasmasse gekommen: Einfach mit der Asche aus dem Holz der Bäume! Dies konnte mittels Spurenelementanalysen an Gläsern nachgewiesen werden. So lange es keine neue Analysen mit deutlich höheren Anteilen an BaO gibt, bleibt es bei der unbewiesenen und weit verbreiteten Behauptung.
Die nachweisliche, gezielte Verwendung von Bariumoxid (kein Schwerspat!) in den Glasschmelzen erfolgte sicher erst in der industriellen Glasproduktion zur Herstellung von Kristall- und Halbkristallgläsern im 19. Jahrhundert.

Von den einstigen Bergwerken im Spessart sind an vielen Stellen noch Spuren zu sehen, denn das weißen Mineral fällt doch auf. Und in den Wäldern wurden die Reste kaum entfernt, so dass die meisten Mundlöcher und Halden in den bewaldeten Teilen des Spessarts. Ab und zu werden bei Tiefbauarbeiten solche Stollen freigelegt, so zuletzt bei Hain im Spessart im Dezember 2006. 
In oder in der Nähe der folgenden Orte fand ein Bergbau auf Schwerspat statt:

Aus verschiedenen Orten, wie z. B. Bessenbach, wurde über tödliche Unfälle in den Bergwerken und Abbauen berichtet. 

Einzig die Fa. Seitz und Kerler (Seilo) GmbH & Co. KG in Lohr arbeitet als der letzte Nachfolger der Spessarter Schwerspatindustrie noch mit Schwerspat und fertigt aus dem Baryt "Röbalith"-Steine, also ziegelsteingroße Mauersteine aus einem Baryt in unterschiedlichen Körnungen für Bauten im Strahlenschutz (z. B. in Krankenhäusern). Dabei wird dann auch der Mörtel, der Estrich und der Verputz mit Baryt ausgeführt, so dass man entsprechende Abschirmungen kostengünstig ausführen kann. Für noch höherwertige Steine werden noch schwerere Zuschläge wie Eisenoxide und Eisen als Metall hinzugefügt.

Röbalith-Stein Röbalit-Stein
Linkes Bild:
Röbalith-Stein im Ziegelstein-Format für den Strahlenschutz aus Baryt der Fa. Seitz & Kerler, Lohr am Main;
Rechtes Bild:
Ausschnitt aus dem angeschliffenen Stein, darin gut sichtbar die unterschiedlichen Körnungen des Barytes, der dem Stein ein Gewicht von ca. 6 kg verleiht!
Bildbreite 13 cm.

Bessenbach
Infolge der hohen Kosten und Auflagen für einen neu zu beginnden Bergbau und die im Spessart geringen Gangmächtigkeiten von unter 2 m ist derzeit nicht damit zu rechnen, dass es zu einer Wiederaufwältigung von Bergwerken kommt. Abbauwürdige und unverritzte - d. h. noch nicht abgebaute - Gangvorkommen von Schwerspat sind im Spessart sicher nicht mehr vorhanden. Beim Tunnelbau zwischen den Orten Laufach und Hain sind Baryt-Gänge angeschnitten worden, die vermutlich derzeit ebenfalls nicht bauwürdig sind, weil der Anteil an Calcit, Fluorit, Quarz und Eisenoxiden zu sein dürfte.
Aber die hohe Nachfrage hat den Preis für Schwerspat auf ein deutlich höheres Niveau anwachsen lassen, so dass bei einer weiter steigenden Preisentwicklung solche Pläne zumindest prüfbar werden (
LINHARDT et al. 2017).
Aus Bessenbach liegt eine gutachterliche Stellungnahme von einem "Bergingenieur Theo H. HENEE aus Wiesbaden" aus dem Jahr 1951 vor, bei der eine Wiederaufnahme des Bergbaues auf den Baryt von Bessenbach aufgrund der Vorkommen und der Qualität als realistisch angesehen wird: 


Kommentiertes Gutachten von 1951 [die Kommentare sind in eckigen Klammer eingefügt]


Baryt Bessenbach
Feinblättriger Baryt mit etwas Quarz vom Weißen Grund
bei Bessenbach, Bildbreite 15 cm

Der Baryt (Schwerspat) Bergbau auf dem nordwestlichen Randgebiet des Spessarts, eine geolgisch – bergwirtschaftliche – Teilskizze vom berat. Bergingenieur Th. H. Henee.

