Steine in der Stadt:
Aschaffenburg
Mauersteine, Straßenpflaster, Dachschiefer, Skulpturen, Fensterbänke, Fassadenelemente, ...
Tag der Steine in der Stadt: 14.10.2018 

 

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

   

  Steine in der Stadt Aschaffenburg
2 Arten von Steinen in der Stadt:
Im Vordergrund anstehende Felsen unterhalb des Pompejanums in Aschaffenburg als Goldbacher Orthogneis
mit steilstehender Schieferung.
Im Hintergrund das Aschaffenburger Schloss, erbaut im 17. Jahrhundert aus Miltenberger Sandstein
(Calvörde-Folge, Unterer Buntsandstein).
aufgenommen am winterlichen 14.01.2007



Steine in der Stadt

Gesteine in der Stadt - hier Aschaffenburg - sind vielfältig. Mal sind es die Schieferplatten auf dem Dach, die Mauersteine der Gebäude oder das Pflaster auf der Straße. Säulen, Skulpturen, Bordsteine, Sockel, Poller und Denkmäler werden aus Natursteinen erbaut. Auch Fassadenelemente, Grabsteine, Gedenktafeln und Brunnen bestehen aus behauenen oder gesägten Felsen. Selbst der Beton, der Mauermörtel und der Verputz hat als Zuschlagstoff Sand und Kies und das sind halt kleine Steine. Aber oft sind die gar nicht einfach zu sehen, denn auch die Pigmente der Farben an den Häusern bestehen aus "Steinen", wenn auch in gemahlener Form. Und die Steine kamen früher aus der Umgebung und heute aus der ganzen Welt, mit Ausnahme der Antarktis. Besonders in den letzten Jahren kommen die meisten Natursteine aus den Ländern mit einem niedrigen Lohnniveau oder Kinderarbeit* und kaum vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen.
 

Ein Netzwerk aus Geologen, Petrographen, Kustoden und Mineralogen haben sich seit 2008 organisiert (siehe Internetpräsenz Steine-in-der-Stadt) und veranstalten um den 15. Oktober eines jeden Jahres in deutschen Städten einen "Tag der Steine in der Stadt". Die nächste Führung findet im Oktober statt, den Termin findet Sie in der Liste der Exkursionen.  

Aktion 2017
20 Teilnehmer konnten bei einem tiefblauen Himmel und gefühlten 23° C
erfassen, was den Mainsandstein an der Brunnenanlage am Pompejanum
in Aschaffenburg färbt.
Foto Helga Lorenz am verkaufsoffenen Sonntag den 15.10.2017.



Rundgang Steine in der Stadt
Sieht aus wie Basalt, ist aber keiner:
Führung über die Steine in der Stadt als Gemeinschaftsveranstaltung vom
Archäologischen Spessartprojekt und dem Naturwissenschaftlichen Verein
auf dem Spessartit-Pflaster am Schloss Johannisburg,
aufgenommen am 14.09.2014




Beispiele von Steinen in Aschaffenburg:

Die Auflistung ist nur durch Beispiele belegt, denn es gibt sicher noch viel mehr Verwendungen anzuführen. 


Felsen sind in der Altstadt um das Schloss nur am Main zu sehen. Diese reichen zwischen Schloss und Pompejanum bis umittelbar an den Main. Vor dem Ausbaggern der Fahrrinne und der Stauhaltung durch die Schleusen war hier je nach Wasserstand Untiefen, die der Schifffahrt selbst mit den kleinen Schiffen, Booten, Kähnen, Nachen und Schelchen Probleme machten. Vor der Erfindung des Dynamits konnte man unter Wasser auch nicht Sprengen, so dass die Felsen unter dem Niedrigwasser
nicht zu beseitigen waren.
Solche Stellen wurden früher mit dem Suffix "-ley" benannt. Das nächste Beispiel mainabwärts war der Kaiserlei(-Felsen) in Offenbach, wo Felsen des Untermain-Trapps Hindernisse für die Schiffahrt bildeten. Der große Felsen wurde 1852 gesprengt und 1873 wurden weitere Felsen beseitigt. Der wohl bekannteste Ort dieser Art ist die Loreley am Rhein. 

Felsen um 1900
Die kahlen Gneis-Felsen unterhalb des Pompejanums in Aschaffenburg am Main auf
einer Postkarte von Stengel & Co aus Dresden mit einem Foto von Emil Sauerwein
(Aschaffenburg), gelaufen nach dem Poststempel am 25.08.1900, so dass das Foto
aus der Zeit davor stammen muss. Auch damals reichten die Felsen bis zum Main,
aber ohne Weg, der dann später erst angelegt worden ist.