Die Ablagerungsverhältnisse im Berichtsgebiet sind im Ganzen als einfach zu bezeichnen; das kristallinische Grundgebirge welches den größten Teil des Vorspessarts zwischen Aschaffenburg – Hain – Gelnhausen einnimmt, besitzt nordöstliches Streichen unter etwa 40 – 60 ° bei nordwestlichem Einfallen. Die tiefsten Teile des Grundgebirges (Diorit & Granitgneis) treten südlich von Aschaffenburg zu Tage, wie aus der Lagerung des kristallinischen Grundgebirges gegen die Flözformation [gemeint ist hier das Deckgebirge aus permischen Sedimenten] bei Schweinheim, am Fundberg [Findberg] bei Gailbach, Beuenbach [Bessenbach] und Waldaschaff – Hain – hervorgeht, ragten einzelne Teile des Grundgebirges insel- & riffartig in das damalige Meer empor, in welchem die Sedimente des Rotliegenden [keine marinen Sedimente im Spessart], des Zechsteins und der unteren Abteilung des Buntsandsteins [wohl der Bröckelschiefer] zum Absatz gelangten.
Schon lange vor der Zeit des Rotliegenden, war das kristallinische Grundgebirge aufgerichtet und gefaltet worden und als jenes sich bildete, waren schon weitgehende Abtragungen, Einbuchtungen und muldenförmige Vertiefungen in dem alten Gebirge entstanden, in welches sich auf den Schichtenköpfen der steilgestellten kristallinischen Schiefer die Sedimente des Rotliegenden und Zechsteins niederschlugen [das Metamorphosealter der kristallinen Gesteine wird heute mit ca. 330 Millionen Jahre veranschalgt; die permischen Sedimente sind ca. 250 Millionen Jahre alt] – demzufolge zeigen die Ablagerungen von Rotliegenden aufwärts allenthalben, wo sie mit dem Grundgebirge in Berührung treten eine deutlich übergreifende Lagerung. Zwischen Rotliegedem und Zechstein und zwischen Zechstein und Buntsandstein läßt sich eine eigentliche Diskordanz nicht nachweisen, ebenso-wenig wie zwischen den verschiedenen Abteilungen des Zechsteins und des Buntsandsteins [die gibt es aber].
Die Gangspalten soweit sie im kristallinischen Grundgebrige auftreten, zeigen das gleiche Streichen  und Verhalten wie diejenigen im granitischen Odenwald [die namentliche Trennung aufgrund des Mains ist geologisch nicht vorhanden]; ihre Entstehung ist also auf die gleiche Ursache zurückzuführen – auch die akzessorischen Bestandteile der Gänge sind im Wesentlichen die gleichen. Ihre Entstehung ist die jungpläozoische Gebirgsbildungsperiode, ihre Ausfüllung hingegen in das Jungtertär (das Miocän) zu verlegen [diese Aussage konnte durch Altersdatierungen nicht bestätigt werden; die Bildung des Baryts erfolgte im Mittleren Jura, also vor ca. 160 Millionen Jahren]. Über Tage lassen sich die Gänge auf bedeutende Entfernungen verfolgen und zeigen im Gegensatz zu vielen anderen Schwerpatlagerstätten eine große Regelmäßigkeit [ich würde auch dies bezweifeln, denn für den Bergbau war die häufigen Unterschiede in Mächtigkeit und Ausbildung ein Problem]. Das kristallinische Grundgebirge, welches sich aufbaut aus der herzynischen Gneisformation, der Glimmerschieferformation, dem jüngeren Gneis und dem feldspatreichen Dioritgneis [eine sehr stark vereinfachte Sicht, die heute nicht aufrecht erhalten werden kann] wird auf eine Mächtigkeit von 7 – 18.000 m geschätzt und hat gute Aufschlüsse im Flußgebiet der Aschaff und in den weiter südlich gelegen Tälchen von Gailbach und Soden erbracht. Die Gangausfüllung innerhalb des Dioritgneises zeigt ein weißen Baryt in blätteriger und dichter Struktur, welcher sich sehr leicht vermahlen lässt. Die Saalbänder sind glatt, teils durch parallel verlaufende Rippen gesteift [Harnische], ein Rest von Eisenglanz [Hämatit] und Roteisenrahm [feinschuppiger Hämatit mit Tonmineralien] etwa 3 cm stark wird oftmals beobachtet. Beibrechend findet man gelegentlich Kupferwismuterz [vermutlich Emplektit] und Amethyst [blauer Quarz] in sehr heller Farbe. Die Mächtigkeit der edlen Gangausfüllung beträgt ca. 2 – 3 m, jedoch werden in den oberen Tiefen auch solche mit bis zu 6 m angetroffen.
Bis in die erste Hälfte des Jahres 1909 waren die bedeutenden Gruben von Waldaschaff und Oberbessenbach (Seewiesengang) noch in Betrieb, der aufgeben werden mußte, weil die Lagerstätten erschöpft waren bzw. man der zusetzenden Wasser mit Hilfsmitteln der damaligen Zeit nicht Herr zu werden vermochte, trotzdem noch mächtige Gangpartieen abzubauen gewesen wären. Die bergwirtschaftliche Bedeutung ist zweifelsohne eine große wofür die große Belegschaft der damaligen Zeit schon spricht.
Das Gangsystem wurde damals mit den primitiven Hilfsmittel der Vorzeit [damit ist hier das 19. Jahrhundert gemeint; vor 1830 wurde Baryt als wertlos angesehen; der Abbau im Weißen Grund wurde bereits 1839-39 erschürft (Weinelt 1962:192, siehe unten)] bis zu 100 m Tiefe gebaut, was für ein regelrechtes Niedersetzen der edlen Gangausfüllung in die große Tiefe den Beweis erbringt. Der hier zu gewinnende Schwerspat muß als durchaus hochwertiges Mineral angesprochen werden, er ist fast frei von Kieselsäure [Quarz] und Eisen [Hämatit]; vielfache chemische Untersuchungen des Fördergutes ergaben einen Gehalt von 98,50 % bzw. 78,72 % BaSO4 bei kaum nennenswerten Beimengungen von Yno [?], SiO2 [Quarz] & Fe2O3 [Hämatit].
Die Grube „Weisser Grund“ (so genannt nach dem gleichnamigen Geländedistrikt, welch auf das Vorkommen des Minerals hindeutet) welche jetzt Trägerin des neu aufzunehmenden Bergbaus sein soll, erlitt durch den Tod des damaligen Hauptgesellschafters im Jahre 1925 eine unvorherzusehende Betriebseinstellung; deren Erben ist es in der Folgezeit nicht vergönnt gewesen das aussichtsreiche Unternehmen mangels der erforderlichen Fachkenntnissen und Betriebskapitalen wieder aufzurichten bis eine süddeutsche Gewerkschaft – Gewerkschaft Bickendorf – Regensburg – während der vergangenen Kriegsjahre, sich versch. Gewinnungsverträge mit den Grundbesitzern gesichert hat, um die Förderung von Schwerspat & etwas Kalkspat [Calcit; ich wusste nicht, dass man mit dem Baryt auch Calcit gewonnen hat. Meist ist der Calcit in den Barytgängen manganhaltig und so nicht einfach verwendbar. Die Trennung Baryt-Calcit ist aufwändig und dürfte sich aus heutiger Sicht kaum rentiert haben] nach dem Kriegsende wiederum in Gang zu bringen. Nunmehr ist der Zeitpunkt gekommen diese wertvolle Lagerstätte erneut in Produktion zu nehmen, nicht zuletzt auch um den Export dieses ausserordentlich begehrten Minerals in Europa und Übersee einzuleiten.
Die Grube „Weisser Grund“ liegt etwa 300 m von dem Orte Straßbessenbach an der Reichsstraße Würzburg – Aschaffenburg entfernt; bis zum Verschiffungshafen Leider bei Aschaffenburg sind es nur 8 km Achsenfracht zu bewältigen.
Das Vorkommen auf welchem die Grube baut bildet den Zentralpunkt eines ausgedehnten Gangsystems, das sich über ca. 4 Quadratkilometer erstreckt. Es wurde damals ein doppeltrümiger Schacht zunächst bis auf 25 m abgeteuft & 15 m Tiefe die erste Sohle angesetzt und der Schwerspat bis auf 160 m in streichender Richtung nach S-O vorgerichtet wobei 6000 tons Spat gewonnen wurden – noch weitere 12000 tons blieben zum Abbau vorgerichtet, sind aber nicht mehr zur Gewinnung gekommen. Die zweite Sohle wurde bei 22 m Tiefe aufgefahren hier steht der Gang noch unverritzt an. Für die Wiederaufnahme des Betriebes ist der Schacht um 12 – 15 m am Tage neu aufzubauen und über Tage hoch aufzusatteln um evtl. Wassergefahren in der Talmulde zu begenen [damit bei einem Hochwasser kein Oberflächenwasser das Bergwerk absaufen lassen kann]. Nach Wiederherstellung der Schachtanlage, Fahrbarmachung der angesetzten Strecken, Ausrüstung der Gesamtanlage mit den erforderlichen Maschinen kann sofort auf drei Örtern zum Abbau geschritten werden, da der Förderschacht für Massenförderung eingerichtet wird.
Zu beschaffen wäre noch eine elektrische Bohr- und Fördereinrichtung, sowie eine primitive Spatwäsche. Die Antriebsmaschinen könnten mit ca. 800 m Hochleitung an die Überlandszentrale angegliedert angeschlossen werden, es empfgiehlt sich aber um den oftmaligen Stromunterbrechungen zu begegnen, die dann jedesmal eine völlige Betriebseinstellung im Gefolge haben würden, eine Dieselkraftmaschinenanlage [Notstromversorgung] einzurichten und sich von der Überlandzentrale (nur als Notreserve) unabhängig zu machen. Neben der Förderanlage wäre eine einfache Spatsortiererei und eine Spatwäsche einzurichten, wofür die Grube selbst und ein an derselben vorbeifliessender Bach die nötige Wasser liefern.
Die streichenden Längen der beobachteten Gangvorkommen belaufen sich auf mindestens 3000 m, rechnet man mit einer durchschnittlichen Gangmächtigkeit von nur 2 m und einer Tiefenerstreckung von nur 60 m bei einer spez. Gewicht von 4 und einem Abbauverlust von 25 % für evtl. Gangverdrückungs- bzw. Vertaubungszonen – sämlt. Werte sind gegenüber der Wirklichkeit stark reduziert – dann verbleiben immer noch ein gewinnbares Quantum von rund 1.000.000 Tonnen Baryt höchster Güteklasse. Im nahen Aschaffenburg – Hafen erfolgt die Verladung per Schiff oder bei der Reichsbahnstation Aschaffenburg in Waggon, in den meisten Fällen bei Export kommt eine Schiffsverladung in Aschaffenburg – Hafen für die Lieferungen nach Holland und Übersee in Frage.
Schließlich soll noch einer gutachterlichen Äußerung des bekannten Geologen und Geophysikers Dr. Börner [keine Publikation bekannt] gedacht werden, welcher das ganze Schwerspatgebiet mit den neuesten geophysikalischen Verfahren nach Dr. Dr. Macht, Marburg [auch nicht bekannt] untersucht hat und zu dem Ergebnis kam, dass hier in der Gegend von Ober- und Straßbessenbach ein sehr reiches Schwerspatvorkommen aufsetzt und die Exploitation entgegengeführt werden muß.
Schwerspat und Kalkspat welche hier in hervorragender Güte auf lange Zeit hinaus gewonnen werden können, sind im Ausland und Übersee außerordentlich begehrte Mineralien, die in der chemischen und zahlreichen anderen Industrien verarbeitet werden und deswegen bei lohnenden Preisen stets einen aufnahmefähigen Markt finden. Es darf somit dem neuen hier besprochenen Bergwerkunternehmen in jeder Hinsicht eine günstige Prognose gestellt werden mit der Aussicht auf lange Lebensdauer. Ein ausführliches Kartenmaterial und Spezialberichte sind geeignet, das oben gesagte weiter zu untermauern.
Wiesbaden, den den 1. Januar 1951
gez. Theo H. Henee
ber. Bergingenieur  


Das Gutachten wurde mir in Kopie von Herrn Manfred HANKE(), Bessenbach am 16.10.2013 übergeben. Es ist nicht bekannt, wer das Gutachten und mit welchem Ziel in Auftrag gab. Auch konnte nichts über den Verfasser herausgefunden werden. Sehr merkwürdig ist der Umstand, dass es den Namen im Internet sehr selten gibt; so denkt man an ein Pseudonym. Oder ein „Gefälligkeitsgutachten“ zur Veräußerung der Grundstücke.
Ich bin für Hinweise sehr dankbar.


Bei WEINELT (1962:191ff) liest sich das so:
Die Vorkommen bei Dörrmorsbach, nördlich vom Heinrichs-Berg, P. 346, und im Bessenbach-Tal gehörten zu einer Gangschar. Sie traten auf drei SO-NW-gerichteten, ± gleichstreichenden  Spaltenzügen im Diorit auf, die von einer Querverwerfung durchschnitten wurden. Die Mächtigkeit betrug 0,50 - 3,00 m, in den oberen Teufen auch 6,00 m. Diese Vorkommen wurden durch fünf Schächte, westlich von Oberbessenbach, drei nördlich des Scheid-Berges sowie durch die Grubenbaue der Zechen ,,Spessart-Glück” und ,,Weißer Grund“ aufgeschlossen und ausgebeutet.

Die alte Grube ,,Weißer Grund“ wurde bereits 1838-39 erschürft, aber erst 1870 soll sie erstmalig systematisch ausgebeutet worden sein. Da sie 1924 erneut aufgeschlossen wurde, dürfte sie in der Zwischenzeit wohl bereits wieder stillgelegen haben. Die beiden Schächte ,,Ludendorff” und ,,Hindenburg” besaßen eine Teufe von 18 bzw. 20 m, die Länge der aufgefahrenen Gangstrecke betrug etwa 400 m. Diese, 1 km südwestlich von Straßbessenbach gelegene Grube enthielt einen 0,80 - 1,35 m mächtigen, reinen Schwerspatgang mit eisenreichen Salbändern, die z. T. Quarz führten. Das Streichen des Ganges lag mit einem um 75° gegen NO gerichteten Einfallen bei 140°. Unter der Gewerkschaft ,,Prinzregent“ förderte die Grube im Jahre 1935 32 Tonnen Schwerspat.
Schwerspat Weißer Grund Bessenbach Baryt Weißer Grund Bessenbach
Der Baryt (Schwerspat) vom Weißen Grund zwischen Bessenbach und Grünmorsbach enthält neben etwas Quarz und
Hämatit auch kleine Brocken des Nebengesteins wie in den anpolierten Stücken zu erkennen ist,
Bildbreite links 8 cm und rechts 10 cm

In der Zeche ,,Spessart-Glück” wurde im Diorit ein teilweise verworfener, 2,50 m mächtiger Gang mit rötlichem, blätterigem oder reinweißem, großkörnigem Baryt aufgeschlossen, der Manganerz führte. Ein Vorkommen vom Heinrichs-Berg bei Dörrmorsbach führte im 4 m mächtigen, guten Schwerspat etwas Mangan-, Eisen- und Kupfererz. Der Abbau ist hier wegen Wasserschwierigkeiten eingestellt worden. Örtlich gesellte sich zu dem Baryt etwas Klaprothit, Braunspat, Calcit und Quarz.
Zu dieser Gangschar gehörte noch der 0,50 - 2,00 m mächtige Gang oberhalb des Pfarrhauses von Oberbessenbach.


Die Reste der Grube "Weißer Grund" sind heute nur schwer zugänglich, da eingezäunt und zur kommunalen Trinkwassergewinnung genutzt. Dort einen Baryt zu finden, ist fast unmöglich. Einerseits sind fast alle Flächen bewachsen und damit ist kein Boden zu sehen. Weiter sind alle Wege in der Umgebung des Bergrwerks mit fremdem Schotter (Kalkstein, Diorit) belegt oder gar asphaltiert worden, so dass die früher örtlich anstehenden Gesteine verdeckt sind. In dem Bachsediment ist auch kein Baryt zu sehen, da in den lehmigen Sedimenten der Talaue kein Baryt vorkommt. So kann man nur mit viel Mühe noch den einen oder anderen Baryt-Brocken sehen.  


Geologie:
Die gangförmigen Barytvorkommen des Spessarts verlaufen meist in nordwest-südöstlicher Richtung (herzynisch). Die Mächtigkeit variiert zwischen mm bis einige Meter, wobei nur die wirkliche mächtigen Gänge auch Ziel eines Bergbaues waren. Barytgänge finden sich in dem kristallinen Grundgebirge, in den Sedimenten des Zechsteins und im Buntsandstein. Harnische belegen eine Bewegung der Spalten auch nach der Ascheidung des Barytes. Späte Bildungen - meist als klare Baryt-Kristalle - eine Lösung und Wiederabscheidung auch nach der Hauptphase der Bildung. An vielen Stellen ist der Baryt später wieder völlig weggelöst worden und nur noch die Hohlformen belegen das einstige Auftreten des Minerals (z. B. Altenmittlau, Hahenkamm).
Der Baryt wurde aus warmen (hydrothermalen) Lösungen ausgeschieden, die aus den tiefen Teilen der Erdkruste stammen. Als Alter für die Bildung kann man annehmen, dass dies im Mittleren Jura vor etwa 160 Millionen Jahren unter einer viele hundert Meter dicken Überdeckung aus Sedimentgesteinen geschah. Mit der Abtragung des Gesteine im Spessart wurden die Gänge freigelgt.