Felsen am Main
Gneis-Felsen am Mainufer in Aschaffenburg; hier führt der Mainwanderweg
(M) vorbei,
aufgenommen am 19.05.1997

Felsen am Main
Die taschenförmigen Verwitterungen sind mit Sandsteinmauerwerk ausgefüllt
und Efeu, Büsche und Bäume verdecken den Blick auf die Felsen. Im
Hintergrund ist der eine Turm des Schlosses zu sehen;
aufgenommen am 12.02.2017

Diese Gneise gehören zum Rotgneis-Komplex, der sich von Schöllkrippen bis nach Stockstadt verfolgen lässt. Das Gestein ist ein ehemaliger Granit mit einem Kristallisationsalter von etwa 410 Millionen Jahren, der vor etwa 330 Millionen Jahren durch eine Metamorphose in den Gneis gewandelt wurde. Das Gestein ist sehr hart und wurde früher als Baustein in vielen Steinbrüchen gewonnen und unter anderem zu Pflastersteinen verarbeitet, die man sehr gut in der Altstadt von Aschaffenburg sehen kann (z. B. am Schloss).
Solche Felsen können von der Erosion abtransportiert werden. Ein schönes Beispiel eines Eisdriftblocks aus dem Orthogneis liegt in Großwelzheim am Main.

Literatur:

Autorenkollektiv (1936): Die nutzbaren Mineralien, Gesteine und Erden Bayerns II Band.- Franken, Oberpfalz und Schwaben nördlich der Donau, 536 S., Hrsg. vom Bay. Oberbergamt, Geologische Landesuntersuchung [Verlag von R. Oldenbourg und  Piloty & Loehle] München.
Autorenkollektiv (1995): Mineralische Rohstoffe Bausteine für die Wirtschaft.- 50 S., Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, zahlreiche Tab. und Abb., Hannover.
EGGERT, P., HÜBENER, J. A., PRIEM, J., STEIN, V., VOSSEN, K. & WETTIG, E. (1986): Steine und Erden in der Bundesrepublik Deutschland - Lagerstätten, Produktion und Verbrauch.- Geologisches Jahrbuch Reihe D, Heft 82, 879 S., 17 Abb., 156 Tab.,  Hrsg. von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover
EHLING, A. [Hrsg.] (2009): Bausandsteine in Deutschland. Band 1 Grundlagen und Überblick.- 163 S., zahlreiche farb. Abb., Tab., 2 Beilagen in Umschlagklappe, Bundesanstalt für Geowissenschaften, [E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
EHRHARDT, D. (2016): Rinnen, Kremper, Biberschwänze. Zur Geschichte der Dachziegel und Ziegelherstellung in Franken.- Informationsblätter des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim Heft 5, 68 S., zahlreiche meist farb. Abb. als Zeichnugen, Fotos und Reproduktionen, [Delp-Druck] Bad Windsheim.
EHLING, A. & SIEDEL, H. [Koordinatoren] (2011): Bausandsteine in Deutschland. Band 2 Sachsen-Anhalt, Sachsen und Schlesien (Polen).- 324 S., zahlreiche farb. Abb., Tab., Bundesanstalt für Geowissenschaften, [E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
FRANK, M. (1944): Die natürlichen Bausteine und Gesteinsbaustoffe Württembergs. Ein Wegweiser für Architekten und Bau-Ingenieure, für Bauherrn und Steinbruchbesitzer.- 340 S., 17 Textabb., [E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
GRIMM, W.-D. (1990): Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland.- Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Arbeitsheft 50, 653 S., sehr viele, teils farb. Abb. im Tetx, Karten auf ausklappbaren Seiten und REM-Fotos mit Stereobrille in der hinteren Umschlagklappe, unpaginierter Tafelteil mit 200 Tafeln von Gesteinen, [Grafische Betriebe Lipp GmbH] München
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- IV + 912 S., 2.532 meist farbigen Abb., 134 Tab. und 38 Karten (davon 1 auf einer ausklappbaren Doppelseite), [Helga Lorenz Verlag] Karlstein.
MARESCH, W.,  SCHERTL, H.-P. & MEDENBACH, O. (2014): Gesteine. Systematik, Bestimmung, Entstehung.- 2. Aufl., 359 S., sehr viele Farbabb., Diagramme und Bestimmungsschlüssel, [Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
MARKL, G. (2012): Minerale und Gesteine  Mineralogie – Petrologie – Geochemie.- 2. Aufl., 610 S., zahlreiche, teils farb. Abb., Zeichnungen, Tabellen, Fotos und Schemata, [Spektrum Akademischer Verlag / Springer] Heidelberg.  
MAY, H.,  WALDEMAR, G. & WEIDLICH, A. [Hrsg.]: (2010): Farbe und Dekor am historischen Haus. Beiträge zur gleichnamigen Tagung im Fränkischen Ferilandmuseum in Bad Windsheim vom 26. bis 28. Juni 2008.- Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseums Band 61, 326 S., sehr zahlreiche farb. Abb., [Delp-Druck] Bad Windsheim.
MÜLLER, F. (2001): Gesteinskunde  Lehrbuch und Nachschlagewerk über Gesteine für Hochbau Innenarchitektur Kunst und Restaurierung.- 276 S., sehr viele, meist farb. Abb., Tab. und Skizzen, [Ebner Verlag] Ulm.
OKRUSCH, M. & MATTHES, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde.- 9. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, 728 S., 476 Abb., davon 182 in Farbe), zahlreiche Tab. und Formeln, [SpringerSpektrum Verlag] Berlin.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
ROTHE., P. (2002): Gesteine  Entstehung - Zerstörung - Umbildung.-  192 S., 177 Abb., zahlreiche Tabellen, Skizzen und Tafeln, [Wissenschaftliche Buchgesellschaft] Darmstadt.
SCHROEDER, J. H. [Hrsg.] (1999): Naturwerksteine in Architektur und Baugeschichte von Berlin Gesteinskundliche Stadtbummel zwischen Marienkirche und Siegessäule.-  230 S., Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg Nr. 6, zahlreiche auch farb. Abbildungen (auf ausklappbaren Tafeln)., Karten und Skizzen, [Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg] Berlin. 
SCHROEDER, J. H. [Hrsg.] (2009): Steine in deutschen Städten. 18 Entdeckungsrouten in Architektur und Stadtgeschichte.- 288 S., sehr viele farb. Abb. und Karten, [Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V.] Berlin.
SCHROEDER, J. H. [Hrsg.] (2013): Steine in deutschen Städten II   Entdeckungsrouten in Architektur und Stadtgeschichte.- 240 S., sehr viele farb. Abb. und Karten, [Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V.] Berlin.  
SIEGESMUND, S. & SNETHLAGE, R. [Hrsg.] (2008): Denkmalgesteine. Festschrift – Wolf-Dieter Grimm.- Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften Heft 59, zahlreiche Tab., Abb., Skizzen und Photos, [Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart.
STEINDLBERGER, E. (2003): Vulkanische Gesteine aus Hessen und ihre Eigenschaften als Naturwerksteine.- Geologische Abhandlungen Hessen Band 110, 167 S., 25 Abb., 6 Tab., 53 Taf. Mit Erläuterungen, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie Wiesbaden, [Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart
STOW, D. A. V. (2008): Sedimentgesteine im Gelände. Ein illustrierter Leitfaden.- 320 S., sehr viele farb. Abb., Diagramme, Tab. und Skizzen, [Spektrum Akademischer Verlag] Heidelberg. 
WEISS, K., GÄBERT, C., & STEUER, A. [Hrsg.] (1915): Handbuch der Steinindustrie Erster Band: Die nutzbaren Gesteinsvorkommen Deutschlands. Verwitterung und Erhaltung der Gesteine.- 500 S., mit 125 Abb., div. Anzeigen im Anhang, [Union Deutsche Verlagsgesellschaft] Berlin.
WERNER, WOLFGANG,  WITTENBRINK, JENS,  BOCK, HELMUT & KIMMIG, BIRGIT (2014): Naturwerksteine aus Baden-Württemberg – Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung.- 765 S., 1.248 Abb., 45 Tab., hrsg. vom Landesamt für Geologie und Bergbau, Regierungspräsidium Freiburg.



*Nun kann man sagen, Kinderarbeit geht überhaupt nicht, weil Kinder sollen spielerisch die Welt kennen lernen und dann in eine Schule gehen, um Lesen und Schreiben zu lernen. Aber wenn man nichts zu essen hat, ist das ein nicht erfüllbares Unterfangen.Und wenn diese Menschen keine Arbeit haben, bedeutet das Hunger. Also ist die Welt nicht einfach und die Folgen des hier handelns kann auch ungewollt ganz andere Auswirkungen haben. 

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