Baryt-Gang bei Sommerkahl
Ca. 40 cm mächtiger, stark absätziger Baryt-Gang im Zechstein-Dolomit
von Sommerkahl,
aufgenommen am 31.07.2004

Spaltenfüllungen aus weißem Baryt im Zechstein-Dolomit
Stark zerbrochener Zechstein-Dolomit mit zahlreichen Spaltenfüllungen aus
weißem Baryt (Baugrube in Sommerkahl; Bildbreite ca. 1,5 m),
aufgenommen am 31.07.2004

Infolge der schlechten Aufschlussverhältnisse ist derzeit kein schöner Baryt-Gang zu sehen. Ab und zu werden bei Bauarbeiten solche Gängen angeschnitten, die dann kurfristig anzuschauen sind (siehe Bild von Autobahnbaustelle ganz oben).
Die weit verbreiteten, auffallend weißen Lesesteine aus Schwerspat auf den Feldern im Bereich der Gänge dokumentieren die schlechte Löslichkeit des Baryt, aber auch die gute Spaltbarkeit des Minerals.
Hier ein Beispiel:  

Baryt Stockstadt
Größeres Stück Baryt aus Stockstadt am Main,
Bildbreite 24 cm
Das Vokommen setzt hier im Gneis des kristallinen Grundgebirges auf und ist nur durch Lesesteine belegt, die bei Wald- und Rückearbeiten im Wurzelbereich von Bäumen an die Erdoberfläche befördert werden. Der feinspätige Baryt ist von Eisenoxid- und Stoffen aus der Pflanzenwelt gelbbraun verfärbt. Dies, die geringe Mächtigkeit und der hoche Gehalt an Quarz und Nebengesteinseinschlüssen steht einer bergbaulichen Nutzung entgegen. 


Bildergalerie der vielfältigen Baryte aus dem Spessart:

Baryt Sailauf
Weißer, grobspätiger Baryt als Spaltenfüllung im Rhyolith
von der Hartkoppe bei Sailauf,
Bildbreite 8 cm.
Baryt Grube Marga
Weißer Baryt als Haldenfund aus der Grube Marga bei
Eichenberg,
Bildbreite 9 cm
Baryt Heigenbrücken
Weißer Baryt als Haldenfund aus der Grube im Bächles
bei Heigenbrücken,
Bildbreite11 cm
Baryt Hain
Feinspätiger, weißer Baryt mit etwas Hämatit von der
Grube Simmerwiese östlich von Hain im Spessart,
(angeschliffen und poliert)
Bildbreite 10 cm
Baryt aus Goldbach
Seltenes Stück eines weißen Baryts als Lesestein am
Kästrain zwischen Goldbach und Unterafferbach,
(angeschliffen und poliert)
Bildbreite 8 cm
tafelige Baryt-Kristalle
Tafelige Baryt-Kristalle, dünn überkrustet von Eisenoxid,
aus dem Zechstein-Dolomit des Steinbruchs der Fa.
Hufgard in Rottenberg (am Kalkwerk)
Bildbreite 5 cm
Baryt aus Waldaschaff
Gelblicher Baryt, teils durchzogen von einen sehr feinen
Hämatit-Pigment (angeschliffen und poliert) von einer
Grube im Schießfeld bei Waldaschaff,
Bildbreite 9 cm
Baryt Sommerkahl
Grobblättriger und feinblättriger Baryt ohne weitere
Mineralien von der Grube Hoffnungsglück bei
Sommerkahl (angeschliffen und poliert),
Bildbreite 13 cm
Chalkopyrit im Baryt
Gelber Chalkopyrit im Baryt mit Goethit von der Grube
Elisabeth bei Hain im Spessart,
Bildbreite 7 cm
Baryt mit Hämatit aus Hain
Feinschuppiger Hämatit mit Baryt von der Grube
Elisabeth bei Hain im Spessart,
Bildbreite 3 cm
Baryt und Calcit Waldaschaff
Weißer Baryt mit grauem Quarz, daneben Calcit mit
Hämatit in einer brekziösen Matrix als Gang im alterierten
Diorit (angeschliffen und poliert) aus der Autobahn-
Baustelle bei Waldaschaff,
Bildbreite 7 cm
Baryt mit Calcit Rottenberg
Tafelige, weiße Baryt-Kristalle mit aufgewachsenen,
weißen Calcit-Kristallen, 1977 gefunden im Steinbruch
der Fa. Hufgard am Kalkwerk in Rottenberg,
Bildbreite 3 cm
Baryt mit Skutterudit
Weißer Baryt nahezu ohne Siderit mit etwas Skutterudit
und darauf pulvrige Sekundärbildungen. Das rissige Stück
wurde im 19. Jahrhundert in Bieber gefunden,
Bildbreite 11 cm
Baryt in Lithophyse
Blättriger Baryt als Frühausscheidung mit Achat und
Hämatit  in einer Lithopyhse aus dem Ryholith-
Vorkommen der Hartkoppe bei Sailauf (angeschliffen),
Bildbreite 10 cm
Baryt
Farbloser Baryt, teils mit etwas Goethit überkrustet, dazu
noch einige farblose Calcit-Kristalle, gefunden im Diorit
von Dörrmorsbach,
Bildbreite 2 cm
Baryt-Kristalle
Tafelige Baryt-Kristalle aus dem Zechstein-Dolomit aus
Großkahl,
Bildbreite 4 cm
Baryt mit Hämatit
Angelöster Baryt auf blättrigem Hämatit vom
Plattenberg bei Dettingen, gefunden 1976 bei Bau der
Autobahn A45,
Bildbreite 2 cm
Brekziöser Baryt mit Romanechit
Brekziöser weißer Baryt, verkittet von schwarzem
Romaechit, gefunden am Kalmus bei Langenborn
(Schölkrippen), angeschliffen und poliert
Bildbreite 10 cm
Baryt von ?
Die tafeligen Baryt-Kristalle sollten aus dem Spessart
(vermutlich Heigenbrücken) sein; nach einer eingehenden
Untersuchung muss man das anzweifeln, da neben Fluorit
auch Chalkopyrit zu erkennen ist.
Bildbreite 14 cm
Baryt rötlich
Weißer Baryt mit einem rötlichen Hauch, vermutlich
durch einen Einbau von nicht sichtbaren Eisenphasen,
gefunden 2007 in Steinbruch der Fa. Hufgard,
angeschliffen und poliert,
Bildbreite 9 cm
Baryt mit Kupfermineralien
Stück aus einer Baryt-Linse im Zechstein-Dolomit aus
Rottenberg. Tennentit ist in allen Stadien der Alteration
zu sehen; neben grünem Malachit ist blauer Azurit auf den
Grenzflächen zwischen den Baryt-Kristallen zu sehen,
das Stück ist angeschliffen und poliert,
Bildbreite 13 cm
Baryt-Linse
Linsenförmiger Baryt-Körper im Zechstein-Dolomit. Dabei
ist deutlich erkennbar, dass das Aufbrechen durch den
hydraulischen Druck erfolgte, bei dem das Gestein schalig
abbrach und mit dem Baryt fixiert wurde, aufgenommen
am 24.12.2012 im Steinbruch der Fa. Hufgard in Rotten-
berg,
Bildbreite ca. 1,3 m
Baryt-Gänge
Rissfüllungen im Zechstein-Dolomit aus weißem Baryt ohne
weitere Mineralien, aufgenommen am 17.05.2012 im Stein-
bruch der Fa. Hufgard in Rottenberg,
Bildbreite ca. 1,5 m
Baryt mit Malachit
Nahezu farblose Baryt-Kristalle neben Malachit im stark
angelösten Ryholith vom Rehberg bei Sailauf,
Bildbreite 2 cm

Baryt Grube Christiane
Stück Baryt aus der Grube Christiane bei Rechtenbach,
zusammen mit etwas Goethit, was das Material für die
Halde bestimmte,
Bildbreite 10 cm
Calcit im Baryt Waldaschaff
Typisch dünnblättriger, reinweißer Baryt mit etwas Hämatit
aus dem Diorit der Autobahnbaustelle der A3 bei
Waldaschaff; die rechte Hälfte des Stückes besteht aus
Calcit,
Bildbreite 10 cm
brekziöser Baryt Weibersbrunn
Brekziöser Baryt mit Eisenoxiden und Ton aus dem
Buntsandstein der Autobahnbaustelle der A3 bei
Weibersbrunn, gefunden am 20.07.2013
Bildbreite 6 cm.
Schwerspat Hain i. Spessart
Baryt eines bisher nicht bekannten Ganges ca. 50 m
nördlich des Portals am "Dunklen Bogen" oder
"Holzmannbogen" unweit des Schwarzkopf-Tunnels bei
Hain i. Spessart,
aufgenommen am 08.09.2013
Baryt aus Hain
Schwerspat aus dem Gang der Grube Simmerwiese bei
Hain im Spessart. Neben Quarz ist hier als Besonderheit
noch im Baryt in geringen Mengen Fluorit eingewachsen,
angeschliffen und poliert,
Bildbreite 10 cm
Schwerspat-Gang Hain i. Spessart
Steil einfallender Baryt-Gang, der den dünn gebankten
Zechstein-Dolomit durchschlägt,
aufgenommen am 07.09.2013 neben der Grube Simmer-
wiese bei Hain im Spessart
Baryt mit Quarz aus Hain
Weißer Baryt mit Verdrängungen aus bis zu 5 cm breiten
Quarzbändern (oberhalb des Geologenhammers).
Tonnenschwerer Block aus dem Trog des späteren Tunnel
südlich von Hain,
aufgenommen am 03.11.2013
spätiger, weißer Baryt aus Sommerkahl
Baryt ohn weitere Mineralien aus Sommerkahl,
Bildbreite ca. 20 cm
Calcit im Baryt
Baryt mit Calcit im Zentrum der Gangfüllung. Die beiden
Phasen lassen sich im Handstück nicht einfach ansprechen,
lediglich die unterschiedlichen Spaltrichtungen geben einen
Hinweis. Gefunden im Ausbruch des Falkenbergtunnels
bei Hain i. Spessart.
Bildbreite 12 cm
Baryt-Gang Hirschbergtunnel
Einer von 4 gering mächtigen Baryt-Gängen im verwitterten
Diorit mit Zwickelfüllungen aus erdigen schwarzen
Manganoxiden ("Manganmulm"). Aufgenommen im
Ostportal des Tunnels Hirschberg Südröhre bei
Hain im Spessart am 29.03.2014
Baryt-Gang Hain
Baryt-Gang im Gneis der Elterhof-Formation im Trog
des Tunnels Hain. Man beachte, dass der Hangschutt
den Gang überdeckt,
aufgenommen am 29.03.2014
Baryt Silberhof
Auch knapp außerhalb des Spessarts kommt Baryt vor,
der auch das Ziel eines Bergbaues war. Am Großen
Auersberg bei Silberhof (1938 geräumt, heute im
Truppenübungsplatz Wildflecken) baute man vom
Ende des 19. Jahrhunderts bis 1970 einen reinen Baryt
ab (Grube Marie). Die Gänge durchsetzen den Mittleren
Buntsandstein. Belegstücke mit frei gewachsenen Kristallen
sind wohl selten. Das hier gezeigte Stück besteht aus
länglichen Baryt-Kristallen ohne Matrix. Es stammt aus der
Sammlung BECK und wurde sicher vor 1970 gesammelt.
Bildbreite 17 cm
Baryt-Brekzie
Weißer Baryt mit einem brekziösen Spalt, angefüllt mit
Baryt-Stückchen und verkittet von Goethit und Calcit,
angeschliffen und poliert, gefunden im Steinbruch der
Fa. Hufgard bei Rottenberg, angeschliffen und poliert,
Bildbreite 10 cm
Strahlger Baryt
Brauner, radialstrahliger Baryt (angewittert und mit etwas
Goethit auf den Bruchflächen überkrustet) vom Schacht
Heinrich bei Eichenberg,
Bildbreite 9 cm
Baryt mit Calcit
Bräunlicher Baryt mit weißlichem Calcit und alterierte
Nebengesteinsbröckchen als Gangmasse aus einem Baryt-
Gang im Tunnel Falkenberg zwischen Hain und Heigen-
Brücken, angeschliffen und poliert,
Bildbreite 12 cm
Baryt-Kristalle
Tafelige Baryt-Kristalle auf einem Stück aus der ehemaligen
Sammlung Gustav BECK. Die kleinen Tennantit-Kristalle
weisen darauf hin, dass das Stück aus dem Raum Rotten-
berg stammen könnte,
Bildbreite 3 cm
Baryt Western
Kleines Stück weißen Baryts überzogen von einer fast
schwarzen Schicht aus Goethit aus Ober- oder Unter-
Western im Kahlgrund,
Bildbreite 5 cm
Baryt stängelig
Der seit 1805 aus der Literatur bekannte, stängelige Baryt
aus Bieber ohne weitere Mineralien,
Bildbreite 9 cm
Baryt Waldaschaff
Vor 1930 in der Grube Hessentälchen gefundenenes Stück
eines großen, farblosenund teils durchsichtigen Baryt-
Kristalls mit einem aufklebten Zettel: "Barytfall.
Waldaschaff.",
Bildbreite 12 cm
Baryt Hirschschlag
Weißer Baryt mit braunen Eisenhydrxiden und weiß
gebleichtem Sandstein aus einem bisher nicht bekannten
Baryt-Gang am Hirschschlag an der Autobahn A3
zwischen Weiberbrunn und Waldaschaff,
Bildbreite 13 cm
Baryt Aschaffenburg
Weißer Baryt aus einem Vorkommen an der Spessart-
straße in Aschaffenburg-Schweinheim. Die Spaltflächen
sind gekrümmt, was für eine tektonische Beanspruchung
spricht,
Bildbreite 4 cm
Baryt Bessenbach
Hellbrauner Baryt aus kleinblättrigem Täfelchen mit
idiomorphen Kristallen (dunkelbraun), überwachsen von
weißem Baryt mit frei gewachsenen Kristallen (schmutzig,
weil wohl nahe der Oberfläche gefunden), Grube Weißer
Grund bei Bessenbach (ex. Coll. Manfred HANKE,
Keilberg)
Bildbreite 14 cm
Dünnschliff Baryt
Baryt von der Grube Heinrich zwischen Eichenberg und
Sailauf im Dünsnchliff, #Pol.,
Bildbreite 5 mm,


 

Mineralogie:
Chemisch gesehen besteht der Baryt (Schwerspat) aus Bariumsulfat (BaSO4) und wäre farblos, wenn nicht bei der Bildung fremde Substanzen eingebaut worden wären. So ist der Schwerspat weiß, rot, grau  oder bläulich durch den Einbau von zahlreichen Mineralien: Hämatit, Quarz oder Erzmineralien (dabei fallen im Spessart stellenweise Bismutmineralien auf). Es besteht eine lückelose Mischungsreihe mit dem Strontiumsulfat Coelestin. Im Spessart bewegen siche die Gehalte an SrSO4 zwischen nahe 0 und ca. 10 %. Das spezifische Gewicht liegt bei ca 4,5 g/cm³ und ist damit etwa doppel so schwer wie "normale Steine". Das Mineral ist vollkommen spaltbar, was dem Abbau sehr entgegen kam. Baryt bildet schöne und formenreiche Kristalle - man hat über 200 verschiedene kristallographische vermessen.
farbloser, tafeliger Baryt-Kristall aus Alzenau
Tafeliger Baryt-Kristall aus dem
Zechstein-Dolomit von Alzenau
(Bildbreite ca. 2,5 mm). 

Begleitmineralien für den Baryt in den spessarter Gängen sind verbreitet: Quarz, Hämatit, Goethit, Dolomit, Chalkopyrit, Pyrit, Siderit, Romanechit, Malachit, Calcit,
und seltener Azurit, Fluorit, Tennantit, Bariumpharmakosiderit, Covellin, Skutterudit, Bismuthinit, Beyerit, .....  Die Verbreitung der Begleitmineralien ist sehr stark schwankend und sehr unregelmäßig. Meist sind sie auf die randnahen Salbänder beschränkt. So gibt es Gänge mit fast ausschließlich Baryt, aber auch solche, bei denen andere Mineralien wie z. B. der Siderit dominieren. 

Baryt kann von Laien mit anderen weißen Mineralien oder Gesteinen verwechselt werden,
die im Spessart vorkommen:

Eigenschaft
Baryt (Schwerspat)
Quarz
Marmor
Foto einer Bruchfläche mit einer
Bildbreite von 6 cm
Baryt
Quarz
Calcit-Marmor
Chemische Zusammensetzung
BaSO4
SiO2
CaCO3, oft mit Sililkaten und Dolomit
Härte
3 (weich)
7 (sehr hart und spröde)
3 (weich)
Farbe
weiß, rötlich,
grau, weiß,
weiß, grau, braun,
spezifisches Gewicht (kg/Liter)
4,4 (!)
2,6
2,7
Verhalten gegenüber Salzsäure (HCl)
keine Reaktion
keine Reaktion
braust unter Abgabe von CO2
Spaltbarkeit
gut spaltbar,
keine, aber oft rissig
Calcit spaltbar, "zuckerkörniges" Gefüge
Frei gewachsene Kristalle
häufig, einfache tafelige Kristalle
sehr selten Kristalle mit sechsseitigem Querschnitt und
einer Pyramide als Abschluss
keine (Gestein!)
Vorkommen
gangförmig, Spaltenfüllungen
Spaltenfüllungen, runde Brocken, isolierte Massen, Kieselsteine,
Felsen, gesteinsbildend
Begleitmineralien
Goethit, Calcit, Hämatit, Fluorit, Tonmineralien,
Muskovit, Feldspat, Turmalin, Hämatit, Biotit, 
Chlorit, Glimmermineralien, Diopsid, Amphibole, 
Hohlräume
häufig
sehr selten
keine


In Deutschland wird es nur noch in einem Bergwerk im Schwarzwald gewonnen. Zukünftig wird wieder ein Bergwerk im Südostharz und im Erzgebirge hinzu kommen.
Die Verwendung: mindere Qualitäten werden in der Ölbohrindustrie verwandt, um die bohrflüssigkeit "schwerer" zu machen. Weiter wird der Baryt als Weißpigment in der Papierindustrie verwandt (deshalb kann das "leichte" Papier so schwer sein). Mit Geschmackstoffen versehen dient es als Kontrastmittel bei Röntgen des menschlichen Magen-Darm-Traktes. Es ist das einizige, wirtschaftlich bedeutende Erz für die Gewinnung von Barium und von Bariumverbindungen. Auch werden Bariumverbindungen in der Glasindustrie für hochlichtbrechende Gläser benötigt. Als Bariumtitanat ist ein magnetischer Stoff. Bei Feuerwerken erzeugen Bariumsalze grüne Farben.
Die weltweite Förderung von Baryt liegt bei ca. 10 Millionen t, wovon 90% in die Bohrindustrie geht.
 

Baryt im Anstehenden Baryt-Kristalle
Links: Grobspätiger, weißer Baryt im dunklen Dolomit des Steinbruches der Fa. Hufgard (Rottenberg) im Golfplatz der Feldkahler Höhe mit einem
Geologenhammer als Maßstab,
aufgenommen am 07.04.2007
Rechts: Selten zu findende, tafelige Baryt-Kristalle aus dem Dolomit des Steinbruches der Fa. Hufgard (Rottenberg) im Golfplatz der Feldkahler Höhe, Bildbreite ca. 5 cm,
gefunden 2007 im Bild links


Grube Reuschenberg
Die Grube Reuschenberg östlich von Schöllkrippen war um 1920 nur versuchsweise im Abbau - heute sieht man hier kaum mehr ein Stück Baryt. Von den bergbaulichen Aktivitäten zeugen die Halden, Pingen und noch ein Stollenmundloch (heute für Fledermäuse). Hier hören die ca. 40 Teilnehmer einer Führung am 29.05.2011 bei strahlendem Sonnnenschein im Schatten die Ausführungen von Joachim Lorenz zum Schwerspat. Die Wanderung war ein Gemeinschaftsveranstaltung zwischen Spessartbund Ortsgruppe Schöllkrippen und VHS Kahlgrund-Spessart e. V. in Mömbris. Gerhard Stühler gab dabei noch Hinweise zu den Bildstöcken und der Pflanzenwelt. 

 
Anmerkungen zu einem Artikel von Henning Lauterbach im Main-Echo vom Freitag, 3. September 2010, S. 18 Alzenau & Umgebung:
"Baryt: Das weiße Gold des Spessarts. Bergbau: Der 84-jährige Ludwig Altschäffner berichtet vom früheren Schwerspat-Abbau in Hain - Die Grube wurde 1934 stillgelegt".

Dabei werden immer neue Behauptungen zur Verwendung des Baryts aufgestellt: Der Schwerspat sei in Laufach bei der Fa. Düker und in Hanau den Kupolöfen zugesetzt worden! Diese Darstellung verkennt völlig die Funktionalität eines Kupolofens, denn man würde mit den großen Mengen an Sulfatschwefel das Eisen verderben! Baryt erzeugt auch keine dünnflüssige Schlacke bei minderwertigen Eisenerzen; dies erreichte man mit der Zugabe von Kalk bzw. Dolomit. Ganz im Gegenteil wurden die Baryt-reichen Eisenerze verworfen und aufgehaldet, da eine Trennung zu aufwändig gewesen wäre. Dies kann man heute an den ehemaligen Eisenerzabbauen sehen, wenn sich durch die aufgehaldeten Erzbrocken glauben dürfte (fast all diese Reste sind als Naturschutzgebiete geschützt).
Die Eisenerze von Bieber wurden auch nicht nach Laufach transportiert, einerseits weil die Kosten dafür sehr hoch gewesen wären, es im "Ausland" lag und andererseits es in Bieber ebenfalls einen Schmelzofen für Eisen (keinen Kupolofen) gab. Im Lochborn bei Bieber wurde nie Baryt gewonnen; er wurde hier als Gangart der Erze aufgehaldet. 

Anmerkungen zu einem Artikel von Monika Schmittner über Mühlen in der Zeitschrift Spessart Heft 2/2012, S. 6:
"...oder Schwerspat zu zerkleinern (Zugabe zur Produktion von weißer Farbe, etwa für Keramik. ....".

Das würde nicht funktionieren. Der Keramik wird das giftige Bariumcarbonat (BaCO3) zugesetzt. Damit kann man die Trockenausblühungen von Ziegelsteinen bzw. deren Glasuren verhindern. So werden in Deutschland ca. 12.000 t Bariumkarbonat verwendet. Das Bariumcarbonat wird aus dem Schwerspat in Drehrohröfen hergestellt. Das Zusetzen von Baryt (Bariumsulfat) hat diese Wirkung nicht, ganz im Gegenteil, denn damit gelangt Sulfat in das Produkt bzw. in die Abluft.


Toxikologie
Baryt gilt gemein hin als nicht toxisch und wird bzw. wurde aus diesem Grund auch als Röntgenkontrastmittel im Magen-Darmtrakt am Menschen appliziert. Das gepulverte Mineral wird dabei in dem sauren Umfeld des Magens nicht gelöst. Aber der Barytstaub verursacht in der menschlichen Lunge eine Pneumokoniose (Barytose) ohne troxische oder allergische Reaktionen. Wenn der alveolengängige Staub in der Lunge deponiert wird und damit lange Zeit in der Lunge verbleibt kommt es zur Erkrankung - vermutlich wurde diese Erkrankung mit der Silikose verwechselt. Oder bei einer Belastung durch Quarz- und Barytstaub wird die Silikose dominieren.
Nach WELZBACHER (2016) wurde vorgeschlagen, den Grenzwert für Barytstaub um den Faktor 5 zu senken. Weiter wird der A-Staub in die Kategorie 4 der canzerogenen Stoffe aufgelistet. Wenn die Politik das auch so sieht, dann werden die Einstufungen in die TRGS 900 übernommen und Schwerspatstaub wird zum gefährlichen Stoff, der vermutlich auch Krebs erzeugen kann. 


Literatur:
BÄRTLING, R. (1911): Die  Schwerspatlagerstätten Deutschlands in geologischer, lagerstättenkundlicher und bergwirtschaftlicher Beziehung.- 188 S., 19 Textabbildungen, [Verlag v. F. ENKE], Stuttgart. 
BRUCE, I., MATTIS, J., OTTENS, B., PRASZKIER, T., RAITH, P., RUSTEMEYER, P. & WEISS, S. (2015): Baryt. Barytklassiker aus England. Wachstumsphänomene. Blaue Kristalle aus Marokko. Formen & Farben. Baryte aus der Schweiz. Chinas Baryte. Klassische Fundstellen in Deutschland.- extraLapis 48, 114 S., sehr viele farb. Abb., [Christian Weise Verlag] München.
BURISCH, M., WALTER, B. F. & MARKL, G. (2017): Silification of hydrothermal Gangue Minerals in Pb-Zn-Cu-Fluorite-Quartz-Baryte veins.- The Canadian Mineralogist Volume 55, part 3, May 2017, p. 501 – 514, 5 figs., 1 tab., The  Mineralogical Association of Canada.
CHANG, L. L. Y., HOWIE, R. A. & ZUSSMAN, J. (1998): Non-silicates: Sulphates, Carbonates, Phosphates, Halides.- Rock-Forming Minerals Volume 5B, 2nd. edition, 383 p, 124 figs., 45 tabs., [The Geological Society] London.
FICHTL, W. (1960): Das Bayerische Oberbergamt und der bayerische Bergbau.- Internationale Industrie-Bibliothek Bd. 146/51, 70 S., ca. 20 Abb., einige Inserate, [Länderdienst-Verlag] Brilon.
Gemeinde Partenstein (1985) 750 Jahre Partenstein Ein Dorf im Wandel der Zeiten.- 179 S., zahlreiche SW- und wenige farbige Abb., Skizzen und Karten, [Offsetdruck G. H. Hofmann] Gemünden.
HESS, G. (1973): Zum geologisch-tektonischen Rahmen der Schwerspatlagerstätten im Südharz und im Spessart.- Geologisches Jahrbuch, Reihe D, Heft 4, 65 S., [Schweizerbart'sche] Stuttgart.
LAMPE, W. & LANGEFELD, O. [Hrsg.] (2013): „Im 15. Seculo schon Bergbau“ Bad Lauterbergs Montangeschichte. Vorträge aus dem Kolloquium am 20. April 2013 in Bad Lauterberg.- 249 S., sehr viele farb. Abb. als Fotos, Karten, Profile und Tafeln, 1 doppelt gefaltete Karte in einer Nachsatztasche, [Papierflieger Verlag GmbH] Clausthal-Zellerfeld.
LINHARDT, E., MANDELSPERGER, G., GEBHARDT, A. & BÜTTNER, G. (2017): Erkundung von Schwerspat im Spessart und in der Rhön.- geologie, 36 S., 12 Abb., 5 Tab., Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) Augsburg (PDF-Version).
LORENZ,  J. & SCHÖNMANN, H. (2006): Schwerspat Das auffällig schwere und weiße Mineral - auch bekannt als das „weiße Gold des Spessarts“ - wurde etwa 100 Jahre lang bergbaulich gewonnen. Das brachte viele Familien in Arbeit und Brot..- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 100. Jahrgang, Heft 9 2006, S. 3 - 25, 63 Abb., 3 Tab., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
LORENZ, J. A., SCHMITT, R. T. & HAHN, W. (2007):  Rhabdophan und Cuprobismutit von der  Barytgrube „Pauline“ in Waldaschaff im Spessart.-  Aufschluss 58, Heft 1 Jan./Feb. 2007, S. 41 - 54, 15 Abb., 1 Tab., [VFMG] Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 351ff, 562ff, 721ff.
LOTH, G., GEYER, G., HOFFMANN, U., JOBE, E., LAGALLY, U., LOTH, R., PÜRNER, T., WEINIG, H. & ROHRMÜLLER, J. (2013): Geotope in Unterfranken.- Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz Band 8, S. 92f,  zahlreiche farb. Abb. als Fotos, Karten, Profile, Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, [Druckerei Joh. Walch] Augsburg.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer Führer Band 44, S. 164 f, Berlin.
MURAWSKI, H. (1954): Bau und Genese von Schwerspatlagerstätten des Spessarts.- N. Jb. Geol. Paläont. Mh. S. 145 - 163, Suttgart.
NÄTSCHER, W. (1998): „Ohsichda“ von Partenstein.- 144 S., zahlreiche Abb., Hrsg. vom Museum „Ahlen Kråm“ und der Gemeinde Partenstein, [Geiger Verlag] Horb am Neckar.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
POGUE, J. E. (1910): On Sand-Barites from Kharga, Egypt.- Proceedings of the United States National Museum Vol. 38, p. 17 – 24, with Plate 9, [Government Printing Office] Washington.
RAACK, W., SCHORN, P. & SCHRÖDTER, E. [Hrsg.] (1962): Jahrbuch des deutschen Bergbaus.- Das Handbuch für Bergbau und Energiewirtschaft 70. Erscheinungjahr,  55, S. 473, [Verl. Glückauf GmbH] Essen.
WALTHER, H. W. (1983): Über mögliche Ursachen der unterschiedlichen Verbreitung der postvaristischen Baryte und Fluorite im westlichen Mitteleuropa.-  Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 134, 1. Teil, S. 143- 151, 1 Abb., Hannover, [Verl. F. Enke] Stuttgart.
WEINELT, W. (1962): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr.6021 Haibach.- 246 S., mit 41 Abb., 4 Tab, 2 Beilagen, Bayerisches Geol. Landesamt München.
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WITTMANN, O. (1972): Geologische Karte von Bayern 1:25000 Erläuterungen zum Blatt Nr. 6022 Rothenbuch.- S. 47 ff., München.


 


Baryt
aus der nahen Wetterau - die Baryt- oder Sandrosen von Rockenberg!


Sandrose Rockenberg Barytrose
Typische Sandrosen aus Rockenberg, links Bildbreite 12 cm, rechts 14 cm, gefunden um 1980

Bei Rockenberg in der Wetterau wurden Baryt-Konkretionen in tertiären Sanden gebildet. Diese rundlichen bis plattigen Baryt-Konkretionen werden aus plattigen Kristallen mit oft röschenförmiger Anordnung gebildet, die bis zu 5 cm Größe erreichen. Die Farbe ist meist hellbraun, aber je nach der Zusammensetzung des umgebenden Sandes sind auch andere Farben bekannt. Die Größe reicht von cm bis zu Meter. Lokal werden die schon GOETHE bekannten Gebilde als "Rosensteine" benamt. Fundmöglichkeiten in der Sandgrube ("Hölle") bestehen heute nicht mehr (mündliche Information von Lothar KEIL, Büdingen im April 2010). Besonders große Stücke finden sich in den Museen von Franbkfurt und W iesbaden. Die Barytrosen fallen durch das hohe Gewicht auf, so dass man diese leicht von ähnlich aussehenden Gipsrosen der Sahara unterscheiden kann; auch sind die eingeschlossenen Samdkörner in der Regel größer, so dass die Baryt-Rosen sehr rauhe Oberflächen ausbilden.

Die Bildung kann man sich vorstellen, dass entlag einer Störung Barium-reiche Wässer (vermutlich sehr niedrig hydrothermal) aus tief liegenden Störungen mit dem kalten, sauerstoffreichen Porenwasser aus den tertiären Sanden reagierten. Dabei folgte das Wasser dem geringsten Widerstand und drang in die Sandpartien mit dem größten Porenraum zwischenden Sandkörnern ein. Dabei wurde in dem Porenraum der Baryt (Schwerspat) gefällt, der üblicherweise tafelige Kristalle bildet. Die Sandkörner wurden einfach eingeschlossen und der Anteil an Baryt in den Konkretionen beträgt etwa 40 %. Die dann aus den Kristallflächen ragenden Sandkörner sind die Ursache für die rauhe Oberfläche. 

In Rockenberg sind die Steine so bekannt, dass man die örtliche Schule in "Sandrosenschule" umbenamte.


Sandrose
Vor dem Mineralogischen Museum der Philipps-Universität in Marburg steht seit 1994 eine ca. 2 m hohe und etwa 4,5 t schwere Sandrose "aus der Nähe von Münzenberg in der Wetterau", dessen Baryt aber durch Quarz verdrängt wurde, so dass man von einer Pseudomorphose von Quarz nach Baryt sprechen muss. Als Alter wird von dem Museum etwa 26 Millionen Jahre angegeben. In den Nischen hat sich inzwischen etwas Moos angesiedelt, welches nicht zu dem Stein passt.
Aufgenommen am 20.03.2016


Konkretionen aus Rockenberg
im Sandrosenmuseum in Büdingen!


Jerusalemer Tor Büdingen Baryt-Sandrose Sandrosenmuseum
In Büdingen in der Wetterau wurde von Lothar KEIL ein Museum geschaffen, in denen eine große Vielfalt an Sandrosen und Sanden ausgestellt sind. Es befindet sich im Jerusalmer Tor (Untertor) aus dem Jahr 1503 und ist über die beiden Türme zugänglich. Neben den Sandrosen sind auch durch Basalt gefrittete Sandsteine in säuliger Absonderung, fossile Hölzer, sehr bunte Sande und weitere Konkretionen aus der Umgebung zu sehen (aufgenommen am 08.04.2010). 

Solche Konkretionen, die im Englischen als "Sand-Barites" bezeichnet werden, sind auch aus der Oase von Kharga in Ägypten beschrieben worden (POGUE 1910). Diese Formen erinnern sehr an die bekannten Sandrosen aus der Sahara, nur dass diese aus Baryt und nicht aus Gips bestehen. Bei der Lokation handelt es sich um eine etwa 200 km lange Senke mit einer bewohnten Oase in der westlichen, Lybischen Wüste, die heute als al-Charga bezeichnet wird.
Nach diesem Beitrag muss es solche "Baryt-Rosen" auch von Bad Vilbel geben.



"Steinhardter Erbsen"

Baryt-Konkretion Baryt geschliffen
Nahezu vollkommen runde Konkretion aus Baryt von Steinhardt. Im Innern erkennt man einen radialstrahligen Aufbau, der von umlaufenden
Farbunterschieden überlagert wird,   
Bildbreite links 10 cm, rechts 12 cm.

Ganz ähnliche Konkretionen aus Baryt (Schwerspat) wie in der Wetterau finden sich auch in den sandigen Sedimenten der Alzey-Formation (Oligiozän) des Mainzer Beckens in einer Sandgrube nördlich von Steinhardt westlich von Bad Kreuznach (auch bei Fürfeld und Wendelsheim). Die rundlichen bis ovalen Gebilde bestehen in der Regel aus dichtem Baryt und wurden um organische Substanzen wie Muscheln, Schnecken und auch Pflanzen (Samen, Blätter, Zapfen, Äste, ...) gebildet. Die organischen Verbindungen bildeten das Fällungsmittel für die Abscheidung des Baryts. Die Fundschicht wird als Unterer Meeressand bezeichnet und in die Stufe des Rupelium gestellt, was einem Alter von etwa 30 Millionen Jahren entspricht. Der Baryt wurde gebildet, als die Schalen der Tiere und auch die hölzerne Substanzen noch vorhanden waren. Danach wurde der Calcit bzw. Aragonit der Schalen wie auch die organischen, verholzten Teile weggelöst und im Falle der Hölzer durch blättrigen Baryt ersetzt. So sind heute nur noch die Steinkerne in Baryt erhalten. Idiomorphe Baryt-Kristalle sind selten und oft im Umfeld oder auf Pflanzenfossilen zu beobachten.  

Pflanzenfossil im Baryt
Aststück (vermutlich einer Konifere) im Innern einer aufgeschlagenen
Baryt-Konkretion aus der Sandgrube bei Steinhardt, Bildbreite 12 cm,
gefunden um 1980.

Muschel im Baryt
Steinkern der Muschel Glcymeris planicostalis (LAMARCK 1819) in einer
rundlichen Baryt-Konkretion aus einem Sand der Alzey-Formation von Steinhardt
(Mainzer Becken), Bildbreite 10 cm, gefunden um 1980.

Muschelfüllung mit Baryt
Das einst leere Innere von Muscheln wurde mit gitterartig verwachsenen
Baryt-Kristallen ausgefüllt; ex Sammlung Hans GRÄSSEL, Aschaffenburg,
gefunden am 11.05.1997

Mineralienbörse Ober-Olm
Schwerspat-Konkretionen aus Steinhardt eines frankfurter Ausstellers während
der 18. Mineralien-, Fossilien- und Bergbautage in der Ulmenhalle von
Ober-Olm bei Mainz am 18.11.2012,  (Veranstalter ist der
Georgius Agricola Verein e. V.).



Dreislar
Der Name steht für einen bekannten Schwerspatabbau bei Medebach im Sauerland. Im Ort Dreislar wurde von 1909 bis zum 1. Weltkrieg, von 1920 bis 1925 und ab 1957 durch die Fa. Sachtleben Baryt abgebaut. Man baute im industriellen Maßstab ab. Der weiße, dünntafelige Baryt mit den gelben Chalkopyrit-Kristallen wurde unter Mineraliensammler weltbekannt. Der Bergbau wurde wegen Erschöpfung der Lagerstätte 1992 eingestellt.
Baryt Dreislar
Schneeweißer Baryt in dünntafeligen Kristallen, überstreut von gelben
Chalkopyrit-Kristallen, Dreislar, gefunden um 1960, ex Sammlung Fritz
Werner, Berlin.



Bolivien
Hin und wieder gibt es "unmögliche" Bildungen im Mineralreich:
Foidolitischer Barytit
Barytit Baryt
Das extrem seltene Gestein mit kretazischem Alter besteht aus einem magmatogenem (!) Baryt (farblos bis weiß), Ankerit (braun), Sodalith (blau),
Na-/Sr-Zeolithen und -Carboanten und Erz. Das Stück stammt aus einem foidolitischen Ferrocarbonatit des Cerro Sapo-Nephelinsysenit-Foidolit-Carbonatit
Komplex, Cochabamba-Provinz in Bolivien.Das Gestein wurde wegen der schönen blaunen Farbe bereits von den ersten Besiedlern in Südamerika
abgebaut und kunstgewerblich verwandt.
Bildbreite links 14 cm, rechts im Ausschnitt 4 cm.



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